Die Sonate

[318] Die Sonate (Musik) ist ein für ein oder mehrere Instrumente geschriebenes Tonstück, welches aus 2, 3, 4 auf einander folgenden Theilen von verschiedenem Charakter besteht. Dergleichen Sonaten werden theils für ein Instrument allein geschrieben, wie denn z. B. die Clavier-Sonaten am häufigsten vorkommen; theils auch für ein Instrument mit Begleitung mehrerer, jedoch so, daß jenes immer die Hauptstimme führt. So giebt es Clavier-Sonaten mit Begleitung einer Violine, oder einer Flöte, öfters auch noch mit einem Violoncell etc. – oder auch Violin-Sonaten mit Begleitung eines Basses etc. Die Sonate dient hauptsächlich [319] dazu, Empfindungen ohne Worte zu schildern; sie nimmt alle Charaktere an: sie drückt in Tönen der Traurigkeit, des Schmerzens, der Zärtlichkeit, des Vergnügens einen Monolog aus, sie schildert heftige, stürmende, sanfte Gemüthsbewegungen etc.; überhaupt aber ist sie für Instrumental-Spieler eine der gewöhnlichsten und besten Uebungen, und die Sonaten haben in der Kammermusik, nach den Singstücken, den ersten Rang. – Clavier-Sonaten giebt es in unzähliger Menge; aber sie sind vielleicht ehedem besser geschrieben worden, als jetzt, weil es sonst gewisser Maßen Sitte war, daß jeder Musiker gewöhnlich mit Solo-Sonaten fürs Clavier in die Laufbahn trat, die denn vor allem rein im Satze sein mußten, wenn er damit bestehen und Ehre einlegen wollte.

Quelle:
Brockhaus Conversations-Lexikon Bd. 5. Amsterdam 1809, S. 318-319.
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318 | 319
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