Erstes Kapitel

316-311

Bündnis gegen Antigonos – Verhandlungen – Antigonos' Rüstungen, seine Seemacht – Beginn des Kampfes in Kleinasien – Erste Bewegungen der Verbündeten – Alexandros' Abfall von Antigonos – Ende des ersten Kriegsjahres – Zweites Kriegsjahr 314 – Antigonos erobert Tyros – Drittes Kriegsjahr 313 – Lysimachos gegen Kallatis – Asandros' Kapitulation – Der Kampf in Griechenland – Der Kampf um Euboia – Aufstand von Kyrene und Kypros – Viertes Kriegsjahr 312 – Kampf um Epeiros – Kampf in der Peloponnes – Kampf in Syrien – Schlacht bei Gaza – Demetrios' Rückzug – Ptolemaios besetzt Syrien – Seleukos' Rückkehr nach Babylon – Nikanors Niederlage – Demetrios' Sieg bei Myus – Ptolemaios' Rückzug aus Syrien – Feldzug gegen die Nabataier – Demetrios' Zug gegen Babylon – Frieden von 311 – Übersicht.

Seleukos war im Spätsommer des Jahres 316 nach Ägypten zu Ptolemaios gekommen; er fand die freundlichste und ehrenvollste Aufnahme. Sehr bemerkenswert ist die Darlegung, die er, nach Angabe unserer sachkundigen Quelle, dem Ägypter gemacht hat, »eine bittere Anklage des Antigonos«: es sei offenbar dessen Absicht, alle nur irgend bedeutenden Männer, namentlich die alten Kampfgenossen Alexanders, aus den Satrapien zu drängen; so habe er Peithon von Medien ermordet, so Peukestas von Persien seiner Satrapie beraubt, so mit ihm selbst Hader gesucht, um womöglich einen Grund zu finden, auch ihn aus dem Wege zu räumen; sie alle hätten nichts gegen ihn verschuldet, sondern ihn auf mannigfache Weise und mit aller Hingebung im Kampf gegen Eumenes unterstützt; dies sei nun ihr Lohn; seine große Heeresmacht, die ungeheuren Schätze, die er in Asien erplündert habe, seine erstaunlichen Erfolge hätten ihn so mit Übermut erfüllt, daß er das Höchste erreichen zu können meine und erreichen wolle; es gehe offenbar seine Absicht auf nichts Geringeres als den Besitz des gesamten Reiches; würde ihm nicht beizeiten Widerstand geleistet, so sei es um die Macht der Satrapen geschehen, wie denn deren die meisten im Osten schon in seiner Botmäßigkeit ständen. Leicht gelang es ihm, Ptolemaios von der drohenden Gefahr zu überzeugen, ihn zu einem Kriege zu bereden, der unter den vorliegenden Umständen unvermeidlich schien. Zu gleicher Zeit sandte Seleukos vertraute Männer an Kassandros und Lysimachos, sie auf die Übermacht des Antigonos,[211] auf die auch ihnen drohende Gefahr aufmerksam zu machen, sie zu einem Waffenbunde untereinander und mit Ägypten zu bewegen, indem sie nur so hoffen könnten, den ungeheuren Streitkräften des Gegners gewachsen zu sein. Diese Verhandlungen wurden noch vor dem Anfang des Jahres 315 geführt und das definitive Bündnis vorbereitet1.

Um die Zeit dieser Verhandlungen war Antigonos von Babylon nach Kilikien marschiert und hatte dort seine Winterquartiere genommen; er hatte voraussehen können, daß Seleukos alles aufbieten werde, um die Machthaber im Westen gegen ihn aufzubringen; er mochte hoffen, daß, wenn er bei seiner außerordentlichen Macht und der entschieden überlegenen Stellung, die er gewonnen hatte, sich jenen zuvorkommend zeigte und von den hochstrebenden Absichten, die ihm von Seleukos schuld gegeben worden, das Gegenteil äußerte, die übrigen Machthaber wenigstens sich nicht verbünden und ihm Zeit lassen würden, seine Pläne gegen die vereinzelten desto sicherer auszuführen. Er schickte an Ptolemaios, Kassandros, Lysimachos Gesandte, die seine Erfolge gegen den gemeinsamen Feind in Asien anzeigen und sie auffordern sollten, das Band der Freundschaft, in der es ihm gelungen sei, die gemeinsamen Interessen geltend zu machen, auch ferner zu erhalten.

Mit dem Ende des Winters verließ er seine Winterquartiere und führte seine Truppen dem oberen Syrien zu, um sich sofort, wenn sich die Unterhandlungen zerschlügen, auf Ptolemaios, in dem er mit Recht den gefährlichsten seiner Gegner sah, zu werfen, sich Syriens und namentlich der Küsten und Häfen dort zu bemächtigen, dem Gegner, bevor dessen Verbündete ihm zu Hilfe eilen konnten, die Lande zu entreißen, mit deren Besitznahme der Lagide weit über die Verabredungen von 321 hinaus seine Macht gesteigert hatte. Konnte Antigonos gegen ihn kraft seiner Strategie einschreiten? Er hatte diese zur Bekämpfung der Perdikkaner erhalten, und mit der Niederwerfung des Eumenes war dieser Auftrag ohne Gegenstand; eben die Macht, die er mit diesem Siege und dessen Wirkungen gewonnen hatte, war sein Rechtstitel, und sie war groß genug, die Anerkennung ihrer Befugnis zu erzwingen. Vielleicht daß der vorsichtige[212] Lagide sich scheute, das Glücksspiel der Waffen gegen den zu wagen, dem Eumenes erlegen war.

Da kamen die Gesandten des Ptolemaios und seiner Verbündeten in das Hauptquartier des Strategen; in das Synhedrion geführt, erklärten sie: ihre Gebieter wünschten sehr, mit Antigonos in bestem Vernehmen zu bleiben; sie hätten mit ihm gemeinsam den Krieg gegen Polyperchon und Eumenes geführt, deshalb sei es billig, daß auch ihnen von den Vorteilen des Sieges zukomme; sie forderten, daß die Schätze, die im oberen Asien erbeutet seien, mit ihnen geteilt, daß ganz Syrien mit Einschluß Phoinikiens zu Ägypten geschlagen, Phrygien am Hellespont an Lysimachos übergeben, Lykien und Kappadokien mit Karien unter Asandros vereinigt, Babylonien an Seleukos zurückgegeben, Kassandros im Besitz seiner europäischen Länder und in der Stellung, die Polyperchon gehabt, anerkannt werde; sie ihrerseits würden dann Antipatros als Strategen der oberen Satrapien anerkennen, ihm zu jedem rechtmäßigen Dienst und Beistand bereit sein2; wolle Antigonos diese Bedingungen nicht annehmen, so würden die Verbündeten mit vereinten Kräften ihre gerechten Forderungen durchzusetzen wissen. Antigonos erwiderte auf diese Anträge mit unverhohlener Härte, es sei alles zum Kampfe gegen Ptolemaios vorbereitet. Die Gesandten verließen das Lager, bald darauf wurde das Waffenbündnis zwischen den genannten Machthabern abgeschlossen.

Antigonos war der Koalition gegenüber in mancher Hinsicht im Vorteil; er hatte seine Streitkräfte beieinander, er hatte, während die Verbündeten in der Peripherie agieren mußten, in Kilikien eine zentrale Stellung, damit den Vorzug konzentrischer Operationen, zu deren Leitung durch das ganze ihm zugehörende Asien mehrere Reihen von Fanalen und Postwachen eingerichtet wurden; er war der Stratege, dessen sämtliche oder wesentliche Mittel im Heer lagen, nicht durch die mannigfachen Rücksichten auf die untergebenen Länder wie die Gegner behindert; dazu kam, daß er eine große und vollkommen schlagfertige Armee und ungeheure Geldmittel zu seiner Verfügung hatte. Aber andererseits war die Macht der Gegner keineswegs unbedeutend; vor allem Ptolemaios, der nächste und wichtigste der Feinde und die Hauptmacht in der Koalition, deren Leitung der Hauptsache nach auch in seiner Hand lag, war ihm um seine fertige[213] Seemacht voraus; und er hatte in ihr die phoinikische Flotte; des Meeres Meister, war er in der Lage, mit den Verbündeten in steter Verbindung zu bleiben, den Hellespont stets frei zu halten, um für den Krieg in Kleinasien aus Europa die Heere der Verbündeten hinüberzuführen, mit diesen und der Macht des Asandros den Gegner von Norden her anzugreifen, während die ägyptische Macht von Süden heranrückte.

Antigonos mußte vor allem darauf sinnen, einen solchen Kriegsplan im voraus unmöglich zu machen; er mußte die europäischen Mächte so beschäftigen, daß sie an dem Krieg in Asien keinen Anteil zu nehmen vermochten, den Gegner in Kleinasien auf gleiche Weise isolieren, sich so den Rücken freihalten, um mit überlegener Macht sich gegen Ptolemaios zu wenden und diesen für sich zu vernichten. Die Land macht allein genügte dazu nicht; er mußte ihn von der See her fassen; und für den Augenblick hatte er auch nicht ein Schiff zu seiner Verfügung. Es galt, sofort die Küste von Phoinikien und Syrien in Besitz zu nehmen, dann, da Ptolemaios von dorther alle Schiffe hinweggezogen, auf den phoinikischen Werften in möglichster Eile und um jeden Preis neue Schiffe zu bauen und segelfertig zu machen; da Phoinikien gegen einen nachdrücklichen Angriff von der Landseite her keinen Widerstand zu leisten vermochte, so war dort rasch zum Ziel zu kommen.

Antigonos sandte zugleich Agesilaos nach Kypros, Idomeneus und Moschion nach Rhodos, den beiden Inseln, die zugleich die wichtigsten Seestationen waren und reichlichst Schiffe hatten, für sich zu gewinnen und auf ihren Werften neue Schiffe zimmern zu lassen. Nach Kleinasien sollte sein Neffe Polemaios mit einem bedeutenden Korps marschieren, schnell aus Kappadokien die Truppen des Kassandros verdrängen, sich mit dem Tyrannen von Herakleia in Verbindung setzen, sich dann nach dem Hellespont wenden, um dort, einen etwaigen Übergang von Europa her sperrend, zugleich den karischen Satrapen in der Seite zu bedrohen, womöglich auch mit den griechisch-pontischen Städten, die Lysimachos unterworfen, Verbindungen anzuknüpfen und sie zu insurgieren. Nach der Peloponnes wurde der treue Milesier Aristodem mit 1000 Talenten gesandt, mit dem Auftrag, möglichst viel Truppen auf dem Tainaron zu werben, mit Polyperchon und dessen Sohn Alexandros Unterhandlungen anzuknüpfen, jenen im Namen des Antigonos zum Strategen der Peloponnes zu ernennen, diesen zu weiteren Verabredungen nach Syrien einzuladen; von der Peloponnes aus, so war die Absicht, sollte Kassandros angegriffen und in Atem gehalten werden.

Im Frühling 315 brach Antigonos in Syrien ein, trieb mit leichter Mühe die ägyptischen Besatzungen aus den Städten, ging in raschem Zuge auf Tyros los. Diese Stadt war seit Alexander der festeste Punkt auf der[214] phoinikischen Küste und jetzt mit einer starken ägyptischen Besatzung versehen; auf einer Insel gelegen, konnte sie nur, da Alexanders Beispiel die Unrätlichkeit eines Dammbaues gezeigt hatte, durch einen Seeangriff genommen werden. Antigonos lagerte der Insel gegenüber in der Altstadt; dorthin beschied er die Fürsten der phoinikischen Städte, die Hyparchen der syrischen Landschaften; den Fürsten sagte er, er meine es wohl mit ihnen und werde sie nicht in ihrem Besitze stören; es sei nicht ihre Schuld, daß Ptolemaios alle Schiffe ihres Landes hinweggenommen; er brauche deren, sie möchten sich mit ihm vereinigen und so schnell als möglich neue Schiffe bauen; den Hyparchen trug er auf, binnen kürzester Zeit so viel Getreide und Vorräte zu beschaffen, wie er für ein Jahr brauche. Dann wurden 8000 Menschen kommandiert, im Libanon Schiffsbauholz zu fällen, 1000 Haupt Zugvieh angewiesen, das Holz an die Werften zu bringen; Zimmerleute, Schmiede, Seiler, Handwerker aller Art arbeiteten bei Tausenden in den Werften, deren in Phoinikien drei, bei Sidon, Byblos und Tripolis, errichtet waren; auf einer vierten in Kilikien wurde aus dem Bauholz des Taurus gearbeitet, anderes Bauholz auf die Werften nach Rhodos geschafft und auch dort auf das emsigste gezimmert. Eine ägyptische Flotte von 100 Segeln, in voller Kriegsrüstung, unter Befehl des Seleukos, kreuzte an der phoinikischen Küste; es war wie zum Spott über die Arbeiten in den Werften; man besorgte in den Städten, es werde von der See her die Küste heimgesucht werden, ohne daß man sich zu wehren imstande sei; Antigonos beruhigte sie darüber: noch denselben Sommer würden sie ihn 500 Segel dem Feind entgegen in See schicken sehen. Um diese Zeit kehrte Agesilaos aus Kypros zurück: von den Fürsten der Insel sei es ihm nur gelungen, die von Kition, Amathus, Marion, Lapethos und Kerynia zum Bündnisse zu bewegen; die übrigen, namentlich Nikokreon von Salamis, seien auf seiten des Ptolemaios; ein Umstand, der mindestens für jetzt den Zuzug der kyprischen Flotte hinderte3.[215]

Nachdem die Verhandlungen mit den phoinikischen Fürsten geendet und der Bau der Flotte im Gange war, eilte Antigonos, sich der weiteren Küste Syriens zu bemächtigen; vor Tyros blieb ein Belagerungskorps von 3000 Mann unter Andronikos. Südwärts eilend, fand er erst bei Joppe und Gaza Widerstand; er nahm beide Städte, versah sie mit starken Besatzungen, wie ausdrücklich bemerkt wird: »um die Bewohner im Zügel zu halten«; sie waren für die ägyptische Herrschaft. Dann kehrte Antigonos nach Alt-Tyros zurück, um das Weitere der Belagerung zu leiten.

Um diese Zeit kam aus der Peloponnes Alexandros, der Sohn des Polyperchon, in das Lager; es geschah infolge jener Aufforderung, die ihm und seinem Vater Aristodemos überbracht hatte; er berichtete, daß Aristodemos in Lakonien gelandet sei, von den Spartanern die Befugnis, Truppen zu werben, erhalten, bereits auch 8000 Mann beieinander habe. Er hatte des Vaters Vollmacht, alles Weitere mit dem Satrapen zu verabreden. Es wurde eine allgemeine Versammlung berufen; in derselben trat Antigonos als Kläger gegen Kassandros auf: Kassandros, des Antipatros Sohn, habe die Königin Olympias ermordet, habe gegen den jungen König Alexander und seine Mutter Roxane das Unwürdigste getan und halte sie jetzt in Verwahrsam, habe die Fürstin Thessalonike gezwungen, sich mit ihm zu vermählen; offenbar sei seine verbrecherische Absicht, dem Hause Philipps und Alexanders das Königtum zu entreißen[216] und sich selbst mit dem Diadem zu schmücken; überdies habe er die Olynthier, die ärgsten Feinde Makedoniens, in der neuen Stadt, die er nach seinem Namen genannt, angesiedelt, er habe Theben, das von den Makedonen zerstört worden, wiederhergestellt, gleich als ob er, was von König Philipp und Alexander geschehen sei, vergessen und ungeschehen machen wolle. Diese Anklage wurde von der Heerversammlung so aufgenommen, wie Antigonos erwartet hatte, mit lauter und heftig geäußerter Mißbilligung. Hierauf beantragte Antigonos: Kassandros sei als Reichsfeind anzusehen, wenn er nicht den jungen König Alexander nebst der königlichen Witwe Roxane der Haft entlasse und den Makedonen übergebe, dem rechtmäßigen Strategen Antigonos, der auch die Reichsverwesung übernommen, in allem übrigen den schuldigen Gehorsam leiste, die beiden Städte wieder zerstöre; im übrigen sollten die griechischen Städte frei, selbständig, ohne Besatzung sein4. Die Heerversammlung nahm dies Dekret an, das sofort durch Boten überallhin versandt wurde.

Die politischen Kombinationen, die dies Dekret zusammenfaßt, liegen auf der Hand. Es verstand sich von selbst, daß Kassandros sich nicht fügen werde; Antigonos konnte gewiß sein, daß er mit der Proklamation der Freiheit in Griechenland die lebhafteste Bewegung hervorrufen, daß mit der Autonomie und Beseitigung aller Besatzungen das ganze oligarchische System, mit dem Hellas an Kassandros geknüpft war, zusammenbrechen werde. Indem er als Reichsverweser, als Vertreter des königlichen Hauses und des Erben Alexanders auftrat, gab er seiner Sache eine Legitimität, die ihm die Makedonen gewann und den Kampf der Gegner gegen ihn, der soeben Oberasien dem jungen König wiedererrungen hatte und der ja nur in der Absicht, ihn aus den blutigen Händen des Kassandros zu befreien, den neuen Krieg unternahm, als Verrat an König und Reich erscheinen ließ. Antigonos durfte hoffen, daß die Satrapen des Ostens, wenn sie sahen, daß er das Königtum nicht selbst erstrebe, sondern dem rechtmäßigen Erben bewahre, ihm mit desto größerer Ergebenheit anhangen würden5.

Die beiden gegeneinander kämpfenden Parteien hatten ungefähr wieder dieselbe Stellung gegeneinander wie zur Zeit des ersten, des zweiten Krieges, nur mit dem großen Unterschied, daß im ersten Perdikkas, mit[217] wie selbstsüchtigen Plänen immer, doch die Autorität und die Einheit des noch mächtigen Reiches gegen die sich auflehnenden Satrapen geltend zu machen, im zweiten Eumenes das gefährdete königliche Haus gegen die Machthaber zu verteidigen und in seinen Rechten zu schützen bemüht war, Antigonos dagegen, mit einer Macht, die er sich selbst im Kampf gegen das königliche Haus errungen, gegen die, mit denen verbündet er sie errungen, den Namen des königlichen Knaben nur als Banner brauchte, während er ihn übel genug in den Händen eines Mannes verwahrt wußte, welcher in demselben zugleich den Sohn des verabscheuten Alexander und das einzige Hindernis, selbst das Diadem Makedoniens zu nehmen, haßte.

Die ersten Schiffe von Rhodos und den anderen Werften waren angekommen; es begann die förmliche Einschließung der Stadt Tyros, welche, da sie durch ihre außerordentlichen Befestigungen jedem Angriff trotzte, Antigonos auszuhungern genötigt war. So blieb er selbst vor Tyros, während sein Neffe Polemaios, zum Strategen der Länder am Hellespont ernannt, mit bedeutender Heeresmacht nach Kleinasien marschiert war und dort mit bestem Erfolg kämpfte. Er hatte sich zunächst nach Kappadokien gewandt, wo Asandros' Feldherr Asklepiodoros belagernd vor Amisos am Pontos stand; er eilte der Stadt zu Hilfe, zwang Asklepiodoros zu einer Kapitulation, in der er ihm freien Abzug zusicherte, und nahm die Satrapie namens des Antigonos in Besitz. Mit Dionysios von Herakleia schloß er die von Antigonos gewünschte Verbindung, die von dieser Zeit an dauernd und für das beiderseitige Interesse vielfach förderlich war6. Hierauf wandte er sich gen Westen, damit nicht von Europa her irgend etwas unternommen werde und um zugleich, der griechischen Küstenstädte sicher, der überlegenen Seemacht der Gegner diese Gestade zu sperren. Auf dem Marsche durch Bithynien fand er den bithynischen Fürsten Zipoites in Kampf mit Astakos und Kalchedon und beide Städte belagernd; er nötigte ihn, die Belagerung aufzuheben; er[218] schloß mit den Städten – also sie wurden als freie Staaten anerkannt – und mit Zipoites Bündnis und nahm von dem Fürsten Geiseln, daß er hinfort die Städte nicht beunruhigen werde. Hier erhielt der Stratege ein Schreiben seines Oheims, daß die feindliche Flotte nach der ionischen Küste gesteuert, daß alles aufzubieten sei, ihr mit Besetzung der dortigen Städte zuvorzukommen. Polemaios ließ für den Augenblick den Hellespont und eilte durch Lydien nach der Küste; er erfuhr, daß Seleukos mit seiner Flotte bereits vor Erythrai liege und die Stadt absperre; er kam in schnellen Märschen dorthin, die feindlichen Truppen zogen sich auf die Flotte zurück, die weiter in See ging.

Während dieser Vorgänge in Kleinasien waren die Gegner keineswegs untätig gewesen; Ptolemaios von Ägypten, der am meisten zu besorgen, aber auch die bedeutendste Macht unter den Verbündeten hatte, war überaus tätig, dem Feinde an allen Punkten zuvorzukommen oder zu begegnen. Er hatte, wie bereits erwähnt worden, gleich beim Beginn der Feindseligkeiten eine Flotte von 100 Segeln in See geschickt, deren hauptsächliche Bestimmung gewesen zu sein scheint, dem Gegner das Zusammenziehen einer Flotte unmöglich zu machen; er hatte die mächtigsten der kyprischen Fürsten für die gemeinschaftliche Sache gewonnen und ihnen 3000 Mann Hilfstruppen zum Kampf gegen die mit Antigonos verbündeten Fürsten gesandt; er hatte eine Proklamation an die griechischen Städte erlassen, in denen er ihnen in gleicher Weise wie Antigonos die Freiheit zusicherte7, eine Maßregel, die immerhin dem Interesse des Kassandros entgegen, doch notwendig scheinen mochte, den Eindruck, den Antigonos' Dekret hervorbringen sollte, zu überbieten. Auffallender konnte es scheinen, daß sich Ptolemaios Syrien und Phoinikien so ruhig hatte entreißen lassen; er mochte berechnen, daß die Verteidigung dieses Landes unendlichen Aufwand an Menschen und Geld erfordern würde, daß, wenn er nicht vorging, der Gegner ihn zu einer entscheidenden Schlacht in der Nähe Ägyptens, die ihm so viele Vorteile darbot, aufsuchen müsse, daß ein hier erkämpfter Sieg ihm auch Syrien wiedergab, eine verlorene Schlacht ihm noch immer den Rückzug an den Nilstrom und dessen schwieriges Terrain offen ließ. Bedenklicher ist die Erfolglosigkeit der ersten Bewegungen der ägyptischen Flotte; vielleicht war es für[219] Ptolemaios und Seleukos unerwartet, daß Antigonos mit so staunenswürdiger Schnelligkeit eine neue Seemacht schuf, vielleicht ihre 100 Segel nicht genügend, die rasch begonnenen Arbeiten des Feindes, die dessen Landmacht deckte, zu hindern. Ptolemaios mußte eilen, eine bei weitem größere Seemacht in See zu schicken, als anfangs nötig geschienen; darum ging Seleukos mit dem Ende des Sommers von Erythrai nach Kypros zurück, wo sich die zweite, größere Flotte versammelte. Ptolemaios schickte dorthin hundert neue Schiffe unter dem Admiral Polykleitos, mit 10000 Mann Fußvolk unter dem Athener Myrmidon, beide unter dem Oberbefehl seines Bruders Menelaos, mit der Bestimmung, mit Seleukos über die weiterhin notwendigen Bewegungen sich zu verständigen. Als sich die beiderseitigen Geschwader vereinigt, wurde beschlossen, daß Polykleitos mit 53 Schiffen nach der Peloponnes eilen und gegen Polyperchon und Aristodemos operieren, daß Myrmidon mit einem guten Teil des Heeres nach Karien gehen und Asandros, den eben jetzt der Stratege Polemaios mit einem Angriff bedrohte, Beistand leisten sollte. Seleukos und Menelaos selbst blieben zunächst in Kypros; mit Nikokreon und den übrigen verbündeten Fürsten vereinigt, griffen sie die Freunde des Antigonos an, eroberten Lapethos und Kerynia, bewogen den Fürsten von Marion zum Übertritt, nahmen von dem Dynasten von Amathus Geiseln, wandten sich endlich mit aller Macht gegen Kition, dessen Fürst sich des Übertritts weigerte, und belagerten die Stadt; dies war im Herbst 315; gelang es ihnen, die Stadt zu nehmen, so waren sie der ganzen Insel und somit der wichtigsten Position für den Seekrieg Meister.

Indes war auch auf der Seite des Gegners, der belagernd vor Tyros lag, eine bedeutende Flotte versammelt; schon vor einigen Monaten hatte aus Rhodos und dem Hellespont der Nauarch Themison 40 Schiffe herangebracht, bald darauf kam ebendaher Dioskorides mit 80 Schiffen; außerdem waren bereits 120 Schiffe auf den phoinikischen Werften fertig geworden, so daß sich die gesamte Seemacht des Antigonos auf 240 Kriegsschiffe belief, unter ihnen 90 Vierruderer, 10 Fünfruderer, 3 Neunruderer, 10 Zehnruderer, 30 ungedeckte Schiffe8. Von diesen Schiffen wurde ein Teil zur weiteren Belagerung von Tyros bestimmt, ein anderer unter Dioskorides ausgesendet, in See zu kreuzen, die Verbündeten zu schützen, die Inseln zu besetzen; 50 Segel endlich sollten nach der Peloponnes gehen und die dortigen Bewegungen unterstützen.

In der Peloponnes war bereits lebhafter Kampf; daß in Griechenland das Freiheitsdekret des Antigonos nicht den erwarteten Erfolg eines allgemeinen[220] Enthusiasmus hatte, war teils durch das gleiche Dekret des Ptolemaios, teils durch die vorherrschende, meist durch makedonische Besatzungen unterstützte Partei des Kassandros erklärlich; namentlich Athen, von Demetrios geleitet, scheint sogleich und offen Partei für Kassandros genommen zu haben; nur in der Peloponnes, wo Polyperchon und sein Sohn Alexandros festen Fuß gefaßt hatten und die bedeutenden Heerhaufen, die Aristodem und Alexandros, aus Syrien mit 1000 Talenten zurückgekehrt, zusammengezogen, der Sache des Antigonos das Übergewicht gaben, zeigten sich einige Bewegungen gegen Makedonien. Als Apollonides, Kassandros' Befehlshaber in Argos, gegen Stymphalos in Arkadien ausgezogen war und diese Stadt besetzte, machte die ihm feindliche Partei einen Aufruhr, proklamierte die Freiheit, ließ Alexandros einladen, zu kommen und die Stadt zu besetzen; da Alexandros säumte, gelang es Apollonides, schnell Argos zu gewinnen; auf den Markt rückend, ließ er das Prytaneion, in dem die 500 von der Gegenpartei, die den Rat bildeten, versammelt waren, anzünden; die 500 verbrannten, von den übrigen wurden viele hingerichtet, die meisten entflohen.

Kassandros hatte indes auf die Nachricht von Aristodemos' Werbungen in der Peloponnes und der bedeutenden Macht, die die Gegner beisammen hatten, nach einem vergeblichen Versuch, Polyperchon zum Abfall von Antigonos zu bewegen, ein Heer aufgeboten, war schnell durch Thessalien nach Boiotien hinabgerückt, hatte den Thebanern, um mit ihrer Stadt einen festen Punkt mehr zu besitzen, zur Vollendung ihrer Mauern und Türme hilfreiche Hand geleistet, war dann auf den Isthmos vorgerückt. Von hier aus nahm er Kenchreai, den Hafen Korinths am Saronischen Busen, durchschwärmte verwüstend das Gebiet der Stadt, zwang zwei Kastelle, in denen Alexandros' Besatzungen lagen, zur Kapitulation; Korinth selbst blieb in Feindeshand. Dann eilte er nach Arkadien, gegen Orchomenos, wohin ihn eine Partei der Stadt gerufen, und überließ es dieser, die zum Artemistempel geflüchteten Anhänger des Alexandros zu strafen; sie wurden von den Altären hinweggerissen und ermordet. Dann brach er nach Messenien ein, fand aber die Stadt Messene von Polyperchon besetzt, so daß er es aufgab, sie zu berennen; er kehrte nach Arkadien zurück, ließ dort Samis als Strategen der Landschaft, zog weiter nach Argos hinab; nachdem er die Nemëischen Spiele gehalten, führte er sein Heer nach Makedonien. Weder er hatte Entscheidendes gewonnen, noch die Gegner ihm im offenen Felde entgegenzutreten gewagt.

Sobald er hinweg war, brachen sie hervor, zogen in die von makedonischen Truppen besetzten Landschaften, vertrieben die Gegner aus einer Stadt nach der anderen, proklamierten aller Orten die Freiheit; bald war der größte Teil der Peloponnes in ihren Händen. Den Versuch, der bei[221] Polyperchon mißlungen war, wiederholte Kassandros bei dessen Sohn. Durch geheime Botschaft lud er ihn ein, die Sache des Antigonos zu verlassen und sein Bundesgenosse zu werden; er versprach ihm dafür die Strategie der Peloponnes, die Führung einer bedeutenden Kriegsmacht, des ferneren Ehren, wie er sie verdiene. Der Sohn tat nicht wie der Vater; ihm wurde ja geboten, wonach er strebte und woran ihn, solange er für Antigonos blieb, die Nähe des Aristodemos und mehr noch Polyperchons hinderte; es kümmerte ihn wenig, daß er fortan seinem Vater feindlich gegenüberstand; er trat, wie es scheint, mit einem guten Teil der von ihm und Aristodemos geworbenen Truppen über; in den nördlichen Teilen der Peloponnes, namentlich in Sikyon und Korinth, begann er als Kassandros' Stratege zu verfahren.

Eben jetzt landete Polykleitos mit den 50 Schiffen, die ihm Seleukos anvertraut, in Kenchreai; da er hier nach Alexandros' Übertritt wenig mehr zu tun fand, eilte er mit seiner Flotte zurück nach den östlichen Gewässern. Er landete an der kilikischen Küste bei Aphrodisias; er erfuhr dort, daß Theodotos, der Nauarch des Antigonos, mit Schiffen aus Rhodos, die aus Karten bemannt seien, an der lykischen Küste entlangfahre, und daß Perilaos entlang der Küste mit Kriegsvolk das Geschwader begleite, um es zu decken. Er eilte, beiden zu begegnen; er ließ die Truppen von seinen Schiffen ans Land gehen und stellte sie in einem geeigneten Terrain auf, das die feindliche Kolonne passieren mußte, während er selbst mit seiner ganzen Flotte hinter einem Vorgebirge, das ihn den Augen der herankommenden Gegner entzog, vor Anker ging. Perilaos zog, ohne etwas zu vermuten, in jene besetzte Gegend; es entspann sich ein Gefecht, Perilaos und viele seiner Leute wurden gefangen, mehr noch fielen im Kampf; die von der Flotte landeten, Hilfe zu leisten. Da brach Polykleitos mit seiner Flotte hervor, überfiel die meist unbewehrten Schiffe. Vergebens kämpften Theodotos und die wenigen, die bei ihm waren; tödlich verwundet, wurde er gefangen, die sämtlichen Schiffe genommen. Mit solcher Beute kehrte Polykleitos über Kypros nach Ägypten zurück und landete bei Pelusion.

Nach dem Abfall des Alexandros in der Peloponnes, dem Verlust von Kypros der dritte harte Schlag, der Antigonos traf. Auch sein Stratege Polemaios wagte nicht, nach der bedeutenden Verstärkung, die Asandros durch Myrmidon erhalten, Karien anzugreifen; er selbst hielt Tyros bereits acht Monate belagert, ohne daß er irgend etwas erreichte. Die Verhandlungen wegen Auslieferung des Perilaos und der anderen Gefangenen gaben Anlaß zu Annäherungen zwischen Ptolemaios und Antigonos, infolge deren beide auf der Grenze Syriens und Ägyptens beim Ausfluß des Sirbonischen Sumpfes zusammenkamen. Die Forderungen des Ptolemaios[222] waren nicht von der Art, daß sich ihnen Antigonos fügen mochte; beide trennten sich, ohne daß die Verhandlungen eine andere Folge als die lebhaftere Fortsetzung des Krieges gehabt hätten.

Es begann das Frühjahr 314, das zweite Jahr des Krieges. Während Antigonos selbst die Belagerung von Tyros mit allem Eifer fortsetzte, war sein treuer Feldherr Aristodemos in der Peloponnes tätig, die durch Alexandros' Abfall entstandenen Verluste möglichst zu ersetzen. Er war nach Aitolien gezogen, in einer allgemeinen Versammlung forderte er die Aitoler auf, sich für Antigonos gegen den gemeinsamen Feind Kassandros zu erklären, ihm beim Kampf gegen denselben nachdrücklich Hilfe zu leisten. Sie versprachen dieselbe; Aristodemos warb unter den Aitolern, setzte mit bedeutend verstärkter Macht nach der Peloponnes über. Er entsetzte Kyllene, das eben von Alexandros und den mit ihm verbündeten Eleiern hart bedrängt wurde; er ließ hier eine bedeutende Besatzung und rückte nach Achaia hinein; aus Patrai wurde die Besatzung des Kassandros vertrieben, die Stadt für frei erklärt; auch Aigion wurde eingenommen und sollte für frei erklärt werden, doch kamen dem die aitolischen Söldner dadurch zuvor, daß sie die Stadt plünderten und niederbrannten, wobei der größte Teil der Einwohner ums Leben kam. Dem Aufruf zur Freiheit leisteten die Dymaier in der Art Folge, daß sie die Stadt von der makedonischen Besatzung in ihrer Burg mit einer Mauer trennten und sich zur Belagerung der Burg anschickten; da kam Alexandros herbei, überfiel und nahm die Stadt; viele der Dymaier wurden hingerichtet, viele vertrieben oder in Haft gebracht; die übrig blieben, schickten, sobald Alexandros hinweggezogen war, nach Aigion und baten Aristodemos um Unterstützung, mit dessen Beistand sie die Besatzung von neuem angriffen, überwältigten, größtenteils mit den Bürgern, die Alexandros anhingen, erschlugen, die Freiheit proklamierten. So wütete der innere Krieg in den Städten der Peloponnes, und der Name der Freiheit wurde der Deckmantel der blutigsten Zwietracht.

Wieder war Alexandros von Sikyon aufgebrochen, um die Städte, die Antigonos anhingen, zu knechten; auf dem Marsche wurde er von einigen Sikyoniern in seiner Umgebung ermordet; sie hofften, ihrer Stadt die Freiheit zu gewinnen. Aber Alexandros' Gemahlin, die schöne und kühne Kratesipolis, eilte, sich seiner Macht zu versichern; sie konnte sich auf die Hingebung der Truppen verlassen, die sie sich durch ihre Güte, durch ihre Pflege der Kranken, durch ihre Almosen an Witwen und Waisen gewonnen hatte; sie war mit den Geschäften ihres Mannes vertraut und nach dem Sinne jener Zeit in den Waffen geübt. Als die Sikyonier bei der Nachricht von Alexandros' Ermordung bewaffnet zusammenliefen, die neugewonnene Freiheit um jeden Preis zu verteidigen, stellte sie sich an[223] die Spitze der Truppen, rückte gegen die Bürger aus, besiegte sie, ließ dreißig der Rädelsführer an das Kreuz heften, zwang die Stadt, sie als Herrin anzuerkennen.

Um diese Zeit hatten die Akarnanen gegen ihre Nachbarn, die Aitoler, einen Krieg begonnen, wie es scheint auf Antrieb des Kassandros; wenigstens schloß er sofort mit den Akarnanen ein Bündnis, eilte mit bedeutender Heeresmacht aus Makedonien heran und lagerte im Norden der aitolischen Landschaft am Flusse Kampylos. Dorthin lud er die Akarnanen zu einer allgemeinen Versammlung; er legte ihnen dar, wie sie seit Menschengedenken fast ununterbrochen diese Grenzkriege mit den Aitolern führten, wie sie dabei durch ihre freilich festen, aber kleinen und vereinzelten Plätze zersplittert und doch nicht geschützt seien; er empfahl ihnen, sich in wenige bedeutende Städte zusammenzuziehen, dann würden sie ferner nicht durch die zerstreute Lage ihrer Behausungen unfähig sein, sich bei einem unerwarteten Angriff zum Widerstand zu vereinigen, und die Feinde würden minder dreist sein, die in bedeutenderen Ortschaften Vereinigten zu überfallen. Die Akarnanen folgten seinem Vorschlag, die einen zogen nach der festen Stadt Stratos am Acheloos, andere nach Oiniadai bei der Mündung des Flusses, noch andere nach Sauria und Agrinion, gegenüber von Stratos. Kassandros ging sodann, nachdem er den Strategen Lykiskos von Epeiros beauftragt, die Akarnanen zu unterstützen, gegen die Stadt Leukas, die sich ihm freiwillig ergab. Von hier eilte er durch das Land der Epeiroten, überfiel Apollonia und nahm es, zog gegen den Taulantinerfürsten Glaukias, in dessen Schutz sich der Sohn des vertriebenen Epeirotenkönigs befand, und zwang ihn durch ein glückliches Gefecht, sich zu verpflichten, daß er in keiner Weise etwas zur Wiederherstellung des epeirotischen Königtums tue, auch sonst nicht den Gegnern des Kassandros Beistand leisten wolle. Weiter ging er gegen Epidamnos; einen Tagemarsch von der Stadt entfernt, ließ er einige Truppen landeinwärts gegen die illyrischen Berggegenden streifen, die hohen Dörfer dort verbrennen; die Epidamnier, die einen Angriff auf ihre Stadt erwartet hatten, gingen in der Meinung, alle Gefahr sei vorüber, ruhig wieder auf die Felder; da ließ Kassandros die Truppen, die er bei sich behalten, hervorbrechen, die Leute überfallen; bei 2000 wurden gefangen genommen, die Tore der Stadt offen gefunden, die Stadt eingenommen und mit einer Besatzung versehen.

Kassandros kehrte nach Makedonien zurück; er hatte die zwei hauptsächlichsten Punkte an der Küste des Jonischen Meeres gewonnen, durch welche er zugleich den Besitz von Epeiros zu sichern und die illyrischen Völker im Zaum zu halten hoffen konnte; und wenn auch die Aitoler bald nach seinem Abzug die feste Stadt Agrinion zur Übergabe gezwungen[224] und die dorthin gezogenen Akarnanen trotz des geschlossenen Vertrages umgebracht hatten, so war dennoch seine Sache in Europa für jetzt so sehr im Übergewicht, daß er den Feinden in Kleinasien zu begegnen sich rüsten konnte; er hoffte, dadurch Antigonos desto sicherer an jeder bedeutenderen Unternehmung in Europa zu hindern.

In Kleinasien scheint seit dem Herbst 315, seit der Stratege Polemaios in Lydien eingerückt war und Karien bedrohte, nichts Bedeutendes vorgegangen zu sein; mindestens wird nichts überliefert, als daß er die karischen Städte bedrohte. Ihn mochte die überlegene Macht des Asandros, mit dem sich Myrmidon an der Spitze eines bedeutenden Heeres vereinigt hatte, hindern. Kassandros wußte ein Heer unter Prepelaos nach Asien zu werfen, das sich mit Asandros vereinigte; zugleich schickte er nach Athen an Demetrios und an Dionysios, den Befehlshaber von Munychia, sofort zwanzig Schiffe nach der Insel Lemnos9, die sich für Antigonos erklärt hatte, in See gehen zu lassen. Aristoteles ging mit zwanzig attischen Schiffen ab, stieß zu der Flotte des Seleukos, die eben jetzt in diesen Gewässern kreuzte; bei Lemnos wurde angelegt, die Stadt zur Übergabe aufgefordert, da sie sich weigerte, die Belagerung mit Verwüstung des flachen Landes, mit Umwallung der Stadt begonnen, ihre Fortsetzung dem Aristoteles übertragen, während Seleukos weiter nach der Insel Kos segelte. Auf die Nachricht von seiner Abfahrt segelte Dioskorides mit seinem Geschwader zum Entsatz der treuen Stadt herbei, drängte die Athener von der Insel, nahm die 20 Schiffe nebst aller Mannschaft gefangen10.

Von den Begebenheiten in Karien erfahren wir wieder nichts Näheres; es muß sich dorthin Antigonos' Stratege vor der überlegenen Macht der[225] Gegner südwärts zurückgezogen haben, da er in dieser Landschaft selbst die Winterquartiere nahm, während doch Asandros bald darauf im Besitz der lydischen Gegenden erscheint und als Herr in Asien genannt wird. Dies scheint sich auch dadurch zu bestätigen, daß des Antigonos Nauarch Theodotos für seine rhodischen Schiffe karische Mannschaft werben konnte. Als der Stratege Polemaios bereits in die Winterquartiere eingezogen und mit der Leichenfeier seines Vaters beschäftigt war, sandten die Gegner 8000 Mann unter Eupolemos nach der karischen Stadt Kaprima11, um von dort aus einen Handstreich gegen die kantonie renden Truppen des Feindes zu versuchen. Polemaios war durch Überläufer von der Absicht des Feindes unterrichtet; schnell kehrte er zu seinen Truppen zurück, zog 8300 Mann Fußvolk und 600 Reiter aus ihren Kantonierungen zusammen, überfiel in nächtlicher Stille unerwartet die wenig verschanzten und schlecht bewachten Feinde, schlug sie so vollkommen, daß Eupolemos gefangen, die anderen sich zu ergeben gezwungen wurden. Nach diesem glänzenden Erfolg kehrte er in die Winterquartiere zurück; es war ihm mindestens gelungen, sich der Übermacht der Feinde gegenüber zu halten; und die Angelegenheiten in Syrien hatten eine solche Wendung genommen, daß er hoffen durfte, bald von dort bedeutende Unterstützung zu erlangen.

Antigonos hatte im Laufe des Sommers die Inselstadt Tyros, nachdem er sie 15 Monate belagert hatte und der Mangel in derselben auf das Äußerste gestiegen war, zur Kapitulation gezwungen und nach dem Abzug der wenigen Truppen, die noch von der ägyptischen Besatzung übrig waren, mit hinreichenden Truppen besetzt. Warum hatte Ptolemaios, wie er es bei seiner Seemacht konnte, nicht alles daran gesetzt, diesen wichtigen Punkt zu halten? Schien ihm der Archipelagos wichtiger als die Königin der phoinikischen Küste oder glaubte er, an dieser Stadt weniger zu verlieren, als Antigonos mit ihr gewann? Nicht bloß, daß Antigonos dem großen Alexander in einem seiner stolzesten Ruhmestitel gleich geworden war, – mit dem Besitz von Tyros konnte er seine Eroberung Syriens vollendet nennen; und diese war ihm um so wichtiger, da seine Seemacht, wennschon sie der der Gegner in der Zahl der Schiffe nicht nachstand, sich doch immer noch nicht mit derselben zu messen wagen konnte; sie war kaum erst begründet, sie bedurfte noch der Übung und immer neuer Rekrutierungen, die besonders die phoinikischen Küsten darbieten mochten.

Noch vermied es Antigonos, dem Krieg auf der See entscheidendes Gewicht zu geben; gerade jetzt gewann die Macht des Asandros in Kleinasien[226] einen so bedeutenden Umfang, seine Streitkräfte waren durch Myrmidon und Prepelaos so gemehrt, daß sich der tapfere Stratege Polemaios kaum ihnen gegenüber zu halten vermochte. Deshalb beeilte sich Antigonos, nach dem Falle von Tyros nach Kleinasien zu marschieren; zu gleicher Zeit aber war ein Angriff auf Syrien von Ägypten aus zu erwarten. Zur Bewachung des Landes wurde deshalb ein bedeutendes Heer, bestehend aus 2000 Makedonen, 10000 fremden Söldnern, 500 Lykiern und Pamphylern, 400 persischen Schleuderern, 5000 Reitern, mehr als 40 Elefanten, zurückgelassen; den Oberbefehl übergab Antigonos seinem jetzt zweiundzwanzigjährigen Sohn Demetrios, der sich schon als tüchtiger Befehlshaber bewährt hatte; ein Kriegsrat wurde ihm zur Seite gesetzt, bestehend aus vier alten, vielerfahrenen Generalen; es waren Nearchos, der Olynthier Andronikos, Philippos und Peithon, des Agenor Sohn, der zu dem Ende aus seiner Satrapie Babylonien berufen war. Mit dem übrigen Heere setzte sich Antigonos mit dem Spätherbst 314 in Marsch, zog durch Kilikien, unter vielen Beschwerden durch die bereits mit Schnee erfüllten Pässe des Tauros, und von dort weiter nach Phrygien, wo er in der Gegend von Kelainai Winterquartiere nahm. Zugleich war die bisher bei Tyros beschäftigte Flotte unter Befehl des Medios in See gegangen, hatte ein Geschwader von 36 Schiffen aus Pydna aufgebracht und kreuzte nun in den aigaiischen Gewässern.

Es begann das Jahr 313, das dritte des Krieges. Bisher war Lysimachos, obschon einer der Verbündeten, ohne Teilnahme am Kriege geblieben; es scheint, daß die Begebenheiten, die demnächst anzuführen sind, zum Teil noch in das Jahr 314 hinüberreichen und ihn hinderten, in Asien etwas zu unternehmen; möglich auch, daß, um ihn zu hindern, Antigonos die Griechenstädte an der Westküste des Pontos veranlaßte, sich zu erinnern, daß sie in Philipps und Alexanders Zeiten freie Städte im Reich gewesen seien, daß er kraft seines Amtes als Reichsverweser sie in ihrer Autonomie zu schützen verhieß. Auf welchen Anlaß immer, die Bürger von Kallatis hatten die in ihre Burg gelegte Besatzung des Lysimachos vertrieben und ihre Freiheit proklamiert; mit ihrer Beihilfe hatten die Istrianer, Odessier und die anderen hellenischen Städte jener Küste dasselbe getan und sich untereinander verbündet, gemeinschaftlich ihre Freiheit zu verteidigen, waren dann mit den nächstwohnenden Thrakern (Geten) und Skythen in Verbindung getreten und hatten so eine Macht beieinander, die allerdings dem Satrapen von Thrakien hinreichenden Widerstand leisten zu können schien. Auf diese Nachricht eilte Lysimachos durch das Land der Odrysen über den Haimos und stand unerwartet vor Odessos; die Stadt wurde eingeschlossen, belagert, in kurzer Zeit übergeben. Von hier ging Lysimachos gegen Istros, und nachdem auch[227] diese Stadt mit leichter Mühe unterworfen war, brach er nach Kallatis auf. Auf dem Marsch dahin stellten sich ihm die Skythen und Thraker entgegen; er warf sich sofort auf sie. Die Thraker, von so mächtigem Angriff erschreckt, nahmen gern das Abkommen an, das er ihnen anbot, und gaben die Sache ihrer Verbündeten auf; die Skythen ließen es auf einen Kampf ankommen; er schlug sie in offenem Felde, verfolgte sie bis über ihre Grenzen. Dann kehrte er nach Kallatis zurück, lagerte unter den Mauern, schloß die Stadt eng ein, drohte den Bürgern den Untergang, die den allgemeinen Aufstand begonnen hatten. Da kam die Nachricht, es sei Entsatz, von Antigonos gesandt, im Anzug, eine Flotte unter Lykon im Pontos, Pausanias mit bedeutenden Truppen beim Tempel an der Mündung des Bosporos. Sofort eilte Lysimachos mit dem größten Teil seines Heeres, den herannahenden Feinden zu begegnen; er nahte den Pässen des Haimos, er fand sie mit thrakischen Truppen gesperrt; es war der Odrysenfürst Seuthes, der sich, in der Hoffnung, seine frühere Unabhängigkeit zu erkämpfen, für Antigonos erklärt und eine Heeresmacht beieinander hatte, die völlig hinreichte, Lysimachos von seiner Satrapie abzuschneiden. Es erfolgte ein langes, hitziges und für beide Parteien sehr blutiges Gefecht, durch welches sich der Satrap den Weg über den Haimos öffnete. Er zog eiligst Pausanias entgegen, der sich vor der nahenden Übermacht in ein schwieriges Terrain zurückzog; bald wurde die Position erstürmt, Pausianas selbst getötet, die meisten Soldaten kriegsgefangen und entweder für ein Lösegeld entlassen oder in das siegreiche Heer verteilt. Lysimachos eilte zur Belagerung von Kallatis zurück, das, von Antigonos' Flotte und durch den Fürsten des kimmerischen Bosporos unterstützt, sich geraume Zeit hielt.

Schon aus dieser freilich mißglückten Expedition des Pausanias läßt sich abnehmen, daß während des Jahres 313 Antigonos' Macht in Kleinasien das Übergewicht gewonnen hatte. Es wird nicht berichtet, wie und wo der Krieg hier wieder begonnen; es scheint, daß Antigonos Asandros von den Truppen seiner Verbündeten abgeschnitten und letztere über Lydien zurückgedrängt hatte; mit Bestimmtheit wissen wir nur, daß endlich Asandros von Karien, vielfach gedrängt, sich zu einer Kapitulation verstand, nach der er alle seine Soldaten an Antigonos abliefern, den griechischen Städten ihre Freiheit zurückgeben, hinfort Karien, soweit er es früher innegehabt, als ein Geschenk des Antigonos besitzen und ihm getreu und ergeben sein, endlich seinen Bruder Agathon als Geisel stellen sollte. Schon nach wenigen Tagen bereute der Satrap, sich auf solche Bedingungen eingelassen zu haben; es gelang ihm, seinen Bruder, der sich schon in Antigonos' Macht befand, in Sicherheit zu bringen; er schickte an Ptolemaios, Seleukos, Kassandros, sie von neuem um Hilfe zu bitten. Mit[228] höchstem Unwillen erfuhr Antigonos von diesem Treubruch des Asandros. Er brach sofort von verschiedenen Seiten in Karien ein; zur Befreiung der griechischen Städte wurden der Stratege Dokimos12 und der Nauarch Medios ausgeschickt, welche sich vor Milet vereinigten, die Stadt zur Freiheit aufriefen, die Besatzung der Burg zur Übergabe zwangen, die Autonomie der Stadt proklamierten; gegen Iasos wurde der Stratege Polemaios gesandt, der die Stadt zwang, sich für Antigonos zu erklären; Antigonos selbst kam auf dem Wege von Tralleis heran, eroberte diese Stadt, durchzog südwärts die Satrapie, rückte vor Kaunos, wohin auch die Flotte ihn zu unterstützen kam, eroberte die Stadt bis auf die Burg, welche eingeschlossen und des weiteren belagert wurde. Des Satrapen Asandros geschieht in der Geschichte nicht weiter Erwähnung.

Während dieser Begebenheiten in Asien scheint sich die Sache des Antigonos in der Peloponnes sehr umgestaltet zu haben; er sandte dorthin eine neue Expedition unter Telesphoros, bestehend aus 50 Schiffen und einer bedeutenden Zahl Truppen, mit dem Auftrag, die griechischen Städte zu befreien, in der Hoffnung, durch seine immer neuen Bemühungen dieser Art die Griechen zu überzeugen, daß er es ernstlich mit ihrer Freiheit meine. Telesphoros landet in der Peloponnes, von Aristodemos und seiner Streitmacht ist nicht weiter die Rede. Polyperchon scheint sich mit seines Sohnes Witwe verbunden zu haben, um eine selbständige Herrschaft in der Peloponnes zu gründen; wenigstens kämpft Telesphoros gegen mehrere von Alexandros' Truppen besetzte Städte und befreit sie, mit Ausschluß von Sikyon und Korinth, in denen sich Polyperchon mit zahlreichen Truppen hält.

Um dieselbe Zeit hatte Kassandros ein neues Heer gegen die Aitoler unter Befehl seines Bruders Philippos geschickt; dieser vereinigte sich mit den Akarnanen und begann seine verwüstenden Einfälle über den Acheloos in das Gebiet der Aitoler. Da kam die Nachricht, daß Aiakidas, den die Epeiroten vor drei Jahren vertrieben hatten, in das Land zurückgekehrt und, von seinen Untertanen, die der makedonischen Herrschaft satt sein mochten, wieder aufgenommen sei; auch trugen sie bei Kassandros darauf an, ihre früheren Verhältnisse, da die Mißhelligkeiten mit dem König beigelegt seien, wiederherstellen zu dürfen. Natürlich wurde das abgeschlagen, und Philippos erhielt den Befehl, sofort gegen Aiakidas aufzubrechen und – bevor er Zeit habe, sich mit den Aitolern in Verbindung zu setzen – ihn ganz zu vernichten. Philippos eilte dorthin und begann,[229] obschon ihm eine bedeutende und wohlgeordnete Heeresmacht gegenüberstand, sofort das Gefecht; es entschied sich für ihn, viele Feinde wurden getötet, viele gefangen, unter ihnen an fünfzig von der Partei, welcher Aiakidas seine Heimkehr dankte; diese wurden gefesselt nach Makedonien geschickt. Indes hatte sich der König mit dem Rest des epeirotischen Heeres südwärts zu den Aitolern geflüchtet; dahin folgte Philippos, in der Gegend von Oiniadai kam es zum Gefecht, zum zweiten Male siegte Philippos, unter den massenhaft Gefallenen war Aiakidas selbst; die Aitoler aber, durch diese schnellen und großen Erfolge des Philippos erschreckt, flohen mit Weib und Kind aus ihren meist offenen Ortschaften in das hohe Gebirge.

So stand Kassandros' Sache gegen Ende des Sommers 313; es schien ein leichtes, Epeiros wieder zu unterwerfen; die Aitoler waren im Nachteil, Telesphoros in der Peloponnes durch Polyperchon gehemmt, Hellas untertänig. Aber mit Recht beunruhigten ihn Antigonos' Erfolge in Kleinasien: schon stand dem energischen Strategen dort keine Macht weiter gegenüber, Lysimachos war an der pontischen Küste beschäftigt, die Seemacht der Verbündeten hatte nicht mehr die Oberhand auf den hellenischen Gewässern, Antigonos war nicht fern vom Hellespont, der Übergang konnte ihm nicht mehr gewehrt werden. Dazu zeigten sich in Griechenland selbst die Wirkungen von Antigonos' Proklamation: die Boioter, in deren Mitte das verhaßte Theben wiedererstanden war, hatten an Antigonos gesandt und waren von ihm zu seinen Bundesgenossen erklärt worden; auch die Aitoler hatten an ihn geschickt und das Bündnis, das sie mit seinen Feldherren geschlossen, mit ihm selbst erneut; auf Euboia hatten die meisten Städte sich für frei erklärt, nur Chalkis wurde noch von einer makedonischen Besatzung behauptet; selbst von Athen aus waren insgeheim Bitten an Antigonos gekommen, er möge die Freiheit der Stadt wiederherstellen. Es schien, als habe Kassandros von einer weiteren Entwicklung des Krieges alles Schlimmste zu fürchten; noch standen die Sachen so, daß er einen Separatfrieden unter günstigen Bedingungen abschließen konnte. Im Hellespont kam er mit Antigonos zusammen, verhandelte mit ihm über einen Friedensschluß; aber die Bedingungen, die Antigonos stellte, – die Freiheit der hellenischen Staaten wird vorangestellt worden sein – schienen Kassandros in keiner Weise annehmbar; unverrichteter Sache trennten sich beide.

Kassandros konnte erwarten, daß Antigonos seine Geschwader nach Griechenland senden und ihn dort an seiner schwächsten Stelle angreifen werde; der Stadt Athen und ihrer Häfen war er gewiß, desto mehr war zu fürchten, daß Antigonos auf Euboia landen und von dort nach Boiotien übergehen werde. Deshalb eilte Kassandros, einen Versuch zur Besetzung[230] der Insel zu machen. Mit 30 Schiffen ging er nach Oreos auf der Nordküste der Insel an dem artemisischen Gestade, von wo es leicht war, die Einfahrt in das Binnenwasser zu sperren. Es war ihm eben gelungen, den Hafen von Oreos zu nehmen, er bedrängte die Stadt aufs härteste, – da kam Telesphoros aus der Peloponnes mit 20 Schiffen und Medios aus Asien mit 100 Schiffen, den Oreiten beizustehen. Kassandros' Schiffe lagen im Hafen der Stadt; es gelang den Gegnern, Feuer in dieselben zu werfen; vier Schiffe verbrannten gänzlich, alle waren in großer Gefahr. In dessen kam eine Flotte aus Athen heran, und da die Gegner minder vorsichtig waren, machte Kassandros einen Ausfall, bei dem er den Feinden ein Schiff versenkte, drei mit ihrer Mannschaft nahm.

Dann sandte Antigonos eine neue Flotte von 150 Segeln, 5000 Mann Fußvolk und 500 Reiter auf derselben, unter Befehl seines Neffen Polemaios nach Europa; ihre Aufgabe war, die Befreiung der griechischen Städte durchzusetzen; auch die Rhodier, die mit ihm jetzt ein Waffenbündnis schlossen, nahmen mit zehn trefflich ausgerüsteten Schiffen an diesem Zuge Anteil. Polemaios landete bei Aulis im sogenannten tiefen Hafen; hier vereinigten sich mit ihm namens des Boiotischen Bundes 2200 Mann Fußvolk und 800 Reiter, auch die Schiffe, die noch vor Oreos lagen, wurden herangeholt; er befestigte Salganeus, hart an der Küste, und machte diesen Platz zum Mittelpunkt seiner Bewegungen. Zwischen Aulis und Salganeus jenseits der Brücke über den schmalen Euripos lag Chalkis, die einzige Stadt auf Euboia, die noch in Kassandros' Händen war13; sie hoffte Polemaios zunächst zu gewinnen. Sobald Kassandros von diesen Anstalten der Gegner erfuhr, gab er die Belagerung von Oreos auf, eilte nach Ohallds, diese vor allem wichtige Position zu behaupten. Indes kehrte Medios mit der gesamten Flotte schleunigst nach Asien zu Antigonos zurück, der sich sofort mit seinen Truppen, an der Küste von der Flotte begleitet, nach dem Hellespont zu in Marsch setzte, um nach Europa überzugehen und entweder, wenn Kassandros in Chalkis blieb, das unverteidigte Makedonien zu überfallen, oder, wenn er heimeilte, um Makedonien zu retten, dessen Macht in Griechenland über den Haufen zu werfen. Für die makedonische Macht die peinlichste Alternative; weder des Meeres noch Griechenlands Meister, war sie in eine Defensive zurückgeworfen, die doch nur mit der Herrschaft entweder über das Meer oder über Griechenland durchzuführen war. Noch hatte Kassandros mit Chalkis Attika, in Attika ein ihm völlig ergebenes Regiment und damit die[231] Unterstützung der attischen Flotte, mit den attischen Häfen die Ausfallpforten gegen das Meer der Kykladen; solange ihm Attika blieb, war Griechenland und das Meer nicht völlig verloren. Er übergab seinem Bruder Pleistarchos den Befehl in Chalkis, eilte mit seiner Heeresmacht hinüber nach Oropos auf der attischen Grenze, nahm diese Stadt mit Gewalt, erzwang sich vom Boiotischen Bund einen Waffenstillstand, zog sich am Asopos hinauf nach Theben und kehrte schnell, nachdem er Eupolemos zu seinem Strategen in Hellas ernannt, nach Makedonien zurück. Dies war gegen Ende des Jahres 313. Antigonos war indessen an die Propontis gekommen, hatte nach Byzanz gesendet und diese Stadt zum Waffenbündnis auffordern lassen; aber auch des Lysimachos Gesandte waren zur Stelle, sie warnten die Byzantier, nichts Feindliches gegen ihn und Kassandros zu unternehmen, sondern den nächsten Machthaber am meisten zu fürchten; und die Byzantier, deren Vorteil es war, während des allgemeinen Krieges ruhig ihrem einträglichen Handel obzuliegen und sich mit beiden Parteien zu verhalten, antworteten, sie würden nach wie vor neutral bleiben. Dies, die Rückkehr des Kassandros, die Nähe des Lysimachos mit seiner Macht, die winterliche Jahreszeit, und mehr als alles, was in Syrien geschehen war, bewog Antigonos, den Übergang nach Europa aufzuschieben; er verteilte seine Truppen in die Städte Kleinphrygiens für die Winterquartiere.

Ptolemaios von Ägypten war während dieses Jahres behindert gewesen, seinen Bundesgenossen unmittelbar Beistand zu leisten. Man darf es wohl zum Teil dem Anstiften des Antigonos beimessen, daß sich zu gleicher Zeit Kyrene gegen Ptolemaios empörte und die neulich unterworfenen kyprischen Fürsten von ihm abfielen. Die Kyrenaier hatten sich, wie es scheint, für frei erklärt, wandten sich sofort gegen die Burg der Stadt, belagerten dieselbe; als Gesandte von Alexandrien kamen, von ihnen die Einstellung der Feindseligkeiten zu fordern, ermordeten sie dieselben und setzten die Belagerung nur um so eifriger fort. Da sandte Ptolemaios ein bedeutendes Landheer unter Agis' Führung, eine Flotte unter dem Nauarchen Epainetos. Agis griff die Empörer rasch und kräftig an; er schlug sie, nahm die Stadt, sandte die Rädelsführer gebunden nach Alexandrien; den Bürgern der Stadt gebot er, die Waffen abzuliefern, ordnete dann die städtischen Angelegenheiten von neuem und nach dem Befehl seines Herrn, übergab die Strategie der Provinz wieder Ophellas und kehrte nach Alexandrien zurück. Nun wandte sich Ptolemaios mit ganzer Macht gegen die Insel Kypros. Pygmalion von Kition wurde, weil er mit Antigonos in Unterhandlungen getreten war, aufgehoben, Praxippos von Lapethos, Stasioikos von Marion und der Dynast von Kerynia, die des Abfalls gleichfalls geziehen wurden, festgenommen, ihrer Herrschaft beraubt,[232] dieselbe an den Fürsten Nikokreon von Salamis gegeben, der zugleich die Strategie über die Insel erhielt. Hierauf segelte Ptolemaios nach Syrien hinüber, war plötzlich vor Posideion im Süden der Orontesmündung, erstürmte den Platz und plünderte ihn, fuhr von dort nach Kilikien, nahm Mallos, verkaufte die dort Gefangenen in die Sklaverei, verwüstete das Gebiet umher, kehrte mit reicher Beute nach Kypern zurück.

Auf die Nachricht von diesen Einfällen des Ptolemaios hatte Antigonos von Phrygien aus seinem Sohne Demetrios, der noch immer in Koilesyrien auf den Angriff von Ägypten her gerüstet stand, den Befehl zugesandt, möglichst schnell nach den gefährdeten Gegenden zu eilen, um ihnen Hilfe zu bringen und ihre förmliche Besetzung durch Ptolemaios zu hindern. Sogleich war Demetrios mit seiner Reiterei und dem leichten Volk, indem die Elefanten und die Schwerbewaffneten unter Peithons Befehl zurückblieben, aufgebrochen und in schnellen Märschen nach Kilikien gezogen. Er kam zu spät; in nicht minder schnellen Märschen, da er einen Angriff von Ägypten her während seiner Abwesenheit fürchtete, kehrte er zurück; durch die ungeheure Anstrengung bei diesen Bewegungen waren die meisten Pferde unbrauchbar geworden, auch viele Menschen umgekommen. Er verteilte seine Truppen im südlichen Syrien in die Winterquartiere. So endete das Jahr 313.

Die Gegenstellung der kämpfenden Mächte war vollkommen entwickelt und zu den großen Alternativen, wer in Griechenland, wer in Syrien obsiegen werde, vereinfacht. Das neue Jahr, das vierte des Krieges, sollte die Entscheidung bringen. Gleich nach Kassandros' Abzug hatte sich der Stratege Polemaios auf Chalkis geworfen, die Besatzung vertrieben, die Stadt für frei erklärt und trotz ihrer militärischen Wichtigkeit bestimmt, daß sie durch keine weitere Besatzung behindert werden solle. Sodann griff er Oropos an, bemächtigte sich der dortigen Besatzung, gab die Stadt den Boiotern zurück. Nachdem noch Eretria und Karystos auf Euboia gewonnen waren, zog er gegen das attische Gebiet. Dort hatte eine antimakedonische Partei schon insgeheim mit Antigonos Verbindungen angeknüpft14; sie zwang jetzt den Leiter der Stadt, Demetrios, als Polemaios bereits nahte, mit ihm einen Waffenstillstand abzuschließen und an Antigonos wegen Unterhandlung eines förmlichen Bündnisses zu senden. Ohne weiteren Aufenthalt hier wandte sich der Stratege nach Boiotien, nahm die Kadmeia, trieb Kassandros' Besatzung von dannen, befreite Theben. Weiter rückte er nach Phokis hinauf, in gleicher Weise[233] die Besatzungen dort aus den Akropolen treibend, den Städten die Freiheit gebend; auch nach Lokris zog er, schloß die Stadt Opus, die getreu an Kassandros hielt, eng ein, bedrängte sie aufs lebhafteste.

Während dieser glücklichen Fortschritte, welche, vom Ruf der Freiheit und der wachsenden populären Bewegung getragen, die Sache des Antigonos im mittleren Griechenland machte, war auch weiter im Westen mit Erfolg gegen Makedonien gekämpft worden. Der Staat der Korkyraier, der sich selbst durch Kassandros' Besitznahme von Leukas und durch seine wiederholten Siege über die Epeiroten gefährdet glauben mochte, hatte den Apolloniaten und Epidamniern zu einem Aufstand gegen Kassandros hilfreiche Hand geleistet, die Besatzung aus den beiden Städten verjagt, Apollonia für frei erklärt, Epidamnos an den Taulantinerfürsten Glaukias übergeben, vielleicht, um diesen Fürsten trotz des mit Kassandros gemachten Vertrages zur Schilderhebung zu veranlassen. In Epeiros aber war nach dem Tode des Königs Aiakidas dessen älterer Bruder Alketas zur Regierung berufen worden; jähzornig und wild, wie er war, hatte ihn sein Vater von der Thronfolge ausgeschlossen und des Landes verwiesen; jetzt war er bei dem allgemeinen Haß gegen Kassandros, den er teilte, um so mehr willkommen, da sein Anrecht auf den Thron unzweifelhaft und des Aiakidas Sohn Pyrrhos noch ein Kind war. Der Stratege von Akarnanien, Lykiskos, derselbe, der die Strategie in Epeiros gehabt hatte, rückte von Akarnanien nach Epeiros, in der Hoffnung, das neue Regiment, das noch unbefestigt sein mußte, leicht stürzen zu können. Er zog nordwärts, er lagerte in der Gegend von Kassopia. Indes hatte Alketas seine Söhne Alexandros und Teukros in die Städte umhergesandt mit dem Auftrag, so viel Leute als möglich unter die Waffen zu bringen; er selbst war mit den Truppen, die er hatte, dem Feinde entgegengezogen und lagerte sich ihm gegenüber, die Ankunft seiner Söhne erwartend. Lykiskos hatte die Übermacht, er drängte Alketas so, daß die Epeiroten verzweifelten und sich ergaben. Alketas flüchtete in die epeirotische Stadt Eurymenai; dorthin folgte Lykiskos, belagerte ihn; da nahte des Königs Sohn Alexandros mit einem bedeutenden Heere, griff die Makedonen an, schlug sie in einem blutigen Treffen. Dann kam Lykiskos Hilfe, in einem zweiten Treffen erlagen die Epeiroten, Alexandros und Teukros flüchteten mit ihrer Mutter in einen festen Platz, Eurymenai wurde erstürmt, geplündert, dem Erdboden gleichgemacht.

Kassandros hatte gleich auf die Nachricht von dem ersten Gefechte bei Eurymenai sich in Marsch nach Epeiros gesetzt; er fand den Kampf glücklich beendet; da ihm der Besitz von Apollonia vor allem wichtig war, Glaukias aber, der Verbündete der Korkyraier und Apolloniaten, zugleich als Alketas' Gegner, dessen Neffen Pyrrhos er bei sich hatte, anzusehen war, so[234] machte er mit Alketas Friede und ließ ihm Epeiros. Er rückte dann gegen Apollonia; die Bürger hatten sich auf diesen Angriff gerüstet und von ihren Verbündeten Truppen herangezogen; sie erwarteten den Feind, zum Kampf bereit, unter den Mauern ihrer Stadt; an Truppenzahl überlegen, schlugen sie die Makedonen. Nach so bedeutendem Verlust, da überdies der Winter herannahte, kehrte Kassandros zurück. Durch seine Niederlage und seinen Rückzug ermutigt, empörten sich, von den Korkyraiern unterstützt, die Leukadier, vertrieben die makedonische Besatzung, proklamierten die Freiheit.

Inwieweit alle diese Bewegungen gegen die Makedonen durch den Strategen Polemaios unterstützt wurden, ist nicht zu erkennen; jedenfalls würde er, wenn er freie Hand gehabt hätte, denselben in dem Maße Beistand geleistet haben, daß die makedonische Macht sich gänzlich aus Griechenland hätte zurückziehen müssen. Auch hatte ihm Antigonos in dieser Erwartung unumschränkte Vollmacht und den Oberbefehl in Griechenland gegeben; aber gerade hieraus entspann sich ein Verhältnis, das den Strategen in jeder weiteren Bewegung hinderte. Der Nauarch Telesphoros, der bei Korinth stand, glaubte sich durch diese Mission des Polemaios zurückgesetzt; er gab seine Flotte ab, er gab seinen Söldnern die Wahl, den Dienst des Antigonos aufgebend, entweder zu gehen, wohin sie wollten, oder in seinen Dienst zu treten; es war seine Absicht, auf eigene Hand und zu eigenem Gewinn in der Peloponnes den Krieg zu führen. In solchem Sinne zog er gegen die Stadt Elis, welche der Sache des Antigonos treu war, besetzte die Akropolis, unterwarf sich die Stadt, plünderte das olympische Heiligtum, brachte an 50 Talente Silber zusammen und warb nun Söldner, so viel er konnte. Es war Gefahr, daß die Peloponnes gänzlich für Antigonos verloren ging. Darum eilte Polemaios, die Belagerung von Opus aufzugeben und nach der Peloponnes zu marschieren; er kam nach Elis, nahm in nicht langer Zeit die Akropolis ein, gab den Eleiern die Freiheit, dem Tempel seine Schätze zurück; bald danach gelang es ihm, Telesphoros auch zur Übergabe von Kyllene, wo er sich noch hielt, zu nötigen; auch dieser Ort wurde den Eleiern übergeben.


Während dieser Vorgänge war im Osten der Kampf auf eine durchaus unerwartete Weise entschieden worden. Im Jahre vorher hatte sich Ptolemaios nach den Erfolgen in Kyrene und auf Kypros mit der flüchtigen Diversion gegen die kilikische und syrische Küste begnügt, die Demetrios hinlänglich in Atem hielt, um die Grenzen Ägyptens zu sichern. Aber jetzt, im Anfang des Jahres 312, war Antigonos' Macht in Kleinasien so überwiegend, auf dem hellenischen Meere und in Hellas so bedrohlich,[235] daß es die höchste Zeit schien, von Ägypten aus gegen Syrien Entscheidendes zu unternehmen. Es war besonders Seleukos, der dem Satrapen von Ägypten zu einem Feldzug riet, durch den nicht bloß Demetrios überwältigt, sondern Syrien wiedergenommen, Kleinasien von Süden her gefährdet werden konnte. Mit dem Frühling 312 waren die großen Rüstungen und Truppenwerbungen des Ptolemaios beendet; mit 18000 Mann Fußvolk und 4000 Reitern, teils Makedonen, teils Söldnern, außerdem einer Menge ägyptischen Volkes, das entweder nach makedonischer Art bewaffnet mitzog oder als Packknechte und Troßbuben beim Gespann- und Geschützwesen diente, ging Ptolemaios von Alexandrien aus über Pelusion durch die Wüste, die Ägypten von Syrien scheidet, und lagerte bei Gaza.

Auf die Nachricht von den Rüstungen des Ptolemaios hatte auch Demetrios seine Truppen aus den Winterquartieren herangezogen und war mit ihnen nach Gaza vorgerückt; der junge Feldherr – er war in demselben Alter, in dem Alexander seinen großen Feldzug nach dem Morgenlande begonnen – brannte vor Begier, sich mit dem Feinde zu messen, den er umsonst in Kilikien gesucht, umsonst so lange auf der syrischen Grenze erwartet hatte. Die älteren Generale widerrieten ernstlich den Kampf gegen ein bei weitem stärkeres Heer unter Führung eines so bewährten Feldherrn: es sei besser, sich defensiv zu verhalten, als eine Entscheidung zu beschleunigen, die aller Wahrscheinlichkeit nach zugunsten des Gegners ausfallen werde. Dennoch beharrte Demetrios bei seinem Willen: er wisse, daß er Großes wage, indem er diesen Kampf der Entscheidung ohne den Vater beginne; so jung er sei, wolle er ihn wagen; er hoffe, daß der Erfolg ihn rechtfertigen werde. Er berief eine Versammlung des Heeres; in vollen Waffen erschienen die Kriegsleute; als er dann auf eine Erhöhung in der Mitte trat und einen Augenblick verlegen schweigend dastand, jauchzten die Truppen ihm zu: er möge sich fassen, möge reden! Ehe noch der Herold zur Ruhe rief, war rings tiefe Stille; nun sprach Demetrios zu der Menge feurig und kühn, wie es ihm eigen war, mit dem hinreißenden Zauber der Jugend, die mit dem ersten großen Gelingen alle Hoffnung der Zukunft zugleich gewonnen glaubt; er verbarg nicht, daß er Großes wage, er gebe es in ihre Hand, ihm die ersten Trophäen zu erringen; je größer des Feindes Macht, desto schöner werde der Ruhm sein, ihn zu bewältigen; je berühmter die Führer des feindlichen Heeres, die beiden hochbewährten Feldherren Alexanders, desto schöner sein, des Jünglings, Ruhm, sie zu überwältigen; er wolle nichts als den Ruhm, die Beute solle den Truppen gehören; damit sie ihrer Tapferkeit gleichkäme, werde er sie mit reichen Geschenken vergrößern. Mit lautem Jubel wurde des jugendlichen Feldherrn Rede von den Truppen beantwortet; sie waren[236] voll Enthusiamus für ihren Helden, in dem Alexanders Gestalt, Alexanders Kühnheit und Herrlichkeit sich zu wiederholen schienen; er war ihr Liebling, niemand hatte wider ihn eine Klage, das Üble gab man dem Vater schuld, alles Beste erwartete man von ihm; dazu war Antigonos im Greisenalter, jedermann wußte, daß er es auf das Diadem abgesehen habe, dann war Demetrios Erbe des Königtums, in seiner Gunst alles künftige Glück; und wem hätte man es lieber gegönnt als ihm? Ein Achill an Schönheit, in der vollsten Blüte der Jugend, von hoher Gestalt, in königlichem Waffenschmuck, zu jedem freundlich und ermunternd, sein Antlitz von Kampflust und Hoffnung leuchtend, sein Blick voll Kühnheit hinausschauend nach dem Feinde, so zog er an der Spitze seiner Scharen zum Schlachtfeld.

Hier ordnete er sein Heer nach einem Plan, dem ein ebenso kühner wie einfacher Gedanke zugrunde lag. Das numerische Übergewicht des weitaus stärkeren Feindes, in dessen militärischer Aufgabe der Angriff lag, galt es durch eine rasche und überraschende Initiative zu überbieten; es galt, ihn an der Stelle zum Kampf zu zwingen, wo der Ägypter ihn am wenigsten wünschte; es galt den Stoß so zu führen, daß dessen Gelingen den sicheren Untergang des Feindes zur Folge hatte. Demetrios hatte auf seiner rechten Flanke das Meer; er bestimmte seinen linken Flügel zum Offensivstoß, mit dem, wenn er glückte, der Feind in die See geworfen wurde. Er stellte auf seinen linken Flügel 200 Reiter, eine auserwählte Schar, aus den »Freunden« bestehend, unter ihnen der Stratege Peithon, links von ihnen drei Ilen, 150 Reiter; ebenso viele zur Deckung der Flanke bildeten die Spitze des Flügels, außerhalb dessen 100 Tarentiner in drei Ilen aufrückten, so daß sich im ganzen 600 Reiter um die Person des Demetrios befanden. Nach diesen rechts folgend die Hetairen, 800 Reiter; nach diesen andere 1500 Reiter. Vor diesem Flügel wurden 30 Elefanten aufgetrieben, in den Distanzen das nötige leichte Volk, 1500 Mann, unter denen 500 persische Schleuderer, verteilt. Das Zentrum der Schlachtlinie bildeten 11000 Mann Schwerbewaffnete, unter denen 2000 Makedonen, 1000 Lykier und Pamphyler, 8000 Söldner; 13 Elefanten, mit dem nötigen leichten Volk untermischt, vor der Linie der Phalangen. Der rechte Flügel bestand aus 1500 Reitern unter Führung des Olynthiers Andronikos; er wurde angewiesen, in schräger Richtung den Phalangen zu folgen, jedes ernstliche Gefecht zu meiden, die Entscheidung durch den linken Flügel zu erwarten.

Indes war auch die feindliche Heeresmacht aufgerückt; Ptolemaios und Seleukos hatten ihre Hauptstärke auf den linken Flügel zusammengezogen, in der Erwartung, Demetrios werde auf denselben nach gewöhnlichem Kriegsgebrauch den Angriff machen; als sie die Anordnung der[237] feindlichen Linie erkannten, änderten sie schnell ihre Dispositionen; sie nahmen auf ihren rechten Flügel, wo sie in Person gegen Demetrios selbst kämpfen wollten, 3000 auserwählte Reiter; um sich gegen den Einbruch der Elefanten zu schützen, wurden einige Abteilungen mit Balken, die mit Eisenspitzen versehen und mit Ketten verbunden waren, vorgeschoben; hinter diesen »Schweinsfedern« leichtes Volk, um den Tieren, sobald sie herantrabten, mit Pfeilen und Schleudern zuzusetzen und womöglich die Führer und die andere Mannschaft auf den Tieren herabzuschießen. An den so disponierten rechten Flügel schloß sich die Phalanx, an diese der linke Flügel von 1000 Reitern an; dieser war um ein Drittel schwächer als der gegenüberstehende feindliche.

Aus den noch vorliegenden Berichten erhellt nicht, ob und warum Demetrios außerstande war, den Moment der Schwäche, in dem sich die feindliche Schlachtlinie durch die Veränderung im Aufmarsch befinden mußte, zu benutzen, oder ob die Befangenheit der ersten großen Entscheidung ihn den kostbaren Moment versäumen ließ. Erst als der Feind in Linie stand, begann das Gefecht, die vorgeschobenen Geschwader des Demetrios eröffneten es hitzig, mit bestem Erfolg, warfen einige feindliche Haufen, verfolgten sie. Indes waren die äußersten Ilen der ägyptischen Linie, die über den feindlichen Flügel hinausragte, in dessen Flanke; den Speer in der Faust, stürmten sie auf die Gegner, die meisten Waffen zersplitterten gleich oder bald, viele Verwundete stürzten hier und dort, Demetrios' Geschwader wichen nicht. Die Gegner sammelten sich zum zweiten Chok, mit dem bloßen Schwert stürmten sie heran, es begann ein furchtbares Kämpfen, Mann gegen Mann, keiner wich, die Feldherren hier und dort waren mitten im Getümmel, ihr Wort, ihr Beispiel wirkte Wunder von Tapferkeit. Dem noch auf und ab schwankenden Reitergefecht, so scheint es, die entscheidende Wendung zu geben, wurde das Vorgehen der Elefanten befohlen, der Waffe, um die Demetrios dem Gegner überlegen war; es war ein Schrecken, zu sehen, wie die Riesentiere den Boden erschütternd herantrabten. Sie nahten dem Pfahlwerk; da sauste ein Hagel von Pfeilen, Speeren, Schleudersteinen auf sie, ihre Führer, ihre Besatzung heran; desto heftiger wurden die Tiere angetrieben; plötzlich blieb hier eines, dort ein zweites vor Schmerz und Wut heulend stehen, es hatte die weichen Sohlen in die Eisenspitzen der Balken getreten; unter neuen Pfeilen und Schleuderwürfen stürzten mehrere der Führer, führerlos rasten die verwundeten Tiere umher, die Verwirrung mehrte sich auf bedenkliche Weise; bald war die furchtbare Angriffslinie der Elefanten vollkommen aufgelöst, die meisten derselben von den Gegnern eingefangen, das Gros der Reiterlinie dem Angriff der siegenden Ägypter offen. Schon wandten sich einzelne Geschwader zur Flucht; umsonst versuchte[238] Demetrios mit denen, die sich noch um ihn hielten, die Schlacht wiederherzustellen. Es ist nicht überliefert, was in diesem kritischen Moment die Phalanx des Fußvolks tat, welche Befehle sie erhielt, ob sie den Rückzug zu decken versuchte, zu dem sich Demetrios gezwungen sah. Weichend sammelte er die Reiter; in bester Ordnung, in geschlossenen Reihen zogen sich die Geschwader über das freie Blachfeld nach Gaza zurück; zu ihnen sammelten sich die Schwerbewaffneten, so viele ihrer lieber die Waffen wegwerfen als sich kriegsgefangen ergeben wollten. Das Schlachtfeld, die Toten und Verwundeten waren dem Gegner überlassen; die Trümmer des geschlagenen Heeres zogen sich nach Gaza hinauf und an den Mauern der Stadt, die zu behaupten nicht mehr möglich war, um Sonnenuntergang vorüber. Ein Reiterhaufe eilte in die Stadt, die Bagage des Heeres bei dem allgemeinen Rückzug zu retten; die Menge von Vieh und Wagen, von Packknechten und Sklaven, die sich zum Tor ohne Ordnung lärmend hinausdrängte, machte es dem Feinde möglich, plötzlich, ehe das Tor gesperrt oder die Straße gehemmt werden konnte, einzudringen, sich der Stadt, fast allen Gepäckes zu bemächtigen.

Demetrios war ohne Aufenthalt weitergeflüchtet; um Mitternacht machte er fast sieben Meilen vom Schlachtfelde in Azotos halt15. Sein Verlust war ungeheuer, sein Heer vollkommen vernichtet; bei 8000 Mann, mehr als zwei Drittel seines Fußvolks, hatten sich kriegsgefangen ergeben, die übrigen ihre Waffen weggeworfen, ihre Bagage verloren; gegen[239] 5000 Mann waren gefallen, unter ihnen namentlich der Kern der Reiterei, die meisten von den »Freunden«, auch der Stratege Peithon. Von Azotos sandte Demetrios an die Sieger, um Waffenstillstand zur Bestattung seiner Toten zu bitten. Ihm ließ Ptolemaios antworten, er möge die Toten bestatten; auch die gefangenen Freunde, seine Dienerschaft, seinen Hofstaat, seine Bagage sende er ihm zurück; nicht um diese kämpfe er mit Antigonos, sondern weil dieser das, was in dem gemeinsam gegen Perdikkas und gegen Eumenes geführten Kriege erobert worden, nicht mit den Verbündeten vertragsmäßig geteilt, dann aber gar trotz des erneuten Bündnisses den Satrapen Seleukos von Babylon seiner Herrschaft beraubt habe; nichts weiter habe er mit dem Kriege bezweckt, als diese gerechten Forderungen, auf die Antigonos nicht Rücksicht habe nehmen wollen, mit Gewalt der Waffen durchzusetzen; im übrigen wünsche er dem jungen Feldherrn Glück zu der Tapferkeit, mit der er sich geschlagen, und es gereiche ihm zum besonderen Vergnügen, durch den Ausgang des Tages in den Stand gesetzt zu sein, ihm in der Zurücksendung seines Eigentums und der ihm liebsten unter den Gefangenen einen Beweis seiner Achtung geben zu können. Demetrios nahm diese Botschaft, die sich ganz innerhalb der militärischen Courtoisie jener Zeit bewegte, in demselben Sinne entgegen: er hoffe, nicht lange des edlen Lagiden Schuldner zu bleiben, und bitte die Götter um eine baldige Gelegenheit, ihm gleiches mit gleichem zu vergelten.

Demetrios eilte, nachdem er die Toten bestattet hatte, aus den südlichen Gegenden Syriens hinweg, in denen es ihm nicht möglich war, sich mit den Resten seiner streitbaren Macht zu halten; er sandte Eilboten an seinen Vater, ihm die Niederlage von Gaza zu melden, ihn um neue Truppen zu bitten. Er selbst zog längs der phoinikischen Küste hin, sandte den Olynthier Andronikos nach Tyros, mit dem Befehl, die Stadt um jeden Preis zu halten, eilte selbst mit dem Heer nach Tripolis. Dorthin zog er aus Kilikien und dem oberen Syrien aus den festen Plätzen die Truppen an sich, die nur irgend entbehrt werden konnten, warb möglichst viele Söldner, schaffte Waffen und Vorräte herbei, übte die neuen Truppen mit strenger Sorgfalt. Jene erste Niederlage hatte ihn nichts weniger als entmutigt; es war, als sei sie für ihn nur eine Lehre gewesen und als habe sie ihm den tollkühnen Jugendmut plötzlich in ernste Bedachtsamkeit und feste Tatkraft verwandelt.

Ptolemaios seinerseits hatte nach der Schlacht von Gaza die Kriegsgefangenen nach Ägypten geschickt, mit dem Befehl, sie in die Nomarchien des Landes zu verteilen. Syrien stand ihm offen, der Rückzug des Gegners gab ihm Palaistina und den größten Teil Phoinikiens preis. Er rückte mit seinem siegreichen Heer unverzüglich vor, die meisten Städte öffneten ihm[240] freiwillig die Tore, andere zwang er zur Übergabe, auch Sidon ergab sich; nur die feste Inselstadt Tyros war noch in Feindeshand. Ptolemaios lagerte sich der Stadt gegenüber; er ließ den Befehlshaber derselben, Andronikos von Olynth, zur Übergabe auffordern, versprach ihm große Belohnung, die höchsten Ehren in seinem Dienst; Andronikos antwortete: er werde um keinen Preis der Welt die Sache des Demetrios und Antigonos verraten; es sei unwürdig, ihm solche Anträge zu machen; nur wer selbst wie Ptolemaios die Treue so schnöde gebrochen, könne ähnliches von anderen erwarten. Die Nachricht von der Niederlage von Gaza, von der gänzlichen Auflösung des Heeres, von den Fortschritten des Ptolemaios in Syrien und Phoinikien hatte die Besatzung von Tyros entmutigt; als sich das Gerücht, die Stadt werde in keinem Fall übergeben werden, verbreitete, brach ein förmlicher Aufstand aus; mit genauer Not entkam Andronikos an das Ufer, ägyptische Vorposten fingen ihn auf und brachten ihn vor Ptolemaios. Der Gefangene erwartete infolge der so beleidigend geweigerten Übergabe nichts anderes, als sofort am Leben gestraft zu werden; Ptolemaios war hochherzig oder staatsklug genug, jener Vorgänge mit keinem Worte zu erwähnen: er freue sich, daß ihm sein gutes Glück einen so berühmten Feldherrn zugeführt habe, er werde sich bemühen, ihn durch Ehren und Auszeichnungen das Unglück vergessen zu machen, das ihn aus den bisher von ihm so treu und umsichtig bewahrten Verhältnissen gerissen habe. Mit gleicher Milde verstand er die Bevölkerung des syrischen Landes zu gewinnen, namentlich die Kinder Israel wandten sich ihm zu, viele von ihnen zogen nach Ägypten; in dem erfahrenen und hochgeachteten Hohepriester Hesekias gewann er sich einen treuen Anhänger.

Nach dem Fall von Tyros, so scheint es, zog Ptolemaios weiter an der phoinikischen Küste hinauf, Demetrios sich nach dem oberen Syrien, ja nach Kilikien zurück16; das innere Land vermochte den Ägyptern keinen Widerstand entgegenzusetzen; der Weg nach Babylon war frei. Seleukos wußte, wie ihm die Babylonier ergeben, wie der Sache des Antigonos abgeneigt waren; der von Antigonos gesetzte Satrap war in der Schlacht von Gaza gefallen, die Landschaft von wenigen Truppen besetzt, niemand in der Nähe, ihnen Beistand zu leisten, da auch in den oberen Provinzen keineswegs für Antigonos die Stimmung war. Das rechte Ergebnis des großen Sieges schien Seleukos' Rückkehr in seine Satrapie sein zu müssen; er konnte hoffen, daß, wenn er auch nur mit geringer Begleitung käme,[241] sie sich für ihn erheben werde; er bat Ptolemaios um eine kleine Truppenmacht, damit sich der Umschwung dort desto rascher und sicherer vollziehen könne. Ptolemaios gab ihm 800 Mann Fußvolk und gegen 200 Reiter, nicht mehr, um sich für den Angriff, den er von Antigonos erwarten mußte, nicht durch größere Entsendung zu schwächen; war die Stimmung in Babylon so, wie Seleukos hoffte, so reichten so viele Truppen vollkommen hin; mißglückte sein Unternehmen, so war jener Verlust noch zu verschmerzen.

Seleukos zog mit seiner kleinen Schar durch Syrien über den Euphrat nach Mesopotamien; seinen Getreuen begann in demselben Maße, als sie sich der Entscheidung näherten, die Besorgnis zu wachsen: so gering sei ihre Zahl, ihr Geld und ihr Kriegsvorrat, und auf seiten derer, mit denen sie kämpfen sollten, so vielmal größere Streitmacht, so viele Waffenvorräte und Magazine, so viele Bundesgenossen nah und fern. Seleukos ermutigte sie, und in mehr als einer Hinsicht sind die Worte, die ihm nach der aus Hieronymos stammenden Überlieferung zugeschrieben werden, bezeichnend: alten Soldaten, Kriegsveteranen Alexanders, die der große König durch sein Lob und seine Ehren ausgezeichnet habe, zieme es nicht, nur auf Truppenzahl und Geldmittel zu vertrauen; Erfahrung und Klugheit seien von höherem Wert, Alexander selbst sei ein Beispiel, wie man mit wenigem das Größte erreichen könne; er sei guten Mutes, er vertraue nicht bloß seiner guten Sache und seiner, wenn auch der Zahl nach kleinen Macht, sondern auch der Götter Wille habe ihm mehr als einmal vorhergedeutet, was ihm das Verhängnis bringen werde; der Milesische Apollon habe ihn als König begrüßt, Alexander sei ihm im Traume nahe gewesen und habe ihm seine künftige Macht vorhergesagt; und nicht bedeutungslos sei es, daß er des Königs Diadem, als ein Windstoß es in dem See der Königsgräber von dessen Haupt gerissen, schwimmend zurückgeholt und um seine Schläfe gewunden habe; freilich werde manche Mühe und Gefahr zu überstehen sein, aber das Große werde ja nie ohne Arbeit errungen; er sei des besten Erfolges ebenso gewiß wie der Hingebung seiner Getreuen. Mehr noch als solche Reden wirkte des Seleukos Heiterkeit und Herablassung; er verstand es, die Liebe und Ehrerbietung seiner Leute im vollsten Maße zu gewinnen, und jeder von seinen Begleitern war bereit, mit ihm zu siegen oder zu sterben.

Schon in Karrhai, wenige Tagereisen jenseits des Euphrat, gelang es ihm, die dort liegende makedonische Besatzung zu gewinnen; andere Posten zwang er durch Gewalt der Waffen, sich zu ergeben und ihm zu folgen; sobald er das babylonische Gebiet betrat, kamen ihm viele von den begüterten Einwohnern entgegen, schlossen sich ihm an, boten ihm jede Art der Hilfeleistung, die er fordern werde; mit jedem Tag mehrte[242] sich der Zulauf, das Volk jauchzte ihm wie einem Befreier entgegen, von allen Seiten wurden ihm Beweise der größten Anhänglichkeit und vielfache Förderung; von den Beamten der Provinz trat Polyarchos mit mehr als tausend Söldnern zu ihm über. Die Anhänger des Antigonos in der Stadt vermochten schon nicht mehr, der allgemeinen Bewegung zu wehren; sie flüchteten in die Burg, wo Diphilos kommandierte. Seleukos erstürmte sie, befreite seine Freunde sowie die Kinder der Vornehmen, die Antigonos als Geiseln für die Treue der Landschaft hierher gebracht hatte und die er den Eltern jetzt zurückgab. Mit dem Fall der Burg war die Partei des Antigonos vernichtet; Seleukos beeilte sich, Truppen zu werben, Pferde aufzukaufen und zum Dienste zu verteilen; mit größtem Eifer unterstützten ihn die Babylonier; es war, als wenn es gelte, den allgemein geliebten Landesherrn in seinen Rechten und Ansprüchen zu schirmen.

Indessen hatte Nikanor, der Stratege der oberen Satrapien, auf die Nachricht von Seleukos' Invasion ein Heer von mehr als 10000 Mann Fußvolk und 7000 Reitern aus Medien, Persien und den anderen nächstliegenden Landschaften zusammengebracht, eilte mit diesem über die Berge hinab, um Babylon für Antigonos' Partei zu retten. Seleukos hatte nicht mehr als 3000 Mann Fußvolk und etwa 400 Reiter beieinander, dennoch eilte er mit diesen dem Feinde entgegen über den Tigris; als er erfuhr, daß Nikanor auf einige Tagemärsche nahe sei, verbarg er seine Truppen in den Sümpfen am Flusse, in der Hoffnung, von dort aus den Gegner unerwartet überfallen zu können. Nikanor nahte dem Tigris, lagerte dort in der Nähe eines königlichen Schlosses, und da er nirgends eine Spur von den Gegnern fand, von deren Flußübergang er doch unterrichtet war, war er überzeugt, daß sich der Feind vor seiner Übermacht zurückgezogen habe. In der Nacht brach Seleukos plötzlich hervor; er fand das Lager der Feinde schlecht bewacht, er überfiel es, in größter Verwirrung kämpften die Truppen Nikanors, es fiel der Satrap Euagros von Persien und andere Führer17, in kurzem war die Macht Nikanors zersprengt, haufenweise gingen die Truppen zu Seleukos über; allen verhaßt, stets in der Furcht, ausgeliefert zu werden, von wenigen Getreuen begleitet, suchte Nikanor sein Heil in der Flucht. Die oberen Provinzen standen dem Sieger offen; der Haß gegen die drückende Herrschaft des Antigonos und seiner Anhänger, die Medien, Persien und Susiana vier Jahre hindurch getragen hatten, machte ihm weitere Erfolge leicht; mit Freuden schlossen sich die Satrapen einem Herrn an, dessen Güte und Gerechtigkeit weithin gepriesen[243] wurde; sie wie er selbst empfanden, daß ihm zum Königtum nur noch der Name fehle18.

Während dieser Vorgänge im Osten, die etwa den Winter 312/11 ausfüllen mochten, hatte auch in den syrischen Ländern der Krieg wieder begonnen. Demetrios hatte sich infolge der Schlacht von Gaza aus Syrien zurückgezogen, er hatte in Kilikien mit allem Eifer sein Heer so gut wie neu geschaffen; sobald er sich stark genug glaubte, brach er zu einem Angriff gegen das obere Syrien auf. Auf die Nachricht von seinem Anzug schickte Ptolemaios ein bedeutendes Heer unter dem Makedonen Killas, einem der Freunde, nach dem Orontes, in der Hoffnung, diese Bewegung werde hinreichen, den vor kurzem geschlagenen Gegner zum Rückzug aus Syrien zu veranlassen oder ihn, wenn er nicht sofort Syrien räumte, so abschneiden, daß er zum zweiten Male vollkommen vernichtet werden konnte. Killas war auf dem Marsch, schon nicht mehr weit von Demetrios entfernt; da erfuhr dieser durch Kundschafter, daß das ägyptische Heer bei Myus raste, daß es wenig vorsichtig gelagert sei, daß ein unerwarteter Angriff von entscheidendem Erfolg sein müsse. Sofort brach Demetrios mit Zurücklassung alles Gepäcks und der zu schwer Bewaffneten an der Spitze der übrigen Truppen auf. Nach einem eiligen Marsch die Nacht hindurch stand er mit der Morgendämmerung in der Nähe des feindlichen Lagers; die wenigen Posten wurden leicht niedergemacht, das Lager, bevor sich noch die Feinde aus dem Schlafe aufrafften, erbrochen und besetzt, Killas, ohne daß es zu weiterem Kampf kam, gezwungen, sich mit seinem ganzen Heere kriegsgefangen zu geben; 7000 Mann und sehr reiche Beute fielen in Demetrios' Hand, es war nicht viel minder, als er selbst bei Gaza verloren hatte; auf das ehrenvollste hatte er die damals erlittene Scharte ausgewetzt. Der Verlust des Feindes und die Ehre des kühnen und glücklichen Unternehmens freute ihn nicht so, als daß er nun Gelegenheit hatte, dem Lagiden seine Botschaft und Sendung nach der Schlacht von Gaza zu vergelten. Mit der Beistimmung des Vaters, der ihm freie Hand gegeben hatte, mit dem Gewonnenen zu verfahren, wie er wolle, sandte Demetrios Killas und die übrigen Freunde, die sich unter den Gefangenen befanden, nebst reichen Geschenken an Ptolemaios mit der Botschaft, er möge dies als Dank und Zeichen seiner Hochachtung entgegennehmen. Da er besorgte, Ptolemaois werde sofort selbst[244] mit seiner ganzen Heeresmacht heranrücken, zog er seine gesamte Macht in einer Stellung, welche durch Sümpfe und Teiche gedeckt war, zusammen; er sandte Eilboten an seinen Vater mit der Siegesnachricht, mit der Bitte, möglichst schnell ein Heer nach Syrien zu senden; besser noch, wenn er selbst mit seiner ganzen Heeresmacht herankomme; jetzt sei es möglich, das in Syrien Verlorene wiederzugewinnen.

Antigonos stand mit seinem Heer in Phrygien; den Übergang nach Europa, den er im letztvergangenen Winter beabsichtigt hatte, mochte er aus Rücksicht auf den Krieg in Syrien aufgegeben haben; wenigstens hatte er bei der Nachricht von der Schlacht von Gaza für einen Augenblick die Absicht, nach Syrien zu marschieren und dem Satrapen von Ägypten zu zeigen, »daß es ein anderes sei, über Knaben zu siegen, ein anderes, gegen Männer zu kämpfen«; des Sohnes Bitten, ihm das Kommando zu lassen, hatten ihn bisher bewogen, zu bleiben. Jetzt erhielt er in Kelainai die Nachricht von dem Sieg des Sohnes; seine Freude war außerordentlich: »Der Knabe ist eines Königtums würdig«, sagte er zu den Freunden; schnell waren die Truppen zusammengezogen, auf dem Marsch, in wenigen Tagen über den Tauros; kurze Zeit, und der Vater war im Lager des Sohnes, die beiderseitigen Heere vereinigt, eine höchst bedeutende Heeresmacht beieinander.

Von diesen Vorgängen benachrichtigt, berief Ptolemaios einen Kriegsrat der Befehlshaber und Freunde: der Feind sei mit überlegener Macht in Syrien eingerückt; es frage sich, ob es besser sei, ihn zu erwarten und in Syrien selbst durch eine entscheidende Schlacht den Besitz dieser Provinz zu sichern oder nach Ägypten zurückzugehen und, wie früher das Heer des Perdikkas, den Feind am Nil zu erwarten. Allgemein wurde dafür gehalten, daß in dem kaum eroberten Lande gegen ein überlegenes Heer, gegen den stets glücklichen Antigonos zu kämpfen zu gewagt, daß es besser sei, sich nach Ägypten zurückzuziehen, dort, begünstigt durch die örtlichen Verhältnisse, durch die Vorräte im heimatlichen Lande, durch die eben jetzt beginnenden Nilschwellen, den Angriff des Feindes abzuwarten. Der Rückzug aus Syrien wurde angeordnet, die Besatzungen zurückgezogen, die wichtigsten Festungen, namentlich Ake, Joppe, Gaza, geschleift, möglichst viel Geld und Gut noch zusammengetrieben; Syrien war noch im Herbst von den ägyptischen Truppen geräumt.

Antigonos rückte nach, nahm ohne Mühe die kurz zuvor verlorenen Landschaften wieder ein. Gewiß war es seine Absicht, Ptolemaios in Ägypten anzugreifen; aber der Ausgang des Perdikkas konnte ihn belehren, mit welcher Vorsicht er gegen jenes von der Natur wunderbar geschützte Land operieren müsse; schon der Weg durch die Wüste, welche Syrien und Ägypten scheidet, bietet unzählige Beschwerden und ist namentlich wegen des[245] Mangels an Trinkwasser nur durch außerordentliche Vorkehrungen zu passieren19; und hat ein Heer diesen Weg glücklich zurückgelegt, so bietet das vielfach durchschnittene, leicht unter Wasser zu setzende Terrain des unteren Ägyptens neue und größere Hindernisse für militärische Bewegungen. Es scheint Antigonos' Absicht gewesen zu sein, entweder einen ganz neuen Weg zum Angriff auf Ägypten, der ihn womöglich das schwierige Deltaland vermeiden ließ, einzuschlagen oder mindestens sich für den Weg durch die Wüste aller der Vorteile, die ihm die Unterwerfung der nächstwohnenden Araberstämme darbieten konnte, zu versichern.

Diese Araberstämme, Nabataier von den Alten genannt, wohnten in den ganz wüsten Gegenden zwischen dem Toten Meer und dem Arabischen Meerbusen; sie lebten nomadisch, ohne feste Ansiedlungen, teils die Herden weidend, teils wegelagernd und räuberisch über die syrischen Grenzen einbrechend, teils mit ihren Kamelen Weihrauch, Gewürze, indische Waren, Asphalt, das sie auf dem Toten Meere fischten, auf die syrischen, arabischen und ägyptischen Märkte führend; ihr Land ist fast wasserlos, Zisternen versorgten sie und ihr Vieh; sie waren wohlhabend durch ihren Handel und ihre Raubzüge, tapfer, frei, patriarchalisch, wie noch heute die Söhne der Wüste. Gegen sie beschloß Antigonos einen Angriff zu wagen; hatte derselbe auch keinen weiteren Erfolg, so mußte er doch dazu dienen, die Grenzen des wiedererworbenen Syriens, das sie so oft heimgesucht, für künftige Zeiten zu schützen; auch viele Beute versprach ein wohlgeführter Angriff; gelang mehr, so bot sich vielleicht die Gelegenheit dar, bis zu der Spitze des Roten Meeres hin Besitz zu ergreifen, die altberühmten Häfen von Ezeon-geber und Ailath, die Emporien des Südhandels für Syrien, zu gewinnen; im besten Fall öffnete sich vielleicht von diesen Gegenden aus eine bequemere Straße zum Angriff auf Ägypten oder konnte die gewöhnliche Straße jedenfalls mit Wasser und Vorräten versehen werden. Auf keinen Fall war ein Angriff auf diese Beduinenstämme nutzlos und Zeitverlust, da für den Augenblick gegen Ägypten – es war um die Zeit der Nilschwellen – doch nichts unternommen werden konnte. Deshalb bestimmte Antigonos, daß Athenaios, einer von den Freunden, mit 4000 Mann leichtem Volk und 600 Reitern gegen die Nabataier aufbrechen sollte. Es war gerade jetzt ein großes Fest der Araber, zu dem die Beduinenstämme von nah und fern, zugleich Waren bringend und suchend, wie zu einem großen Jahrmarkt zusammenströmten; auch die meisten Nabataier – der ganze Stamm zählte nur 10000 Männer – waren dorthin gezogen, sie hatten ihr Hab und Gut, ihre[246] Greise, Weiber und Kinder in der Felsengegend von Petra zurückgelassen, die, ohne weitere Befestigung, durch die Natur und durch ihre Abgeschiedenheit sicher schien; sie lag zwei Tagereisen weit von den letzten Ansiedlungen seßhafter Nachbarn, es war jene Felsengegend, jenes Petra, wo sich späterhin die gleichnamige Stadt, die Metropolis des Peträischen Arabiens, erhob. Dorthin eilte Athenaios; vom Lande der Idumaier aus, kam er in drei Tagen und drei Nächten inmitten der Nacht dorthin, nahm jene Felsengegend ein, nahm die Leute, die er fand, teils gefangen, teils tötete er sie oder ließ sie verwundet liegen, bemächtigte sich des Weihrauchs und der Myrrhen, die er dort aufgeschichtet fand, nahm auch an 500 Talente Silber; nach wenigen Stunden, um nicht die Rückkehr der Araber abzuwarten, eilte er zurück und ließ fünf Meilen weiter lagern.

Indes hatten die abwesenden Nabataier Kunde von diesem Einfall erhalten, waren schnell von dem Markt aufgebrochen, nach ihrer Felsengegend zurückgekehrt und, nachdem sie von den Verwundeten erfahren, was geschehen sei, eiligst zur Verfolgung des Athenaios aufgebrochen; bald kamen ihnen einige der Ihrigen entgegen: sie seien gefangen gewesen, aus dem Lager entflohen, dort sei alles in tiefem Schlaf und, da man sich sicher glaube, der Wachtdienst fast ganz vernachlässigt. Um die dritte Nachtwache erreichten die Nabataier, etwa 8000 Mann, das Lager, drangen ohne Mühe ein, ermordeten viele noch in den Zelten, überwältigten in kurzer Frist die anderen, die in der Eile bewaffnet Widerstand versuchten; mit der wildesten Rachlust mordeten die Araber, nur 50 Reiter, und auch diese meist verwundet, sollen entkommen sein; die Nabataier aber kehrten mit ihrem Eigentum, ihren Angehörigen, reicher Beute nach Petra zurück. Von hier aussandten sie ein Schreiben an Antigonos, des Inhalts, daß sie an dem Vorfall nicht schuld seien, daß sie von einem Heerhaufen überfallen und ihrer Habe beraubt worden, daß sie sich das Ihre zurückgeholt, daß der Tod so vieler Väter, Brüder und Kinder sie gezwungen habe, die Pflicht der Blutrache zu erfüllen. Antigonos schrieb ihnen zurück, sie hätten ganz in ihrem Rechte gehandelt, Athenaios habe auf eigene Hand und ganz ohne seine Veranlassung den Raubzug unternommen; er wünsche das frühere gute Vernehmen, in dem er mit ihnen gestanden, wiederhergestellt und erhalten zu sehen. Er hoffte, die Araber durch solche Versicherungen sorglos zu machen, um sie desto leichter zu überwältigen, während sie ihrerseits, mißtrauisch und vorsichtig nach Art dieser Stämme, bei allem Schein des besten Vertrauens dennoch keine Vorsichtsmaßregel, einem erneuten Angriff zu begegnen, unterließen.

Antigonos ließ einige Zeit verstreichen, bis er glauben konnte, die Nabataier sicher gemacht zu haben; dann wählte er aus seinem Heere 4000 Mann leichtes und zum schnellen Marsch geübtes Fußvolk und mehr[247] als ebensoviel Reiter; er befahl ihnen, sich auf mehrere Tage mit Proviant, zu dessen weiterer Bereitung kein Feuer nötig wäre, zu versehen; er übergab seinem Sohn Demetrios die Führung dieser Expedition mit dem Auftrag, die Araber, wie er nur irgend könnte, zu strafen. Drei Tage zog Demetrios durch Einöden; er hoffte, den Barbaren werde sein Anzug verborgen bleiben; aber die Araber hatten auf den Höhen in der Wüste Posten ausgestellt, die nun, sobald sie den Feind heranziehen sahen, mit Feuerzeichen ihren Stämmen berichteten. Die Nabataier, in der Meinung, der Feind werde sofort mit Übermacht zur Stelle sein, eilten, ihr Hab und Gut in Petra niederzulegen, wo ein rings fast unzugänglicher, nur durch einen künstlichen Aufgang geöffneter Platz auf dem Felsen, durch hinreichende Mannschaft verteidigt, Sicherheit genug zu geben schien; die übrigen zerstreuten sich mit dem, was sie sonst an Menschen, Pferden und Sachen neulich erbeutet und unter sich verteilt hatten, nach verschiedenen Seiten in die Wüste. Demetrios kam nach Petra; sofort versuchte er den Angriff gegen jenen Felsen; die Araber oben verteidigten ihn aufs tapferste, die steilen Abhänge machten das Erklimmen, das bis zum Abend hin und wieder versucht wurde, unmöglich. Als am anderen Tage der Angriff von neuem begann, boten die auf dem Felsen Unterhandlung an: sie wünschten nichts als frei und ungestört in der Wüste zu leben, sie seien bereit, reiche Geschenke zu geben, wenn die Feindseligkeiten eingestellt würden. In der Tat zog sich hierauf Demetrios von Petra zurück, einige Älteste der Araber mit ihm, zu unterhandeln; gegen 700 Kamele, die als eine Art von Tribut angesehen werden konnten, gab ihnen Demetrios den Frieden, mit dem Beding, daß sie hinfort den Asphaltertrag des Toten Meeres, den Ägypten zur Mumienbereitung nur von hier beziehen konnte, abtreten sollten; dann empfing er von ihnen Geiseln und führte sein Heer mit einem Marsch von fast acht Meilen an das Tote Meer und von da zurück zur Hauptarmee.

Antigonos war mit dem Frieden, den sein Sohn geschlossen, nicht zufrieden; die Barbaren würden, da sie so leicht davongekommen wären, nun desto dreister werden, sie würden des Siegers Nachsicht für Schwäche auslegen; doch billigte er ganz die Anordnung über die Benutzung des Toten Meeres, lobte den Sohn wegen der neuen Einkünfte, die er so dem Reiche gewonnen, verordnete auch, daß der Kardianer Hieronymos die Verwaltung der Asphaltfischerei dort übernehmen und die nötigen Einrichtungen zur Benutzung des Sees treffen sollte. Doch hatte die Sache keinen Fortgang; sobald die ersten Boote zur Auffischung des Asphalts auf den See kamen, zogen die Beduinen bei 6000 Mann stark heran und erschlugen die Fischer. Gern hätte Antigonos für den Friedensbruch sie gezüchtigt, aber neue und wichtigere Angelegenheiten nahmen seine[248] ganze Aufmerksamkeit in Anspruch. Der eigentliche Zweck des Feldzugs gegen die Nabataier war verfehlt.

Es mochte gegen Ende des Jahres 312 sein, als aus dem oberen Asien von dem Strategen Nikanor die Botschaft kam, daß Seleukos mit einigen Truppen nach Babylon gekommen sei, daß sich die Bevölkerung der Stadt und Landschaft für ihn erklärt, daß er mit leichter Mühe die von Antigonos dort zurückgelassenen Behörden und Besatzungen verdrängt habe, daß er reißende Fortschritte mache, daß auch in den oberen Ländern die Stimmung für Antigonos nicht günstig und für seine Macht im Osten Gefahr vorhanden sei; doch habe er bereits ein Heer versammelt und sei eben im Begriff, an den Tigris hinabzurücken; wenn es möglich sei, auch von Westen her Seleukos zu bedrohen, so zweifle er nicht, daß Babylon in kurzem wieder genommen werden könne. Es war in der Tat die höchste Gefahr; vier Jahre lang hatte Antigonos gegen die Machthaber des Westens gekämpft, ohne Bedeutendes gewonnen zu haben; jetzt erstand ihm im Rücken ein rüstiger Feind, der ihm gefährlicher werden mußte als Kassandros, Lysimachos und Ptolemaios zusammengenommen, wenn er ihn nicht sofort vollkommen erdrückte und die Verhältnisse im Osten in ihrem Geleise erhielt. Antigonos gab seinem Sohne Demetrios Befehl, ungesäumt mit 5000 Makedonen, 10000 Söldnern, 4000 Reitern nach Babylon aufzubrechen, das Land und die Stadt, während Nikanor von Osten her Seleukos beschäftigte, schleunigst zum Gehorsam zu zwingen, jede Maßregel zur Sicherung des so wichtigen Besitzes zu treffen, dann in einer bestimmten Frist zur Küste zurückzukehren. Sofort setzte sich Demetrios von Damaskus aus in Marsch.

Indes hatte, wie erwähnt worden, Seleukos bereits Nikanor angegriffen und vollkommen überwältigt, war, indem er an Patrokles den Befehl in Babylon gegeben, mit seinem stets sich mehrenden Heere nach den oberen Provinzen aufgebrochen, hatte Susiana, Medien, Persien in Besitz genommen, stand bereit, nach den noch ferneren Satrapien zu ziehen und auch sie zu unterwerfen. Desto mehr, mit desto sicherer Hoffnung auf schnellen Erfolg eilte Demetrios über den Euphrat. Als Patrokles von seinem Anmarsch erfuhr, befahl er, da seine Macht zu gering war, um einem solchen Angriff zu widerstehen, daß alle, die es mit Seleukos hielten, die Stadt verlassen und entweder über den Euphrat in die arabischen Wüsten oder über den Tigris nach Susiana und an das Persische Meer flüchten sollten; er selbst blieb mit den Truppen, die er hatte, setzte sich fest in der mit Gräben, Kanälen und Flußarmen durchschnittenen Mitte der Satrapie, in der Hoffnung, von hier aus durch Überfälle dem Feinde Abbruch tun und Hilfe von Seleukos abwarten zu können, dem er zu diesem Ende schleunigst Boten nach Medien nachsandte. Demetrios[249] kam, fand die Stadt Babylon verlassen, nur die beiden Burgen der Stadt von Truppen des Seleukos besetzt. Es gelang ihm, die eine sofort zu erstürmen, er übergab sie seinen Truppen zur Plünderung; die andere widerstand seinem mehrfach wiederholten Sturm; die Zeit drängte; er übergab Archelaos, einem der Freunde, 5000 Mann Fußvolk und 1000 Reiter, die gewonnene Burg zu besetzen, die andere des weiteren zu belagern; er selbst zog mit den übrigen Truppen plündernd und verheerend durch das Land, kehrte dann in Eilmärschen nach Syrien zurück.

Für die nächstfolgenden Verhältnisse sind die auf uns gekommenen Nachrichten überaus lückenhaft. Diodor allein gibt einige sehr dürftige Notizen; er sagt: »Im darauffolgenden Jahre (311) machten Kassandros, Ptolemaios und Lysimachos einen Frieden mit Antigonos; in dem Vertrage stand, Kassandros solle Stratege über Europa sein, bis Alexander, der Sohn Roxanes, mündig werde, Lysimachos über Thrakien, Ptolemaios über Ägypten mit den darangrenzenden Städten von Libyen und Arabien Herr sein, Antigonos über ganz Asien Macht haben, die griechischen Staaten autonom sein.« Diese wenigen Worte sind alles, was von dem Ende so großer und tiefgreifender Verwicklungen überliefert ist; wie es zum Abschluß gekommen, wie das einzelne hier und dort geordnet und ausgeglichen worden ist, in welchem Verhältnis von Macht und Erschöpfung die kriegführenden Parteien einander schließlich gegenüberstanden, diese und andere Fragen bleiben uns unbeantwortet; kaum, daß sich einzelnes vermutungsweise aufstellen läßt.

Vor allem fragt es sich: Wer suchte, wer gewährte diesen Frieden? Sowohl Antigonos wie die Verbündeten hatten in diesem vierjährigen Kriege mehr verloren als gewonnen: Ptolemaios hatte Syrien eingebüßt, Kassandros seinen Einnuß in Griechenland zum großen Teil, Epeiros, die Peloponnes und die Städte am Jonischen Meer völlig verloren; Lysimachos war, wie es scheint, noch nicht wieder im Besitz der pontischen Küste; und Seleukos, der in Babylon mit so schnellem und glücklichem Erfolg aufgetreten war, sah sich durch Demetrios' kühne Invasion plötzlich aus seinem kaum wieder erworbenen Lande und auf die Satrapien des fernen Ostens zurückgedrängt. Noch größer waren die Verluste, die Antigonos erlitten hatte; er hatte den Krieg begonnen als Herr des ganzen Ostens, auf dessen Macht gestützt er den Westen des ungeheuren Alexanderreiches dazuzugewinnen gehofft hatte; und nun nach vierjährigem Kampfe, nach Verwendung ungeheurer Mittel, nach den größten Anstrengungen, was war gewonnen? Selbst den Besitz Kleinasiens hatte er nicht ohne wiederholte Kämpfe im früheren Umfang behauptet, in Griechenland war ihm nicht viel mehr als ein zweifelhafter Einfluß geblieben, er besaß noch die syrischen Länder und eine Flotte, die der ägyptischen noch immer[250] nicht überlegen war; verloren war der Osten, oder mindestens dessen Besitz erst durch einen neuen Krieg wiederzugewinnen. Mußte, wie es scheint, Antigonos Frieden im Westen wünschen, um von dem soeben wiedergewonnenen Babylon aus auch die weiteren Satrapien der oberen Gegenden wieder unterwerfen zu können, wie mochten dann die Gegner, namentlich Ptolemaios, jetzt, da die Verhältnisse des Ostens einer Fortsetzung des Krieges so günstig wie möglich schienen, einen Frieden unter nichts weniger als günstigen Bedingungen annehmen? Noch war Ägyptens Macht fast unversehrt; Seleukos, nach der Niederlage des Nikanor Herr der oberen Länder, konnte mit bedeutender Macht an den Tigris zurückeilen; dann war es leicht, die Besatzung, die Demetrios zurückgelassen, zu werfen, um so leichter, da Demetrios durch seine Verwüstung Babyloniens den allgemeinen Haß gegen sich und seinen Vater nur noch gesteigert, gleichsam den Beweis gegeben hatte, daß er das Land preisgeben, es dem Feinde in möglichst elendem Zustand zurücklassen wolle; wurde dann Antigonos zugleich von Ägypten und vom Euphrat her angegriffen, oder wurden diese Bewegungen durch die ägyptische Flotte, durch Kassandros in Griechenland, durch Lysimachos am Hellespont nur einigermaßen unterstützt, so war alle Wahrscheinlichkeit vorhanden, daß sich endlich der Erfolg für die Verbündeten entscheiden, sie wenigstens einen Frieden erzwingen würden, der ihnen mehr Gewinn als Verlust brachte. Daß das Entgegengesetzte jetzt geschah, daß die Machthaber im Westen den Abschluß eines Friedens übereilten, in dem sie auf große Vorteile und größere Ansprüche verzichteten und obendrein ihren kühnen Verbündeten Seleukos vollkommen preisgaben, dafür wird, wenn man der zähen Hartnäckigkeit des Kassandros, der ruhigen Berechnung und Umsicht des Ptolemaios gedenkt, der Grund in irgendeinem maßgebenden Umstand, einem unerwarteten Ereignis zu suchen sein.

Von einem solchen Ereignis wird nichts erwähnt; und es ist bedenklich, Vermutungen zu wagen, die keine andere Gewähr als ihre Wahrscheinlichkeit haben. Vielleicht enthält eine Andeutung in unseren Überlieferungen mehr, als sie auf den ersten Blick gibt: Demetrios hatte bei seinem Aufbruch nach Babylon den Befehl erhalten, nach der möglichst zu beeilenden Unterwerfung Babylons ungesäumt zu der Küste zurückzukehren; und er kehrte in der Tat in der ihm bestimmten Frist mit dem größten Teil seines Heeres zurück. Warum ließ Antigonos nicht seinen Sohn mit einem möglichst großen Heere in Babylon, von wo aus doch am ersten die wiedererstehende Macht des Seleukos bewältigt, der Osten wiedergewonnen werden konnte? Zog er sein Heer von dort zurück, so geschah es weder, um die Truppen mit unnützen Märschen zu erschöpfen, noch um Babylon wieder preiszugeben; es kann Antigonos' Absicht keine andere[251] gewesen sein, als durch eine mächtige Demonstration gegen Ägypten einen Separatfrieden zu erzwingen, der es ihm möglich machte, den Krieg gegen den Osten dann desto nachdrücklicher zu erneuern20. Welcher Art diese Demonstration gewesen, ob Antigonos sich mit seiner ganzen Heeresmacht auf Ägypten zu stürzen drohte, ob er und wie weit er den feindlichen Grenzen nahte, sagt unsere Überlieferung nicht. Eine freilich nur gelegentliche Nachricht läßt erkennen, daß sich in diesem Jahre, vielleicht von Antigonos veranlaßt, der Statthalter Ophellas von Kyrene von der ägyptischen Herrschaft losgesagt hat; und daß er mit der Kyrenaika Macht genug zu bedeutenden Unternehmungen besaß, sollten die nächsten Jahre zeigen21. Ptolemaios war, wenn er den Krieg fortsetzte, zugleich von Kyrene her bedroht; er konnte nach dem, was er zunächst aus Babylon erfuhr, nicht anders als glauben, daß Seleukos vollkommen vernichtet, Babylon und der Osten wieder in Antigonos' Händen sei; der Besitz Syriens schien unrettbar verloren, von Antigonos demnächst ein Angriff auf Ägypten mit überlegener Macht zu erwarten, ein gleichzeitiger Angriff von Kyrene her dann so gut wie gewiß; von den beiden Bundesgenossen in Europa war ihm bisher wenig Hilfe geworden; er mochte es für unmöglich halten, die ganze Last des Krieges noch länger allein zu tragen. So schloß er den Frieden, indem er die für ihn so wichtige Landschaft Syrien opferte, seinen Bundesgenossen, den er vernichtet glaubte, verloren gab, den jungen König, in dessen Namen Antigonos von Anfang her zu handeln vorgegeben, anerkannte; und er gewann für sich nichts, als daß er sich neben der höchst gefürchteten Übermacht des Antigonos in seiner Stellung behauptete und so den Gegner doch um den eigentlichen Zweck des Krieges, den er mit so hochfliegenden Hoffnungen begonnen hatte, gebracht sah. Daß Ophellas von Kyrene sollte anerkannt worden sein, scheint höchst zweifelhaft; die Pentapolis wurde wahrscheinlich mit[252] zu der Freiheit aller hellenischen Staaten berufen und sich selbst überlassen. Natürlich traten Lysimachos und Kassandros dem Frieden ohne weiteres bei, da sie sich von der Fortsetzung des Krieges, der ihnen schon so schwere Verluste gebracht hatte, hinfort keinen Vorteil mehr versprechen konnten.

So war ein Friede zustande gekommen, der den Gegensatz der widereinander stehenden Interessen nur steigerte, nicht ausglich, der die Fiktionen des Rechtszustandes in dem tiefzerrütteten Reiche, die er von neuem sanktionierte, nur um so augenfälliger machte.

Im Namen der Koalition, die sich gegen den Reichsverweser Perdikkas gebildet hatte, in schweren Kämpfen gegen Eumenes, der im Namen, ja im Auftrag des königlichen Hauses die Einheit des Reiches und das Gedächtnis des großen Gründers vertrat, hatte Antigonos seine mächtige Stellung gewonnen; er war vor dem Ausbruch des letzten Krieges Herr im Osten, die Strategie war in seiner Hand eine wirkliche Herrschaft über die Satrapen, die er, soweit seine unmittelbare Macht reichte, mit seinen Anhängern besetzte; im Besitz solcher Macht ging er daran, in gleicher Weise die wenigen Machthaber, die noch unabhängig neben ihm standen, unter seine Autorität zu beugen, die Monarchie Alexanders, die dem Namen nach galt, auch tatsächlich wieder zu vereinigen. Der Name des königlichen Knaben gab ihm den Vorwand, die Zession Polyperchons, des bestellten Reichsverwesers, den Rechtstitel, im Namen des einigen Reiches gegen diejenigen einzuschreiten, die auf die Zergliederung desselben ihre Sondermacht zu gründen gedachten. Daß er den Kampf gegen sie mit dem Gericht über Kassandros begann, daß er die Makedonen seines Heeres über den Henker des Königshauses das Urteil sprechen ließ, gab aller Welt zu erkennen, in welcher Weise er sich als Vertreter des Reiches, sein Heer als das Reichsheer angesehen wissen wollte. Aber dieser Krieg führte ihn nicht zu seinem Ziele; in dem Frieden, mit dem er ihn schloß, anerkannte er die territoriale Selbständigkeit der Machthaber in Ägypten, Thrakien, Makedonien, die er hatte zur Parition zwingen wollen, gestand er dem in feierlichem Gericht des Reichsheeres Geächteten die Strategie der europäischen Lande zu; daß er den königlichen Knaben in dessen blutigen Händen ließ, sagte das übrige. Es wird im weiteren davon zu sprechen sein, was ihn zum Abschluß des Friedens bestimmt und genötigt zu haben scheint; wenigstens ein wichtiges Moment wurde ihm in diesem Frieden zugestanden: mit der erneuten Anerkennung des jungen Alexander als König hatte er das Prinzip der Reichseinheit gerettet und damit ein großes Recht, dem Weiterwuchern territorialer Independenz entgegenzutreten, nicht kraft seiner Strategie in Asien, sondern weil seit Polyperchons Zession die Kompetenz der Reichsverwesung auf ihn übergegangen[253] war, eine Kompetenz, die ihm auch ohne ausdrückliche Festsetzungen in dem Friedensschluß – wir wissen von solchen nichts – blieb, solange mit dem in diesem Frieden anerkannten Recht des königlichen Knaben das Prinzip der Reichseinheit feststand.

Nicht minder waren die drei Machthaber, die mit ihm den Frieden geschlossen, in einer, wenn der Ausdruck erlaubt ist, paradoxen Stellung. Sie hatten mit aller Anstrengung gekämpft, sich des Prinzips, für das Antigonos eintrat, und der Befugnisse, die er kraft dessen in Anspruch nahm, zu erwehren; aber sie hatten seine Macht nicht zu brechen vermocht; sie hatten mit dem Frieden, anfangs, so scheint es, einem Separatfrieden des Ptolemaios mit dem gemeinsamen Feinde, ihre beste Kraft, den gegenseitigen Rückhalt in ihrer Koalition, indem sie Seleukos seinem Schicksal überließen, darangegeben. Und weiter: Ptolemaios hatte mit der syrischen Küste den bedeutendsten Teil seiner Seemacht eingebüßt, Kassandros mit der zugestandenen Freiheit der hellenischen Staaten einen freilich gefährlichen Besitz verloren, um eine noch gefährlichere Nachbarschaft dafür zu erhalten, und Lysimachos war nicht in den ruhigen Besitz der nördlichen Distrikte gekommen, denen der beginnende Krieg das Zeichen zum Abfall gegeben hatte; alle drei, die sich schon der vollkommenen Unabhängigkeit ihres Besitzes nahe hatten glauben können, waren genötigt, das Königtum wieder anzuerkennen, dessen volle Bedeutung geltend zu machen der Übermacht des Antigonos stets den besten Vorwand zu neuem Kampf darbot.

Offen lagen in diesem Frieden die Elemente für neue Kämpfe zutage, ja der Friede selbst war mindestens von einer Seite her um eines neuen Krieges willen geschlossen; und an einem Punkte wieder aufflammend, mußte der Krieg sofort weiterzündend wieder zu einem ebenso allgemeinen werden, wie der soeben beendete gewesen war. Mit diesem Frieden schien alles nur von neuem in Frage gestellt zu sein.

Aber außer diesen Elementen der weiterdrängenden Bewegung ließ dieser Friede ein Resultat erkennen, das von dauernder Bedeutung schien. Die Kriegführenden hatten sich als ebenso viele selbständige Mächte fühlen gelernt; die natürlichen Sonderungen der verschiedenen Ländermassen wurden in maßgebenden Wirkungen erkennbar; es waren die ersten Grundzüge zu der Entwicklung jener Hauptreiche, in die Alexanders Eroberungen sich umsetzen sollten, einer Entwicklung, die, jetzt noch an jenen hervorragenden Persönlichkeiten haftend, schon sich den volkstümlichen und geographischen Bestimmungen anzuschließen und nach ihnen ihre Politik zu bestimmen begann.

Am deutlichsten trat bereits ein ägyptisches Reich hervor, dessen Macht von dem Besitz Syriens, Kyperns und Kyrenes abhing und das bereits[254] in dem staunenswürdig emporblühenden Alexandreia einen weithinaus wirkenden Mittelpunkt hatte. Makedonien begann zu seiner natürlichen Stellung, die europäische Hauptmacht zu sein, zurückzukehren, sich vom Osten abwendend, wo die ersten festen Umrisse zu einer vorderasiatischen Monarchie hervortraten. Zwischen beiden eine Mittelmacht am Hellespont, deren Zentralstelle späterhin aus Thrakien nach Pergamon hinüberging. Neben diesen die hellenischen Staaten zu beiden Seiten des Archipelagos, jetzt zum ersten Male auf umfassende Weise zur Freiheit aufgerufen, das unglückliche neutrale Gebiet, in dem sich fortan die heftigsten Bewegungen von allen Seiten her treffen sollten, der rechte Tummel- und Werbeplatz der verschiedenen Mächte.

Nur im Osten sind die Völkermassen noch wie ein unentwirrtes Knäuel; dort währt es noch lange, bevor sich bestimmte und dauernde Sonderungen herausstellen; dort handelt es sich selbst darum noch, an welche Persönlichkeit sich die Entwicklung neuer geschichtlicher Verhältnisse heften wird.


Quelle:
Johann Gustav Droysen: Geschichte des Hellenismus. Tübingen 1952/1953, Band 2, S. 209-255.
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