Nachmittagssitzung.

[145] VORSITZENDER: Der Gerichtshof wird sich heute nachmittag um 4.30 Uhr vertagen.

DR. SAUTER: Herr Zeuge! Ich möchte noch einmal auf die Frage der sogenannten Ausplünderung der besetzten Gebiete zurückkommen. Sie als Reichswirtschaftsminister, der Sie damals waren, können uns sicherlich darüber Auskunft geben, wie nach Ihrer Auffassung und Wahrnehmung die Leistung der besetzten Gebiete für die Kriegsführung Deutschlands gewesen ist?


FUNK: Die Leistungen der besetzten Gebiete für die gemeinsame Kriegsführung waren ohne Zweifel sehr bedeutend. Ich habe die besetzten Gebiete mit der deutschen Wirtschaft gemeinsam stets als eine gemeinsame Kriegsleistungsgemeinschaft, also für die Kriegsführung zur Herstellung einer neuen europäischen Ordnung betrachtet. Und es waren auch in den besetzten Gebieten vielfach dieselben Wirtschaftsgrundsätze in Geltung wie in Deutschland auch. Ich habe mir nun einmal im Jahre 1944 Berechnungen anstellen lassen, wieviel die besetzten Gebiete in den drei Jahren 1941, 1942 und 1943 an Produktionswerten für die Kriegsführung geschaffen haben und bin hierbei zu einer Zahl von 90 Milliarden Reichsmark gekommen. Eine gewißlich außerordentlich hohe Zahl, wobei man allerdings berücksichtigen muß, daß die Valuten der einzelnen Länder auf Reichsmark umgerechnet wurden, also die verringerte Kaufkraft der einzelnen Währung in diesen Zahlen nicht zum Ausdruck kommt, in Wahrheit also die Leistung geringer ist als sie diese Reichsmarkzahl angibt.

In der gleichen Zeit hat Deutschland von seinem gesamten Sozialprodukt mindestens zwei Drittel, das heißt etwa 260 Milliarden Reichsmark, für die europäische Kriegsführung aufgebracht, also fast dreimal soviel wie die besetzten Gebiete. Es ist mir speziell im Falle Frankreichs gelungen, die Finanzgebaren und das Geldwesen und damit auch die wirtschaftliche und soziale Ordnung bis nahezu zu dem Zeitpunkt der Invasion soweit in Ordnung zu halten, daß tatsächlich die französischen Finanzen am Ende der deutschen Besatzungszeit wesentlich gesünder waren als die deutschen Finanzen, und Frankreich, wenn nicht die Verhältnisse gekommen wären, die nachher kamen, aus elementarer Gewalt der Kriegsführung auf dieser Basis sich ein gesundes Geldwesen hätte aufbauen können.

Diese meine Berechnungen werden in gewisser Weise auch bestätigt durch ein Dokument, das hier vorgelegt worden ist, und zwar im Dokument RF-22. (Dokument Funk-515.) Das ist ein Dokument, das über die französischen Lieferungen an Deutschland handelt. Es ist der offizielle Bericht an die Französische Regierung [145] über die Zwangsarbeit in Frankreich. In diesem Bericht befinden sich Tabellen auf Seite 38, 39 und 40, die die Ziffern der französischen Lieferungen an Deutschland, und zwar anteilsmäßig an der gesamten französischen Produktion, wiedergeben. Diese Ziffern zeigen, daß von der französischen gesamten Produktion, die hierfür in Frage kommt, in diesen drei Jahren im Durchschnitt 30 bis 35 Prozent nach Deutschland für die gesamte Kriegsführung gegangen sind. Und zwar sind die Ziffern auf einzelnen Gebieten, und gerade auf den Gebieten, die für die Versorgung der französischen Bevölkerung in Frage kommen, wie Textilien, Pharmazeutika, Gas und Elektrizität und so weiter, wesentlich geringer und betragen zum Teil nur fünf oder sechs Prozent, aber ich gebe als Volkswirtschaftler ohne weiteres zu, wenn man die Dinge nicht von der gemeinsamen Kriegsleistung und der gemeinsamen wirtschaftlichen Verbundenheit aus betrachtet, ein Abzug von 35 Prozent mehr bedeutet und natürlich schwerwiegende Folgen für die gesamte Wirtschaft haben muß.

Für die russischen Gebiete liegen mir leider keine genauen Ziffern vor. Aus der Kriegswirtschaft dieser Gebiete war das Wirtschaftsministerium selbst auch ganz ausgeschaltet. Wir haben uns nur bemüht, einzelne Firmen oder Gesellschaften in diesen Gebieten tätig werden zu lassen, und die dort privatwirtschaftlich tätig sein sollten, also auf eigenes Risiko kaufen und verkaufen sollten. Sonst bin ich an der Wirtschaft der besetzten russischen Gebiete nicht beteiligt gewesen, mit Ausnahme, daß ich Aufsichtsratsvorsitzender der Continental-Öl-Gesellschaft war, die allerdings auftragsgemäß vom Vierjahresplan und von der Wehrmacht aus in diesen Gebieten für die Ölproduktion tätig war; dagegen ich selbst hatte nur als Aufsichtsratsvorsitzender die finanzielle Seite dieser Gesellschaft zu betreuen.


DR. SAUTER: Herr Zeuge! Sie haben am Schluß der Vormittagssitzung von der sogenannten »Zentralen Planung« gesprochen, von der wir schon sehr viel gehört haben. Und Sie haben dargelegt, allerdings sehr kurz, daß Sie als Reichswirtschaftsminister keinerlei Interesse daran hatten, daß ausländische Arbeiter nach Deutschland verschleppt wurden, ganz gleich, ob für Rüstung oder andere Zwecke. Habe ich Sie recht verstanden?


FUNK: Das trifft für den Zeitpunkt zu, als ich in die »Zentrale Planung« eintrat.


DR. SAUTER: Wann war das?


FUNK: Ich bin in die »Zentrale Planung« berufen worden im Herbst 1943...


DR. SAUTER: Herbst 1943?


[146] FUNK:... als ich die gesamte Produktion an Speer abgegeben hatte, und habe zum erstenmal am 22. November 1943 an einer Sitzung der »Zentralen Planung« teilgenommen. Damals hatte ich in der Tat nicht nur kein Interesse daran, daß ausländische Arbeiter nach Deutschland kamen, sondern ich hatte, gerade auch wirtschaftlich gesehen, ein Interesse daran, daß diese Arbeiter im Ausland blieben, weil in den besetzten Gebieten die Verbrauchsgüterproduktion weitgehend aus Deutschland verlagert worden war, also, damit diese Produktion, ich meine die französische Produktion oder die belgische Produktion, für die deutsche Bevölkerung ungestört arbeiten konnte, hatte ich ein Interesse, daß man dort nicht die Arbeiter fortnahm, und insbesondere nicht, daß man sie durch Zwangsmethoden fortnahm, weil dadurch ja die gesamte Ordnung und das soziale Leben gestört wurde.

Vorher hatte ich natürlich als Wirtschaftsminister ein Interesse daran, daß die deutsche Wirtschaft Arbeiter bekam. Diese Fragen wurden aber niemals im Wirtschaftsministerium behandelt, sondern entweder im Vierjahresplan, wo ein Generalbevollmächtigter für den Arbeitseinsatz von Anfang an tätig war...

VORSITZENDER: Das haben wir doch sicherlich schon alles heute früh gehört. Er hat das alles schon heute früh ausgesagt.


DR. SAUTER: Ich darf aber im Zusammenhang mit der »Zentralen Planung« doch noch auf ein Dokument zurückkommen, Herr Präsident.

Es ist das, Herr Zeuge, und ich bitte, auf diesen Brief sich in Ihrer Antwort zu beschränken, es ist dies ein Brief, den Sie seinerzeit an den Feldmarschall Milch geschrieben haben und der, ich glaube, von der Französischen Anklagevertretung unter der Dokumentennummer RF, République Francaise, 675, ich wiederhole RF-675, hier eingeführt wurde. Es ist das der Brief, Herr Funk, in welchem Sie sich entschuldigt haben, weil Sie so selten an den Sitzungen der »Zentralen Planung« teilnehmen konnten. Und Sie haben damals zur Sitzung zwei Fachleute Ihres Ministeriums, also zwei Fachleute auf dem Gebiete der zivilen Versorgungswirtschaft und des Exportes entsandt. Als Vertreter Ihres Staatssekretärs Dr. Hayler, der nachher als Zeuge kommen wird, nahm an dieser Sitzung der »Zentralen Planung« ein gewisser Ohlendorf teil. Diesen Ohlendorf haben Sie ja bereits hier im Sitzungssaal auf dem Zeugenstand gesehen. Mich würde nun interessieren, was hatte dieser Ohlendorf, der anscheinend zu Ihrem Ministerium gehörte, dort für Funktionen?

FUNK: An den Verhandlungen der »Zentralen Planung« hatte ich im wesentlichen nur das Interesse, daß dort für die Verbrauchsgüterwirtschaft und für den Export die entsprechenden Rohstoffe zugeteilt wurden; daher auch die Absendung von Ohlendorf und [147] zwei Fachreferenten für Verbrauchsgüterwirtschaft und Export. Ohlendorf war von Staatssekretär Hayler in mein Ministerium mitgebracht worden. Ich kannte Ohlendorf vordem nur flüchtig aus einer oder zwei Sitzungen und hatte von ihm einen außerordentlich günstigen Eindruck gewonnen, weil er ein ungewöhnlich klarer Kopf war und seine Gedanken überaus eindrucksvoll zum Ausdruck bringen konnte. Ich wußte vorher gar nicht, daß Ohlendorf noch eine Stellung im Sicherheitshauptamt hatte, denn er war mir bekanntgeworden als Geschäftsführer der Hauptorganisation des deutschen Handels. Hayler war der Leiter dieser Organisation der Reichsgruppe Handel, und Ohlendorf war sein Geschäftsführer und als solcher mit mir bekanntgeworden. Ich hatte also gar keine Einwendungen dagegen, daß Ohlendorf in das Ministerium kam und gerade den Sektor übernahm, der seiner bisherigen privatwirtschaftlichen Betätigung entsprach, den Handelssektor »Verbrauchsgüterwirtschaft«.

Ich habe dann natürlich durch Hayler erfahren, daß Ohlendorf im RSHA, oder wie das heißt, als Amtschef tätig ist im SD, habe mich aber daran nicht gestoßen, weil ich diese Aufgaben nicht näher kannte und jedenfalls nicht überzeugt war, daß hier etwas geschah, was nicht erträglich war für das Ministerium. Die Hauptstellung hatte ja Ohlendorf auch als Geschäftsführer der Gruppe Handel. Soviel ich weiß, war er in diesem RSHA, oder wie das hieß, nur nebenamtlich tätig. Ich war naturgemäß auf das schwerste betroffen und auf das peinlichste überrascht, als ich hier hörte, was Ohlendorf in den Jahren vorher für Aufgaben bei seinen Einsatzstäben, oder wie das hieß, in Rußland hatte. Ich habe von dieser Tätigkeit von Ohlendorf nie ein Wort erfahren. Er selbst hat nie mit mir darüber gesprochen, und ich habe bis zu diesem Zeitpunkt nicht gewußt, was solche Einsatzstäbe für Aufgaben hatten.

Ohlendorf hat überhaupt nicht über seine Tätigkeit im SD gesprochen. Darüber kann sich Herr Hayler persönlich äußern, der ihn viel besser und näher kannte als ich.

Jedenfalls von dieser Tätigkeit von Ohlendorf, die ja auch Jahre vorher lag, habe ich nichts gewußt, und es hat mich auf das schwerste betroffen, daß dieser Mann derartige Dinge ausgeführt hat.


DR. SAUTER: Herr Zeuge! Ich muß Sie noch bitten, zur Aussage eines anderen Zeugen Stellung zu nehmen, den wir hier im Sitzungssaal gesehen und gehört haben. Es ist das der Zeuge Dr. Blaha, der hier im Sitzungssaal über die Verhältnisse im Konzentrationslager Dachau berichtet und, der dabei erzählt hat, wie Sie sich erinnern, man habe außerhalb und in Dachau davon gesprochen, daß bei einem dieser offiziellen Besuche des Lagers auch der Reichswirtschaftsminister Funk dabeigewesen sei. Er hat, wie Sie sich erinnern, auf meine Frage erklärt, gesehen habe er [148] Sie selbst nicht, aber Ihr Name sei bei anderen Gefangenen in diesem Zusammenhang erwähnt worden.

Waren Sie jemals in Dachau oder in irgendeinem anderen Konzentrationslager?


FUNK: Nein. Ich war weder jemals in Dachau noch sonst in irgendeinem Konzentrationslager.


DR. SAUTER: Können Sie das mit gutem Gewissen auf Ihren Eid sagen?


FUNK: Jawohl.


DR. SAUTER: Der Zeuge Dr. Blaha hat noch angegeben: Diese Besichtigung von Dachau hat stattgefunden im Anschluß an eine Finanzministerbesprechung, die in Berchtesgaden oder Reichenhall oder sonstwo in der Gegend stattgefunden habe.

Ich frage Sie deshalb, haben Sie überhaupt jemals an einer Finanzministerbesprechung teilgenommen oder wenigstens zu der Zeit, die der Zeuge Blaha behauptete?


FUNK: Nein, ich habe niemals an einer Finanzministerbesprechung teilgenommen, weil ich ja auch selbst kein Finanzminister war, und in der damaligen Zeit habe ich überhaupt an keinen internationalen Besprechungen teilgenommen. Nein.


DR. SAUTER: Herr Dr. Funk! Sie haben heute gesundheitlich keinen guten Tag. Sie haben mir geklagt über große Schmerzen, die Sie heute haben; infolgedessen möchte ich keine weiteren Fragen stellen, sondern nur noch eine einzige zum Abschluß, die Sie wohl ziemlich kurz beantworten können.

Warum sind Sie in Ihrem Amt als Reichswirtschaftsminister und als Reichsbankpräsident bis zum Schluß geblieben?


FUNK: Weil ich mich für verpflichtet hielt, in dieser Stellung zu bleiben solange als ich konnte, um meinem Volk zu dienen und nützlich zu sein. Gerade in den letzten Kriegsjahren hatte ich einen sehr schweren Stand; es trat eine starke Desorganisation in der Verwaltung ein und ich mußte mich außerordentlich anstrengen, um die Bevölkerung, insbesondere die Bombengeschädigten, noch mit den wenigen vorhandenen Gütern, Verbrauchsgütern zu versorgen. Ich mußte mich dauernd bemühen, die Vorräte und Lager vor den eigenmächtigen Eingriffen der Gauleiter zu bewahren. Gegen einen Gauleiter habe ich sogar Polizei aufbieten müssen. Ich habe der Parole der »verbrannten Erde«, die der Führer ausgegeben hat, keine Folge geleistet und auf diese Weise erreicht, daß das deutsche Volk auch nach der Besetzung durch die Feindmächte noch das, was an Verbrauchsgütern vorhanden war, vorher verwenden konnte.

Ich hatte vom Führer die Weisung bekommen, eine Verordnung zu erlassen, wonach die Annahme von Besatzungsmark der Alliierten [149] als Landesverrat mit dem Tode bestraft werden sollte. Ich habe diese Anordnung nicht erlassen. Ich habe mich bemüht, zu verhindern, daß das Volksvermögen und das Volksgut zerstört und verschleudert wurde. Ich habe den Gold-und Devisenbestand der Reichsbank gerettet, der in höchster Gefahr war. Kurzum, ich habe bis zum letzten Augenblick, wie ich glaube, die Pflicht und Schuldigkeit gehabt, meinen Posten weiter zu versehen und bis zuletzt auszuharren, insbesondere, nachdem wir Deutschen erfahren hatten, daß im Morgenthau-Plan das deutsche Volk in den Zustand von Schaf- und Ziegenhirten zurückversetzt werden sollte, die gesamte Industrie vernichtet werden sollte, das die Ausrottung von 30 Millionen Deutschen bedeutet hätte. Und nachdem auch Herr Churchill persönlich erklärt hatte, daß das deutsche Volk hungern wird und daß man gerade vermeiden würde, daß Hungerepidemien ausbrechen, da war für mich und jeden aufrechten Deutschen nur das eine möglich, bis zuletzt auszuharren auf seinem Posten und das zu tun, was in seinen Kräften stand, um das Chaos zu verhindern.

Zum Verräter und zum Verschwörer habe ich kein Talent gehabt. Aber ich habe mein Vaterland immer mit heißem Herzen geliebt und mein Volk ebenso, und habe mich bis zuletzt bemüht, alles zu tun, um meinem Vaterland und meinem Volk zu dienen und nützlich zu sein.


DR. SAUTER: Herr Präsident! Ich darf dann vielleicht noch im Anschluß an diesen angeblichen Konzentrationslagerbesuch Bezug nehmen auf einen Fragebogen, der von dem Zeugen Dr. Schwedler eingelaufen ist, und der dem Ergänzungsband des Dokumentenbuches Funk unter Nummer 14 beigefügt ist. Diese eidesstattliche Versicherung, von deren Inhalt ich zu Beweiszwecken Kenntnis zu nehmen bitte, bestätigt im wesentlichen, daß der Zeuge Dr. Schwedler seit dem 1. Februar 1938 der tägliche Begleiter des Angeklagten Funk war, daß Dr. Funk kein Konzentrationslager besucht hat und daß der Zeuge das wissen müßte wenn es der Fall wäre.

Damit, Herr Präsident, bin ich am Ende meiner Befragung des Angeklagten Funk. Danke sehr.


VORSITZENDER: Wünscht ein anderer Verteidiger Fragen zu stellen?

Dr. Sauter! Sie sagten, Sie beziehen sich auf ein Affidavit von Dr. Schwedler. Sie sagten, daß es Nummer 14 in Ihrem Ergänzungs-Dokumentenbuch war. Es scheint nicht in unserer Sammlung enthalten zu sein.


DR. SAUTER: Entschuldigen Sie, Herr Präsident, es ist Nummer 13. Ich habe mich versprochen. Es ist Nummer 13, Dokumentenergänzungsband Nummer 13, Dr. August Schwedler. Es ist ein Fragebogen.


[150] DR. OTTO NELTE, VERTEIDIGER DES ANGEKLAGTEN KEITEL: Herr Zeuge! Ich habe eine Frage, die ich Ihnen vorlegen möchte.

Die Anklagebehörde hat den Angeklagten Keitel als Chef OKW mit Ihnen, als Generalbevollmächtigten für die Wirtschaft und mit Minister Frick, als Generalbevollmächtigten für die Verwaltung, in einem Zusammenhang gebracht. Im Reichsverteidigungsgesetz von 1938 werden die Inhaber dieser drei Dienststellen erwähnt Sie haben auch zweifellos darin gewisse Funktionen, die von Bedeutung sein können. Nun hat die Anklagebehörde in diesem Zusammenhang von einem Dreimänner-Kollegium gesprochen, und sie hat diesem Dreimänner-Kollegium große Befugnisse und Bedeutung zugelegt in Bezug auf den Anklagepunkt der Planung und Vorbereitung von Angriffskriegen.

Ich frage Sie: Gab es ein Dreimänner-Kollegium, und welches waren die Funktionen der genannten drei Dienststellen nach dem Reichsverteidigungsgesetz?


FUNK: In dem Wirrsal der deutschen Verwaltung konnten wir uns selbst kaum noch ausfinden, und es ist deshalb nicht verwunderlich, daß die Anklagevertretung sich in diesem Punkt in einem Irrtum befindet. Ich selbst habe von einem solchen Dreimänner-Ausschuß oder Dreimänner-Kollegium bis zu diesem Prozeß überhaupt nichts gehört. Ich wußte also gar nicht, daß ich zu einem Dreimänner-Ausschuß oder Dreimänner-Kollegium, oder Triumvirat, oder sonst etwas gehörte. Es bestanden hier auf Grund des Reichsverteidigungsgesetzes gleichgeartete Vollmachten, sowohl für den Chef OKW wie für den Generalbevollmächtigten für die Verwaltung, wie für den Generalbevollmächtigten für die Wirtschaft. Diese drei konnten, abweichend von bestehenden Gesetzen, Verordnungen erlassen, bei denen sie sich gegenseitig beteiligen mußten.

Das waren aber, und das war der Sinn dieser Anordnung, Verordnungen untergeordneter Art, die also im wesentlichen sich nur auf den Geschäftsbereich des einzelnen der Beteiligten bezogen. Die Gesetzgebung, die größere Bedeutung hatte, wurde entweder vom Ministerrat für die Reichsverteidigung gemacht, die ja auch später nur im Umlaufverfahren umging, oder aber durch Führerverordnung; es fanden überhaupt nur, soviel ich weiß, drei, vier oder fünf Sitzungen statt. Die Führerverordnung wurde später die eigentliche Art, die wesentliche Art der Gesetzgebung. Und diese Führerverordnung ging vom Führer persönlich aus und wurde den Beteiligten vielfach nur mitgeteilt.

Also der Dreimänner-Ausschuß ist eine Fiktion.


DR. NELTE: Danke schön. Ich habe keine weiteren Fragen.


[151] DR. DIX: Herr Dr. Funk! Sie haben von dem Gesetz zur Ordnung der nationalen Arbeit gesprochen und gesagt, das wäre unter Ihrem Vorgänger erlassen worden. Sie sprachen von »meinem Vorgänger«.


FUNK: Nein, da irren Sie sich, ich habe gesagt, von »meinen Vorgängern«.


DR. DIX: Vorgängern. Können Sie uns, dem Tribunal, sagen, unter welchem Reichswirtschaftsminister das Gesetz erlassen worden ist?


FUNK: Das Reichsgesetz ist erlassen worden unter dem Reichswirtschaftsminister Dr. Schmitt, soviel ich mich erinnere, und die darauffolgenden Vereinbarungen mit der Deutschen Arbeitsfront sind wohl zum Teil noch von Schacht mitgemacht worden. Ich erinnere hier im besonderen an die sogenannten »Leipziger Beschlüsse«.


DR. DIX: Dann haben Sie davon gesprochen, daß unter Schacht, dem Generalbevollmächtigten für die Kriegswirtschaft, ein Büro bestanden hätte. Sie werden sich entsinnen, daß der Zeuge Vocke die Existenz eines solchen Büros von Schacht, in seiner Eigenschaft als Generalbevollmächtigter für die Kriegswirtschaft, verneint hatte. Das gleiche hat Schacht getan.

Welches Büro meinten Sie, wie sah das Büro aus, das Sie meinten?


FUNK: Das war kein Büro in dem Sinne, wie es hier vielleicht aufgefaßt ist, sondern es war ein Referentenausschuß von den verschiedensten Ressorts, der von dem Beauftragten des Generalbevollmächtigten für die Kriegswirtschaft, der Schacht war, oder später von meinem Beauftragten als Generalbevollmächtigter für die Wirtschaft, geleitet wurde. Bei Schacht war es der Staatsrat Wohlthat, und bei mir war es der frühere Staatssekretär von Schacht, Posse.


DR. DIX: Das ist klar. Ist das nun identisch mit dem Arbeitsausschuß, der entstand auf Grund des alten Reichsverteidigungsgesetzes und schon in dieser Form vor 1933 gearbeitet hat?


FUNK: Den kannte ich nicht.


DR. DIX: Jedenfalls dieser Arbeitsausschuß der verschiedenen Ressorts?


FUNK: Jawohl.


DR. DIX: Mit dem OKW zusammen?


FUNK: Mit dem OKW, mit dem Innenministerium und später unter entscheidender Beteiligung des Vierjahresplans.


DR. DIX: Und der Referent für Schacht war zu Schachts Zeit Dr. Wohlthat?


[152] FUNK: Soweit ich weiß, ja.


DR. DIX: Dann nur noch eine Frage. Sie haben zuletzt von dem Triumvirat... sogenannten »Triumvirat« auf Frage vom Kollegen für den Angeklagten Keitel gesprochen. Die Schaffung dieses Triumvirats, diese Tätigkeit, die Sie geschildert haben, die liegt wohl nach der Schachtschen Zeit?


FUNK: Ich glaube, ja. Das war aber keine Tätigkeit.


DR. DIX: Nein. Nein.


FUNK: Ich habe nie an einer Sitzung dieses sogenannten Dreimänner-Kollegiums teilgenommen.


DR. DIX: Nein, Sie sagten, es war eine Fiktion.

FUNK: Es hat auch nie eine solche Sitzung dieser drei Männer stattgefunden.


DR. DIX: Nein, nein, Sie haben ja gesagt, es war eine Fiktion.


DR. ROBERT SERVATIUS, VERTEIDIGER DES ANGEKLAGTEN SAUCKEL, VERTEIDIGER FÜR DAS KORPS DER POLITISCHEN LEITER: Ich habe eine Frage bezüglich der Löhne der ausländischen Arbeiter. Hat sich Sauckel bezüglich des Transfers der Löhne besonders eingesetzt, Herr Zeuge? Wissen Sie etwas darüber?


FUNK: Jawohl. Sauckel hat bei der Reichsbank und beim Reichswirtschaftsministerium sehr oft darauf gedrungen, daß in größerem Umfang Transferierungen von Arbeiterlöhnen ins Ausland und die besetzten Gebiete stattfänden. Wir waren naturgemäß hier in einer sehr schwierigen Lage, weil sich insbesondere in den südosteuropäischen Ländern die Währungen stark entwertet hatten, also die Kaufkraft des deutschen Geldes sehr gesunken war, während ich an dem stabilen Umrechnungskurs festhielt, um nicht durch eine Abwertung in diesen Ländern die inflatorischen Tendenzen noch zu verstärken und dort eine völlige wirtschaftliche Unordnung von der Währungsleitung aus herbeizuführen. Infolgedessen mußten wir zu den Zahlungen Zuschläge machen, die etwas der Entwertung des Geldes in den besetzten Gebieten und in den anderen Ländern entgegentraten. Es sind im ganzen erhebliche Summen transferiert worden. Ich schätze diese Summen auf mindestens zwei Milliarden Reichsmark.


DR. SERVATIUS: Was wissen Sie darüber, ob Sauckel sich um die Bekleidung der Fremdarbeiter bemüht hat? Ist da etwas unternommen worden?


FUNK: Er hat sich sehr bemüht. Dies traf ja das Wirtschaftsministerium besonders hart, weil das Wirtschaftsministerium mit den wenigen zur Verfügung stehenden Rohstoffen, die ihm von der »Zentralen Planung« zugewiesen wurden, die Bevölkerung versorgen [153] mußte und durch die immer wachsende Zahl der Bombengeschädigten immer neue Versorgungsansprüche an uns herantraten; trotzdem haben wir uns bemüht, den Forderungen Sauckels soweit als irgend möglich nachzugeben, erfüllen konnten wir seine Forderungen nicht.


DR. SERVATIUS: In welchem Umfange ist dann Bekleidungsmaterial geliefert worden? Ist Ihnen darüber eine Zahl bekannt?


FUNK: Nein, das weiß ich nicht.


DR. SERVATIUS: Wissen Sie etwas über die Einstellung Sauckels zu Himmler, nachdem er laut der Anklage mit ihm zusammengearbeitet haben soll?


FUNK: Ich erinnere mich an einen besonderen Vorfall. Als ich mit meinen Geldvorräten und dem Rest meiner Devisen unter die Erde nach Thüringen geflüchtet war, war ich eines Abends bei Sauckel, wo auch der hier mehrfach genannte Staatssekretär Keppler anwesend war.

Im Verlauf des Gesprächs kamen Sauckel und Keppler in ein ungeheuer erregtes Gespräch mit Himmler, und Sauckel warf Himmler in eindeutiger Weise vor, daß er der Zerstörer der Verwaltungseinheit in Deutschland sei und daß er die Hauptschuld daran trage, daß eine solche Desorganisation in der Verwaltung in Deutschland eingerissen sei, weil er einen Staat im Staate mit seiner SS geschaffen habe, und Sauckel sagte noch etwa: »Wie soll denn das Volk Disziplin halten, wenn die obersten Stellen im Reiche selbst keine Disziplin halten können.«


DR. SERVATIUS: Ich habe keine Fragen mehr an den Zeugen.


DR. EGON KUBUSCHOK, VERTEIDIGER DES ANGEKLAGTEN VON PAPEN, VERTEIDIGER FÜR DIE REICHSREGIERUNG: Ist es zutreffend, daß Hitler Sie nach der Marburger Rede Papens im Juni 1934 ersuchte, zum Reichspräsidenten von Hindenburg auf dessen Landsitz in Neudeck zu fahren und ihm folgendes mitzuteilen:

Der Vizekanzler von Papen habe wegen des Publikationsverbotes seiner Rede die Demission verlangt. Diese Demission müsse gegeben werden, da Papen sich durch die Marburger Rede einen groben Verstoß gegen die Disziplin des Reichskabinetts habe zuschulden kommen lassen?


FUNK: Wenn der Reichspräsident von Hindenburg auf seinem Gut in Neudeck war, lud er mich öfters ein zu Besuchen. Ich habe schon vorher erwähnt, daß ich oft familiär bei ihm verkehrt hatte. Hier stand ein solcher Besuch auch aus, als die Angelegenheit mit der Papenschen Rede in Marburg aufkam, und der Reichsmarschall empfahl dem Führer, soweit ich mich erinnere, mich damit zu [154] beauftragen, dem Reichspräsidenten von diesem Vorfall Mitteilung zu machen.

Das tat der Führer auch, und ich habe lediglich dem Reichspräsidenten berichtet, daß ein Konflikt zwischen dem Führer und Herrn von Papen wegen einer Rede entstanden sei. Ich kannte nicht den Inhalt dieser Rede, da diese Rede inzwischen verboten war, worauf der Reichspräsident nur erwiderte: »Wenn er keine Disziplin hält, dann muß er eben die Konsequenzen daraus ziehen.«


DR. KUBUSCHOK: Ich danke Ihnen.

DR. HEINZ FRITZ, VERTEIDIGER DES ANGEKLAGTEN FRITZSCHE: Herr Zeuge! Wann und wo lernten Sie Ihren Mitangeklagten Fritzsche kennen?


FUNK: Als er im Propagandaministerium, in der Presseabteilung tätig war. Er erschien eines Tages bei mir und wollte Geld für Transozean haben, das ich ihm auch zusagte.


DR. FRITZ: Sie waren damals Staatssekretär im Propagandaministerium?


FUNK: Ja.


DR. FRITZ: Das war im Jahre?


FUNK: Das muß schon 1933 oder 1934 gewesen sein.


DR. FRITZ: Als er zu Ihnen kam, wußten Sie überhaupt, welche Stellung Fritzsche damals im Propagandaministerium bekleidete?


FUNK: Ich wußte, daß er in der Presseabteilung tätig war.


DR. FRITZ: War das eine leitende Stellung, die er hatte? Etwa wie ein Abteilungsleiter?


FUNK: Nein, der Abteilungsleiter war damals ein Dr. Hahnke, soviel ich mich erinnere, später Berndt.


DR. FRITZ: Konnten Sie beobachten, daß Fritzsche mit Dr. Goebbels in irgendeinem engeren Kontakt stand?


FUNK: Ich bin bei den Besprechungen, die Dr. Goebbels täglich mit seinen Referenten abhielt, niemals hinzugezogen worden. Das geschah über den persönlichen Referenten von ihm, den späteren Staatssekretär Hahnke. Da aber Fritzsche nicht Abteilungsleiter war, nehme ich an, daß er zu diesen Besprechungen auch nicht zugezogen wurde. Es wurden hier meist nur die Abteilungsleiter, soweit ich informiert bin, hinzugezogen. Fritzsche bestimmt nicht.


DR. FRITZ: Nach Ihrer Kenntnis in Ihrer Eigenschaft als damaliger Staatssekretär gehörte er also den engeren Mitarbeitern von Dr. Goebbels, wenn ich Sie richtig verstanden habe, überhaupt nicht an.


FUNK: In der damaligen Zeit glaube ich nicht. Was später war, weiß ich allerdings nicht.


[155] VORSITZENDER: Wünscht die Anklagevertretung Fragen an den Zeugen zu stellen?


MR. DODD: Herr Zeuge! Können Sie mich hören?


FUNK: Jawohl.


MR. DODD: Seit Freitag nachmittag haben wir uns Ihre Aussagen angehört. Aus Ihren Erklärungen haben wir entnommen, daß Sie keine der Ihnen in der Anklageschrift zur Last gelegten Anschuldigungen zugeben, mit vielleicht einer Ausnahme. Ich bin mir nicht klar darüber, ob Sie heute früh in Bezug auf Ihren Anteil in der Judenverfolgung etwas zugegeben haben oder nicht. Würden Sie uns bitte jetzt sagen, ob Sie beabsichtigen, Ihre eigene Schuld oder die Rolle, die Sie bei der Judenverfolgung gespielt haben, zuzugeben oder nicht?


FUNK: Ich habe heute morgen gesagt, daß ich ein tiefes Schuldgefühl und eine tiefe Scham empfinde über das, was mit den Juden in Deutschland geschehen ist, und daß ich in dem damaligen Zeitpunkt, als der Terror und die Gewalt begannen, in einen schweren Gewissenskonflikt kam. Ich habe damals gefühlt, möchte ich fast sagen, daß hier schweres Unrecht getan ist. Ich habe aber nicht ein Schuldbekenntnis abgelegt hinsichtlich der hier erhobenen Anklage gegen mich, das heißt, daß ich dadurch im Sinne der Anklage gegen die Menschlichkeit schuldig geworden bin, daß ich die Durchführungsverordnungen zu den von übergeordneten Stellen erlassenen Gesetzen unterschrieben habe, weil diese Gesetzgebung durchgeführt werden mußte, und zwar um die Juden nicht völlig rechtlos zu machen, um ihnen noch wenigstens hinsichtlich der Entschädigung und der Abfindung einen rechtlichen Schutz zu gewähren. Ich erkenne also eine Schuld an vor mir selbst, eine moralische Schuld, aber nicht eine Schuld dadurch, daß ich diese Durchführungsverordnungen unterschrieben habe, jedenfalls nicht eine Schuld gegen die Menschlichkeit.


MR. DODD: Sehr richtig, das wollte ich nämlich genau verstehen. Sie haben auch dem Gerichtshof mitgeteilt, daß Sie »oft an der Türe waren, aber nicht hineingelassen wurden«, und ich verstehe das so, daß Sie sagen wollten, daß Sie nach Ihrem eigenen Urteil tatsächlich nur ein kleiner Mann innerhalb dieser Nazi-Organisation waren? Ist das zutreffend?


FUNK: Jawohl...


MR. DODD: Das genügt. Sie können es vielleicht später ausführlicher erklären, aber für den augenblicklichen Zweck genügt es.


FUNK: Darf ich dazu noch eine Erklärung abgeben? Ich habe das so verstehen wollen, daß bei den Befugnissen, die ich hatte, immer übergeordnete Vollmachten da waren, die die letzte [156] Entscheidung trafen. Das ist bei allen meinen Stellungen im Staate so gewesen.


MR. DODD: Also untersuchen wir einmal zusammen das Beweismaterial und sehen wir, ob Sie immer untergeordnet und immer der kleine Mann waren, »der nicht hineinkommen konnte«.

Vor allem ist da eine Angelegenheit, die ich aufklären möchte, bevor ich mich der allgemeinen Untersuchung zuwende. Sie erinnern sich, daß der Angeklagte Schacht am Zeugenstand aussagte, er hätte, nachdem er aus der Reichsbank ausschied, ein Büro in seiner Privatwohnung gehabt. Stimmt das?


FUNK: Jawohl, das hat er gesagt.


MR. DODD: Nun haben Sie uns bei einer anderen Gelegenheit gesagt, daß er weiterhin ein Büro in der Reichsbank hatte. Ist das richtig?


FUNK: Ich weiß nicht, ob ich das gesagt habe, und wo ich das gesagt habe, aber es kann sein. Mir ist berichtet worden damals, als er ausgeschieden war, daß er noch öfters zur Reichsbank hinging und daß man dort für ihn ein Zimmer reserviert hatte, außerdem hatte er ja noch ein gewisses Personal, eine Sekretärin, die von der Reichsbank aus mitgenommen war, und sonst weiß ich nichts.


MR. DODD: Eine andere Frage. Haben Sie nicht bei einer anderen Gelegenheit gesagt, daß er noch ein Büro in der Reichsbank hatte, wo er an statistischen Daten der Reichsbank arbeitete und mit Ihnen in Kontakt blieb, dann und wann. Ist das richtig? Erinnern Sie sich, daß Sie uns das gesagt haben oder nicht?


FUNK: So war es nicht. Schacht ist sehr selten noch...

MR. DODD: Wenn Sie sich nicht daran erinnern können, dann werde ich Ihnen ein wenig nachhelfen. Erinnern Sie sich, daß Sie von Major Hiram Gans von der US-Armee am 2., 3. und 4. Juni 1945 verhört wurden? Erinnern Sie sich daran? Sie erinnern sich doch, daß Göring und von Krosigk und Lammers dort waren...


FUNK: Jawohl.


MR. DODD: Richtig. Sie wurden folgendes gefragt, oder besser, dieser Antwort gingen einige Fragen voraus:

Frage:

»Hatte Schacht noch einen Posten in der Regierung nach seiner Entlassung als Präsident der Reichsbank?«

Göring antwortete: »Reichsminister«.

Dann eine andere Frage:

»Hatte er einige Funktionen?«

Göring antwortete wieder:

»Er blieb Minister ohne Portefeuille.«

[157] Eine andere Frage:

»Gab es Kabinettssitzungen, denen er beiwohnte?«

Göring antwortete wieder:

»Es fanden keine Kabinettssitzungen, zu dieser Zeit statt.«

Frage:

»Es war also nur ehrenhalber?«

Göring sagte: »Praktisch«.

Und dann unterbrachen Sie mit folgender Erklärung:

»Schacht unterhielt, nachdem er entlassen war, ein Büro in der Reichsbank, wo er statistische Daten der Reichsbank ausarbeitete und mit mir in Kontakt blieb, dann und wann.«

Frage:

»Wie lange dauerte das?«

Und Sie antworteten:

»Nach Schachts Entlassung vielleicht bis 1943.«

Sie haben diese Antwort gegeben, nicht wahr?

FUNK: Das ist nicht richtig. So habe ich mich nicht ausgedrückt; ich habe nur gesagt, mir ist berichtet worden, daß er noch öfters zur Reichsbank kam, daß man ihm dort ein Zimmer reserviert hatte, und mit mir selbst hat er nur sehr selten gesprochen. Er ist nur wenige Male noch bei mir gewesen. Das ist nicht richtig übertragen.

MR. DODD: Sie wissen, woraus ich verlese, nicht wahr? Sie kennen doch dieses Dokument 2828-PS?


FUNK: Nein.


MR. DODD: Teile davon sind schon als Beweisstück US-652 vorgelegt worden. Später werde ich den Teil, den ich gerade verlesen habe, ebenfalls vorlegen. Dr. Sauter, Ihr Verteidiger hat sich auf einen Brief bezogen, den Sie an Hitler geschrieben haben. Ich glaube, es war 1939. Ein sehr überschwenglicher Brief, von dem Sie sagten, daß er aus der zu dieser Zeit herrschenden allgemeinen Stimmung und aus der Tatsache zu erklären sei, daß er auf Ihren fünfzigsten Geburtstag Bezug hatte, nicht wahr? Sie hatten noch einen anderen Grund, diesen Brief in Verbindung mit Ihrem Geburtstag zu schreiben, nicht wahr? Wissen Sie, worauf ich anspiele?


FUNK: Jawohl.


MR. DODD: Sie erhielten 520.000 RM. von Hitler als Geburtstagsgeschenk, nicht wahr?


FUNK: Nein, das stimmt nicht.


MR. DODD: Haben Sie nicht von Göring und Goebbels ein Geschenk...


[158] FUNK: Ja...


MR. DODD: Warten Sie eine Sekunde, bis ich fertig bin, Sie scheinen sich nicht zu erinnern, Sie haben von Göring und Goebbels erst einmal ein Geschenk von 250.000 RM. von führenden Geschäftsleuten in Deutschland erhalten und dann 270.000 RM., die aus Sonderkonten von Göring und Goebbels stammten. Dann erfuhr Hitler davon und befahl Ihnen, das Geld zurückzugeben, da nämlich ein Teil davon aus der Industrie stammte. Er selber hat Ihnen dann später eine sogenannte Schenkung in Höhe von 520.000 RM. gemacht. Stimmt das?


FUNK: Das erste stimmt nicht, aber das letztere stimmt, aber darf ich die Zusammenhänge aufklären, sie sind völlig anders.


MR. DODD: Jawohl.


FUNK: An meinem 50. Geburtstag erschien bei mir der Präsident und das Präsidium der Reichswirtschaftskammer, der Spitzenorganisation der gesamten deutschen Wirtschaft und erklärten mir, daß sie mir in Anbetracht meiner länger als zwanzigjährigen Tätigkeit für die deutsche Wirtschaft mit Genehmigung des Führers ein Geschenk machen wollten, und zwar einen Hof in Bayern. Das wurde leider ein Danaergeschenk, denn ich habe nachher durch dieses Geschenk sehr viele Sorgen und Kummer bekommen. Es wurde ein großes Haus dort gebaut, weil, wie mir gesagt wurde, der Führer sich dahin geäußert hatte, daß ich dort auch arbeiten sollte, und es kam eine Steuerforderung an mich, die so hoch war, daß ich sie nicht bezahlen konnte und die Restbaukosten ebenfalls nicht. Darauf wandte ich mich nicht an Göring, sondern Göring hörte davon und ließ mir 300.000 RM. zukommen, um aus den finanziellen Schwierigkeiten herauszukommen. Von Goebbels war das kein Geld, was ich bekam, sondern mit Genehmigung von Goebbels schloß sich die Filmwirtschaft der Schenkung der Reichswirtschaftskammer an, die mir dieses Geld gab. Als der Führer von den Schwierigkeiten hörte, die ich in Bezug auf Steuern und auch auf sonstige Zahlungen hatte, da hat er mir eine Summe von 500.000 RM. zur Verfügung gestellt, und ich habe von den andern empfangenen Geldern zwei Stiftungen gemacht, eine Stiftung von 500.000 RM. für die Reichsbank, und zwar für die Hinterbliebenen der im Kriege gefallenen Mitglieder der Reichsbank und von 200.000 RM. für das Reichswirtschaftsministerium, das heißt für die Hinterbliebenen der im Kriege gefallenen Mitglieder des Reichswirtschaftsministeriums, und ich habe diesen Hof und dieses große Haus nur deshalb bewohnen können und aufrechterhalten können, weil ich ein verhältnismäßig hohes Einkommen hatte, war aber von Anfang an, nachdem ich sah, welch hohe Kosten und Auslagen damit verbunden waren, insbesondere an Steuern und so weiter, entschlossen, diesen Besitz nach meinem Tode, das war eine [159] Vereinbarung mit meiner Frau, wieder als Stiftung, entweder an die Reichsbank oder an meine ostpreußische Heimat abzugeben. Ich habe hierüber auch mit Herren des Reichsbankdirektoriums mehrmals gesprochen.


MR. DODD: Ich bin nicht sehr interessiert daran, was Sie damit gemacht haben. Ich möchte nur wissen, ob Sie es bekommen haben. Und Sie haben es doch bekommen, nicht wahr? Sie haben 520.000 RM. bekommen?


FUNK: Jawohl.


MR. DODD: Sie haben auch einmal selber aus öffentlichen Geldern dem Angeklagten Frick ein Geschenk gemacht, nicht wahr? Haben Sie nicht Frick am 12. März 1942 ein Geburtstagsgeschenk von 250.000 RM. gemacht?


FUNK: Das weiß ich nicht.


MR. DODD: Sie erinnern sich nicht daran? Daran erinnern Sie sich nicht? Wissen Sie etwas über die anderen Geschenke, die den anderen Angeklagten aus öffentlichen Geldern gemacht wurden, entweder kraft Ihrer Stellung als Reichsbankpräsident oder als hoher Funktionär der Nazi-Partei? Wissen Sie etwas über diese anderen Leute und was sie aus öffentlichen Geldern bekommen haben?


FUNK: Diese Gelder wurden nicht von mir ausgegeben, sondern sie wurden aus einem Fonds des Führers durch Lammers gegeben. Ich habe derartige Gelder nicht gegeben.


MR. DODD: Das waren öffentliche Gelder, nicht wahr? Und sie stammten doch aus öffentlichen Mitteln? Wissen Sie denn nicht, daß Rosenberg 250.000 RM. bekommen hat? Wußten Sie das?


FUNK: Nein.


MR. DODD: Waren Sie im Januar 1944 Präsident der Reichsbank?


FUNK: Ja, aber die Gelder kamen nie von der Reichsbank, das waren Gelder aus Fonds, die Lammers verwaltete. Ich nehme an, daß diese Gelder aus der Adolf-Hitler-Spende oder aus anderen Dingen kamen, aber die Reichsbank hat mit diesen Fonds gar nichts zu tun gehabt.


MR. DODD: Wissen Sie, daß von Neurath 250.000 RM. am 2. Februar 1943 bekommen hat? Wissen Sie etwas davon? Sie waren damals Präsident der Reichsbank?


FUNK: Ich weiß darüber nichts.


MR. DODD: Sie haben schon über Lammers gehört und seine 600.000 RM. Sie wissen, daß Keitel 250.000 RM. bekommen hat am 22. September 1942. Haben Sie nie davon gehört?


[160] FUNK: Die Reichsbank hatte mit diesen Sachen gar nichts zu tun.


MR. DODD: Sie wissen, daß von Ribbentrop 500.000 RM. am 30. April 1943 bekommen hat. Hörten Sie nie davon? General Milch hat 500.000 RM. im Jahre 1941 bekommen Und Sie wußten von allen diesen Dingen nichts?


FUNK: Mit diesen Dingen bin ich nie befaßt worden, das hat Lammers gemacht, und das Geld ist nicht von der Reichsbank gekommen.


DR. DODD: Ich verstehe Sie also dahin, daß Sie früher nicht der tatsächliche wirtschaftliche Berater Hitlers oder der Nazi-Partei waren, das heißt, nach Ihrer eigenen Meinung waren Sie das nicht. Es ist indessen Tatsache, daß Sie im allgemeinen von der Öffentlichkeit, von den Industriellen, den Parteimitgliedern und den hohen Parteibeamten als solcher angesehen wurden, nicht wahr?


FUNK: Ich wurde so genannt, das habe ich hier gesagt, auf Grund meiner Tätigkeit, damals in dem einen Jahr 1932, als ich zwischen dem Führer und einigen führenden Wirtschaftlern Unterredungen vermittelte und die hier geschilderte kurze Tätigkeit in der Partei ausübte.


MR. DODD: Sie haben sich doch selbst dann und wann wirtschaftlicher Berater genannt, nicht wahr? Wenigstens bei einer Gelegenheit während eines Verhörs, haben Sie sich da nicht selbst als Wirtschaftsbe rater der Partei betitelt? Erinnern Sie sich daran?


FUNK: Nein.


MR. DODD: Ich glaube, Sie werden zustimmen, daß Sie im allgemeinen als solcher betrachtet wurden. Aber von besonderer Bedeutung ist, daß die Öffentlichkeit glaubte, Sie seien es.


FUNK: Ich habe hier erklärt, daß die Presse mich so genannt hat und daß von der Presse aus diese Bezeichnung offenbar in die Literatur übergegangen ist. Ich selbst habe mich nie so genannt.


MR. DODD: Waren Sie in den Anfangstagen der hauptsächliche Verbindungsmann zwischen der Partei und der Industrie?


FUNK: Im Jahre 1932, und nur dieses Jahr kommt ja in Betracht für eine Parteitätigkeit von mir, später habe ich keine Parteitätigkeit mehr ausgeübt und vorher auch nicht. Ich habe aber zwischen Hitler und einigen führenden Männern der Industrie, die ich aufzählen kann, Gespräche vermittelt, aber diese Tätigkeit führten auch andere aus, zum Beispiel der Staatssekretär Keppler.


MR. DODD: Ich frage Sie nicht über andere Leute, ich frage Sie, ob Sie nicht der hauptsächliche Verbindungsmann waren. Sie wurden doch durch die Industrie ermutigt, in der Partei tätig zu werden, nicht wahr?


[161] FUNK: Jawohl.


MR. DODD: Sie waren der Verbindungsmann zwischen der Nazi-Partei und den großen Geschäftsleuten in Deutschland, nicht wahr?


FUNK: Es nahm nicht viel Zeit in Anspruch, aber ich habe es getan.


MR. DODD: Ob es viel oder wenig Ihrer Zeit in Anspruch nahm, interessiert hier nicht. Es nahm Ihre Zeit wenig in Anspruch. Sie haben es doch getan, nicht wahr?


FUNK: Jawohl.


MR. DODD: Sie erinnern sich vielleicht an das Dokument EC-440. Es ist tatsächlich eine Erklärung, die Sie entwarfen und abfaßten, die die Beziehungen der deutschen Industrie zur Partei innerhalb der nationalsozialistischen Staatsführung zum Inhalt hatte. Erinnern Sie sich, daß Sie diese Erklärung am 28. Juni 1945 abfaßten, und daß Sie selbst sagten: »Keppler, der später Staatssekretär wurde und der vor mir der Wirtschaftsberater des Führers war...« Sie haben diesen Ausdruck gebraucht, erinnern Sie sich?


FUNK: Keppler?

MR. DODD: Jawohl, er war Berater vor Ihnen. Erinnern Sie sich daran?


FUNK: Ja.


MR. DODD: Wenn ich Sie richtig verstanden habe, wollen Sie den Gerichtshof glauben machen, daß Sie im Propagandaministerium so etwas wie ein Verwaltungsbeamter waren und kein sehr bedeutender Mann, und daß Sie nicht wußten, was sich wirklich abspielte? Ist das Ihre Auffassung?


FUNK: Nein. Ich hatte eine sehr große Aufgabe, nämlich die Leitung eines sehr umfangreichen Kulturwirtschaftskonzerns. Das habe ich hier ausgeführt. Er bestand aus Filmgesellschaften, aus Theatern, Orchestern, aus dem Werberat der Deutschen Wirtschaft, aus der Verwaltung des gesamten Deutschen Rundfunks, ein Hundert-Millionen-Unternehmen, also eine sehr umfangreiche Tätigkeit, eine organisatorische, wirtschaftliche und finanzielle Tätigkeit, während die Propagandatätigkeit selbstbeherrschend und ausschließlich von Goebbels gemacht wurde.


MR. DODD: Ja. Sie kannten die Politik und die Ziele des Propagandaministeriums. Darüber besteht kein Zweifel, nicht wahr?


FUNK: Jawohl.


MR. DODD: Sie kannten das?


FUNK: Jawohl.


[162] MR. DODD: Gut. Jetzt können wir noch auf eine weitere Frage übergehen, die ich bereits früher anschnitt, um eine andere Sache klarzustellen. Erinnern Sie sich daran, daß der Angeklagte Schacht hier während seiner Zeugenaussage bekundete, wie ich glaube, er sei nicht derjenige gewesen, der bei der jetzt so wohlbekannten Zusammenkunft einer Anzahl von Großindustriellen zur Begrüßung von Hitler die Sammlung vorgenommen hat? Schacht sagte, er sei es nicht gewesen, ich glaube, er sagte, es war Göring oder jemand anders. Erinnern Sie sich an diese Zeugenaussage von Schacht? Sie erinnern sich daran, daß Sie über diese Angelegenheit selbst verhört wurden?


FUNK: Jawohl.


MR. DODD: Erinnern Sie sich, was Sie uns damals gesagt haben?


FUNK: Jawohl.


MR. DODD: Was haben Sie uns gesagt?


FUNK: Ich habe mitgeteilt, daß Schacht eine kurze Ansprache hielt, nachdem Hitler und auch Göring gesprochen hatten, und daß er dann die Anwesenden bat, sozusagen zur Kasse zu gehen und zu unterschreiben, also Gelder für den Wahlfonds aufzubringen. Er hat die Sammlung vorgenommen und hat gesagt, die Kohlenindustrie...


MR. DODD: Wer?


FUNK: Er sagte...


MR. DODD: Wer hat die Sammlung vorgenommen. Ich weiß nicht, wen Sie meinen mit »er«?


FUNK: Schacht.


MR. DODD: Das ist alles, was ich über diesen Punkt wissen wollte.

Wann haben Sie das erstemal gehört, daß die Terroraktionen von November 1938 nicht spontan waren?


FUNK: Am Vormittag des 9. November, auf der Fahrt von meinem Hause ins Ministerium habe ich zum erstenmal gesehen, was in der Nacht angerichtet worden war. Vorher war mir nicht das geringste davon bekannt, daß solche Exzesse und Terrormaßnahmen geplant waren.


MR. DODD: Ich glaube, Sie haben mich mißverstanden. Ich fragte Sie nicht, wann Sie zum erstenmal von diesen Aktionen hörten; ich frage Sie, wann Sie zum erstenmal erfuhren, daß sie nicht spontan waren, wann Sie mm erstenmal erfuhren, daß sie von irgend jemand angestiftet und geplant waren?


FUNK: Das habe ich erst später erfahren.


MR. DODD: Wielange später erst?


[163] FUNK: Ich glaube, sehr viel später. Es ist über diese Sache später sehr viel diskutiert worden. Es wurde niemals klar, wer nun eigentlich der Urheber dieser Terror- und Gewaltmaßnahmen gewesen ist und wo eigentlich der Befehl ausgelöst wurde.

Daß er von München kam, wußten wir, das haben wir inzwischen erfahren, und zwar am 9. November. Aber ob das Goebbels oder Himmler war und wie weit der Führer selbst daran beteiligt war, das habe ich niemals klar erfahren können. Aus meinem Telephongespräch mit Goebbels, das ich heute erwähnt habe, ging allerdings das eine hervor, daß der Führer von dieser Sache gewußt haben mußte, weil er mir sagte, der Führer hat angeordnet jetzt und es hat das Göring auch gesagt, daß die Juden vollkommen aus der Wirtschaft ausgeschaltet werden müßten. Daraus mußte ich schließen, daß der Führer selbst informiert war über diese Sache.


MR. DODD: Aus jenem Telephongespräch können wir auch etwas anderes hier entnehmen. Sie wußten, daß Goebbels diese Geschichte angefangen hat, nicht wahr, und zwar am darauffolgenden Tage. Sie wußten, daß es nicht spontan war, und darum haben Sie Goebbels angerufen und ihn zur Rede gestellt, nicht wahr?


FUNK: Ja.


MR. DODD: Wieviele Tage später haben Sie jene aufhetzende Rede gehalten, in der Sie sagten, was mit den Juden geschehen solle? War es nicht ungefähr sechs Tage nachher? Ich meine, die in der Frankfurter Zeitung veröffentlicht wurde. Ihr Anwalt hat heute morgen davon gesprochen.


FUNK: Ja, das war zunächst so...


MR. DODD: Und in dieser Rede versuchten Sie, es der Bevölkerung so hinzustellen, als ob es eine spontane Aktion gewesen wäre, nicht wahr?


FUNK: Jawohl.


MR. DODD: Sie wußten, daß dies nicht wahr war, nicht wahr?


FUNK: Ich habe das damals noch nicht gewußt. Ich habe damals noch geglaubt, daß es wirklich etwas, was weitere Kreise gezogen hat, war. Ich habe erst viel später erfahren, daß hier eine ganz routinierte Maschinerie in Bewegung gesetzt worden war.


MR. DODD: Wollen Sie dem Gerichtshof jetzt sagen, daß Sie am Morgen Ihres Telephongesprächs mit Goebbels, als Sie ihm für diese Aktion mehr oder weniger die Schuld gaben, noch nicht wußten, daß er sie eingeleitet hatte? Ist das Ihre Stellungnahme?


FUNK: Ich habe damals noch nicht gewußt, von wem die Terroraktion eingeleitet worden ist, und wie sie durchgeführt worden war. Das war mir völlig neu.


[164] MR. DODD: Wenn Sie nicht wußten, wer sie eingeleitet hatte, dann wußten Sie doch jedenfalls, daß sie von jemand angefangen und nicht spontan war.


FUNK: Jawohl.


MR. DODD: Und doch versuchten Sie in Ihrer Rede vom 15. November der Öffentlichkeit glaubhaft zu machen, daß es ein Aufstand des deutschen Volkes war, nicht wahr?


FUNK: Ich habe das begründet mit dem Attentat auf, ich weiß nicht, was er war, Attaché in Paris, und tatsächlich war infolge des Attentats schon eine erregte Stimmung, das ist gar nicht zu bezweifeln.


MR. DODD: Ich glaube, Sie verstehen meine Frage schon, Herr Zeuge. Sie drückten sich damals folgendermaßen aus: »Daß die letzte gewaltsame Entladung der Empörung des Volkes auf Grund eines verbrecherischen jüdischen Anschlages gegen das deutsche Volk sich ereignete...« und weiter in diesem Sinne. Sie versuchten, es als die spontane Reaktion des deutschen Volkes darzustellen, und ich behaupte, daß Sie es besser wußten und dies schon seit einigen Tagen gewußt haben, nicht wahr?


FUNK: Ich habe aber nicht gewußt, daß das im einzelnen vor sich gegangen war. Daß hier ein Anstoß von irgendeiner Stelle gegeben war, das war mir allerdings bekannt, das gebe ich zu.


MR. DODD: Gut. Wann haben Sie den Ausdruck »Glaswoche« geprägt? Sie kennen den Ausdruck, nicht wahr, und woher er kam?


FUNK: »Glaswoche«?


MR. DODD: Jawohl.


FUNK: Das habe ich einmal für diese Aktion gebraucht.


MR. DODD: Sie prägten den Satz.


FUNK: Weil viel zerschlagen worden war.


MR. DODD: Aber Sie sind der Mann, der diesen Ausdruck zuerst gebraucht hat. Sie sind der Mann, nicht wahr? Das war Ihr Ausdruck?


FUNK: Ja, ich habe ihn gebraucht.


MR. DODD: Und Sie haben ihn gebraucht, als Sie diese Frankfurter-Zeitung-Rede hielten?


FUNK: Ich habe damals diese Aktion mit diesem Ausdruck einmal belegt, das stimmt, weil eben sehr viel zerschlagen worden war.


MR. DODD: Lassen Sie uns nun ein bißchen weitergehen zu der wohlbekannten Zusammenkunft vom 12. November, als Göring und Goebbels und alle die anderen Leute über die Juden ihre Bemerkungen machten und Sie, nach Ihrer Aussage, anwesend waren. [165] Sie machten an jenem Tage keinen Einwand gegen irgend etwas, was da gesagt wurde, nicht wahr?


FUNK: Nein, ich habe nur versucht, verschiedene Dinge durchzusetzen, um noch etwas für die Juden zu retten, zum Beispiel ihren Effektenbesitz. Dann habe ich durchgesetzt, daß die Läden wieder eröffnet wurden, so daß dann eine langsame Abwicklung eintrat und noch einiges andere.


MR. DODD: Ich verstehe das. Aber ich dachte, daß Sie heute morgen über die schrecklichen Dinge, die den Juden geschehen sind, ziemlich erschüttert waren, und Sie erinnern sich an einige der Vorschläge, die Göring und Goebbels an dem Tage machten? Das waren ziemlich scheußliche Dinge, nicht wahr?


FUNK: Ich habe das offen zugegeben, daß ich da durch sehr erschüttert war...


MR. DODD: Wirklich? Nun...


FUNK:... und daß ich dadurch in sehr schwere Gewissenskonflikte kam.


MR. DODD: Gut. Und Sie haben dann später, wie die Frankfurter Zeitung berichtete, diese Rede gehalten und diese Anordnungen durchgeführt, trotz Ihrer Gewissenskonflikte, nicht wahr?


FUNK: Die Verordnungen mußten kommen, das habe ich ja mehrfach hier betont. Ja, ich habe keine Gewissensbisse gehabt, weil die Verordnungen kamen. Gewissensbisse habe ich gehabt über den Anlaß dazu. Aber die Verordnungen selbst...


MR. DODD: Das ist es ja gerade, was ich Sie frage.


FUNK: Aber die Verordnungen dazu mußten kommen, die Gründe dafür, ja, das gebe ich zu.


MR. DODD: Sie wissen, daß Schacht am Zeugenstand gesagt hat, er glaube, daß, falls er Reichswirtschaftsminister gewesen wäre, diese Dinge nicht geschehen wären. Erinnern Sie sich, daß er das neulich hier sagte?


FUNK: Jawohl. Dann muß er aber sehr machtvolle und gute Beziehungen zur Partei gehabt haben, sonst hätte er das nicht erreichen können.


MR. DODD: Und Sie hatten diese guten Beziehungen zur Partei nicht gehabt? Sie waren nicht in der Partei, Sie waren Minister?


FUNK: Ich habe diese Beziehungen nicht gehabt, ich konnte diese Terroraktionen nicht verhindern.


MR. DODD: Na gut, wir werden das schon sehen. Ihr Anwalt hat für Sie eine eidesstattliche Erklärung vorgelegt, von einem Oeser, O-e-s-e-r. Erinnern Sie sich dieses Mannes? O-e-s-e-r, erinnern Sie sich seiner?


[166] FUNK: Ja.


MR. DODD: Sie erinnern sich seiner?


FUNK: Ja.


MR. DODD: Und seine eidesstattliche Erklärung – ich glaube, es war ein Verhör...


VORSITZENDER: Herr Dodd! Lassen Sie uns eine Pause von zehn Minuten machen


[Pause von 10 Minuten.]


MR. DODD: Herr Zeuge! Ich habe Sie vor der Pause über einen gewissen Oeser befragt, O-e-s-e-r; Sie erinnern sich seiner? Er war einer von Ihren Angestellten an der Frankfurter Zeitung, nicht wahr?

FUNK: Er war Leiter des Berliner Wirtschaftsbüros der Frankfurter Zeitung, er war ein sehr angesehener Journalist.


MR. DODD: Ja, Sie wissen, daß Sie einen Fragebogen oder eine eidesstattliche Erklärung von ihm haben, die Sie dem Gerichtshof unterbreiten; es ist in Ihrem Dokumentenbuch.


FUNK: Er hat sich freiwillig erboten dazu.


MR. DODD: Gut, ich frage Sie nicht – es ist gut –, ob er das getan hat oder nicht, ich wollte nur feststellen, ob Sie wissen, daß er es getan hat.


FUNK: Ja.


MR. DODD: In diesem Affidavit nun, wie ich es verstehe, behauptet Oeser, daß Sie sich wirklich ganz anständig gegenüber den Juden benahmen, die bei dieser Zeitung tätig waren, nicht wahr? War der Sinn nicht der, daß Sie diese Juden, um sie vor der Entlassung und so weiter zu bewahren, als Ausnahmefälle behandelten, wie sie in diesen Erlassen vorgesehen waren?


FUNK: Ja.


MR. DODD: Gut.


FUNK: Ich habe eine ganze Reihe von Redakteuren unter die Ausnahmebestimmungen fallen lassen.


MR. DODD: Jawohl. Ich weiß. Ich möchte Sie aber eins fragen: Es gab in Wahrheit einen anderen Grund für Ihr Benehmen gegenüber dieser Zeitung, außer Ihrer anständigen Haltung den Juden gegenüber, nicht wahr?


FUNK: Nein.


MR. DODD: Gut, warten Sie einen Moment.


FUNK: Ich kannte diese Leute nicht persönlich.


[167] MR. DODD: Ich will nicht sagen, daß Sie diese Leute persönlich kannten, aber ich behaupte, daß da noch ein anderer Grund vorhanden war, außer Ihrem Gefühl für die Juden als Volk, den Sie aber dem Gerichtshof bis jetzt noch nicht mitgeteilt haben, vielleicht einen anderen Grund?


FUNK: Bei den Redakteuren der Frankfurter Zeitung?


MR. DODD: Jawohl.


FUNK: Nein.


MR. DODD: Nun, stimmt es nicht, daß Sie und wahrscheinlich Hitler und sicherlich Goebbels und einige der anderen höheren Führer der Partei beschlossen hatten, dieser Zeitung wegen ihres großen Einflusses im Ausland den status quo zu erhalten? ist das nicht richtig?


FUNK: Davon war damals noch nicht die Rede, das kam erst später. Das kam erst zu der Zeit als der Führer verlangte, daß fast alle führenden Tageszeitungen entweder in den Besitz der Partei übergingen oder aber mit Parteizeitungen verschmolzen wurden. Da ist es mir gelungen, die Frankfurter Zeitung von diesem Beschluß zu retten, und die Frankfurter Zeitung hat dann auch noch lange bestanden. Das war viel später. Hier war es tatsächlich der Grund, um einigen jüdischen Redakteuren zu helfen.


MR. DODD: Gut.


FUNK: Es war nur ein rein menschlicher Grund.


MR. DODD: Sie können dies antworten. Ich wollte nur Ihre Antwort zu Protokoll nehmen, weil ich diese Sache später noch des weiteren erörtern will. Verstehe ich richtig: Sie bestreiten, daß Ihre Politik, den status quo der Frankfurter Zeitung zu bewahren, nicht auf dem Einfluß, den die Zeitung im Ausland hatte, beruhte?


FUNK: Nein, es war durchaus meine Meinung, daß die Frankfurter Zeitung beibehalten werden soll.


MR. DODD: Geschah dies aus dem Grund, den ich unterstelle, daß nämlich diese Leute in der Finanzwelt im Auslande gut bekannt waren, und Sie den nutzbringenden Einfluß dieser Zeitung im Auslande nicht beeinträchtigen wollten?

Gerade dies meine ich, und das war auch der Grund, warum Sie die Juden nicht entlassen haben und nicht etwa, weil Sie Mitleid mit ihrem Schicksal als Juden hatten.


FUNK: Nein, in diesem Falle nicht, in diesem Falle war das nicht so.


MR. DODD: Sehr gut. Ich will nun im Hinblick auf Ihre Tätigkeit als Generalbevollmächtigter für die Wirtschaft und ihre Beziehung zu den Kriegen gegen Polen und die anderen Mächte einige [168] Fragen an Sie stellen. Ich will Ihnen sagen, worum es sich zuerst handelt, damit Sie im Bilde sind. Sie behaupten doch nicht, daß Ihre Stellung als Generalbevollmächtigter für die Wirtschaft nicht viel mit den Angelegenheiten der Wehrmacht zu tun hatte?


FUNK: Jawohl, das behaupte ich; mit der Wehrmacht...


MR. DODD: Nun, ich habe hier einen Brief in der Hand, den Blomberg an Göring schrieb. Erinnern Sie sich an diesen Brief? Er ist ein neues Dokument, und Sie haben es im Verlauf dieses Prozesses nicht gesehen, aber erinnern Sie sich an irgendeinen solchen Brief?


FUNK: Nein.


MR. DODD: Gut. Ich bitte, daß Ihnen Dokument EC-255 übergeben wird.


[Zum Vorsitzenden gewandt:]


Herr Vorsitzender! Dies wird Beweisstück US-839.


[Zum Zeugen gewandt:]


Also an diesem Brief von von Blomberg interessiert mich wirklich nur der letzte Satz. Sie werden bemerken, daß von Blomberg in diesem Brief erwähnt, daß Schacht ernannt worden ist, aber im letzten Satz oder zuerst im vorletzten Abschnitt wird auf Ihre sofortige Ernennung gedrängt. Das ist in diesem Brief unterstrichen; und im letzten Absatz schreibt er:

»Die Dringlichkeit der einheitlichen Weiterbearbeitung aller Vorbereitungen für die Kriegsführung läßt ein Lahmlegen dieser Stelle bis zum 15. 1. 1938 nicht zu.«

Übrigens ist dieser Brief am 29. November 1937 geschrieben worden. Sicherlich glaubte doch von Blomberg, daß die Stellung, für die er Sie vorschlug, auf die Kriegsführung eine außerordentlich große Wirkung ausüben würde, nicht wahr?

FUNK: Das mag sein, aber ich kenne erstens mal den Brief nicht und zweitens bin ich nicht sofort zum Generalbevollmächtigten für die Wirtschaft ernannt worden, sondern erst im weiteren Verlauf des Jahres 1938 und auch erst längere Zeit, nachdem ich schon Wirtschaftsminister war, und als ich Lammers danach fragte, warum ich erst so spät ernannt werde zum Bevollmächtigten für die Wirtschaft, erklärte mir Lammers, es müßte erst eine Klärung meines Verhältnisses zum Beauftragten für den Vierjahresplan geschaffen werden. Das ist der Grund gewesen, warum ich erst Monate später zum Beauftragten für die Wirtschaft ernannt wurde, weil es klargestellt werden mußte, daß Göring die entscheidenden Befugnisse für die Kriegswirtschaft hat...

MR. DODD: Sie brauchen auf alle diese Einzelheiten nicht einzugehen.


[169] FUNK: Ich kenne den Brief nicht, ich habe mit von Blomberg niemals gesprochen über die Angelegenheit.


MR. DODD: Gut. Sie erinnern sich vielleicht doch, daß das OKW nach Ihrer Ernennung irgendwelche Einsprüche erhoben hat wegen der Bedeutung der Befugnisse, die Sie hatten; erinnern Sie sich daran?

FUNK: Nein.


MR. DODD: Nun, ich habe hier noch ein anderes Dokument. EC-270. Ich werde es Ihnen vorlegen lassen, es wird Beweisstück US-840. Während wir darauf warten, kann ich Ihnen sagen, daß es ein Brief vom 27. April 1938 ist. Sie werden im ersten Absatz dieses Briefes des OKW finden, daß die Auslegung des Führererlasses, des Erlasses vom 4. Februar 1938, den Notwendigkeiten der totalen Kriegsführung nicht entspricht.

Und dann im dritten Absatz auf dieser ersten Seite werden Sie finden, daß andere Einwendungen wegen Ihrer Befugnisse erhoben wurden. Augenscheinlich dachte damals das OKW, daß Sie mit dem Kriegseinsatz zuviel zu tun hätten; und schließlich auf der letzten Seite, Herr Zeuge, wenn Sie sich diesen Absatz ansehen wollen, dann werden Sie folgenden Satz auf der letzten Seite des englischen Textes..., jedenfalls gegen Ende des Briefes folgenden Satz finden:

»Die dem Generalbevollmächtigten unterstehende Kriegswirtschaft stellt die wehrwirtschaftliche Etappe der Rüstungsindustrie dar.«

Und ich wünsche, daß Sie sich sorgfältig dieses Wort »Rüstungsindustrie« merken.

Dann geht es weiter:

»Versagt diese Etappe, so ist die Schlagkraft der Wehrmacht in Frage gestellt.«

Ich bitte Sie, sich das Wort »Rüstungsindustrie« besonders zu merken, denn ich erinnere mich, daß Sie heute morgen sagten, Sie hätten mit der Rüstungsindustrie absolut nichts zu tun; aber offenbar dachte das OKW am 27. April 1938 anders darüber, nicht wahr?

FUNK: Ich kenne auch diesen Brief nicht; ich kenne auch die Einstellung des OKW nicht, ich weiß aber folgendes, daß das OKW. insbesondere der hier mitangeklagte Feldmarschall Keitel, damals die Meinung vertrat, ich sollte als Generalbevollmächtigter für die Wirtschaft in die Befugnisse von Schacht eintreten. Es hat aber eine Unterredung damals zwischen dem Reichsmarschall und dem Feldmarschall Keitel stattgefunden, das hat mir Keitel bestätigt, in der der Reichsmarschall klipp und klar erklärt hat, die Kriegswirtschaft bekommt der Funk nicht, und ich habe von all diesen Dingen, das kann ich hier ehrlich und offen sagen, nicht die geringste Ahnung gehabt. Ich wußte nicht, was das OKW mir für Stellungen zugedacht [170] hat, ich habe diese Funktion noch nie ausgeübt, denn die Rüstungswirtschaft lag niemals beim Wirtschaftsministerium. Ich erinnere mich an die Dinge nicht.

MR. DODD: Gut, das ist Ihre Antwort. Ich nehme an, daß Sie damals, wie Sie dem Gerichtshof mitgeteilt haben, sich auch darüber klar waren, daß Sie Göring wirklich untergeordnet waren und sich in einer sehr niedrigen Stellung in all diesen Dingen befanden, nicht wahr?


FUNK: Ja.


MR. DODD: Nun bitte ich Sie, ein anderes Dokument einzusehen, EC-271, das Beweisstück US-841 wird. Dieses Dokument besteht aus einem Brief, den Sie an Lammers geschrieben haben, einen Brief, den Lammers an den Chef des OKW, Feldmarschall Keitel, geschrieben hat und einem oder zwei anderen Briefen, die nichts mit der heutigen Untersuchung zu tun haben. Er wurde am 31. März 1938 geschrieben, und ich möchte Sie bitten, sich die zweite Seite anzusehen, denn dort erscheint Ihr Brief. Die erste Seite ist ein Begleitbrief von Lammers an Keitel. Sehen wir uns die zweite Seite an; haben Sie sie?


FUNK: Ja.


MR. DODD: Sie schreiben an Lammers und sagten... ich werde nicht den ganzen Brief zitieren, sondern nur den zweiten Absatz. Sie schreiben an Lammers und sagen unter anderem:

»Anläßlich der Reise nach Österreich habe ich mit Herrn Generalfeldmarschall Göring unter anderem auch über die Stellung des Generalbevollmächtigten für die Kriegswirtschaft gesprochen. Ich habe hierbei zum Ausdruck gebracht, daß, entgegen der nach mir gewordenen Mitteilungen vom Oberkommando der Wehrmacht vertretenen Auffassung, durch den Erlaß über die Führung der Wehrmacht vom 4. Februar 1938 eine Änderung in der Stellung des Generalbevollmächtigten für die Kriegswirtschaft nicht eingetreten sei.«

Und dann sagen Sie weiter, daß, abgesehen von der Tatsache, daß sich der Erlaß ausschließlich auf das OKW bezog und so weiter, und daß besonders der letzte Absatz dieses Erlasses erklärt, daß Sie vom Befehl des Führers abhängig waren.

Dann sagen Sie weiter:

»Zu den Weisungen des Führers gehört aber auch die Entschließung der Reichsregierung vom 21. Mai 1935, nach der der Generalbevollmächtigte für die Kriegswirtschaft für sein Aufgabengebiet als Oberste Reichsbehörde dem Führer unmittelbar unterstellt ist.

Herr Generalfeldmarschall Göring hat mir versichert, daß meine vorstehend wiedergegebene Auffassung in jeder [171] Hinsicht zutreffend sei und auch der Ansicht des Führers entspräche. Ich habe ihn daraufhin gebeten, mir dies kurz schriftlich zu bestätigen. Herr Generalfeldmarschall Göring hat mir zugesagt, daß er dieser Bitte entsprechen werde.«

Haben Sie diesen Brief an Lammers am 31. März 1938 geschrieben oder nicht? Ja oder nein?

FUNK: Sicher.

MR. DODD: Gut! Sie versuchten zu erreichen, daß Ihnen oberste Befugnisse übertragen und daß Sie nur dem Führer gegenüber verantwortlich würden. Das war nämlich der Kampf, und darauf bezog sich Dokument EC-271, und das war Ihre Antwort auf den Vorwurf des OKW, daß Sie zuviel Macht hatten. Das sieht nun nicht danach aus, als ob Sie nur ein kleiner Mann waren, nicht wahr, Herr Zeuge?


FUNK: Doch, ich habe die Stellung klären wollen, sie ist aber später nicht in diesem Sinne geklärt worden, sondern in dem Sinne, daß ich an die Weisungen des Reichsmarschalls gebunden war. Diesen Brief habe ich geschrieben, um zu versuchen eine Klärung herbeizuführen; ich erinnere mich im einzelnen nicht mehr an diesen Brief.


MR. DODD: Sie haben Lammers gesagt...


VORSITZENDER: Herr Dodd! Ist nicht der Brief, den Sie gerade verlesen haben, genau der gleiche, auf den in dem Brief, den Sie ihm unmittelbar vorher vorgelegt haben, Bezug genommen ist?


MR. DODD: Ja, Herr Vorsitzender. Er bezog sich auf EC-271. Verzeihung, ich sagte: 271, ich meinte:

270.

VORSITZENDER: GB-649/38 ist der Brief, den Sie gerade verlesen haben. Bitte, sehen Sie sich den ersten Abschnitt von EC-270 an; der dort erwähnte kritische Brief ist der Brief des Angeklagten Funk, den Sie eben verlesen haben.


MR. DODD: Ja, ganz recht, Euer Gnaden.


[Zum Zeugen gewandt:]


Mein Punkt, Herr Zeuge, ist der: Sie haben dem Gerichtshof mitgeteilt, daß Sie in Wirklichkeit nur für Göring arbeiteten, daß Sie in diesen Dingen nicht viel zu sagen hatten, aber jetzt finden wir, daß Sie einen Brief geschrieben haben, in dem Sie versuchten, Ihre höchste Autorität geltend zu machen. Hier sagen Sie: »Es ist eine Tatsache, daß ich nur Hitler unterstellt bin«, und Sie begreifen, diese zwei Dinge stimmen nicht überein. Was haben Sie dazu zu sagen?

FUNK: Ja, tatsächlich habe ich niemals Erfolg gehabt.

MR. DODD: Nun, wir werden sehen, ob es so ist. Lesen Sie die nächste Seite und Sie werden noch einen Brief von Lammers finden, [172] den er am 6. April 1938 geschrieben hat. Dieser Brief ist an Sie gerichtet. Lammers teilt Ihnen mit, daß Sie in der Auffassung über Ihre Stellung Recht hatten, daß Sie in Wirklichkeit nur dem Führer unterstanden und daß er eine Abschrift Ihres Briefes sowohl an Feldmarschall Göring als auch an den Chef des OKW gesandt hat. Nun, was sagen Sie dazu?


FUNK: Ich ersehe hieraus, daß ich damals versucht habe, diese Stellung zu erreichen. In Wirklichkeit habe ich sie aber nicht erreicht, denn der Reichsmarschall hat selbst nachher erklärt, daß er mir die Kriegswirtschaft nie geben wird. Die Formalvollmachten als Bevollmächtigter für die Wirtschaft sind ja dann auf den Vierjahresplan später übergegangen, durch einen Erlaß des Führers vom Dezember 1939.


MR. DODD: Ist das Ihre Antwort?

Sie haben dem Gerichtshof auch berichtet, soweit ich Sie wenigstens verstanden habe, daß Sie in Wirklichkeit nicht viel mit der Planung von Angriffskriegen zu tun hatten, und daß sich Ihre Tätigkeit auf die Regelung und Kontrolle sozusagen der heimischen Wirtschaft beschränkte. Tatsächlich aber haben Sie am 28. Januar 1939, also einige Monate vor dem Einfall in Polen, die Verwendung von Kriegsgefangenen in Erwägung gezogen, nicht wahr?


FUNK: Davon weiß ich nichts.


MR. DODD: Sind Sie sicher? Ich lasse Ihnen nun ein anderes Dokument zeigen, und zwar EC-488, das Beweisstück US-842 wird. Das ist ein nicht unterschriebener Brief, ein erbeutetes Dokument, aus Ihrem Archiv. Dieser Brief wurde, nebenbei bemerkt, mit der Unterschrift von Sarnow weitergeleitet. Sie wissen, wer das war, er war Ihr Stellvertreter. Dieser Brief trägt das Datum vom 28. Januar 1939 und hat den Betreff: »Arbeitseinsatz von Kriegsgefangenen«. Dann heißt es weiter:

»Nach dem Reichsverteidigungsgesetz vom 4. September 1938 obliegt mir die Leitung der wirtschaftlichen Vorbereitungen für die Reichsverteidigung (ausschließlich der Rüstungsindustrie).«

und fährt dann fort: »Bei den Vorbereitungen für den Kriegsarbeitseinsatz...« und so weiter.

Aber worauf ich Ihre Aufmerksamkeit ganz besonders lenken möchte, steht im zweiten Absatz, wo es heißt:

»Der Fehlbedarf an Arbeitskräften zwingt zu einer möglichst weitgehenden und zweckmäßigen Einsetzung etwaiger Kriegsgefangener. Die dazu nötigen Vorbereitungen müssen in enger Zusammenarbeit von OKW und GBW getroffen werden. Die zu meinem Geschäftsbereich gehörenden Ressorts werde ich dabei heranziehen.«

[173] Erinnern Sie sich noch an diesen Brief?

FUNK: Nein, ich habe den Brief nie gesehen und nie unterschrieben; aber dieser Brief gehört zu den Angelegenheiten, über die ich heute vormittag gesprochen habe. Das Büro des Generalbevollmächtigten für die Wirtschaft, im übrigen wie ich sehe, ist »Generalbevollmächtigter für die Kriegswirtschaft« ausgestrichen, hat sich natürlich fortlaufend mit diesen Dingen beschäftigt. Ich persönlich habe mich damit nicht beschäftigt.

MR. DODD: Nun, das ist nur ein Spiel mit Worten. Diese Vorschläge stammten doch aus Ihrem Ministerium und Ihr erster Vertreter war es, der diesen Brief weiterleitete. Stimmt das nicht?


FUNK: Nein, es war...


MR. DODD: Nun, es steht doch rechts oben auf diesem Brief »Der Generalbevollmächtigte für die Wirtschaft«, und dann kommt die Adresse und das Datum.


FUNK: Ja, er war unterschrieben »Im Auftrag: Sarnow«.


MR. DODD: Richtig, und der war Ihr Hauptstellvertreter, nicht wahr?


FUNK: Nein.


MR. DODD: Oder was war er?


FUNK: Er war nur in dem Büro des Generalbevollmächtigten tätig. Mein Hauptstellvertreter, der diese Dinge leitete, war Dr. Posse.


MR. DODD: Nun gut, auf jeden Fall...


FUNK: Wie ich vorhin sagte, habe ich mich mit diesen Dingen überhaupt nicht beschäftigt.


MR. DODD: Ich wurde soeben darauf aufmerksam gemacht, daß, wenn Sie Posse erwähnen, Sie seinen Namen im zweiten Absatz dieses Briefes finden. »Auf die Ausführungen von Herrn Generaloberst Keitel, Staatssekretär Dr. Posse... darf ich Bezug nehmen.« Auf jeden Fall, wichtige Leute in Ihrem Ministerium haben mit dieser Sache zu tun gehabt, nicht wahr?


FUNK: Sicher.


MR. DODD: Gut. Sie erinnern sich an das Dokument 3562-PS. Es wurde hier als Beweisstück US-662 vorgelegt. Es ist das Protokoll einer Sitzung bei Dr. Posse, Ihrem Stellvertreter, in der er eine Denkschrift über die Finanzierung des Krieges besprach. Sie haben heute morgen darüber gesprochen und sagten, daß Sie trotz der Anmerkung; »Herrn Minister vorzulegen« diesen Brief nicht gesehen haben.


FUNK: Dann hätte ich es abzeichnen müssen, wenn ich's gesehen hätte.


[174] MR. DODD: Nun, ob es so ist oder nicht, interessiert mich jetzt nicht. Ich möchte nur, daß Sie zuhören, während ich einen Auszug daraus verlese. Sie können das Dokument auch selbst sehen, wenn Sie wollen, aber ich glaube kaum, daß es nötig ist. Sie erinnern sich doch, daß dieses Dokument eins Ihrer Memoran da erwähnt. Erinnern Sie sich noch, daß Posse sagte:

»Es wurde darauf hingewiesen, daß es dem GBW in erster Linie darauf ankäme, den Gedanken einer Finanzierung der Kriegsausgaben durch Vorgriffe auf künftige, nach dem Krieg zu erwartende Einnahmen des Reiches in die Kriegsfinanzgesetzgebung einzuführen.«


FUNK: Jawohl.

MR. DODD: Gut, das ist alles, was ich in Bezug auf dieses Dokument fragen wollte. Wir können gleich weitergehen.

Ich beziehe mich wieder auf Ihre eigene Aussage vor Gericht, daß Sie im Hinblick auf den Krieg gegen Polen wirklich bis zum August nicht gewußt haben, daß auch nur die Möglichkeit des Krieges mit Polen bestehe; Sie dachten im August noch zeitweilig, daß die Frage diplomatisch beigelegt werden würde. Stimmt das?


FUNK: Aller Wahrscheinlichkeit nach nicht. Die Kriegsgefahr war ja monatelang latent. Aber, daß der Krieg kurz bevorstand, das konnte man schon im August erkennen.


MR. DODD: Haben Sie für den Krieg mit Polen wirtschaftliche Pläne schon länger als ein Jahr vor dem Angriff auf Polen gemacht? Sie können das mit Ja oder Nein beantworten.

FUNK: Das weiß ich nicht.


MR. DODD: Sie meinen, Sie wissen nicht, ob Sie Vorbereitungen getroffen haben, oder nicht. Was wollen Sie mit dieser Antwort sagen? Erinnern Sie sich nicht?


FUNK: Ich erinnere mich nicht.


MR. DODD: Gut, dann kann ich Ihnen helfen. Hier ist ein Dokument, 3324-PS, das schon als Beweismittel vorgelegt würde Sie erinnern sich wohl; es ist Beweisstück US-661. Es ist eine Rede, die Sie gehalten haben. Erinnern Sie sich, daß Sie in dieser Rede gesagt haben: Sie hätten insgeheim, und zwar schon über ein Jahr den Krieg gegen Polen geplant? Erinnern Sie sich daran? Möchten Sie das Dokument sehen?


FUNK: Bitte.


MR. DODD: Der Satz steht hier:

»Waren mithin in die Aufgaben und die Arbeit des Vierjahresplanes unter Leitung des Generalfeldmarschalls Göring [175] sämtliche Wirtschafts- und Finanzressorts eingespannt, so wurde die kriegswirtschaftliche Vorbereitung Deutschlands auch noch auf einem anderen Sektor seit Jahr und Tag in aller Stille vorangetrieben...«

Erinnern Sie sich daran?

FUNK: Ja, jetzt weiß ich es.

MR. DODD: Beachten Sie, daß es hier heißt: »seit Jahr und Tag...« und Sie sagen weiterhin, daß dies unter Ihrer Aufsicht geschah. Stimmt das?


FUNK: Jawohl, das ist die Tätigkeit des Generalbevollmächtigten für die Zivilwirtschaft, das habe ich ja heute morgen schon ausgeführt.


MR. DODD: Gut, gut. Das ist alles, was ich wissen wollte...


FUNK: Von Polen sprach ich nicht.


MR. DODD: Es war ja der einzige Krieg, der im Gange war, als Sie diese Rede hielten. Es war Oktober

1939.

FUNK: Die Vorbereitungen waren ja nicht auf einen bestimmten Krieg abgestellt, es war...


MR. DODD: Gut.


FUNK: Es war eine allgemeine Vorbereitung.


MR. DODD: Tatsächlich befanden Sie und Göring sich sogar bis zu einem gewissen Grade im Streit um die Macht, nicht wahr? War die Tür Görings auch eine der Türen, in die Sie versuchten hineinzukommen, daß Sie nur bis zu diesen gelangten, aber niemals hineinkamen. Ich frage Sie nun, ob Görings Tür eine von diesen war?


FUNK: Ich glaube nicht, daß ich so anspruchsvoll war, auf den Posten von Göring zu kommen, das lag mir völlig fern. Ich habe überhaupt wenig Ehrgeiz gehabt.


MR. DODD: Ich sagte nicht, daß Sie seine Stellung, wohl aber einen Teil seiner Macht haben wollten. Oder erinnern Sie sich nicht? Vielleicht ist das die Lösung.


FUNK: Nein.


MR. DODD: Gut. Ihr Herr Posse wurde hier durch Vertreter der Anklagebehörde verhört; das Dokument hat die Nummer 3894-PS. Die folgenden Fragen wurden ihm gestellt:

»Frage: Worin bestand der Konflikt zwischen dem Generalbevollmächtigten für die Wirtschaft und dem Vierjahresplan?

Antwort: Der Kampf um die Macht.

Frage: War es der Kampf um die Macht zwischen Funk und Göring?

[176] Antwort: Der Kampf um die Macht zwischen Funk und Göring, zwischen Funk und dem Landwirtschaftsministerium und dem Verkehrsministerium.

Frage: Wie wurde der Streit endgültig bereinigt?

Antwort: Niemals, der Kampf ging immer unter der Oberfläche weiter.

Frage: Hat Funk, der sehr wichtige Vollmachten als Wirtschaftsminister und später als Reichsbankpräsident und Generalbevollmächtigter für die Wirtschaft hatte, jemals diese Vollmachten tatsächlich ausgeübt?

Antwort: Ja, aber Görings Vollmachten waren stärker.

Frage: Nichtsdestoweniger hat Funk bedeutende Vollmachten ausgeübt?

Antwort: Ja, als Reichsbankpräsident, Wirtschaftsminister und Generalbevollmächtigter für die Wirtschaft.«

Posse war doch Ihr Hauptstellvertreter?

FUNK: Posse hatte aber eine Stellung, die sehr abseits lag. Mein Stellvertreter war Landfried und in der Reichsbank Puhl. Die kennen die Dinge besser als Herr Posse.

MR. DODD: Nun gut.


FUNK: Die sollten mehr darüber wissen als Posse.


MR. DODD: Sie glauben nicht, daß er es wirklich wußte, wenn er sagte, daß Sie sich an diesem Kampf um die Macht beteiligt hätten? Soll das Ihre Antwort sein?


FUNK: Nein.


MR. DODD: Das wird Beweisstück US-843. Es ist bis jetzt noch nicht vorgelegt worden. Nun, Herr Zeuge, möchte ich Sie darüber befragen, wann Sie zum erstenmal von dem bevorstehenden Angriff auf Rußland hörten. Ich glaube, daß Sie dem Gerichtshof mitgeteilt haben, Sie hörten ungefähr im Mai davon, stimmt das? Oder war es im Juni?


FUNK: Als Rosenberg beauftragt wurde.


MR. DODD: Ja, das ist es, was wir wissen wollten Sie wußten also, als Rosenberg im April 1941 beauftragt wurde, daß es einen Angriff auf Rußland geben würde. Heute früh aber, glaube ich, haben Sie das nicht klargestellt. Stimmt das, Dr. Funk?


FUNK: Ja, ich sagte, daß als Begründung dieser Ernennung uns mitgeteilt wurde, daß der Führer einen Krieg mit Rußland für wahrscheinlich halte.


MR. DODD: Ja, aber Sie wissen doch, was Sie heute früh vor dem Gerichtshof aussagten. Sie sagten, daß Lammers Sie auf Grund [177] Ihres Interesses an einer Entwicklung der Handelsbeziehungen zu Rußland von Rosenbergs Ernennung in Kenntnis setzte. Das war die Antwort, die Sie heute früh gegeben haben. Nun, das war doch nicht so, nicht wahr?


FUNK: Ja, das hat Lammers auch hier gesagt.


MR. DODD: Es ist mir ganz gleich, was Lammers sagte. Ich frage Sie jetzt, ob es Tatsache ist, daß Ihnen Lammers diese Mitteilung machte, weil Sie in Zusammenarbeit mit Rosenberg die Besetzung dieser Gebiete nach dem Angriff vorbereiten sollten. Sie können das jetzt ganz einfach beantworten. Ist das wahr?


FUNK: Nein.


MR. DODD: Nun, wir werden sehen. Sie wissen, daß Sie bei einer anderen Gelegenheit eine andere Antwort gegeben haben, ich möchte, nebenbei bemerkt, sagen, in Parenthese. Erinnern Sie sich, daß Sie bei einem Verhör sagten, daß Sie von dem bevorstehenden Angriff auf Rußland zum erstenmal durch Heß gehört haben? Erinnern Sie sich, daß Sie dies seinerzeit als Quelle Ihrer ersten Kenntnis angaben? Erinnern Sie sich an diese Aussage?


FUNK: Nein.


MR. DODD: Wir werden gleich darüber sprechen. Wir wollen vorläufig noch bei der Sache Rosenberg bleiben.

Da ist ein Dokument 1031-PS vom 28. Mai 1941, also ungefähr einen Monat nach der Ernennung Rosenbergs. Es ist eine Geheime Kommandosache, eine Aktennotiz über eine Zusammenkunft mit Reichsminister Funk. Wissen Sie, wovon Sie damals sprachen? Über die Herstellung von Falschgeld für den Gebrauch in Rußland, in der Ukraine und im Kaukasus? Erinnern Sie sich?


FUNK: Nein.


MR. DODD: Sie erinnern sich nicht? Bitte sehen Sie sich doch dieses Dokument an, es ist Nummer 1031-PS, US-844. Sie erinnern sich vielleicht des Tages, an dem Ihr Reichsbankdirektor Wilhelm sagte, es dürfe nicht in Erscheinung treten, daß Sie sogenannte Rubelnoten zum Gebrauch in den besetzten Gebieten fälschten?

Rosenberg wohnte dieser Sitzung bei. Es ist ein sehr kurzes Memorandum. Haben Sie es gelesen? Es ist auf Seite 4 des Dokuments, das Ihnen vorliegt. Finden Sie es? Es beginnt: »In der Ukraine und im Kaukasus dagegen würde es notwendig werden, die jetzige Währung, den Rubel, aufrechtzuerhalten...« und so weiter. Sie sprachen über das Währungsproblem in den Gebieten, die Sie voraussichtlich besetzen würden, und das war wohl ein Monat vor dem Angriff und ein Monat nach der Ernennung Rosenbergs, nicht wahr? Können Sie mir keine Antwort geben?


[178] FUNK: Ich habe die Stelle noch nicht.

Jawohl, wenn diese Länder erobert worden wären, mußte man sich ja mit diesen Fragen beschäftigen.


MR. DODD: Der springende Punkt ist, daß Sie zu dieser Zeit von dem bevorstehenden Angriff auf die zu erobernden Länder wußten, nicht wahr?


FUNK: Ich wußte nichts von einem Angriff, ich wußte nur von einer bevorstehenden Kriegsgefahr.


MR. DODD: Gut, gut, wie Sie wollen. Die Hauptsache ist, daß Sie davon sprachen, Geld in der Ukraine und dem Kaukasus zu verwenden, und daß sich das dann einen Monat später ereignete.


FUNK: Ja.


MR. DODD: Gut, gut. Ich habe nur noch wenige Fragen zu stellen. Ich möchte dieses Verhör gern vor der Vertagung zu Ende bringen. Haben Sie irgend etwas dazu zu sagen? Ich wollte Ihnen nur zeigen, daß Sie von dem geplanten Angriff wußten. Sie wußten doch, daß sich etwas im Osten ereignen würde. Ich denke, Sie werden das zugeben, nicht wahr?


FUNK: Jawohl.


MR. DODD: Gut.


FUNK: Seit der Ernennung Rosenbergs, ich habe das heute ganz klar zum Ausdruck gebracht, wußte ich, daß ein Krieg mit Rußland drohte.


MR. DODD: Dann stimmen wir also überein. Wir brauchen nicht weiterzugehen. Ich habe es heute früh so verstanden, daß Sie es nicht wußten. Dann ist es in Ordnung. Ich habe Sie dann mißverstanden. Ich verstehe Sie jetzt dahin, daß Sie davon wußten.


FUNK: Heute morgen habe ich ganz klar gesagt, daß mir mitgeteilt wurde, daß der Führer mit einem Krieg mit Rußland rechnete. Ich bin mir nur noch nicht über dieses Dokument im klaren, wer das aufgestellt hat?


MR. DODD: Ich weiß es auch nicht, ich kann nur sagen, daß es zusammen mit anderen Dokumenten im Rosenberg-Archiv erbeutet wurde. Ich kann Ihnen auch nicht mehr darüber sagen.

Ich glaube, wir können uns etwas anderem zuwenden, wenn Sie mir gestatten. Wir brauchen uns mit diesem Dokument wohl wirklich nicht weiter zu beschäftigen.


FUNK: Ja, aber es ist insofern wichtig, als diese Dinge mit den Rubeln mir zugeschrieben werden.


MR. DODD: Ich finde das auch.


[179] FUNK: Hier steht, ich hätte gesagt, daß mit der Einführung von Reichskredit-Kassenscheinen und mit der Wertfestsetzung eines Umrechnungskurses sehr erhebliche Gefahren verbunden seien. Also, ich war eigentlich sehr bedenklich hinsichtlich der Vorschläge, die hier gemacht wurden.

MR. DODD: Ja, gut. Ich freue mich, Ihre diesbezüglichen Bemerkungen zu hören. Ich möchte mich jetzt ein wenig mit Ihnen über den Zeitpunkt unterhalten, zu dem Sie die Reichsbank übernommen haben. Posse war Ihr Hauptstellvertreter in Ihrem Wirtschaftsministerium, oder nicht?


FUNK: Landfried war mein Hauptstellvertreter.


MR. DODD: Und nebenbei bemerkt, war er auch bei derselben Sitzung anwesend, über die wir soeben gesprochen haben. Wer war Ihr Hauptstellvertreter in der Reichsbank?


FUNK: Puhl.


MR. DODD: Er wurde aus der Zeit Schachts übernommen, nicht wahr?


FUNK: Ja.


MR. DODD: Haben Sie ihn überredet zu bleiben? Haben Sie ihn gebeten zu bleiben?


FUNK: Nein.


MR. DODD: Sie sagten, daß Sie Ihr Personal ausgewählt hatten. Das haben Sie dem Gerichtshof heute vormittag gesagt.


FUNK: Nein, es blieben Puhl und es blieben Kretschmann und Wilhelm auch.

MR. DODD: Ich interessiere mich nicht für Ihre Personalliste; ich möchte nur Wissen und will Ihnen den Grund hierfür sagen: Puhl war doch ein zuverlässiger Bankmann, nicht wahr? Er war in internationalen Bankkreisen wohlbekannt und einmal wurde ihm sogar eine Stellung in der Chase-Bank in Neuyork angeboten. Wußten Sie das?


FUNK: Nein, das wußte ich nicht.


MR. DODD: Aber es ist zutreffend. Auf jeden Fall war er ein ziemlich bedeutender Mann und auch zuverlässig, nicht wahr?


FUNK: Ja.


MR. DODD: Haben Sie ihn nicht als Zeuge beantragt?


FUNK: Ja.


MR. DODD: Sie haben ihn deswegen hier haben wollen, weil Sie ihm Glauben schenken und weil Sie wissen...


FUNK: Ja.


[180] MR. DODD: Ich möchte mich jetzt etwas über das Gold der Reichsbank unterhalten. Wieviel Gold hatte die Reichsbank Ende 1941 zur Verfügung? Ungefähr? Sie brauchen keine lange Geschichte darüber zu er zählen, denn ich habe kein besonderes Interesse daran. Ich möchte nur versuchen festzustellen, ob bei Ihnen im Jahre 1941 Goldmangel herrschte.


FUNK: Der Goldbestand, den ich übernahm, belief sich auf etwa eine halbe Milliarde, als ich die Stellung von Schacht bekam.


MR. DODD: Gut.


FUNK: Er ist wesentlich vermehrt worden, soviel ich weiß, nur durch das belgische Gold.


MR. DODD: Das ist wirklich... Es ist interessant, alles darüber zu hören; aber ich beabsichtigte etwas anderes:

Woher haben Sie Gold nach der Übernahme Ihrer Stellung erhalten? Woher bekamen Sie neue Goldreserven?


FUNK: Nur durch Umwandlung von Devisen in Gold. Dann haben wir Zuwachs erhalten, nachdem ich meine Stellung übernommen hatte, durch das Gold der Tschechischen Nationalbank. Da muß etwas Gold herübergekommen sein; und dann hauptsächlich durch das belgische Gold.


MR. DODD: Gut. Natürlich war Gold für Sie als Zahlungsmittel für Devisen sehr wichtig. 1942 und 1943 mußten Sie mit Gold bezahlen, nicht wahr?

FUNK: Es war sehr schwer, mit Gold zu bezahlen.


MR. DODD: Das weiß ich.


FUNK: Weil die Länder, mit denen wir überhaupt noch Verkehr hatten, im allgemeinen ein Gold-Embargo einführten. Schweden lehnte das Gold ganz ab. Nur in der Schweiz haben wir noch größere Geschäfte durch Umwandlung von Gold in Devisen machen können.


MR. DODD: Ich glaube, Sie haben festgestellt, daß Sie im Jahre 1942 und 1943 Gold als ausländisches Zahlungsmittel nötig hatten. Das ist alles, was ich wissen wollte. Wann haben Sie angefangen, Geschäfte mit der SS zu machen, Herr Funk?


FUNK: Ein Geschäft mit der SS? – habe ich nie gemacht.


MR. DODD: Ja, Geschäfte mit der SS! Sind Sie dessen sicher? Ich bitte Sie, dies sehr ernst zu nehmen. Wir sind jetzt bald am Ende Ihres Verhörs und es ist sehr wichtig für Sie. Ich frage Sie noch einmal: Wann haben Sie angefangen, Geschäfte mit der SS zu machen?


FUNK: Ich habe niemals ein Geschäft mit der SS begonnen. Ich kann nur dasselbe sagen, was ich im Vorverhör schon ausgeführt habe, daß Herr Puhl mir eines Tages mitteilte, es wäre eine [181] Einlage... eine Einlieferung von der SS gekommen. Ich habe das zunächst so aufgefaßt, daß es ein Depot war, ein Depot, das also verschlossen blieb und das uns weiter nicht interessierte; dann hat aber Herr Puhl mir später gesagt, diese Ablieferung der SS, die sollte von uns verwendet werden, von der Reichsbank, und ich habe angenommen, daß es sich dabei um Ablieferung von Goldmünzen und Devisen handelte, in der Hauptsache von Goldmünzen, die ja auch jeder andere deutsche Mensch abgeben mußte, die also Insassen der KZs abgenommen waren und nun in die Reichsbank eingeliefert wurden. Denn was an Wertgegenständen den KZ-Lagerinsassen abgenommen wurde, ging nicht an die Reichsbank, sondern, wie wir hier mehrfach gehört haben, an den Reichsfinanzminister beziehungsweise...


MR. DODD: Einen Augenblick. Waren Sie gewohnt, daß Goldzähne in der Reichsbank deponiert wurden?


FUNK: Nein.


MR. DODD: Aber Sie bekamen sie von der SS, nicht wahr?


FUNK: Das weiß ich nicht.


MR. DODD: Sie wissen das nicht?


[Zum Gerichtshof gewandt:]


Hoher Gerichtshof, ich hätte noch einen ganz kürzen Film zu zeigen; ich denke, ich könnte ihn zeigen, bevor wir uns vertagen und ich möchte ihn gern dem Zeugen vorführen, bevor wir ihn über die Goldgeschäfte der Reichsbank weiter befragen. Es ist ein Film, der von den verbündeten Mächten aufgenommen wurde, als sie die Reichsbank betraten und er wird in ihren Gewölben Goldzähne, Brücken und so weiter zeigen.

FUNK: Ich weiß davon nichts.

MR. DODD: Ich denke, daß ich vielleicht, bevor ich den Film vorführe,... ich denke, daß ich es schaffen werde; ich möchte auf jeden Fall heute nachmittag zum Ende kommen. Ich möchte Ihnen eine eidesstattliche Erklärung von Herrn Puhl vorlesen, von dem Sie vor einigen Minuten gesagt haben, daß er ein glaubwürdiger und gut unterrichteter Mann sei, den Sie als Zeugen aufgerufen haben. Diese eidesstattliche Erklärung ist vom 3 Mai 1946 datiert.


DR. SAUTER: Herr Präsident! Ich protestiere gegen die Verlesung des Affidavits des Herrn Puhl. Dieses Affidavit ist wahrscheinlich, ich weiß es nicht, hier in Nürnberg aufgenommen worden. Ich kenne, wir kennen seinen Inhalt nicht, Die Staatsanwaltschaft überrascht uns heute mit einem Affidavit, das wir nicht kennen, sie wirft uns im Laufe von zehn Minuten ein Dutzend Urkunden an den Kopf, von denen sie behauptet, es seien ganz kurze Urkunden, während zum Beispiel ein einziges Protokoll schon dabei ist mit,[182] glaube ich, zwölf Seiten. Es ist uns ganz unmöglich, im Laufe dieses Eiltempos, mit dem das Verhör hier durchgeführt wird, diesen Erklärungen und diesen Urkunden überhaupt zu folgen. Ich muß daher gegen die Benutzung eines derartigen Affidavits Protest einlegen.


MR. DODD: Dieses Affidavit wurde am 3. Mai in Baden-Baden, in Deutschland, aufgenommen. Wir haben seit langem versucht, diesen Teil des Falles zusammenzustellen, und es ist uns endlich gelungen. Gewiß, wir haben es nicht an Dr. Sauter überreicht, weil wir es eigens zu dem Zweck benutzen wollten, zu dem wir es jetzt gebrauchen. Es handelt sich um ein Affidavit seines Vertreters Puhl, den er als Zeugen aufrufen ließ und von dem er einen Fragebogen erwartet. Es hat mit einem sehr wichtigen Teil dieses Falles zu tun.

Ich darf hier sagen, daß, wenn wir die Genehmigung erhalten, es verwenden zu dürfen, Herr Dr. Sauter die Gelegenheit haben wird, ein Wiederverhör darüber vorzunehmen. Die ganze Nacht wird ihm zur Verfügung stehen es durchzusehen, falls er es wünscht.


VORSITZENDER: Herr Dodd! Beabsichtigen Sie, den Zeugen über dieses Dokument ins Kreuzverhör zu nehmen?


MR. DODD: Ja, ich will es ihm vorlegen und ihm ein paar Fragen darüber stellen. Ich will das wissen, weil es die Grundlage für zwei oder drei Fragen im Kreuzverhör bilden wird und weil ich ihn für die Aussagen, die er hier bereits über das Gold gemacht hat, zur Verantwortung ziehen will.


VORSITZENDER: Sie können das tun. Aber natürlich darf Dr. Sauter, wenn er es wünscht, einen Antrag stellen, daß der Zeuge für das Kreuzverhör zur Verfügung gestellt wird, und er muß Zeit haben, das Affidavit zu prüfen, um irgendwelche Kommentare abzugeben.


MR. DODD: Danke, Herr Vorsitzender.


DR. SAUTER: Herr Präsident! Darf ich etwas bemerken? Heute ist ein Fall vorgekommen, daß die Staatsanwaltschaft dagegen Einspruch einlegte, daß eine Urkunde verwendet wurde, die sie vorher nicht in englisch bekommen hat, und der Vertreter der Anklage sagt mir, er kann nicht deutsch, infolgedessen muß die Urkunde zunächst übersetzt werden. Ich stehe auf dem Standpunkt, daß der Verteidigung das recht ist, was der Staatsanwaltschaft billig ist.

Wenn mir da eine englische Urkunde nach der anderen an den Kopf geworfen wird, ohne daß ich eine Ahnung habe, was darin steht, dann kann ich dazu nicht Stellung nehmen. Die Schwierigkeit wird ja immer größer. Ich habe zum Beispiel hier Urkunden bekommen, die zwölf Seiten lang sind. Ein Satz aus einer solchen Urkunde wird verlesen. Dem Angeklagten wird keine Zeit gelassen, [183] auch nur einen weiteren Absatz zu lesen. Ich selber habe auch keine Zeit. Und trotzdem, der Angeklagte soll zu einem einzelnen Satz, der aus dem Zusammenhang gerissen ist, sich sofort erklären, ohne daß er die Möglichkeit hat, die Urkunde zu prüfen. Das ist meines Erachtens nicht zu verlangen.


VORSITZENDER: Dr. Sauter! Sie haben eine Übersetzung von beinahe jedem Dokument, wenn nicht von allen. Es wurde Ihnen auch jede Gelegenheit dazu gegeben, die Dokumente zu prüfen, nachdem sie ins Deutsche übersetzt wurden. Und diese Gelegenheit wird Ihnen auch hiernach gegeben werden. Und sollte es vorkommen, daß hier im Kreuzverhör Dokumente verwendet werden, die nicht auf deutsch sind, so werden sie ins Deutsche übersetzt werden, und Sie werden sie dann erhalten. Aber wenn der Zeuge einmal im Kreuzverhör ist, so dürfen diese Dokumente verwendet werden. Sollten Sie bezüglich dieser Dokumente ein Rückverhör anstellen wollen, so werden Sie dazu Gelegenheit haben.


DR. SAUTER: Herr Präsident! Wir Verteidiger haben doch auch das Interesse, die Verhandlungen zu fördern und nicht zu verzögern. Mir ist gar nicht damit gedient, wenn ich zum Beispiel in acht oder vierzehn Tagen diese Urkunden, die uns heute auf den Tisch geworfen werden, endlich nachgeprüft haben werde und wenn ich dann in acht oder vierzehn Tagen an Sie, Herr Präsident, herantreten muß mit der Bitte, daß ich den Zeugen nochmal verhören darf. Wir sind ja froh, wenn wir die Vernehmung der Zeugen hinter uns haben.

Aber so, wie es Mr. Dodd macht, können wir einfach nicht folgen. Ich kann nicht folgen und der Angeklagte auch nicht, und man kann dem Angeklagten nicht zumuten, auf einen einzelnen Satz, der aus dem Zusammenhang herausgerissen ist, hier eine Erklärung abzugeben, wenn er nicht die Urkunde auf ihren ganzen Inhalt prüfen konnte.


VORSITZENDER: Herr Dodd!


MR. DODD: Kann ich mit dem Verhör über das Dokument fortfahren?


VORSITZENDER: Herr Dodd! Haben Sie etwas dagegen, daß Dr. Sauter das Dokument sieht?

MR. DODD: Ja, allerdings. Ich glaube, das wäre eine neue Regel. Seitdem die Verteidigung im Gange ist, haben wir Dokumente vorgelegt, um die Glaubwürdigkeit verschiedener Zeugen anzufechten. Wir haben diese Dokumente auch benutzt. Und darauf ist auch das ganze System des Kreuzverhörs aufgebaut. Wenn wir solche Dokumente der Verteidigung übergeben, bevor wir sie im Kreuzverhör verwenden, so würde das ganze Kreuzverhör nutzlos sein.


[184] VORSITZENDER: Mr. Dodd! Wenn Sie das Dokument einbringen und es dem Zeugen vorlegen, so nehme ich an, daß sein Verteidiger berechtigt ist, dieses im gleichen Augenblick zu erhalten.


MR. DODD: Wir sind gern bereit, ihm ein deutsches Exemplar sofort zu geben. Es liegt hier für ihn bereit, wenn er es haben will. Es war bereits fertig als wir den Gerichtssaal betraten.


VORSITZENDER: Auf deutsch?


MR. DODD: Jawohl, Herr Vorsitzender.


VORSITZENDER: Ich glaube, es wäre das beste, wenn wir uns jetzt vertagen und dann können Sie Dr. Sauter eine deutsche Übersetzung übergeben, wenn Sie das Dokument benutzen.


MR. DODD: Jawohl, morgen vormittag, wenn wir es benutzen.


VORSITZENDER: Ja, wenn Sie es benutzen.


MR. DODD: Gut, Herr Vorsitzender!


[Das Gericht vertagt sich bis

7. Mai 1946, 10.00 Uhr.]


Quelle:
Der Prozeß gegen die Hauptkriegsverbrecher vor dem Internationalen Gerichtshof Nürnberg. Nürnberg 1947, Bd. 13, S. 145-186.
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