Bertinus, S. (2)

[474] 2S. Bertinus, (5. Sept.), Abt des Klosters Sithiu auf einer Insel bei St-Omer in der Grafschaft Artois, wurde im Anfange des 7. Jahrhunderts aus einer edlen Familie im Bezirke von Constanz geboren und weihte sich mit seinen zwei Freunden Momolenus und Bertrannus zu Luxeuil dem Herrn durch die Gelübde. Als um das J. 637 St-Omer (Audomaropolis) zum Bischofssitze von Terouane erhoben worden, sendete ihm der Abt Walbert als Gehülfen im Weinberge des Herrn die drei genannten Freunde, welche zu St-Omer ein Kloster bauten und Momolenus als den ältern vorsetzten. Dieses Kloster wurde bei dem großen Andrange bald zu eng, und sie sahen sich genöthigt, in kleiner Entfernung zu Sithiu (auch Sitdiu, vielleicht von Situs Dei) eine neue Niederlassung zu gründen, wozu Adrowald, einer der Vornehmsten des Landes, den dazu nöthigen Grund und Boden gab. Da Momolen im J. 659 zum Bischofe von Noyon und Tournai erwählt wurde, mußte Bertin das Amt und die Würde eines Abtes übernehmen, unter dessen Leitung nicht nur das Kloster zu hohem Rufe gelangte, sondern sich auch durch beträchtliche Schenkungen sehr erweiterte. Als Bertin sich unter der Last der Jahre gebeugt fühlte, trat er im Jahre 700 sein Amt an seinen Jünger Rigobert ab und beschloß sein verdienstreiches Leben um das J. 709. Er wurde in der Kapelle des hl. Martinus beigesetzt, welche Rigobert auf seinen Rath erbaute, die aber erst nach seinem Tode vollendet ward. Im Laufe der Zeit geschahen mehrere Uebertragungen seiner Reliquien. Sein Name findet sich am 5. Sept. auch im Mart. Rom.


Quelle:
Vollständiges Heiligen-Lexikon, Band 1. Augsburg 1858, S. 474.
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