Υ, υ

[1167] Υ, υ, ὖ ψιλόν, τό, zwanzigster Buchstabe im griech. Alphabet, als Zahlzeichen υ' = 400, aber = 400000. – Den Zusatz ψιλόν erhielt der Buchstabe, weil das Zeichen Υ zugleich das äolische Digamma, also eine bloße Aspiration bedeutete, wie auch im Lat. V das Zeichen für den dem Digamma entsprechenden Consonanten v, wie für den Vocal u war. – In den Diphthongen αυ u. ευ wird es von den Neugriechen consonantisch av, ev gesprochen u. hatte auch wohl im Altgriechischen diesen Laut, dah. es oft in β übergeht, vgl. αὔρα u. ἅβρα, καλαῦροψ u. καλάβροψ, s. Koen zu Greg. Cor. 354 u. Jac. A. P. p. 586. – Die Aeoler brauchten es oft für ο, ὄνυμα, στύμα, ὔρνις, μύγις statt ὄνομα, στόμα, ὄρνις, μόγις, vgl. Koen zu Greg. Cor. p. 584 ff.; vgl. auch Buttm. Lexil. I p. 32; es vertritt die Stelle des kurzen u. – In einzelnen Fällen steht es bei den Aeolern auch für α, σύρξ für σάρξ, – und für ω, χελύνη, τέκτυν statt χελώνη, τέκτων, vgl. Bast zu Greg. Cor. 586. – Der Uebergang in ι, z. B. in φύω, φῖτυ, φιτύω, s. Buttm. Lexil. II p. 213, ist selten u. kann nicht für die neugriechische Aussprache des Vocals angeführt werden. – Zwischen Vocalen, bes. nach α u. ε, ist es an die Stelle des Digamma im Aeolischen getreten, ἀυήρ, ἀυώς, ϑέυω, νέυω, χέυω statt ἀήρ, ἀώς, ϑέω, νέω, χέω, oder es ist vielmehr in der gewöhnlichen, attischen Sprache dies υ, zum Hauch geworden, weggefallen; aus der Wurzel ϑύω, χύω ist im Präsens ϑεύω, χεύω (wie aus φυγεῖν φεύγω) geworden, und das υ als Hauch weggefallen in ϑέω, χέω, hat sich aber in der epischen Sprache und sonst in einzelnen Formen erhalten, ϑευσοῠμαι, ἔχευα. – Dem Aeolischen eigen ist aber die Einschaltung des υ statt λ oder vor demselben, ἀυκά, ἀυκύων, ἄυμα, ἄυσος, ϑέυγειν, ἐυϑεῖν statt ἀλκή, ἁλκύων, ἅλμη, ἄλσος, ϑέλγειν, vgl. Koen zu Greg. Cor. p. 354, wo schon die Stellung des Tones und Spiritus zeigt, daß es nicht als reiner Vocal betrachtet ist, vgl. Böckh v. l. Pind. 2, 14. – Man rechnet auch wohl die Dehnung des ο in ου hierher, ποῦνος, στοῦνος, φοῦνος für πόνος, στόνος, φόνος, wie auch κοῦνες, κοῦμα, κουτάλη für κύνες, κῦμα, σκυτάλη gesagt ist, Koen Greg. Cor. p. 208. 388. – Im Anfange der Wörter hat υ immer den spir. asper, nur bei den Aeolern den lenis.

Quelle:
Wilhelm Pape: Handwörterbuch der griechischen Sprache. Braunschweig 31914, Band 2, S. 1167.
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