Absehen

[103] Absehen, verb. irreg. act. S. Sehen. 1) Von etwas hinweg sehen, das Gesicht davon abwenden, und zwar so wohl in eigentlicher als figürlicher Bedeutung. Lasset uns von diesem Gegenstande absehen. Wenn ich auch davon absehe, es nicht in Betrachtung ziehe, davon abstrahire.

2) Zu Ende sehen, das Ende einer Sache mit dem Gesichte erreichen. (a) In eigentlicher Bedeutung. Ich kann diese Fläche nicht absehen. Ein Garten, dessen Länge nicht abzusehen ist, unabsehbar ist. (b) Figürlich, den Endzweck, die Folgen einer Sache mit den Augen des Verstandes erreichen. Ich kann nicht absehen, wozu dieses dienen soll. Ich kann das Ende davon nicht absehen. Ich sehe nicht ab, was dir dieses nutzen soll. Es ist schwerlich abzusehen, warum er das nicht thun wollte, Less.[103]

3) Abwarten und sich zu Nutze machen. Seinen Vortheil absehen, ersehen. Er sahe die Gelegenheit ab.


Der ober paur nam eben war

Und sahs zuvor mit Fleys ab gar,

Das er die stein mit maß abließ,

Theuerd. Kap. 69.


4) Nach etwas zielen; etwas absehen, noch mehr aber, auf etwas absehen.


Den Bogen spannen und sein Ziel

So absehn, als der schießen will,

Opitz.


Besonders in der figürlichen Bedeutung, zur Absicht, zum Endzwecke haben, in welcher Bedeutung der Ausdruck abgesehen seyn, sehr häufig ist. Ich weiß nicht, worauf es damit abgesehen seyn muß, was die Absicht dabey seyn muß. Es muß doch auf etwas abgesehen seyn. Es war damit auf dein Bestes, auf unsern Untergang, auf euern Vortheil abgesehen.

5) Durch Zusehen erlernen. Einem einen Handgriff absehen. Er hat es mir abgesehen. Ingleichen durch Aufmerksamkeit aus jemandes Mienen erkennen. Ich that alles was ich ihm nur an den Augen absehen konnte.

Quelle:
Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Band 1. Leipzig 1793, S. 103-104.
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