Statüe

[360] Statüe nennt man eine in Erz gegossene, oder in Marmor, Stein oder Holz gehauene Figur. Da das Wort vom Lateinischen stare herkommt, so sollten nur gerade Figuren Statüen genannt werden, sitzende und liegende aber den Namen Figuren behalten, welchen Namen man nur denen Kunstwerken beilegt, welche in halb natürlicher Proportion und unter derselben sind. Figuren über die natürliche Proportion, ja die größten Colosse, beißen immer noch Statüen. – Der beste Gebrauch, den man von Statüen machen kann, ist wohl der zur öffentlichen Verehrung großer Verdienste: es ist alsdann nicht bloßes Denkmahl, sondern es bewirkt auch zugleich hohe Gedanken und Empfindungen; es muß daher eine solche Statüe an öffentlichen Orten – vor den Augen der Menschen – auf einem genugsam erhabenen Postament stehen, und eine verhältnißmäßige Größe haben. Was den Charakter der Statüe anlangt, so muß sie Gestalt und Gesichtsbildung der Person zwar vorstellen; aber hauptsächlich den Hauptzug ausdrücken, wodurch die zu ehrende Person die hohen Verdienste erworben hat. Es ist daher auch eine vollkommene Statüe das höchste Werk des Genies und der Kunst: und nur ein Phidias konnte darum bei den Griechen eine so hohe und allgemeine Bewunderung verdienen. In unsern Zeiten trifft man, leider! selten etwas, das den guten Statüen der Alten könnte an die Seite gesetzt werden.

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Brockhaus Conversations-Lexikon Bd. 5. Amsterdam 1809, S. 360-361.
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