Geheimschrift, Kryptographie

[344] Geheimschrift, Kryptographie, Kryptographie, die Kunst mit Zeichen zu schreiben, zu welchen allein der erwählte Correspondent den verabredeten Schlüssel hat. Nothwendigkeit führte dahin, Gedanken auf geheime Weise sich mitzutheilen. Das Schreiben auf verborgene Theile des menschlichen Körpers, wie es bei den Alten vorkommt, verdient kaum den Namen der Geheimschrift, und Zahlen oder besondere Zeichen für die im Gebrauch stehenden Buchstaben des Alphabets, Verwechselung derselben, nichtssagende, eingeschobene Zeichen, verabredete Bezugsstellen aus Büchern, Worte, über deren besondere Bedeutung man sich verständigt hat, oder gar sympathetische Tinten, verrathen sich und sind zu entziffern. Die nicht zu entziffernde Schrift, Chiffre quarré oder Chiffre indéchiffrable, bedarf eines Dechifferirtäfelchens, worin die 25 Buchstaben des Alphabets unter und neben einander gesetzt sind:

Geheimschrift, Kryptographie

[345] Der Gebrauch dieser Tafel ist folgender: Man verabredet ein beliebiges Wort als Schlüssel der zu entziffernden Schriftzeichen, z. B. Berlin. Will man nun unter dem gegebenen Schlüssel für ein Wort, einen Gedanken, eine Nachricht, z. B. für die Erklärung: »ich liebe dich!« die nöthige Chiffre suchen, so geschieht dieß nach folgender Regel. Man schreibe abwechselnd den Schlüssel »Berlin« und den Inhalt »ich liebe dich« neben einander wie folgt: b und i, e und o, r und h, l und l, i und i, n und e, und fange alsdann mit dem Schlüssel wieder von vorn an, bis die Chiffre vollständig gefunden ist, also b und b, e und e, r und d, l und i, i und c, n und h. Nun suche man b am linken Rande der Tafel und i am obern Rande, verfolge die Colonne von b seitwärts und die Colonne von i abwärts, bis auf den Buchstaben in welchem sie sich treffen, und es findet sich l. Man suche e am linken Rande der Tafel und c am obern Rande, verfolge die Colonne von e seitwärts, und die Colonne von c abwärts bis auf den Buchstaben in welchem sie sich treffen, und es findet sich h. Man suche r am linken Rande der Tafel und h am obern Rande, verfolge die Colonne von r seitwärts und die Colonne von h abwärts, bis auf den Buchstaben in welchem sie sich treffen, und es findet sich z. In dieser Weise fahre man fort, bis die Chiffre vollständig gefunden ist. Erhält nun der Correspondent die Buchstaben lhzwssdkvumv. welche man. um sie unerklärlicher zu machen, gern hinter einander und nicht in einzelnen Worten schreibt, so sucht sie derselbe auf folgende Weise in der Tafel nach. Schreibe Schlüssel und Chiffre unter einander:

Schlüssel, Berlinberlin.

Chiffre, Lhzwssdkvumv.

Nun suche am obern Rand b und in der Colonne von b abwärts I und verfolge die Colonne von l seitwärts bis an die gleichlautenden Buchstaben der beiden Randcolonnen, so findet sich i. Suche am obern Rande e und in der Colonne von e abwärts h und verfolge[346] die Colonne von h seitwärts bis an die gleichlautenden Buchstaben der beiden Randcolonnen, so findet sich c. Suche am obern Rande r und in der Colonne von r abwärts z und verfolge die Colonne von z seitwärts bis an die gleichlautenden Buchstaben der beiden Randcolonnen, so findet sich h. Und so verfahre man weiter, bis der Inhalt der Chiffre gefunden ist. Die Unmöglichkeit, den Inhalt der Chiffre ohne Schlüssel zu entdecken, so wie die Bequemlichkeit, denselben im Gedächtniß zu behalten und schnell vertauschen zu können, empfiehlt den Gebrauch dieser Art Geheimschrift.

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Quelle:
Damen Conversations Lexikon, Band 4. [o.O.] 1835, S. 344-347.
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