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[541] Dies schwülstige, in absichtliches Dunkel gehüllte Lied scheint später eingeschaltet zu sein.


1.12 Auf alte Art, auf frühere Art, auf alle Art, auf diese Art melkst du [Indra] aus diesem [Soma], der auf die Streu gestellt ist, und Glück verschafft, dir Oberherrschaft und Kraftfülle, aus dem hergewandten durch Hülfe des Liedes, aus dem scharfen, der die [Säfte] gewinnt, an denen du erstarkst.

2. Prächtig zu schaun sind die [nämlich âpas, worunter die Somasäfte verstanden sind], welche im Glanze des untern [es scheint die Somaseihe gemeint] erglänzen [virócamānāh zu lesen] dem der die Gipfel [der Somaseihe?] nicht erschüttert; schön schirmend bist du, gütiger; vom Truge fern ist in der Wahrheit stets dein Geist.

3. Dem eilenden [Agni] geht der gute und zum Schlürfen geeignete Opferguss zur Seite; ungefährdeten Gang hat er, der kraftgebende Priester; der kräftige Sohn hat sich längs der Streu hingestreckt, der junge, nicht alternde mitten in die Ströme [visrúhām zu lesen, wie auch Sāyaṇa erklärt] gesetzt.

4. Diese schöngeschirrten [Presssteine] sind bestrebt zu senden auf ihrem Gange jenem [Agni] die herabströmenden, verschwisterten, des heiligen Werkes sich freuenden [Opfertränke] mit leicht zu lenkenden, jedem Geheisse folgenden Zügeln; der Schlauch [nach Sāy. Agni, wol richtig] eignet sich im Sturze [der Opfertränke] deren Wesen an.

5. Schnell bewegend mit den raschen [Flammen] das somafassende gehenkelte [Gefäss], an schöner Opfersäule stehend bei den sichtlich schwangeren [Milchkühen] erglänzest du, o recht besungener bei den Gesang ausströmenden; wachse regsam beim Feste den Gattinnen [wol den Milchkühen oder Milchtränken] entgegen.

6. So wie jeder erblickt wird, so wird er auch eingeladen; mit ihrem heilvollen Widerscheine in den Wassern machten sie uns zugleich die grosse Erde geräumig und weit die Ausdehnung, und stark, heldenkräftig, unerschütterlich die Macht.

7. Der weise Sonnengott geht unvermählt oder vermählt mit kampflustigem Muthe durch die Feinde; er schenke uns Sonnenschein, der rings unser Haus beschirmt, und Schutz er, der schön mit Gut zur Hand ist.

8. Zu dem herrlicheren [dem Sonnengotte] geht er [der Opferer Sāy.] mit dem Lichte dieses strebenden [Agni] zu dem von Sängern umrauschten dorthin wo [bei yâsu ist dikṣú oder vikṣú zu ergänzen,] wo dein Wesen [o Sonne] ist; bei wem er [Agni] hingesetzt wird, den erfüllt er mit Werkelust, und wer selbst ihn zu sich führt, der macht ihn auch fertig.

9. Zum Meer [Soma] herab ging von diesen [Milchströmen] der erste; nicht leidet die Saftspende Schaden, zu welcher dieser hingegangen ist; da schwankt nicht das Herz des erschreckten [Sängers nach Sāy.], wo der am Reinen hangende Sinn gefunden wird.[541]

10. Mögen wir doch [statt des sinnlosen lese ich sám] durch die Pläne des weisen Heerfürsten des rechtgebietenden, ehrwürdigen, achtsamen, mit den Kriegern des Avatsara vereint, stärkste Beute erringen, die von jedem, der sie kennt, gerne erlangt wird.

11. Ihr [der Milchströme Vers 9] Adler [der sie ergreift] ist der unerschöpfliche, zugerüstete Rauschtrank des mit alle Gut versehenen, ehrwürdigen, weisen [Opferherrn]; einen andern und immer andern [Rauschtrank] rüsten sie zum Gange aus; sie verstehen sich auf den Trunk, der in ihrer Nähe gewährt ist.A1

12. Der stets spendende, ehrwürdige jage die Feinde hinweg, Bahuvrikta, Çrutavid, Tarja mit euch vereint, er geht entgegen beiden ausgedehnten Schlachtreihen [der Feinde] und thut sich hervor, wenn er die Heerschar vertheilt mit den schön vorangehenden [Führern].

13. Der Beschützer des Opfernden, der den Soma herbeibringt, ist aller Gebete Euter und Schöpfgefäss; er pflegte die Milchkühe, nahm an sich die Milch, nachsprechend überlegt er nicht schlummernd.


14 u. 15 gehören einem andern, schöneren Liede an, welches an ná svápan sein jāgâra anknüpft:


14. Wer wachsam ist, den lieben die Gebete, | wer wachsam ist, dem strömen zu die Lieder, | wer wachsam ist, zu dem spricht dieser Soma: | An deiner Freundschaft habe ich Gefallen.

15. Agni ist wach, ihn lieben die Gebete, | Agni ist wach, ihm strömen zu die Lieder, | Agni ist wach, zu ihm spricht dieser Soma: | An deiner Freundschaft habe ich Gefallen.

Fußnoten

A1 Vers 10 u. 11 sind wol umzutauschen.

Quelle:
Rig-Veda. 2 Teile, Leipzig 1876, [Nachdruck 1990], Teil 1, S. 541-542.
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