Hemans, Felicia

[242] Hemans, Felicia, eine englische Dichterin der neuesten Zeit, deren lyrisches Talent unbestritten zu den bedeutendsten gehört, ist in Wales geboren und lebte auch dort verheirathet, inmitten einer malerischen, romantischen Natur. Ueberströmend von poetischer Kraft und erhabenem Gefühl ist es doch mehr das Sanfte, das Elegische, mit dem sie sympathisirt. Noch in der ersten Entwickelung ihres Genius trug sie bei einem dichterischen[242] Wettkampfe den Preis über die sämmtlichen männlichen Mitbewerber davon, indem sie es war, welche die Aufgabe, ein Gedicht auf die denkwürdige Zusammenkunft zwischen Wallace und Bruce nach der unglücklichen Schlacht von Falkirk, am gelungensten löste. Ihre ersten Werke über Italien und Griechenland ermangeln zwar der charakteristischen Einheit, enthalten aber treffliche Schilderungen. Die Trauerspiele der Miß Hemans: »the vespers of Palermo, »the last Constantine« u. a. sind überreich an poetischen Schönheiten und tragen das gefällige Gepräge echt weiblicher Auffassung; nicht minder hat sie sich durch Uebertragung vieler klassischen Werke des Auslandes in das Englische, so durch ihre Uebersetzungen einzelner Dichtungen von Tasso, Camoens, Lope de Vega, Geßner u. A. namhafte Verdienste erworben. Bei Weitem am bedeutendsten ist aber das lyrische Talent der Miß Hemans, und ihre Produkte dieser Gattung gehören gewiß zu den besten der englischen Literatur. Sie starb, 40 Jahr alt, im Sommer 1835.

R.

Quelle:
Damen Conversations Lexikon, Band 5. [o.O.] 1835, S. 242-243.
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