Schnappen

[1586] Schnappen, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, welches eigentlich eine Nachahmung desjenigen eigenthümlichen Schalles ist, den es bezeichnet. Der Auerhahn schnappt in der Balze, wenn er mit dem Schnabel diesen Schall hervor bringt, ehe er anfängt zu schleifen. Besonders begleitet dieser Schall gewisse mit Schnellkraft verbundene Veränderungen, daher es auch von denselben gebraucht wird. Ein Schloß schnappt, wenn die Feder den Riegel mit Schnellkraft fortstößt. Daher ein Schloß abschnappen, es abdrücken. Ein Bret schnappt in die Höhe, wenn es schnell in die Höhe fähret. Im Oberdeutschen sagt man auch mit den Fingern schnappen, für krachen, mit der Kanne schnappen, für klappern. In engerer Bedeutung druckt es die schnelle mit diesem Schalle verbundene Öffnung und Schließung des Mundes aus, etwas mit Geschwindigkeit zu erhaschen. Der Hund schnappt nach den Fliegen, der Fisch nach der Luft. Daher figürlich, nach etwas schnappen, es begierig und mit Geschwindigkeit in seine Gewalt zu bekommen suchen.


Was hilft es auch nach Weisheit schnappen,

Die oft dem Wirbel wehe thut?

Haged.


So auch das Schnappen.

Anm. Im Nieders. snappen, wo es auch schnell reden, eilfertig plaudern bedeutet, im Schwed. snappa, im Engl. to snap und ohne Zischlaut auch to nab. Bey dem Hornegk kommen schnaben und schnappen auch für strautheln, fallen, vor. Im Nieders. ist für schnappen in der engern Bedeutung auch happen, happsen, Franz. haper, Ital. chiappare, üblich. Schnappen ahmet den Laut genau nach; einen feinern Laut dieser Art druckt man durch schnippen aus, so wie die Niederdeutschen für einen gröbern die Wörter Schnupp und schnuppen haben.

Quelle:
Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Band 3. Leipzig 1798, S. 1586.
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