Calīber, der

[1293] Der Calīber, des -s, plur. ut nom. sing. ein Wort, welches in verschiedenen Künsten und Handwerken sehr oft vorkommt, und[1293] theils eine gewisse Dicke und deren Maß, theils aber auch ein Werkzeug bedeutet. 1) Im ersten Falle wird es in der Geschützkunst von dem Durchschnitte der Ründung und der Weite eines Feuergewehres, und von dem Durchschnitte der Kugel gebraucht, und alsdann ist es zugleich das Maß, nach welchem alles übrige an einem Geschütze seine verhältnißmäßige Größe bekommen muß. Eine Kanone, ein Geschütz von einem großen Caliber, welches eine weite Seele hat, und daher eine große Kugel schießt. Daher, der Caliber-Stock, des -es, plur. die -Stöcke, ein Maßstab, nach welchem man die zu einem jeden Stücke gehörigen Kugeln finden und bestimmen kann; Calibriren, verb. reg. act. mit dem Caliber-Stocke oder auf andere Art das Maß der Mündung eines Stückes, oder den Durchmesser einer Kugel finden. In der Baukunst wird das Wort von der Dicke der Säulen gebraucht. Säulen von gleichem Caliber, welche einerley Dicke haben. 2) In andern Fällen dienet dieses Wort auch zur Bezeichnung eines Werkzeuges. Bey den Büchsenmachern ist der Caliber eine starke stählerne Platte mit Feilenhieben auf einer der breiten Seiten, die unterste Fläche des Schraubenkopfes derjenigen Schraube welche den Hahn am Schloßbleche befestiget, damit zu glätten und zu ebenen. In der Stuccatur-Arbeit ist es ein ausgeschnittenes Blech oder Bret, wornach die Gypsgesimse gezogen und gebildet werden. Ja bey vielen Handwerkern heißt überhaupt ein jedes Modell ein Caliber.

Anm. Wir haben dieses Wort aus dem Französ. Calibre. Dessen Abstammung ist noch unbekannt. Menage leitet es von aequilibrium, Herdelot aber von dem Arabischen Calib, ein Modell, her.

Quelle:
Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Band 1. Leipzig 1793, S. 1293-1294.
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