Schäumen

[1388] Schäumen, verb. reg. welches in doppelter Gestalt üblich ist. 1. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben, Schaum von sich geben. Vor Wuth, vor Zorn schäumen. Mit dem Munde schäumen. Das Bier schäumet. Das Meer schäumet. Sieh, wie lieblich die Quelle aus meinem Felsen schäumt, Geßn. schäumend hervor bricht. Figürlich. Der Mund der Gottlosen schäumet Böses, Sprichw. 15, 28. 2. Als ein Activum. 1) In Gestalt eines Schaumes hervor treiben.


Wie ein gereitztes Thier, das Zorn und Geiser schäumt,

Schleg.


2) Von dem Schaume befreyen. Das Fleisch schäumen, den Schaum, welcher sich im Kochen obenauf setztet, wegschaffen. Den Honig, das Wachs schäumen. S. auch Abschäumen. Daher das Schäumen in beyden Formen.

Anm. Im Nieders. schümen, im Engl. to scum und skim, im Schwed. skuma, im Hebr. זעם. Es ahmet den zischenden Laut genau nach, welchen ein durch heftige innere Bewegung zum Schäumen gebrachter flüssiger Körper von sich gibt. Da dieser Laut auch andern Arten schneller Bewegungen eigen ist, so bedeutet schäumen, Nieders. schümen, Engl. to skim, schnell laufen, sich schnell hin und her oder fortbewegen; wegschümen ist im Nieders. schnell fortlaufen. Daher ist das Meer schäumen, in der Seefahrt, auf Raub auf demselben hin und her streifen, und ein Meerschäumer eine gelinde Benennung eines Seeräubers. Ein Intensivum davon ist das Nieders. schummeln, so wohl scheuern, als auch nachlässig hin und her laufen. S. auch Schämen. Die Oberdeutsche Mundart unterscheidet das Neutrum von dem Activo sehr richtig; jenes heißt daselbst schaumen, dieses aber schäumen. Die Hoch- und Niederdeutschen haben diesen nützlichen Unterschied vernachlässiget, und sagen in beyden Fällen ohne Unterschied schäumen, Niederdeutsch schümen.

Quelle:
Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Band 3. Leipzig 1798, S. 1388.
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