Niedere, die

[493] Die Niedere, plur. die -n, das Hauptwort von dem Beyworte nieder, eine niedrig gelegene Gegend zu bezeichnen, im Gegensatze des Gebirges, so wie das Thal dem Berge, die Tiefe aber der Höhe entgegen gesetzet ist. Indessen ist das Wort Niedere doch im Hochdeutschen nur wenig gangbar; üblicher ist es im Oberdeutschen. In einigen Gegenden, selbst Meißens, hat man auch das Hauptwort Niederung, wo es nicht bloß dem Gebirge entgegen gesetzet wird, sondern auch die niedriger gelegenen Gegenden an den Flüssen, ingleichen niedriger gelegene Theile des Feldes bedeutet, im Gegensatze der höhern; im Nieders. die Sinke, Senke. Mit der den Niederdeutschen so gewöhnlichen Ausstoßung des d wird aus der Niederung die Nehrung, welches Wort in Preußen von niedrigen an der See gelegenen Gegenden gebraucht wird.

Quelle:
Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Band 3. Leipzig 1798, S. 493.
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