37. Reihenfolge der Exilsfürsten.

[461] Die Reihenfolge und Genealogie der Exilsfürsten sind viel schwerer zu ermitteln, als die der Patriarchen. Der Talmud, der von allem und jedem spricht, beobachtet merkwürdigerweise ein, wie es scheint, geflissentliches Stillschweigen über die Resch-Galuta, und nennt nur hin und wieder drei bis vier derselben mit Namen. Das Seder Olam Sutta, welches sich die Aufgabe gestellt hat, ihre Aufeinanderfolge und ihre Abstammung von den letzten Königen aus dem davidischen Hause chronologisch zu ordnen, wimmelt in unsern Ausgaben von Korruptionen, Interpolationen und namentlich Verschiebungen. Außerdem besitzen wir variierende Texte von demselben. Zunz hat (G. V. S. 136) das Richtige getroffen, daß die sechzehn bis siebzehn Namen der Exilarchen während der biblischen Zeit fingiert, d.h. aus den Nachkommen des Königs Jechoniah (I. Chronik 3.) willkürlich ausgewählt sind. Die historischen Exilarchen beginnen erst mit Huna und Anan; zwischen beiden muß man aber noch einen hineinschieben. Ich gebe hier die Reihenfolge der zwölf Exilarchen von Anan bis R. Huna II. während der Amoräerepoche. 1. Anan, Zeitgenosse Samuels und Rabs, erlebte die Zerstörung Nahardeas (259 oder 261). 2. Nathan, Zeitgenosse von R. Juda ben Jecheskeel und R. Scheschet. 3. Nehemia, Zeitgenosse von R. Scheschet und R. Chasda, scheint Rabs Schwiegersohn gewesen zu sein. 4. Ukban, Ukba, Mar-Ukba (identisch mit dem in Seder Olam Sutta aufgeführten היבקע: Zunz macht irrtümlich aus Akabiah und Ukban zwei), mit dem Titel Rabbana, ein Enkel Rabs, Zeitgenosse Rabbas (הבר) und R. Josephs, wird im Talmud ehrenvoll genannt (Chullin 92. a.): םימעפ רודו רוד לכב לארשימ ןיאצויה םיאג ירש ינש אבקוע אנברב והיניע ןנבר ובהיו – י"אב דחאו ןאכ םינשש ברד היתרב ינב הימחנ אנברו. Es ist derselbe, an welchen ein Sendschreiben aus Judäa gelangte, mit einem schmeichelhaften Eingange (Synh. 31. b.): היל וחלש םלש היתב רבכ היל ויזדל אבקוע רמל; derselbe endlich, dessen Reumütigkeit R. Joseph rühmt (Sabbat 56. b.) ןבקוע ונמו ונרודב שי (הבושת ילעבמ) רהא דועו ףסוי 'ר רמא אתולג שיר הימחנ רב (die Worte des Zusatzes: ןתנ ונייהו אתוציצה ist Glossem, wie o. S. 457 bemerkt wurde). Rabbah tradiert manches von diesem Mar-Ukban (ב"ב 55. a.) שיר הימחנ רב ןבקוע יל יעתשא ילמ תלת ינה הבר רמא לאומשד הימשמ אתולג. 5. Huna Mar I., Bruder Ukbans, Zeitgenosse Abajis und Rabas (muß emendiert werden: אמח רב ףסוי רב אבר für ףסוי 'ר), lebte zur Zeit der Kaiser Julian und Jovian, als das wichtige Nisibis dem persischen Reiche einverleibt wurde, nachdem es Jovian dem Sieger Schabur II. überlassen mußte (363): קילס (רמ אנוה ימיב) וימיבו [461] השבכו ןיביצנל רובש. Den folgenden Satz in S. O.: – דמעו רמ אנוה ביכשו ולש םכח לאננח בר ויחא אבקוע halte ich für verschoben; er gehört nämlich unter die biblischfingierten Resch-Galuta; die Fiktion ist durch לאננח 'ר kenntlich genug, ein Name, den diese Chronik dreimal nennt. Es muß mithin heißen ןב (ירמ) אבא וירחא דמעו רמ אנוה ביכשו ןבקוע רמ ןב ויחא. 6. Abba Mari, Sohn Ukbans, Zeitgenosse von R. Nachman ben Jizchak, Rabina I. und R. Papa. Im Talmud (Nidda 67 b.) wird er genannt: הוה רב ןמחנ 'ר לזא טוקיאד אתולג שיר ירמ אבאד והתיבדב אדביע הסויפל קחצי. – Über die Nachfolger des Abba Mari differieren die Texte bedeutend: Kahana, Safra, Mar-Sutra, Kahana; oder Mar-Sutra, Mar-Jemar, Kahana. Sieht man sich den Text indes näher an, so verschwindet die Differenz. Safra muß zuerst hinweggeschafft werden, es ist augenscheinlich eine Korruptel, entstanden aus dem in der oberen Zeile angeführten Satz ולש םכח ארפס 'ר. Dann findet sich in S. unstreitig eine Lücke: רמ ביכשו ....... וירחא דמעו אנהכ רמ ביכשו ארטוז. Hier fehlt augenscheinlich Mar-Jemar, den Scherira aus Tradition als Vorgänger Mar-Sutras kennt: (אתולג ישיר) הירתב ווהד ארטוז רמו רמי רמו. Auf diese Weise stimmen beide Texte untereinander und mit Scherira überein. Es muß demnach gelesen werden: רמ וירחא דמעו רמיירמ) וירהא דמעו אנהכ רמ ביכשו 'וכו ארטוז רמ ביכשו ולש םכח יתפדמ אחא 'ר .(ארטוז. Es folgen also 7. Mar-Kahana I. 8. Mar-Jemar 9. Mar- Sutra, alle drei ältere odere jüngere Zeitgenossen R. Aschis. Mar-Sutra überlebte ihn aber bis zur Zeit von R. Acha aus Difta und Mar bar Aschi. Dann 10. Mar-Kahana II. Sohn Mar-Sutras. 11. Huna-Mar II. (oder Mari), ebenfalls Sohn Mar-Sutras, welcher im Jahre 470 oder 471 durch Firuz hingerichtet wurde (o. S. 372). Auf Huna-Mar läßt S. unmittelbar 12. Rab Huna II. (mit dem Titel Rab nennt ihn sogar Scherira) Sohn Mar-Kahanas II. folgen, der in der nachtalmudischen Zeit 511 (ב"כתת) starb. In dem Zeitraum der Amoräerepoche von 219-511 folgen demnach zwölf Exilarchen aufeinander. [Vergl. Brüll. Jahrb., Bd. X., Funk, die Juden in Babylonien, S. X.]


Quelle:
Geschichte der Juden von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart. Leipzig 1908, Band 4, S. 461-462.
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