Persévs

[1951] PERSÉVS, ëi, Gr. Περσεὺς, έως, ( Tab. XXI.)

1 §. Aeltern. Sein Vater war Jupiter selbst, welcher ihn mit der Danae zeugete, die er durch einen güldenen Regen berückete. Hygin. Fab. 63. Sieh Danae. Einige geben für den Betrüger der Danae, und also des Perseus Vater, den Prötus, des Akrisius Bruder, an. Ap. Apollod. l. II. c. 4. §. 1. Es hieß aber Perseus sonst mit einem andern Namen auch wohl Eurymedon. Apollon. l. IV. v. 1514.

2 §. Auferziehung. Weil der Danae Vater, Akrisius, ihrem Vorgeben von dem Jupiter nicht glauben wollte, ungeachtet sie solches auf dessen Altare beschwur, so ließ er sie nebst dem Perseus in einen hölzernen Kasten stecken, und in das Meer werfen. Sie wurden aber von dem Diktys gerettet. Sieh Danae. Polydektes, König auf der Insel Seriphus, wo sie hingetrieben worden, ließ den Perseus nach seinem Stande und Herkommen geziemend [1951] in dem Tempel der Minerva erziehen. Hygin. Fab. 63. Jedoch geben auch andere für dessen Erzieher nur gedachten Diktys an. Apollod. l. II. c. 4. §. 1.

3 §. Thaten. Als er sein männliches Alter erreichet hatte, und dem Polydektes im Wege war, daß er der Danae nicht theilhaftig werden konnte, so vermochte er ihn, sich an die Gorgonen zu machen, und ihm der Medusa Kopf zu holen. Apollod. l. II. c. 4. §. 2. Er richtete solches, mit dem Beystande einiger Götter, glücklich aus. Sieh Gorgones, 4 §. Dabey ist noch anzumerken, daß ihm, nach einigen, Vulcan eine diamantene Sichel, oder ein krummes Schwert, dazu gegeben. Eratosth. Cataster. 22. Auf dem Rückwege wurde er in seinem Fluge von dem Winde nicht anders, als eine Wolke, bald hin, bald her getrieben; und da er dabey zu dem Atlas kam, dieser aber ihn nicht aufnehmen und beherbergen wollte, so verwandelte er denselben durch Vorhaltung des Medusenkopfs in einen Felsen. Ovid. Metam. IV. 620. In Aethiopien fand er die Andromeda, des Cepheus, Königs besagten Landes, Tochter, an einem Felsen im Meere angebunden; er befreyete sie, und erhielt sie zu seiner Gemahlinn. Von dieser Befreyung hat man ein Gemälde angegeben, worauf das Meerwunder getödtet darliegt, und das Meer mit seinem Blute färbet, ein keuchender Amor aber in der Gestalt eines Jünglinges die Andromeda losmachet, welche Perseus, der von dem Kampfe ermüdet, auf dem Grase liegt, und den Kopf auf den linken Arm stützet, sein mit Blute beflecktes purpurfarbichtes Kleid aber in den Wind fliegen läßt, mit unverwandten Augen ansieht. Philostr. Icon. l. I. c. 29. p. 806. Anderer Vorstellungen auf Gemmen zu geschweigen. Sieh Lipperts Dactyl. II Taus. 14, 15 N. Bey seiner Vermählung mit ihr hatte er mit dem Phineus noch erst ein hartes Gefecht. Sieh Andromeda. Als er darauf mit selbiger in die Insel Seriphus zurück kam, so fand er, daß sich seine Mutter vor [1952] des Polydektes Verfolgung zu einem Altare geflüchtet hatte. Es kam also zwischen ihm und solchem Könige zu Händeln, der dabey den Kürzern zog. Sieh Polydectes. Nach dessen Verwandelung setzete er den obbemeldeten Diktys zum Könige der Insel Seriphus ein, gab dem Mercurius die geflügelten Schuhe, den Beutel und Helm wieder, den Medusenkopf aber verehrete er der Minerva, die ihn auf ihren Schild setzete. Apollod. l. c. §. 2. 3. Auf einer Gemme scheint er ihn selbst in den stählernen geschliffenen Schild setzen zu wollen, den ihm Minerva dazu geliehen, und der vor ihm liegt. Wilde gem. ant. n. 24. In einer etwas andern Stellung sieht man ihn auf einem Achate mit dem in der Hand erhobenen Kopfe vor dem Schilde stehen, auf den er hinab sieht, als wenn er zu Rathe gienge, wie er ihn hinein setzen sollte. Maffei gem. ant. P. IV. t. 25. Andere Vorstellungen hat Lippert Dactyl. II Taus. 7–13 N. Besondere Aufmerksamkeit aber verdienet diejenige, wo er mit der Sichel in der linken Hand abgebildet ist, da er in der rechten Hand den noch blutenden abgehauenen Kopf oben an den Haaren trägt, die aber so wenig Schlangen sind, als der Kopf selbst scheuslich ist. Ueber eben dem Arme hat er die Reisetasche oder den Beutel hängen, sonst aber nichts von der andern Rüstung. Winkelm. Monum. ant. 48. p. 112. Er eilete darauf mit seiner Gemahlinn und Mutter, den Akrisius zu besuchen. Hier wurde denn das Orakel erfüllt, daß sein Vater durch ihn sterben sollte, so sehr er sich auch davor gehütet hatte. Sieh Acrisius. Es fiel ihm aber nunmehr durch dessen Tod das Königreich Argos als nächstem Erben zu. Allein, weil er sich scheuete, dahin zu kommen, da er den Akrisius ums Leben gebracht hatte, so machte er sich nach Tirynthe zu dem Megapenthes, und vertauschete mit solchem sein Erbreich, befestigte, zu Behauptung des erhaltenen neuen, die Städte Tirynth, Midea und Mycene. Apollod. l. c. §. 4. Cf. Lucian. Dial. Deor. 22. Hygin. Fab. 64. Albric. Imag. Deor. c. 2. & Schol. Apollon. ad [1953] l. IV. v. 1514. Er wird auch für den Erbauer der letztern, und für den Erfinder der Wurfscheibe angegeben. Pausan. Cor. c. 16. p. 112. Außerdem soll er noch eine Stadt, die Perseis geheissen, erbauet haben. Hygin. Fab. 274. Es wollen aber andere billig nichts davon wissen: doch gestehen sie so viel zu, daß Persis oder Persien von ihm den Namen bekommen. Muncker. ad eumd. l. c. auctore Eustathio ad Dionys. Perieg. So widersetzete er sich auch auf alle Art dem Bacchus; und, da solcher mit seinem Schwarme in Argolien einrückete, so ließ er es mit ihm auf eine rechte Schlacht ankommen. Er erlegte ihm darinnen insonderheit einen guten Theil der Bacchen oder Mänaden, die er aber doch hernach geziemend begraben, und zuförderst der Choria ein ausnehmendes Grabmaal aufrichten ließ. Pausan. l. c. c. 26. & 22. p. 120. 124.

4 §. Gemahlinn und Kinder. Seine Gemahlinn war gedachte Andromeda, des Cepheus und der Kassiopea Tochter, mit welcher er annoch bey dem Cepheus den Perses zeugete, von welchem die persischen Könige herkommen, und das Land Persien den Namen empfangen haben sollen. Herodot. Polymn. VII. 150. Zu Mycene aber bekam er den Ancäus, Sthenelus, Helas, Mestor und die Gorgophone, welche hernachmals Perieres heurathete. Apollod. l. II. c. 4. §. 5.

5 §. Tod. Es soll ihn endlich obbemeldeter Megapenthes hingerichtet haben, weil er dessen Vater Prötus getödtet. Hygin. Fab. 244. Andere wollen, er sey mit sammt dem Cepheus, der Kassiopea und der Andromeda, sogleich von der Erde in den Himmel genommen worden. Boccacc. l. XII. c. 25.

6 §. Verehrung. Nach einigen wurde er seines Adels wegen mit unter die Sterne versetzet. Eratosth. Cataster. 22. & Hygin. Poet. Astron. l. II. c. 12. Hiernächst wurde er insonderheit von den Aegyptern göttlich verehret, und hatte seinen besondern Tempel zu Chemmis, woselbst er den Leuten, wenn ein gutes [1954] Jahr werden sollte, erschien, wie er aus der Erde hervor stieg. Sie stelleten ihm zu Ehren allerhand Ritterspiele an, huben auch dessen Pantoffel gar heilig auf, welcher auf anderthalb Elle groß war. Herodot. Euterp. II. 91. Unter den Griechen hatte er seine Kapelle zu Athen. So erwiesen ihm auch die zu Argos, so wie die in der Insel Seriphus, seine Ehre. Athenagor. & Sidonius ap. Voss. Theol. gent. l. I. c. 13. Sein Heldenbegräbniß oder Heroum hatte er zwischen nur benannten Argos und Mycene. Pausan. Cor. c. 18. p. 115.

7 §. Eigentliche Historie. Einige halten ihn eigentlich für einen Assyrier. Herodot. Erato, s. VI. 53. 54. Andere sehen ihn wenigstens für einen reichen und mächtigen König in Asien an, welcher mit seiner starken Flotte so wohl andere Länder, als auch Africa, bezwungen. Albric. de Imag. Deor. c. 21. Was die in seiner Geschichte mit vorkommenden Erzählungen von der Danae, den Gorgonen, Gräen, der Andromeda und andern betrifft, so sehe man deren Artikel.

8 §. Anderweitige Deutung. Manche wollen, daß er ein Exempel gebe, wie man einen Krieg geziemend führen solle. Sie ziehen daher aus seiner Historie die Folgen, daß man solchen in der Ferne führen, daß er an sich gerecht und ehrlich, und endlich auch möglich seyn solle, so wie Perseus seinen Zug in die äußersten Abendländer, wider eine Tyranninn, und, unter den Gorgonen, wider die Medusa richtete, die allein unter ihren Schwestern sterblich war. Man soll dabey seine Anschläge unter dem Helme des Pluto oder der Verschwiegenheit verbergen, sich in Ausführung derselben der Geschwindigkeit mit des Mercurius Flügeln, und der Vorsichtigkeit unter der Pallas Schilde bedienen, bey solchen aberdoch auch sehen, ob man einige Verräther, wie die Gräen, gewinnen, und seinen Feind, wie Perseus die Gorgonen, im Schlafe der Sicherheit und Unbereitschaft autreffen könne, wodurch denn gar leicht ein geflügelter Pegasus, oder sich ausbreitender Ruhm, und Kraft, die Leute in Steine zu verwandeln, oder zu machen, [1955] daß sich niemand mehr rege, erlanget werden könne. Baco Verulam. Sapient. Vett. c. 7. Andere erweisen daher, wie man durch Bestechung alles gewinnen könne, die Klugheit, welche Perseus sey, die Wollust, welche die Medusa vorstelle, gar leicht besiege, und dadurch mit unter die Sterne versetzet werde, oder einen großen Ruhm erlange, und was des Dinges alle mehr ist. Nat. Com. l. VII. c. 18. & Boccacc. l. XII. c. 25.

Quelle:
Hederich, Benjamin: Gründliches mythologisches Lexikon. Leipzig 1770., Sp. 1951-1956.
Lizenz:
Faksimiles:
1951 | 1952 | 1953 | 1954 | 1955 | 1956
Ähnliche Einträge in anderen Lexika

Hederich-1770: Persevs [1] · Persevs

Buchempfehlung

Mickiewicz, Adam

Pan Tadeusz oder Die letzte Fehde in Litauen

Pan Tadeusz oder Die letzte Fehde in Litauen

Pan Tadeusz erzählt die Geschichte des Dorfes Soplicowo im 1811 zwischen Russland, Preußen und Österreich geteilten Polen. Im Streit um ein Schloß verfeinden sich zwei Adelsgeschlechter und Pan Tadeusz verliebt sich in Zosia. Das Nationalepos von Pan Tadeusz ist Pflichtlektüre in Polens Schulen und gilt nach der Bibel noch heute als meistgelesenes Buch.

266 Seiten, 14.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon

Buchempfehlung

Geschichten aus dem Biedermeier. Neun Erzählungen

Geschichten aus dem Biedermeier. Neun Erzählungen

Biedermeier - das klingt in heutigen Ohren nach langweiligem Spießertum, nach geschmacklosen rosa Teetässchen in Wohnzimmern, die aussehen wie Puppenstuben und in denen es irgendwie nach »Omma« riecht. Zu Recht. Aber nicht nur. Biedermeier ist auch die Zeit einer zarten Literatur der Flucht ins Idyll, des Rückzuges ins private Glück und der Tugenden. Die Menschen im Europa nach Napoleon hatten die Nase voll von großen neuen Ideen, das aufstrebende Bürgertum forderte und entwickelte eine eigene Kunst und Kultur für sich, die unabhängig von feudaler Großmannssucht bestehen sollte. Dass das gelungen ist, zeigt Michael Holzingers Auswahl von neun Meistererzählungen aus der sogenannten Biedermeierzeit.

434 Seiten, 19.80 Euro

Ansehen bei Amazon