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[315] Unendlich ist der hohe Himmel,
Doch seine Güt' ist dem nicht gleich.
Er sendet Hungersnoth und Sterben,
Vernichtung in das ganze Reich.
Der milde Himmel, grimmig zürnend,
Beachtet, schonet Keinen mehr.
Ich schweige deß, der sich verschuldet,
Für seine Frevel büßet er;
Doch die auch, die sich nicht verschuldet,
Sie stürzen alle ringsumher.
Das Haus von Tschēu erlischt dem Land,
Und nichts mehr giebt ihm Halt und Stand;
Die höchsten Würdenträger geh'n von dannen;
Niemand ist meine Noth bekannt.
Die höchsten drei und all' die Räthe2
Sind widerwillig früh und späte;
Die Landesherrn und all' die Fürsten
Sind widerwillig Tag und Nacht.
Sie sagen: »Ja, wollt' er sich bessern, –
Statt daß er's immer ärger macht!«3
[316]
Wie ist ihm denn, du hoher Himmel?
Nie glaubend dem, der Rechtes spricht,
Gleicht er dem Gänger eigner Wege,
Der auf die Ankunft thut Verzicht.
O allesammt, ihr hohen Herren,
Ehrt doch euch selbst in eurer Pflicht!
Doch warum scheut ihr nicht einander?
Ihr scheut euch vor dem Himmel nicht.
Es kommt der Krieg, – ihn hält's nicht an;
Der Hunger kommt, – ihn treibt's nicht an.
Ich, nur ein Kämmerling am Hofe,
Seh' täglich meinen Jammer dran;
Und ihr zusammt, ihr hohen Herren,
Wollt nicht mit Offenheit heran;
Befragt man euch, so gebt ihr Antwort,
Und kehrt euch ab, verläumdet man.
Und wehe dem, der nicht versteht zu sprechen!
Was nicht bloß von der Zunge kam,
Das wird ihm selbst zu bitterm Gram.
Wol dem, der da versteht zu sprechen!
Sein schlaues Wort geht wie ein Fluß,
Drum bleibt er ruhig im Genuß.
Wol heißt, in einem Amte steh'n,
In Dornen und Gefahren geh'n.
Kann nicht nach seinem Sinn gescheh'n,
So gilt's dem Himmelssohn für ein Vergeh'n;
Läßt man nach seinem Sinn gescheh'n,
Muß man die Freunde zürnen seh'n.
[317]
Ich sagte: »Zieht doch wieder zur Königsstadt herein!«4
Da heißt's: »Wir würden dort ja ohne Häuser sein!«
Voll Seelenjammers wein' ich Blut;
Nichts red' ich, ohne daß sie grollen.
Als euch das Wegzieh'n dünkte gut,
Wer hat denn da euch Häuser bauen wollen?
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