Sechsundsechzigstes Kapitel Verlobung. Drum prüfe, wer sich ewig bindet. Eine Verlobung ist unbestritten der schwerwiegendste Schritt des Lebens. Man soll daher sehr genau und reiflich überlegen, ehe man sich zu diesem Schritt entschließt. Beide Teile müssen sich vorher genau überzeugt haben ...
66. Studiren Sie darum genau den wahren Sinn, der in den Worten liegt, die Situation, worin jemand spricht, das Hauptgefühl, was der Verfasser hineinlegen wollte, die Empfindungen, zu denen er überspringt, die plötzlichen Wendungen, welche Laune oder Lebensklugheit Grad ihrer Spannung u ...
66. Es lehrt besonders das freie Hervortragen der Brust, das den Mann so schön kleidet, das freie und aus den Schultern aufrechte Tragen des Kopfs, die Fertigkeit, sich mit seinen Bewegungen überall gleich behelfen zu können; das dem Mann so schönstehende Flinke, Entschlossene ...
Beilage 1. Programm der während der Monate Januar und Februar 1865 bei Ihren Königlichen Majestäten und bei Ihren Königlichen Hoheiten den Prinzen des Königlichen Hauses stattfindenden grösseren Feste. Mittwoch den 18. Januar 1865 Capitel des Hohen Ordens vom Schwarzen Adler. Sonntag den 22 ...
Vierzehntes Kapitel In der Straßenbahn, Omnibus. Es ist gegen den guten Ton, sich in der Straßenbahn oder im Omnibus mit lauter Stimme mit seinen Nachbarn zu unterhalten. Vor allen Dingen soll man sich hüten, Namen in solchen öffentlichen Fuhrwerken laut zu nennen. ...
Gäste und Junggesellin. Hat es die Junggesellin leicht? Darf sie einladen, Freunde bei sich sehen, Feste arrangieren – ad libitum ? Die Junggesellin in unserem Sinn ist eine vollendete Dame, frei, unabhängig, tüchtig in ihrem Beruf, ladylike ...
Der Vorgesetzte und der Untergebene. Viele Menschen glauben, es verstieße gegen ihre Würde, wenn sie mit ihren Untergebenen in freundlicher, wir möchten fast sagen menschlicher, Weise verkehrten Zur Aufrechterhaltung ihrer Autorität scheint ihnen ein kurzes, herrisches Wesen erforderlich, und sie vergessen ganz, daß echte ...
Wie einst im Mai. »Gourmandise ist ein Zeichen von seinen Sinnen. Der Gourmet ist nichts weniger als ein Schlemmer. Er ist ein Eßkünstler. Ich kenne Leute, die in ihrem langen Fresserleben noch niemals den Genuß des Essens empfunden haben.« (Schaukal.) ...
33. Das Lächeln des Beifalls und der gleichen Meinung mit jemanden, das allerdings ein Reiz des höflichen männlichen Gesichts ist, kann schon leichter, als das vorige der bloßen Artigkeit und Gefälligkeit, dem soliden Charakter des Mannes nachtheilig werden, weil man als ein Mann ...
32. Höflichkeit und Artigkeit darf sich mit dieser ergebenen freundlichen Miene zu jeder Zeit schmükken, es sei nun, daß sie sich bloß in eine Verbeugung, in einem dankbaren Zuneigen, oder in verbindlichen Worten, die man jemanden sagt, oder in der Aufmerksamkeit, mit der man ...
31. Soll dieses Lächeln aber nicht wiederum das unleidliche, kriechende, allezeit zu Dienste stehende Grinzen werden, so ertheilen Sie es nie anders, als nach Gerechtigkeit; denn nur so kann es dem Manne gefallen, dem Sie sich empfehlen wollen.
die Strohwitwen. Sie beleben den gewöhnlich sehr langweiligen Ort dadurch, daß sie ohne ihre Schuld Grund zu Erzählungen geben, an denen kein wahres Wort ist, besonders wenn sie mit der Versicherung verbreitet werden, daß man es ganz genau wisse. Wird aber das Ehrenwort gegeben, ...
H. Gegen Fremde. 66. Dem Fremden sollst Du eben jene Liebe und Höflichkeit erweisen, die Du wünschest, daß sie Dir erwiesen werde. Es ist das wiederum Eoltes Gebot, denn im Fremdling haben wir unsern Herrn und Erlöser Jesum Christum zu verehren. ...
Vom Auftreten Es ist eine Schwäche der Menschen, mit der wir rechnen müssen, daß das Äußere unseres Nächsten, seine Art, sich zu geben, sofort für oder gegen ihn einnimmt. Von zwei gleichbegabten Anwärtern wird der, der aufzutreten weiß, die bessere Aussicht auf Anstellung haben ...
Wie eng Sitte und Sittlichkeit zusammenhängen und wie erstere eigentlich nur zusammengezogener Begriff und äußere Form der letzteren ist, zeigt sich nirgends klarer als in der Familie und im Verhalten der einzelnen Familienmitglieder zu einander. Gewiß kann sich auch hinter feinsten Lebensformen niedere Gesinnung und Erbärmlichkeit bergen, ...
Wohlanstand. Die Begriffe des Wohlanstands und geselligen Verkehrs waren, so lehrt uns die Kulturgeschichte, in den Entwickelungsstufen der Völker, von sehr wechselnder, wandelbarer Natur. Fortschreitend mit der Verfeinerung der Sitte gelangten danach, immerwährend damit Hand in Hand gehend, mehr und mehr verfeinerte ...
... 169. Kaffeetisch 165. Kaiserliche Hoheit 261. Kaltblütigkeit 66. Karaffe für den Tischwein 121. Kartenabwerfen, erstes 378. ... ... Krankenbesuche 360. Krankheiten, ansteckende 359. Kränkungen, absichtliche 66. Kranz 432. Kranzbinden 411. Kränzchen ...
Auf der Straße. Unser Benehmen auf der Straße ist ein Gradmesser unserer Bildung. Viele sind sich über ihr Verhältnis zum Straßenleben nicht klar. Sie schätzen den Charakter der modernen Straße nicht richtig ein, legen ihr teils die Intimität eines Wohnraumes, teils die idyllische Ungebundenheit eines ...
Von der Unterhaltung. »Sagen Sie mal, Verehrtester, wie hoch kommt Sie nun die Flasche von dem bessern Wein, den Sie uns eben vorgesetzt haben?« »Wieviel Miete bezahlen Sie eigentlich? Viel können Sie doch für die alte Baracke nicht geben. Es ist ja ...
Auf der Reise. Ich kann und konnte mich nie zu der Ansicht jener Leute verstehen, die da behaupten: »Wenn je, so bin ich mir selbst auf der Reise der Nächste.« Im Gegenteil, mir scheint gerade das Reisen eine Gelegenheit, um eine recht von Herzen ...
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Strindbergs autobiografischer Roman beschreibt seine schwersten Jahre von 1894 bis 1896, die »Infernokrise«. Von seiner zweiten Frau, Frida Uhl, getrennt leidet der Autor in Paris unter Angstzuständen, Verfolgungswahn und hegt Selbstmordabsichten. Er unternimmt alchimistische Versuche und verfällt den mystischen Betrachtungen Emanuel Swedenborgs. Visionen und Hysterien wechseln sich ab und verwischen die Grenze zwischen Genie und Wahnsinn.
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Biedermeier - das klingt in heutigen Ohren nach langweiligem Spießertum, nach geschmacklosen rosa Teetässchen in Wohnzimmern, die aussehen wie Puppenstuben und in denen es irgendwie nach »Omma« riecht. Zu Recht. Aber nicht nur. Biedermeier ist auch die Zeit einer zarten Literatur der Flucht ins Idyll, des Rückzuges ins private Glück und der Tugenden. Die Menschen im Europa nach Napoleon hatten die Nase voll von großen neuen Ideen, das aufstrebende Bürgertum forderte und entwickelte eine eigene Kunst und Kultur für sich, die unabhängig von feudaler Großmannssucht bestehen sollte. Dass das gelungen ist, zeigt Michael Holzingers Auswahl von neun Meistererzählungen aus der sogenannten Biedermeierzeit.
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