Dogma

[229] Dogma: Lehrsatz; Behauptung ohne Beweis, Annahme. Als dogmata werden die philosophischen Lehrsätze der Alten (CICERO, Quaest. Acad. IV, 9;[229] SENECA, Ep. 94, 95) im Unterschiede von der epochê (s. d.) der Skeptiker bezeichnet (Diog. L. IX, 74). KANT versteht unter »Dogma« einen direct synthetischen Satz aus Begriffen (Kr. d. r. Vern. S. 616). – Die christlichen Dogmen sind »die begrifflich formulierten und für eine wissenschaftlich-apologetische Behandlung ausgeprägten, christlichen Glaubenslehren, welche die Erkenntnis Gottes, der Welt und der Heilsveranstaltungen Gottes zu ihrem Inhalte haben« (HARNACK, Dogmengesch. I3, 3). Im neuen Testament kommt das Wort »Dogma« (dogma) im Sinne eines »Edicts« vor (LUKAS II, 1). CLEMENS ALEXANDRINUS nennt die göttlichen Naturordnungen ta dedogmatismena hypo theou; er spricht vom theion dogma (Paedag. I; vgl. SABATIER, Religionsphilos. S. 213 ff.). Bei IGNATIUS (Ep. ad Magn. 13) findet sich en tois dogmasin (in den Lebensregeln). Erst die Apologeten (s. d.) gebrauchen dogmata im theologischen Sinne (HARNACK l.c. S. 482). In den Dogmen, die durch die Kirchenväter und Scholastiker ausgebildet wurden, sind neben christlich-jüdischen auch Elemente der griechischen Philosophie enthalten. Das Dogma ist »eine Lehre, aus der die Kirche ein Gesetz gemacht hat« (SABATIER, Religionsphil. S. 205).

Quelle:
Eisler, Rudolf: Wörterbuch der philosophischen Begriffe, Band 1. Berlin 1904, S. 229-230.
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