Backen

[683] Backen. Ich backe, du bäckst, er bäckt, wir backen, u.s.f. Imperf. ich būk, Conj. bǖke, Partic. gebacken; ein unrichtiges Verbum, welches in doppelter Gattung üblich ist.

I. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben, in welcher Gattung es im Hochdeutschen nur von solchen Dingen gebraucht wird, welche am oder im Feuer bis zu einem gewissen Grade austrocknen. Besonders von dem Brote. Das Brot bäckt schon. Noch mehr aber,

II. Als ein Activum. 1) Vermittelst des Feuers bis zu einem gewissen Grade hart und dürre machen, ohne Brühe kochen. Obst backen, am oder im Ofen dörren. Eyer, Kuchen, Brot backen. Gebackene, gebrannte, Steine, S. Backstein. 2) In engerer Bedeutung, Brot backen, mit Einschließung aller dazu nöthigen Hülfsarbeiten. Wir haben noch nicht gebacken. Der Bäcker bäckt heute nicht. Auf die Hefen backen, bey den Bäckern, mit Hefen backen. Auf den Zeug backen, ohne Hefen backen. 3) In einen Teig einhüllen, und backen. So werden in den Küchen die Fische, Frösche, Hühner u.s.f. in Pfannen, bey den Perrückenmachern die Haare im Ofen gebacken u.s.f. 4) In weiterer Bedeutung bäckt man die Seidenhäuschen oder die Cocons, wenn man sie in einen heißen Ofen schiebt, um den Wurm zu tödten. Stahl backen, Eisen durch Cementiren in Stahl verwandeln.

Anm. die Oberdeutsche Mundart spricht dieses Wort mit ihrem Lieblingslaute bachen, im Imperf. ich buch, aus. Das Niedersächsische backen gehet regulär, ich backte u.s.f. Selbst in einigen Oberdeutschen Gegenden sagt man im Partic. gebachet. Man könnte diese Verschiedenheit sehr nützlich zur Unterscheidung des Neutrius von dem Activo anwenden. Bey dem Notker lautet dieses Wort bacchen, bey den Dänen bage, bey den Schweden baka, bey den Angelsachsen bacian, bey den Engländern to bake, bey den Pohlen pieçe. Frisch glaubt, daß mit diesem Zeitworte auf den Bak oder Trog gesehen werde, worin der[683] Teig zubereitet wird. Allein man findet dieses Wort schon, ehe man vermuthlich noch an einen Trog gedacht hat. Folgende Ableitungen sind daher so wohl natürlicher, als auch fruchtbarer. 1. Das Hebräische Bag bedeutet eine jede Speise, und das Griech. θαγω essen. Herodotus versichert, daß schon bey den Phrygiern, denen die Erfindung des Getreides, Ackerbaues und Brotbackens zugeschrieben wird, das Brot Bek geheißen. Bäk konnte also überhaupt eine jede Speise, backen aber solche zubereiten bedeuten. 2. Die Griechen hatten ein Verbum, welches βω hieß, und erwärmen bedeutete; mit diesem kommt unser noch übliches bähen genau überein, welches von bachen und backen nur dem stärkern Hauchlaute nach verschieden ist, oder vielmehr, bachen oder backen ist das Iterativum von bähen. Nach dieser Ableitung würde der Begriff des Röstens oder Dörrens der herrschende seyn, welcher zugleich der ältesten Beschaffenheit des Brotes genau entspricht. 3. Das Nieders. backen druckt außer der Bedeutung, die es mit dem Hochdeutschen backen gemein hat, auch den Begriff des Klebens und Kleibens oder Kleisterns aus, es mag nun solches durch Austrocknung, oder vermittelst eines Klebers geschehen. Das Haar ist mit Blut zusammen gebacken, sagt sogar Opitz. Auch dieser Begriff, wenn man ihn als den herrschenden ansiehet, lässet sich auf das Backen des Brotes u.s.f. anwenden, indem solche gebackene Körper wirklich mehrere Festigkeit und Haltung bekommen. Indessen läßt sich auch dieser Begriff sehr bequem auf den Begriff des Bähens oder Erwärmens zurück führen. Die im gemeinen Leben übliche Redensart, es wird diese Nacht backen, d.i. heftig frieren, ist wohl ursprünglich Niedersächsisch, und soll eigentlich so viel sagen, daß alle Körper zusammen frieren werden. Das Verbale Backung ist nicht üblich.

Quelle:
Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Band 1. Leipzig 1793, S. 683-684.
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