Fußnoten

1 Mommsen, Histoire de la monnaie Romaine. Traduit de l'allemand par le Duc de Luynes I, p. 69: »C'était comme un achéminement éloigné à la conquête de Perse, qu'il projetait déjà.« Im persischen Reich war Gold gegen Silber normiert zu 1: 13,33, während Gold im Handel mehr und mehr sank.

2 So der Ausdruck von Brandis, Das Münz-, Maß- und Gewichtssystem in Vorderasien, S. 250.

3 Wenigstens keine Tetradrachmen, Didrachmen und Drachmen. Von drei Halbdrachmen des Berliner Kabinetts, die Herr von Sallet für mich zu wägen die Güte gehabt hat, gab die eine 2,09, die beiden anderen nur 1,93 und 1,38, ein halber Obolos dagegen wieder 0,32.

4 Beispielshalber mag angeführt werden, daß Lykurg in seinem Rechenschaftsbericht [IG II2 1496, Z. 196ff.] angibt, er habe mehr als ein Talent Gold zu dem Preise von 22 Drachmen 5 1/2 Ob. Silber für den Stater gekauft, also auf den Kurs von 1:11,47; d.h. auf 100 Stateren gewann er beinahe 210 Drachmen. Wenn Alexander jene 800 Talente Anleihe sich in Silber einzahlen ließ, ehe er seine neue Münzordnung einführte, so hatte er nach derselben, wenn ich richtig gerechnet habe, an 800 Talent 16800 Stateren gewonnen, und wenn er die üblichen Zinsen von 12% in Gold zu zahlen kontrahiert hatte, so ersparte er an dem jährlichen Zins 2100 Stateren. Die Art, wie Arrian (VII 23, 3) in der neuen Formation der Truppen die drei Makedonen in der Rotte (δεκαδάρχης, διμοιρίτης und δεκαστάτηρος) bezeichnet, läßt schließen, daß der Sold nach Stateren, also nach Gold, berechnet wurde, und daß es schon seit lange üblich war, den Sold in Dareiken, Kyzikenern usw. festzustellen, ist bekannt. Wenn Alexander jetzt 30000 Mann je zu einem Dareiken Monatssold hatte, so gewann er mit dem niedrigen Kurswert des Goldes im Jahr etwas über 30000 Stateren. In ähnlicher Weise kann man sich die Lieferungskontrakte usw. abgeschlossen denken. Jedenfalls sieht man, daß es möglich ist, bei der neuen Münzordnung an eine Finanzmaßregel zu denken.

5 Nach dem Ausdruck des Vertrages zwischen Sparta und Argos bei Thucyd. V. 79: ταὶ δὲ ἄλλαι πόλιες ταὶ ἐν Πελοποννάσῳ ... αὐτόνομοι καὶ αὐτοπόλιες τῶν αὑτῶν ἔχοντες usw. Von Philippoi ist es sicher, da dort neben Goldmünzen des Königs auch solche der Stadt (A. Kopf des Herakles mit der Löwenhaut, R. der Dreifuß mit ΦΙΛΙΠΠΩΝ) geprägt sind. Ob es aus dieser Zeit auch autonome Münzen von Amphipolis gibt, scheint noch nicht erforscht zu sein.

6 Nach Arrian. I 11, 6 und I 18, 4 ist Alexanders Flotte beim Übergang nach Asien 160 Schiffe stark. Wie viele darunter makedonisch waren, ist nicht ersichtlich; man darf glauben, daß Byzanz wie 335 in die Donau, so 334 in den Hellespont Schiffe stellte; ähnlich wohl auch andere Griechenstädte der thrakischen Küste. Nach Diod XVII 22 waren 20 attische Schiffe in dieser Flotte.

7 Von der Bewaffnung geben die Reste der sog. Alexanderschlacht eine ziemliche Anschauung. Auffallend ist da die Länge des Speeres.

8 Arrian. III 11,10. Wenn Diodor recht hat, daß 1500 thessalische Reiter mit auszogen, so ist beachtenswert, daß in Jasons von Pherai Zeit der thessalische Aufsitz an 6000 Reiter betrug. Xen. Hell. VI 19. Die gleiche Zahl (1500 Mann) gibt Diod. XVII 17 für die makedonische Ritterschaft. Freilich beide Zahlen nur nach der Randbemerkung einer Handschrift, während im Text dafür beide Male 1800 steht.

9 Agrianer und Bogenschützen sollen (nach Diod. XVII 17) 1000 im Heere gewesen sein, wahrscheinlich eine zu niedrige Angabe. Im Feldzuge von 335 waren von beiden zusammen 2000 im Heere, und im indischen Feldzuge spielen οἱ Ἀγριᾶνες οἱ χίλιοι ihre Rolle (Arrian. IV 25, 6). Daß Schleuderer mit im Heere gewesen, sagt Arrian nirgends, und aus II 7, 8 folgt es nicht.

10 Das Erzbild des kämpfenden Reiters aus Herkulanum (Mus. Borb. III, Tab. 43), das, wenn nicht Alexander, so doch wohl einen der 25 am Granikos gefallenen Hetairen (Arrian. I 16, 5) darstellt, zeigt den Reiter mit hoch zum Schwertschlag gehobener Rechten, das rechte Bein nach hinten auf den Schenkel des Pferdes gestemmt, das linke weit nach vorn gestreckt, eine Stellung, die, wenn sie überhaupt möglich, mehr die eines Voltigeurs als eines schulmäßigen Reiters ist.

11 Eine Menge technischer Fragen, die sich hier noch aufdrängen, sind nach dem vorhandenen Material nicht mehr zu beantworten; aber man tut wohl, sich der Lücken zu erinnern, die damit in der Forschung bleiben. Daß das Heer Feldgeschütz mit sich führte, zeigt das Gefecht bei Pelion. Nicht bloß die Bespannung für diese, für die Bagage- und Proviantwagen mehrte die Masse der Pferde, für die gesorgt werden mußte; nach einer Bestimmung des Königs Philipp (Frontin. IV 1, 6) durfte jeder Reiter nur einen Knecht mit sich führen; aber doch einen, der natürlich gleichfalls beritten war; von einem Sachkundigen wird mir bemerklich gemacht, daß, wenn, wie noch heute, für das Pferd täglich vier Metzen Hafer oder Gerste gerechnet und – wie bei dem Marsche nach Asien hinein doppelt notwendig war – Fourage auf drei Tage mitgenommen wurde, das zweite Pferd nicht wohl zu dem Reitknecht noch Massen Heu und 24 Metzen Hartkorn tragen konnte, sondern ein Handpferd (Saumtier) nötig war, das zugleich das Gepäck des Hetairen trug. Gewiß galt dies bei der thessalischen Ritterschaft wie bei der makedonischen; beide zusammen auf 3000 Kombattanten gerechnet, gibt schon 9000 Pferde; wie es mit den hellenischen Reitern, mit den Sarissophoren und Paionen gehalten wurde, wissen wir nicht. Nach derselben Stelle des Frontin wird auf je zehn Phalangiten ein Lastträger bewilligt; wahrscheinlich bei den Bündnern und Söldnern ebenso. – Natürlich mußte im Hauptquartier des Königs eine Kanzlei, eine Intendantur, eine Kassenverwaltung sein usw. Gelegentlich erfährt man, daß Harpalos, einer der 337 verbannten Freunde Alexanders, der zu Kriegsdienst körperlich untauglich war, die Kasse des Königs zu verwalten erhielt, daß ein anderer dieses Kreises, der Mytilenaier Laomedon, ὅτι δίγλωσσος ἦν ἐς τὰ βαρβαρικὰ γράμματα (Arrian. III 6, 6), zur Obhut über die gefangenen Barbaren bestellt wurde. Und wahrscheinlich ist die βασιλικὴ ϑεράπεια die Arrian. IV 16, 6 erwähnt wird, als Lazarett zu deuten usw.

12 So Arrian. I 14, 4. Dagegen gibt Diodor. XVII 19 10000 Reiter und 100000 Mann Fußvolk, Justin. XI 6, 11 gar 600000 Mann. Der σύλλογος, den Arrian. I 13, 10 erwähnt, verglichen mit den ähnlichen συλλόγοις in Zariaspa (IV 1, 5; IV 7, 3) und in Ekbatana (IV 7, 3) läßt erkennen, daß die in den kleinasiatischen Landen zu Amt und Lehen angesessenen Magnaten mit ihrem Kriegsvolk aufgeboten sind.

13 Paus. VI 18, 2 erzählt, Alexander habe geschworen, das Entgegengesetzte von dem zu tun, was die Gesandten von Lampsakos bitten würden, worauf denn der Rhetor ihm dringend geraten habe, die abtrünnige Stadt zu strafen. Wenigstens eine artige Anekdote.

14 Es ist die Ile des Sokrates; daß er anwesend war, ergibt Arrian. I 15, 1; wenn trotz des anwesenden Ilarchen Ptolemaios diese Ile führt, so wird man in ihm den Somatophylax, der Arrian. I 22, 4 vorkommt, erkennen müssen, und es ergibt sich damit ein bezeichnender Zug für die Stellung der sieben Somatophylakes.

15 Bei Halikarnaß ist der Verlust eines Nachtgefechtes 16 Tote und gegen 300 Verwundete (1 : 181/2); diese Zahl ist so groß, weil sich die Leute bei der Dunkelheit nicht gehörig hatten decken können. Nimmt man bei einem Gefecht am Tage das Verhältnis auch nur 1: 8, so ist von der Ile der Apollonia ungefähr jeder verwundet worden.

16 Da die beiden Kolonnen von Parmenion und Alkimachos 10000 Mann Fußvolk und 400 Reiter zählten, mit Kalas nach Bithynien die thessalischen und griechischen Reiter und die Bundeskontingente zu Fuß – gewiß über 6000 Mann Fußvolk und über 1200 Pferde – detachiert waren, so hatte Alexander gewiß nicht mehr als etwa 13-14000 Mann Fußvolk und etwa 3000 Reiter bei sich. Auf dem Wege von Ephesos nach Milet wird Parmenion mit seiner Kolonne zu ihm gestoßen sein.

17 Die Erdarbeiten bei der Belagerung und die Errichtung von Maschinen lassen mit Sicherheit darauf schließen, daß das, was den technischen Waffen zufällt, in der Armee Alexanders nicht fehlte, wenn man auch annehmen muß, daß die Kombattanten die Arbeiten ausführten, welche die Ingenieure angaben und leiteten. Irgend Genaueres geben unsere Quellen darüber nicht.

18 Das ist die Salmakis (Arrian. I 23, 3), von der Akropolis im Innern der Stadt unterschieden, wie der Plan bei Newton (History of discoveries 1862) zeigt.

19 Daß der König auf seinem Zuge auch Reiter bei sich hatte, versteht sich von selbst und ergibt sich aus Arrian. I 28, 4. Doch ist nicht zu sehen, welches Korps; vielleicht einige Ilen Sarissophoren oder die Odryser. Da die hellenischen Bündner an Parmenion gewiesen, 3000 Söldner in Karien zurückgeblieben, von den Beurlaubten gewiß viele Phalangiten waren, so müssen die Phalangen, die mit Alexander gingen, sehr schwach gewesen sein.

20 Amyntas führte sonst die Ilen der Sarissophoren; Reiter rückten nicht mit ins Gefecht als οὐκ ὠφέλιμοι ἐν τῇ δυσχωρίᾳ (Arrian. I 28, 4).

21 Die Andeutung im Text bezieht sich auf die Tatsache, daß es Silber- und Kupfermünzen aus dieser und der nächstfolgenden Zeit gibt, welche den Pallaskopf der Stateren Alexanders auf der Schauseite, auf der Rückseite den Donnerkeil mit der Inschrift ΑΙΟΛΕ haben. Die auf karischen Münzen häufige Doppelaxt hierher zu ziehen, ist kaum rätlich. Für die Erneuerung oder erneute Bedeutung des Bundes der ionischen Städte spricht, daß Smyrna, welches von Alexander und Antigonos wieder hergestellt worden, nach Vitruv. IV 1, wieder in den Bund eingeführt worden, und daß für Alexander ein Hain oder Wettspiele ὑπὸ τοῦ κοινοῦ τῶν Ἰώνων gestiftet worden sind (Strabo XIV, p. 644).

22 Die Vorgänge auf dem Meere und Memnons Tod sind chronologisch nicht mehr genau zu bestimmen. Wenn Dareios, wie Curt. III 2, 2 angibt, noch in Babylon war, als er Memnons Tod erfuhr, so läßt sich folgendes schließen. Wir werden Ende Oktober das persische Heer bei Sochoi in der Nähe des Flusses Haleb finden. Das Heer der Zehntausend brauchte vom Halebfluß bis Pylai, 220 Parasangen, 35 Märsche; von Pylai bis Babylon sind weitere 20 Parasangen. Dareios ist also spätestens anfangs September von Babylon aufgebrochen. Es geschah, nachdem er die Nachricht vom Tode Memnons empfangen hatte; er erhielt sie nicht mehr durch die Reichspost über Sardeis, sondern viel langsamer auf dem weiten Umwege zur See über Phoinikien; Memnons Tod ist also spätestens Ende Juli erfolgt. Thymondas, der an Pharnabazos in Tripolis das Kommando Memnons übertrug, nahm dort zugleich die griechischen Söldner der Flotte in Empfang; der Befehl zu deren Überführung muß wenigstens acht Wochen früher aus Babylon abgegangen sein, also spätestens Anfang Juni, so daß spätestens Ende Juni Pharnabazos mit einem Teil der Flotte und den Söldnern nach Phoinikien gesegelt war. Memnon könnte schon im Laufe des Mai und noch früher gestorben sein.

23 Eine andere Darstellung hat Aristobul von dieser Begebenheit gegeben: der König habe den Spannagel, der, durch die Deichsel gesteckt, den Knoten zusammenhielt, herausgezogen. Selbst angenommen, daß die Sache so richtig sei, so wird zuverlässig das ganze Heer das Zerhauen mit dem Schwerte lieber geglaubt und nacherzählt haben als die in der Tat unbedeutende Operation mit dem Spannagel; wie beim Ei des Kolumbus ist nicht das Resultat, sondern die Neuheit der Lösung ein Zeugnis des Genies.

24 Alexander hat nicht den Aufbruch aus Gordion so lange verzögert, um Grünfutter auf den Feldern zu finden; denn schon im Mai ist auf der phrygischen Hochebene das Gras vollauf. Der Aufbruch Alexanders wird erfolgt sein, nachdem die Nachricht eingelaufen, daß die Söldner der Flotte Befehl erhalten, nach Tripolis zu kommen; er mag anfangs Juli marschiert sein. Wenn Alexander über Ankyra kam, so hat er nicht den Weg südwärts durch die Salzsteppe, sondern die Reichsstraße über den Halys genommen, wie auch Arrian (II. 4. 2) angibt, daß Alexander ἐπὶ Καππαδοκίας ἐλάσας ξυμπᾶσαν τὴν ἐντὸς Ἅλυος ποταμοῦ προσηγάγετο καὶ ἔτι ὑπὲρ τὸν Ἅλυν πολλήν. Alexander kam wohl erst Anfang September nach Kilikien.

25 In einem angeblichen Briefe des Kardianers Eumenes an Antipatros wird erzählt: Am Morgen vor der Schlacht kam Hephaistion in des Königs Zelt, und entweder vergaß er sich, oder er war, wie ich selbst, aufgeregt, oder ein Gott gab es ihm in den Mund, kurz, er sagte: »Behüt dich Gott (ὑγίαινε), o König! Es ist Zeit!« Als über diesen sehr unpassenden Gruß alle sehr beunruhigt und Hephaistion voll Scham und Bekümmernis war, sprach Alexander: »Ich nehme, o Hephaistion, den Gruß als freudiges Zeichen an; er verheißt mir, daß uns ein Gott behüten und wir wohlbehalten aus der Schlacht zurückkehren werden.« Lucian. pro lapsu in salutando 8. Nach Curt. III 8, 21 hat Alexander während der Nacht auf einer Höhe am Wege unter großer Fackelbeleuchtung ein Opfer gebracht; gewiß das sicherste Mittel, dem kaum eine Meile entfernten Feinde seine Nähe und daß das Heer noch nicht den Paß hinter sich habe, anzukündigen!

26 Diese Erzählung, die sehr oft in den alten Autoren erwähnt wird, wäre besonders darum zweifelhaft, weil Alexander in einem wahrscheinlich etwas später geschriebenen Briefe (Plut. c. 23) versichert, nie die Gemahlin des Dareios gesehen zu haben; eine Angabe, die Plut. de Curios. und Athen. XIII, p. 603 wiederholen; wäre nur an die Echtheit jenes Briefes zu glauben.

27 Arrian. II 14, 4. Dieselbe Vorlage ist in der Bearbeitung des Curtius (IV 1, 10) nicht zu verkennen. Es scheint mir kein Grund zum Verdacht gegen die Echtheit des Schreibens vorzuliegen; mit dem im Text angedeuteten Grunde würde sich erklären, daß es erhalten worden ist.

28 Curtius sagt dreißigtausend Menschen; eine Zahl, die nicht unwahrscheinlich ist, wenn man das Fragment aus Parmenions Bericht an Alexander (Athen. XIII., p. 607) für echt halten dürfte und das aus der ungeheuren Masse nur einen kleinen Teil aufzählt; es heißt da: »Dirnen des Königs zu Musik und Gesang fand ich dreihundertneunundzwanzig, Kranzflechter sechsundvierzig, Köche zum Zubereiten zweihundertsiebenundsiebzig, Köche beim Feuer neunundzwanzig, Milchmänner dreizehn, Getränke zu bereiten siebzehn, den Wein zu wärmen siebzig, Salben zu mischen vierzig.« – Parmenions Kriegslist bei Transportierung der Lasttiere gibt Polyaen. IV 5.

29 Es wird erzählt, Alexander habe zuerst einen Schanzkorb mit Erde gefüllt und herangetragen, worauf dann die Makedonen mit lautem Jauchzen die mühselige Arbeit begonnen hätten; Polyaen. IV. 3. 3.

30 Arrian. II 25, 1 sagt nur ἔτι ἐν τῇ πολιορκίᾳ usw. Curt. IV 5, 1 erwähnt diese Sendung mit dem Erbieten, das Land bis zum Halys abzutreten, nach dem Fall von Tyros, IV 11, 1 kurz vor der Schlacht von Arbela eine dritte Sendung; Diodor. XVII 54 und Plut. 29 erwähnen die zweite Sendung nach der Rückkehr aus Ägypten. In Marathos – also etwa Mitte Dezember 333 – hatte Alexander die ersten Anträge abgelehnt; die Schüttung des Dammes mußte wenigstens vier Wochen kosten, dann folgte nach Zerstörung der bisherigen Arbeit eine Pause. Dareios hatte allen Anlaß, sein zweites Erbieten nicht zu verzögern.

31 Die »Verzeihung, weil sie mehr gezwungen als nach eigenem Willen für die Perser gekämpft«, ist nicht »Hochmut«, wie wohl gesagt worden ist. In aller Form war der König zum Vorkämpfer des Hellenentums bestellt; und er hatte allen Grund, dies Prinzip festzuhalten. Daß sich die Rhodier, die Kyprier für die hellenische Sache erst jetzt erklärten, machte solche ἄδεια notwendig, wenn sie als Hellenen anerkannt, nicht als Überläufer behandelt werden sollten.

32 Arrian. II 24, 4 u. 5. Polyb. XVI 39; ἐξηνδραποδισμένον μετὰ βίας. Nach Diodor wären 7000 Mann (6000 bei Curtius) im Kampfe gefallen, 2000 kriegsfähige Männer ans Kreuz geschlagen, 13000 Greise, Weiber und Kinder (der größere Teil sei gen Karthago geflüchtet gewesen) verkauft worden; Arrian gibt die Zahl der Toten auf 8000, die der Gefangenen auf 30000 an. Es versteht sich, daß die Stadt mehr als 40000 Einwohner, wie man aus Arrian schließen möchte, gehabt hat. Die 80 Schiffe, zum Teil Penteren, erforderten allein schon an 20000 Mann. Enggebaut und voll hoher Häuser, wie sie war, konnte die Inselstadt bei dem Umfange von 22 Stadien (Plin.) nach dem Verhältnis neuerer Großstädte 80000 Einwohner zählen. Von diesen waren wohl Tausende vor Anfang der Belagerung geflüchtet; sie fanden sich allmählich wieder zusammen.

33 Die romanhaften Schilderungen von Alexanders Leben und Taten (so Pseudo-Callisthenes I 34, Jul. Valer. I 34) machen aus diesem Opfer eine förmliche Pharaonenweihe (ἐνεϑρονίασαν), wie sie unter Alexanders Nachfolgern in Ägypten seit dem fünften Ptolemaios, unter dem Namen der Anakleterien, wieder eingeführt wurde.

34 Aristobul sagt, Alexander sei auf dem früheren Wege zurückgekehrt; Ptolemaios dagegen, er habe den geraden Weg nach Memphis eingeschlagen. Letztere Angabe ist wohl richtiger, da der Umweg über Paraitonion und Alexandreia jetzt, nach dem Vertrage mit Kyrene, keinen Zweck mehr gehabt hätte.

35 Plut. Alex. 32, der genau beschreibt, welche Rüstung, welches Schwert, welchen Helm usw. Alexander an diesem Tage führte, sagt, erst jetzt, wo es zum Einhauen ging, habe Alexander den Bukephalos bestiegen, den er seines Alters wegen schonte.

36 Curt. V 1, 43. Diod. XVII 64; Ἀγάϑωνι τῷ Πυδναίῳ, mit 700 Mann nach Diodor, 700 Makedonen und 300 Söldnern nach Curtius. Bemerkenswert, wenigstens als Maßstab, ist die Angabe des Diodor und Curtius über die Zahlungen an die Truppen aus der Beute; jeder von der Ritterschaft erhält 600 Drachmen, jeder Reiter der Bundesgenossen 500 Drachmen, jeder Makedone von der Phalanx 200, jeder Söldner die Löhnung von zwei Monaten; wie hoch die Löhnung war, wissen wir nicht.

37 Leider begnügt sich Arrian mit einem allgemeinen Ausdruck: ξὺν τῇ δυνάμει ἀφίκετο. Nach Diod. XVII 65 und Curt. V 1, 40 waren es 6000 Mann Fußvolk und 500 Reiter Makedonen, 600 thrakische Reiter, 3500 Mann thrakisches Fußvolk (Τραλλεεῖς bei Diod.), aus der Peloponnes 4000 Söldner und fast 1000 (bei Curt. 380) Reiter, außerdem 50 junge makedonische Edelleute πρὸς τὴν σωματοφυλακίαν. Aus Arrians Ausdruck (III 16, 11): τοὺς πεζοὺς δὲ προσέϑηκε ταῖς τάξεσι ... κατὰ ἔϑνη ἑκάστους συντάξας darf man schließen, daß nicht neue, schon formierte Truppenkörper (τάξεις usw.) aus der Heimat nachrückten, sondern Ersatzmannschaften, die den mobilen Taxeis, aus deren Kantons sie ausgehoben waren, eingereiht wurden, daß also in der Heimat die τάξεις gewisser Kantone zurückgeblieben waren, die dort ebenso κατὰ ἔϑνη ergänzt wurden wie die mobilen sechs Taxeis (der Elymiotis, der Tymphaia, der Lynkesten-Oresten usw.).

38 Diesen Ausdruck braucht Arrian sonst nicht, er erklärt sich dadurch, daß die Ilen der Ritterschaft in je zwei Lochen und die gesamte Ritterschaft in vier Hipparchien geteilt war, deren jede also vier Lochen enthielt.

39 Kleitarch, der Ségur Alexanders, der mit außerordentlichem Talent, aber auf Kosten der Geschichte Geschichten gemacht hat, ist für diese Winterrast in Persepolis überschwenglich reich an geistreichen Zügen. Jene Griechen, die vergreist, verstümmelt, gebrandmarkt, voll Scham und Verzweiflung dem Könige entgegentreten, die befohlene Ermordung der Einwohner, die Gelage des Königs, endlich jene athenische Tänzerin Thais, die in der Begeisterung des Tanzes einen Feuerbrand vom Altare reißt und in den Palast wirft, deren Beispiel trunken und in wilder Siegeslust Alexander und seine Getreuen folgen, das alles sind Märchen, die, aus derselben Quelle geschöpft, von einer Reihe spätgeborener Schriftsteller so oft und mit solcher Zuversicht wiederholt werden, daß sie mit der Zeit zu historischer Gewißheit geworden sind.

40 Für die Heeresordnung bezeichnend ist, daß Epokillos mit einem Kommando Reiter, da die heimkehrenden Reiter ihre Pferde verkauften, die Kolonne der Ausgedienten zum Meere geleitete, daß Menes, der Hyparch von Syrien, Phoinikien und Kilikien den Befehl erhielt, Trieren zu ihrer Überfahrt nach Euboia bereitzuhalten.

41 Die Inschrift ist beschrieben und mitgeteilt im Ἀϑήναιον 1876 S. 102 und jetzt C. I. A. II. n°. 175b.; die Unterschrift des Bildes lautet: Ῥήβουλας Σεύϑου υἱὸς Κότυος ἀδελφὸς ἀγγέλ[λων]. Diese Ergänzung ist sehr bedenklich; nicht sicherer, aber ansprechender ist es, wenn H. Droysen in der Voraussetzung, daß Seuthes aus der Familie des Kotys und, wie dieser sein Großvater (?) und sein Vater (?) Kersobleptes, attischer Bürger war, Ἀγγελῆϑεν ergänzt [so IG II2 349]. Die Phiale, die der Mann hält, bezeichnet vielleicht σπονδαὶ, die er bietet.

42 Justin. XII 1, 4: epistulae, quibus bellum Agidis, regis Spartanorum, in Graecia, bellum Alexandri, regis Epiri, in Italia, bellum Zopyrionis, praefecti eius, in Scythia continebatur; und XII 2, 16: Zopyrion quoque, praefectus Ponti ab Alexandro magno relictus ... bellum Scythis intulit etc. Diod. XVII 62: Μέμνων ὁ καϑεσταμένος στρατηγὸς τῆς Θρᾴκης ... ἀνέσεισε τοὺς βαρβάρους. Curt. X 1, 43: iisdem fere diebus litteras a Coeno accipit de rebus in Europa et Asia gestis, dum ipse Indiam subegit. Zopyrio Thraciae praepositus, quum expeditionem in Getas faceret, tempestatibus procellisque subito coortis cum toto exercitu oppressus erat. qua cognita clade Seuthas Odrysas populares suos ad defectionem compulerat amissa propemodum Thracia ne Graecia quidem * * * Curtius oder seine griechische Vorlage hat wohl aus Gründen der künstlerischen Komposition den Komplex von Nachrichten erst 325 an Alexander kommen lassen; wenn er Zopyrion als Strategen von Thrakien bezeichnet, so ist es, als lasse das noch den übergangenen Memnon von Thrakien durchschimmern; daß Koinos der Berichterstatter gewesen sein solle, ist nicht minder abstrus; der bekannte dieses Namens lebte derzeit nicht mehr, und ein Koinos in den westlichen Bereichen wird sonst nicht erwähnt; weshalb Mützell in den Worten a Coeno die flüchtige Übersetzung eines ἀπὸ κοινοῦ im griechischen Original vermutet hat, womit das κοινὸν des Hellenischen Bundes gemeint sein sollte.

43 Daß die ausführliche Schilderung der Schlacht bei Curt. IV. 1. 1 sqq. kleitarchisch ist, sieht man aus dem, was Diod. XVII. 63 über den Tod des Agis sagt. Die Zahl der Toten auf spartanischer Seite geben beide mit 5300 Mann an, auf der makedonischen sind nach Diodor 3500 gefallen, nach Curt. IV. 1. 16 ex Macedonibus haus amplius centum, ceterum vix quisquam nisi saucius revertit in castra. Die Zeit dieser Schlacht erhellt aus Aischines' Rede gegen Ktesiphon, die vor den Pythien (Sept. 330) und nach der Niederlage des Agis gehalten ist; und daß sie nach dem Ehrendekret für den Thraker Rhebulas, d.h. nach dem Mai 330 geschlagen ist, wird für gewiß zu halten sein. Verkehrt ist Curt. IV. 1: 21 hic fuit exitus belli quod repente ortum prius tamen finitum est quam Dareum Alexander apud Arbelam superaret. Er widerspricht selbst dieser Angabe VII. 4. 32.

Quelle:
Johann Gustav Droysen: Geschichte des Hellenismus. Tübingen 1952/1953, Band 1.
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