Zenon aus Kition

[852] Zenon aus Kition (Kypern), der Sohn des Kaufmanns Mnaseas, geb. um 340 v. Chr., war eine Zeitlang Kaufmann, ging um 315 v. Chr. nach Athen, wo er Schüler des Kynikers Krates, des Megarikers Stilpon und der Akademiker Xenokrates und Polemon wurde, später (um 308) in der »Stoa Poikile« die Stoische Schule (s. d.) gründete und nach langer Wirksamkeit durch Selbstmord geendigt haben soll. In Athen stand Z. in hohem Ansehen, auch Antigonos von Makedonien ehrte ihn sehr. Nach seinem Tode errichteten ihm die Athener eine Ehrensäule. = Über die Lehren Zenons s. den Artikel »Stoiker«. Die Volksreligion deutete Z. allegorisch. Die Philosophie hat nach ihm einen praktisch-ethischen Zweck und besteht aus Logik, Physik und Ethik, die Z. mit dem Knochengerüst, dem Fleisch und Blut und der Seele vergleicht. Die Vorstellung bestimmt er als Abdruck in der Seele (typôsis en psychê). Die Wahrnehmung vergleicht er mit den ausgestreckten Fingern, die Zustimmung (synkatathesis) mit der halbgeschlossenen Hand, die Erfassung des Gegenstandes (katalêpsis) mit der Faust, das Wissen mit der Ergreifung der Faust durch die andere Hand (vgl. Diog. L. VII).

Schriften: Politeia; peri tou kata physin biou; peri hormês; peri anthrôpou physeôs; peri pathôn; peri kathêkontosu. a. Von ihnen sind nur Fragmente erhalten. – Vgl. ARNIM, Stoicorum veterum fragmenta I, 1905. – ZELLER, Philos. d. Griechen III. – Fragments of Zeno and Cleanthes, by A. C. Pearson, 1891. – WEIGOLDT, Z., 1872. – E. WELLMANN, Die Philos. des Stoikers Z., 1873. – POPPELREUTER, Die Erkenntnislehre Z.s u. Kleanthes, 1891. – TH. GOMPERZ, Zur Chronologie des Stoikers Z., 1903.

Quelle:
Eisler, Rudolf: Philosophen-Lexikon. Berlin 1912, S. 852.
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