Johann Carl August Musäus

[201] Johann Carl August Musäus. Dieser Lieblings-Schriftsteller der Deutschen in der schönen Literatur wurde im Jahr 1735 zu Jena geboren, wo sein Vater Landrichter war. In seinem neunten Jahre nahm ihn sein Vetter, der Superintendent Weissenborn zu Altstädt, zu sich; und als dieser nach einem Jahre General-Superintendent zu Eisenach ward, so zog der junge Musäus auch mit dahin, und blieb in dem Hause seines Wohlthäters, von welchem er eine anständige Erziehung erhielt, bis in sein 19 Jahr. Jetzt ging Musäus nach Jena und studirte daselbst Theologie. Er kehrte nach vierthalb Jahren zu seinen Aeltern zurück, lebte darauf einige Jahre als Candidat des Predigtamts zu Eisenach, und predigte oft mit Beifall daselbst. Er sollte darauf Pfarrer zu Pfarrode bei Eisenach werden; allein die Bauern nahmen ihn nicht an, weil er einmahl getanzt hatte. Im Jahr 1763 kam er als Pagenhofmeister nach Weimar, und nach 7 Jahren als Professor ans Gymnasium. Nun heirathete er, und bekam 2 Söhne. Sein Tod erfolgte im October 1787, und rührte von einer höchst seltnen Krankheit, von einem Polypen am Herzen, her. Seine physiognomischen Reisen, Volksmährchen und Straußfedern gehören unter unsre originellsten, launigsten und unterhaltendsten Schriften; Neuheit, Leichtigkeit und edle Gesinnungen herrschen darin in seltner Harmonie. Seine beschränkte Lage und die Dürftigkeit, in welcher er sein ganzes Leben zubrachte, raubten ihm bei seinem ohnedieß furchtsamen Charakter das vernünftige Selbstvertrauen: er war der Letzte, der sich von dem innern Werthe seiner Schriften überzeugte; und nur sein kärgliches Auskommen bewog ihn, als Schriftsteller aufzutreten. Als Mensch war Musäus heiter und aufgeweckt, und trotzte allen Beschwerden des Körpers und seiner drückenden Lage. Nach seinem Tode gab Herr Bertuch seine moralische Kinderklapper (eine vortreffliche Sammlung von Kindererzählungen), und Herr von Kotzebue seine nachgelassenen Schriften mit einer Nachricht von seinem Leben heraus.

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Brockhaus Conversations-Lexikon Bd. 3. Amsterdam 1809, S. 201.
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