Bald

[696] Bald, ein Umstandswort oder Adverbium,

1. Der Zeit, da es alle Mahl eine kurze Zeit bezeichnet, doch mit verschiedenen Nebenbegriffen.

1) In Ansehung der Zwischenzeit, für, in kurzer Zeit. Er wird bald sterben. Ich werde bald kommen. Kommen sie ja bald wieder. Wir werden bald Rath schaffen. Bald wird uns die Liebe unzertrennlich vereinigen. Wie bald kann das geschehen? Bald zuvor. Bald hernach. Bald darauf. Wenn es eine Frage begleitet, so wird dieser Begriff zum Theil unscheinbar. Wird es sie bald reuen? Hat sie sich bald zufrieden gegeben? Vornehmlich, wenn die Frage mit Unwillen verbunden ist. Wirst du bald schweigen? Wirst du bald kommen? Ist aber die Rede eine Verneinung, so stehet zuweilen das so vor dem bald, ohne daß eben ein Nachsatz nöthig wäre. Er wird so bald nicht wieder kommen. Ich werde ihn so bald nicht wieder sehen.

Dieses so bald aber, welches einige unnöthiger Weise in ein Wort zusammen ziehen, wird auch oft zu einem Bindeworte, da es denn so wohl in dem Vordersatze als in dem Nachsatze stehet, und in dem erstern Falle zuweilen das so vertragen kann, welches aber doch am häufigsten weggelassen wird. So bald es vier schlägt, so will ich sie melden, Gell. Besser: will ich sie melden;[696] den; oder: ich will sie melden so bald es vier schlägt. So bald ich deinen Brief gelesen hatte, schrieb ich. Wird ein solcher Satz verneinungsweise ausgedruckt, so fängt sich der Nachsatz mit der Partikel als an. Z.B. Ich hatte deinen Brief so bald nicht gelesen, als ich schrieb.


So bald sieht jener nicht den Prinz allein,

Als er ihn tödten will,

Schleg.


Indessen läßt sich diese Wendung nicht überall anbringen. Am meisten hüte man sich vor einigen falschen Wortfügungen; z.B. Ich hatte deinen Brief so bald nicht gelesen, so kamst du. So bald gesagt, so bald gethan.

2) In Rücksicht auf die Hurtigkeit der Bewegung, für geschwinde. Vierzehn Tage gehen bald hin. Die Zeit geht bald vorüber. Was bald entsteht, vergeht auch bald.

3) Bey Zeiten, frühe. Wer sein Kind lieb hat, züchtiget es bald. Was zum Haken werden will, krümmet sich bald. Ich habe es sehr bald erfahren. Warum kommst du heute so bald?

4) Ohne Verzug. Erbarme dich unser bald, Ps. 79, 8. Sey willfährig deinem Widersacher bald, Matth. 5, 25. Welcher Gebrauch aber im Hochdeutschen nicht sehr gewöhnlich ist.

2. Der Art und Weise.

1) Für leichtlich, mit weniger Mühe, welche Bedeutung die figürliche von der zweyten der vorigen Abtheilung ist, aber nur im gemeinen Leben gebraucht wird. Die Sache ist bald zu fassen. Arme Leute kommen nicht bald empor. Es wird sich nicht bald jemand gelüsten lassen, das zu thun.


Nein, nein man fängt mich nicht so bald,

Haged.


2) Für bey nahe. Ich wäre bald gefallen. Ich habe es ihnen bald angemerket. Ich hätte es bald geglaubt. Sie machen mich schamroth; bald dürfte ich mich dafür rächen, Less. Das habe ich bald gedacht, Gell. Ich dürfte es bald nicht annehmen, ebend. Ich könnte bald eifersüchtig werden, ebend.

3. Der Abwechselung, in welchem Falle, es ein zweytes bald nach sich hat. Er ist bald hier, bald da. Er will bald dieß, bald jenes. Was für Ströme von Ergetzungen ergießen sich bald durch die Augen, bald durch das Gehör in unsere Seele! Dusch. Bald schlugest du dein nasses Auge gen Himmel auf; bald fiel es sittsam vor dir auf die Gegend zurück, ebend.


Bald wünscht ich mir die Eyl (Eil,) bald wünscht ich den Verzug,

Gell.


Ein Domherr schöpft aus seiner Pfründe

Bald rothen und bald weißen Wein,

Haged.


4. * Des Ortes, für, nicht weit von, welche Bedeutung aber nur in den gemeinen, besonders Oberdeutschen Sprecharten üblich ist. Der Garten ist bald an der Stadt. Er wohnet bald am Ende des Dorfes.

Anm. 1. Bald, Nieders. balde, Goth. balth, Angels. bald, beald, bey den Alemannischen und Fränkischen Schriftstellern palde, baldo, balde, bedeutete ehedem kühn, muthig, getrost, wovon in den Schriften der mittlern Zeiten häufige Beyspiele vorkommen. Diese Bedeutung ist im Deutschen verloren gegangen, und hat nur die oben gedachten figürlichen übrig gelassen. Die verwandten Sprachen haben sie indessen noch behalten; denn das Engl. bold, das Holländ. boud, das Ital. baldo, das Franz. baude, das Schwed. båld, das Isländ. balldr, bedeuten noch jetzt kühn, muthig, wild. Indessen war doch auch dieß nicht die erste Bedeutung dieses Wortes; denn da es so wohl im Schwedischen, als Englischen, und Isländischen zunächst mächtig bedeutet, so ist zu vermuthen, daß es mit dem Schwedischen baella, können,[697] dem Deutschen Walt, Gewalt und wollen, ja selbst mit dem Latein. validus und volo, verwandt ist. S. auch -bold.

Anm. 2. Bey den Franken und Alemannen war dieses Wort zugleich ein Adjectiv, welches ordentlich compariret wurde, bald, balder oder bälder, und baldest oder bäldest. Allerbelldest kommt im Schwabenspiegel, und auf's peldist, im Theuerdanke vor. Die Oberdeutschen haben die e Comparation noch behalten; allein die Hochdeutschen machen dafür den Comparativum von ehe, bald, eher, am ehesten. S. auch Baldig. Auch das Substantiv die Balde, ist noch in Oberdeutschland in den adverbischen Redensarten in Balden, und in Bälde, für bald, in kurzem, vorhanden.

Quelle:
Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Band 1. Leipzig 1793, S. 696-698.
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