Loorlorber

[36] Loorlorber, Laurus nobilis, L. [Zorn, pl. med. tab. 52.] mit aderigen, lanzetförmigen, immergrünen Blättern und vierspaltigen Blumenkronen, ein bekannter Baum, welcher, im südlichen Europa und Asien einheimisch, unsre Winter, wenigstens im südlichen Deutschland, fast im Freien verträgt, und mit ganz getrennten Geschlechtern im Mai blüht.

Die aromatisch bitter und zusammenziehend schmeckenden und, gerieben, angenehm riechenden Blätter (Fol. Lauri) widerstehen dem Schleime und der Schwäche des Magens und erregen den Blutumlauf, daher man sie zur Beförderung der Monatreinigung angewendet hat, auch zu blähungstreibenden Klystiren. Sie geben wenig ätherisches Oel in der wässerigen Destillation. Sie dienen mehr zum Küchengewürz als zur Arznei.

Die noch gebräuchlichern, einer kleinen Kirsche großen, länglichten, frisch dunkelblauen, getrocknet aber braunen und runzlichten Beeren, (Lorbeeren, Baccae Lauri) enthalten zwei hellbraune, auf der einen Seite platte, auf der andern erhabne Samen, und besitzen einen ähnlichen nur weit stärkern Geruch und Geschmack, welcher letztere zugleich fettig und sehr bitter ist. Man bedient sich ihrer im Aufgusse zu gleichem Behufe als der Blätter, nur öfterer.

In der Destillation mit Wasser geben sie = 1/256 an ätherischem, dünnflüssigem, gelbgrünlichtem Oele (Ol. dest. bacc. Lauri), welches zu wenigen Tropfen als ein Blähungen treibendes Mittel innerlich, so wie äußerlich unter Nerven stärkenden Salben gebraucht wird.

Das durch gelindes, zehnstündiges Sieden der reifen, zerquetschten Beere mit Wasser und nachfolgendes Auspressen entstehende Oel (Looröl, Ol. laurinum) ist dicklich, von grüner Farbe, von Lorbeergeruche und bitterm Geschmacke. Das nicht, wie oft, mit zugesetztem Fett verfälschte ist äußerlich angebracht oder eingerieben ein gutes Nerven ermunterndes Mittel in Schwäche der Gelenke, Lähmung, Taubheit und Blähungskolik ohne Entzündungsursache.

Die Alten vertrieben das Kopfungeziefer mit diesem Oele und die Krätze, vorzüglich mit Weinsteinsalz gemischt; welches weitere Prüfung verdient.

Allen genannten Theilen dieses Baumes legten die Alten außerdem noch eine beruhigende und wirksam harntreibende Kraft bei.


Quelle:
Samuel Hahnemann: Apothekerlexikon. 2. Abt., 1. Teil, Leipzig 1798, S. 36.
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