Band, das

[709] Das Band, des -es, plur. die Bänder und die Bande, Diminutivum das Bändchen, Oberdeutsch, das Bändlein, von dem Imperfecto des Verbi binden; alles dasjenige, was andere Dinge zu binden oder zu verbinden dienet. Besonders,

1. In eigentlicher und weiterer Bedeutung, in welcher der Plural Bänder lautet, den letzten besondern Fall ausgenommen. 1) Ein langes schmales Stück Zeug, welches eigentlich zum Binden, oft aber auch nur zum Putze dienet. Figürlich wird Band zuweilen für einen Ritterorden genommen. So heißt der Dänische Elephanten-Orden, der an einem blauen Bande getragen wird, oft das blaue Band, der Englische Orden des Hosenbandes, das Hosenband u.s.f. Hierher gehören auch die Bänder der Wundärzte, und zwar so wohl die einfachen als auch die zusammen gesetzten. S. auch Binde. Ingleichen die nach Art der Bänder edlen Metallen verfertigten Zierathen des weiblichen Geschlechtes, als Armbänder, Halsbänder u. d. g. 2) Rund zusammen gedrehte Hülfsmittel zum Binden; z.B. Strohbänder im Feldbau, Weidenbänder im Gartenbau, Sackbänder u.s.f. 3) Lange dünne Körper von Holz oder Metall, die Theile eines andern Körpers zu verbinden. So heißt bey den Faßbindern Band oft so viel als ein Reif; zumahl wenn er von Eisen ist. An großen Weinfässern hingegen werden fünf oder sechs Reife zusammen genommen ein Band genannt. Hierher gehöret vermuthlich auch die in einigen Seestädten übliche Art das Tonnenmaß zu bestimmen. So hält z.B. eine Tonne Butter schmal Band im Hamburg 224, in Bremen aber 220 Pfund, eine Tonne Butter buked (bäuchig, dick) Band aber am erstern Orte 280, an letzterm aber 300 Pfund. In einer Österreichischen Urkunde bey dem Huber kommen, 2 Pfund Salz weites Bands und 8 Pfund enges, vor. S. Gebinde. Bey den Metallarbeitern werden verschiedene lange, dünne und schmale Stücke Metall, welche gewisse Theile zusammen halten, ein Band genannt. Auch gehören hierher bey den Schlössern die Gewinde mit zwey Flügeln, Thüren, Fenster, Kastendeckel u.s.f. zu befestigen. Daher ein Thürband, Fensterband u.s.f. In dem Schiffsbaue ist das Band ein großes krummes Holz, an welchem der Boden und die Wand des Schiffes befestiget wird. 4) Bey den Zimmerleuten wird ein schräge liegendes Holz, welches die Säulen und Sparren verbindet, und eigentlich das Schieben verhütet, ein Band genannt. 5) In der Zergliederungskunst verstehet man unter Bänder[709] zarte zähe Häutchen, welche die Theile des Leibes mit einander verbinden. Auch die Sehnen, welche die Knochen an einander häften, führen diesen Nahmen. 6) Verschiedene physische Hülfsmittel, den freyen Gebrauch der Glieder eines Menschen zu hindern. In dieser Bedeutung ist der Plural die Bande, der Singular aber gar nicht üblich. Einem Bande Anlegen. In Ketten und Banden liegen. Sich der Bande entledigen.


Schlug ich nicht den Gemahl in unverdiente Bande?

Weiße.


Oft druckt dieser Ausdruck figürlich das Gefängniß, den Verhaft aus. Einen der Bande entschlagen, ihn aus dem Verhafte befreyen. In der Kunstsprache der Henker und Scharfrichter werden die Schnüre, womit ein Verbrecher in der Tortur gepeiniget wird, Bande genannt; daher das Schnüren mit vollen Banden.

2. In figürlicher Bedeutung, in welcher beyde Arten des Plurals üblich sind. 1) Um einiger Ähnlichkeit willen, wird so wohl in der Baukunst, ein großes gerades Glied, welches unten nach dem Winkelhaken abgeschnitten ist, als auch ein Reif, der den Lauf einer Kanone umgibt, ein Band genannt. In der Wapenkunst ist das Band das mittlere Stück eines durch zwey aus dem rechten Ober- nach dem linken Unterwinkel gezogene Linien getheilten Schildes, welches andere auf eine sehr unschickliche Art die rechte Schräg-Straße nennen. Hier lautet der Plural Bänder. Das gestreifte Spanische Riedgras, Phalaris picta, L. wird, um seiner Ähnlichkeit mit einem Bande willen, gleichfalls das Band genannt. 2) Dasjenige, was zusammen gebunden ist, und eine gewisse Anzahl zusammen gebundener Stücke. In dieser Bedeutung ist Band in einigen Seestädten, z.B. in Riga eine Zahl von 30. 3) Alles dasjenige, wodurch man in figürlicher Bedeutung mit etwas verbunden wird, im welchem Sinne der Plural Bande heißt. Das Band der Freundschaft, der Ehe, des Friedens u.s.f. Die Hochachtung bleibet doch alle Mahl das festeste Band zweyer Seelen. Er ist entschlossen, dich noch durch ein heiliger, süßer Band, als das Band der Wohlthaten ist, mit sich zu verbinden, Weiße. Also zerreißt das Schicksal das goldene Band, das die Tugend so fest geschlungen hatte! Dusch. 4) Ein sittliches Hinderniß, alles was uns an dem freyen Gebrauche der Kräfte des Geistes besonders zum Guten hindert, in welcher Bedeutung, die sich auf die sechste eigentliche beziehet, der Plural am gebräuchlichsten ist. So sehr sich auch meine Seele von allen irdischen Banden los gewunden hat, Dusch.

Anm. Band, bey dem Ottfried und Notker Band und Pand, ist ein altes Wort, welches in allen mit der Deutschen verwandten Sprachen häufig angetroffen wird. Banda, Bandellum, Bandum, Bandus, und hundert andere, kommen in dem Lateine der mittlern Zeiten in allerley Bedeutungen vor. Die Franzosen haben ihr Bandage, Bande, Bandeau, Bandelette, Bander, Bandereau u.s.f. gleichfalls daher, anderer Sprachen zu geschweigen. Sogar im Persischen ist Bend, ein Band, und Banden, binden, und gleiche Bedeutung hat das Hebräische בנט. S. Bande, Binde, Binden, Fahne, Winden. Der doppelte Plural dieses Wortes gründet sich auf keinen wesentlichen Unterschied in der Bedeutung, sondern rührt bloß aus den Mundarten her. Bande ist der Oberdeutsche, Bänder aber der Niederdeutsche Plural. Daß die Hochdeutschen beyde aufgenommen haben, beweiset weiter nichts, als daß sie einige Bedeutungen dieses Wortes von den Oberdeutschen, andere aber von den Sachsen bekommen haben.

Quelle:
Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Band 1. Leipzig 1793, S. 709-710.
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