Caspar, SS. (1)

[567] 1SS. Caspar, Melchior et Balthasar, Magi. (1. al. 6. 11. Jan. 23. Juli). Caspar soll nach dem Persischen Schatzmeister bedeuten; Melchior nach dem Hebräischen = König des Lichtes; Balthasar wurde schon oben (S. 377) erklärt. – Zur Krippe des göttlichen Heilandes kamen nach Matth. 2,1 ff., von einem wunderbaren Sterne geleitet, Magier oder Weise aus dem Morgenlande, um den neugeborenen »König der Juden« anzubeten. Die Geschichte derselben – wie sie zuerst nach Jerusalem kamen, dann von Herodes nach Bethlehem gewiesen wurden, dort ihre Huldigung darbrachten und endlich auf einem andern Wege in ihr Vaterland zurückkehrten etc. – ist aus dem heil. Evangelium zu bekannt, als daß es nöthig wäre, Weiteres darüber anzugeben; hier sei nur bemerkt, daß diese Weisen den Gelehrten von jeher viel zu schaffen gemacht haben, [567] indem bis auf den heutigen Tag über ihre Herkunft, ihre Beschäftigung, ihr Vaterland etc., aber auch über den wunderbaren Stern, den sie gesehen und der ihnen vorherging, große Meinungsverschiedenheit herrscht. Die allgemeinere Meinung über die hhl. Weisen ist unter den kath. Theologen wohl diese, daß sie aus den Gegenden in der Nähe des Euphrat, aus Arabien, Persien oder Chaldäa (Mesopotamien), die gewöhnlich in der heil. Schrift »Länder vom Morgenland« genannt wer den, herstammten; daß sie daselbst durch Weisheit, Frömmigkeit und Tugend, wie etwa Job und Melchisedech in ihrer Zeit, sich hervorgethan haben; daß sie namentlich der Sternkunde beflissen gewesen und auf den Stern, welcher nach der 1400 Jahre früher von Bileam (Balaam) eben injenen Gegenden gemachten Weissagung (4. Mos. 24,17) von Jakob ausgehen solle, gewartet haben; daß endlich dieser Stern, als außerordentliche wunderbare Erscheinung am Himmel wirklich aufgegangen, die Weisen, nachdem sie vom hl. Geiste innerlich über seine Bedeutung angeleitet oder auf irgend eine andere Weise darüber belehrt worden waren, gleich der Feuersäule, welche den Israeliten in der Wüste voranleuchtete, zur Krippe des Erlösers geführt habe.11 Was aber die Gelehrten nicht mit Bestimmtheit zu eruiren vermochten, das hat die vielgeschäftige Sage versucht, und wir haben nach ihr eine vollkommene Geschichte der hhl. Weisen, die nach Bethlehem kamen. Denn so lautet die morgenländische Ueberlieferung, wie sie zur Zeit der Kreuzzüge nach dem Abendlande gelangte: Am Berge Vaus (φάος) – dem »Lichtberge«, oder wie er auch heißt »Mons victorialis« – hinten im Lande Indien habe ein königliches Geschlecht von Magiern (nobilis progenies de Vaus) gewohnt, in ähnlicher Weise, wie auf dem Berge Karmel die Prophetenschule des Elias sich niederließ. Diese nun, auch mit den heil. Schriften der Juden seit ihrer Gefangenschaft vertraut, hätten dort der Betrachtung göttlicher Dinge obgelegen und eine uralte Tradition bewahrt: ein Stern werde ihnen in den letzten Zeiten erscheinen und sie zur Erkenntniß des wahren Lichtgottes führen. Besonders aber sei es die Weis. sagung des Bileam gewesen: »Es wird ein St ern aufgehen aus Jakob etc.«, aus welcher die Heiden gemerkt, daß aus dem jüdischen Volke ein gewaltiger Fürst sollte geboren werden, der sie und ihr ganzes Land unter seine Gewalt bringen würde. Um nun diesem Unheile zuvorzukommen und mit jenem Könige bei Zeiten Freundschaft zu schließen, hätten die Magier alljährlich an einem bestimmten Tage auf der Spitze des Berges sich versammelt, um nach dem versprochenen Stern zu schauen, in der Himmelsgegend, die zunächst für Judäa bedeutsam war. Als aber die Zeit erschien, wo ihnen das neue Licht aufging, und der Stern der Verheissung, in dem ein Kind über dem Zeichen des Kreuzes (stella in forma infantuli desuper signum crucis) sich befand, vom Berge Vaus aus im Orient gesehen wurde, sei zugleich eine himmlische Stimme an sie erschollen, des Inhalts: »Zur Welt kommt heute der König der Juden, welcher die Erwartung und der Beherrscher der Heiden ist; ziehet hin, ihn aufzusuchen und anzubeten.« Dieser himmlischen Weissagung gemäß machten sie sich auf, und kamen in 13 Tagen (vom 25. Dec. bis 6. Jan.)12nach Jerusalem. Es waren aber deren Viele, die in das jüdische Land reisten, den neuen König zu sehen, namentlich aber drei Könige, Namens Caspar, Melchior und Balthasar, welche drei sehr verständige und in aller Kunst wohl erfahrene Männer gewesen, weßhalb sie von der heil. Schrift »Weise« genannt werden. Diese drei Könige aber wohnten nicht beieinander, sondern [568] jeder in seinem eigenen Lande. Melchior war König in Nubien, Balthasar in Aethiopien, und Caspar in Indien, wohnend in der Stadt Cassat. In dieser Stadt kamen die Drei zusammen und verweilten daselbst drei Tage, um sich auf die Reise vorzubereiten. Wiewohl die Stadt Cassat 53 Tagreisen von Bethlehem lag, so sind sie doch in zehn Tagen dahin geritten, nicht aus eigener Kraft, sondern durch die Kraft dessen, der sie durch den Stern dahin gerufen hat. Soweit die Legende über die Weisen aus dem Morgenland, bis zu ihrem Erscheinen in Jerusalem. – Nach einer andern Version wird die Geschichte der hhl. drei Könige in folgender Weise gegeben: Diese Magier waren Könige aus Persien, Arabien und Saba, wohl unterrichtet in allen Wissenschaften und in den heil. Schriften. Weil ihre Länder nicht weit von einander lagen, so sprachen sie öfters miteinander von den Wissenschaften und Tugenden, wie es ebenvertraute Freunde machen. Diesen hhl. drei Königen erschien nun in der Christnacht ein Engel im Schlafe und bedeutete ihnen, daß nunmehr der verheißene Messias zur Welt geboren sei und daß ihnen zur Aufsuchung desselben ein Stern voranleuchten werde. Zugleich zeigte der Engel jedem an, daß das Nämliche den übrigen Zwei verkündet worden sey. Sie machten sich auf und folgten dem Sterne, den der Engel aus einer lustigen Materie gebildet hatte, und als sie kurz darauf auf dem Wege zusammen gekommen waren, erzählten sie einander die gehabte Erscheinung und zogen fröhlich ihres Weges, immer dem Sterne folgend, der vor ihnen herging und ihnen den Weg zeigte. – In Bethlehem angekommen, fanden sie das Kind mit Maria, seiner Mutter, fielen nieder und beteten es an. Dann brachten sie auch, wie es bei den Orientalen gebräuchlich ist, ihre Geschenke dar, nämlich Gold als Anerkennung seiner Königswürde, zugleich als Bild einer brennenden Liebe; Weihrauch als Huldigung seiner Gottheit, zugleich als Bild einer zärtlichen Andacht, und Myrthen als Zeugniß seiner Menschheit, zugleich als Bild des Opfers eines abgetödteten Herzens. Die Geber sind in folgendem Verse ausgedrückt: »Caspar bringt Myrrhen, Balthasar Gold und Melchior Weihrauch.« Nach dem Bisherigen waren es vorzüglich drei Weise, welche zur Krippe Christi kamen; nach anderen Ueberlieferungen sollen es zwölf gewesen seyn. Indeß die in der Kirche herrschende Ueberlieferung hält sich seit dem hl. Papst Leo dem Großen und dem hl. Beda an drei, als die Führer und Vertreter des Zuges, besonders wegen der drei Gaben, die sie brachten, und man ist in der Auffassung dieser drei nicht abgeneigt, sie als die Repräsentanten der drei Stämme der Menschheit (Melchior der Semiten, Caspar der Chamiten und Balthasar der Japhetiten) zu betrachten, und sie auch in den entsprechenden Gesichtsfarben dieser drei Stämme darzustellen. Die kirchliche Tradition kennt die drei Weisen ebenfalls als Könige, wozu die Stellen Psalm 72,10; Isai. 60, 3. 6, natürliche Veranlassung gaben, indem darin von Königen die Rede ist. Indeß können es auch Stammesfürsten etc. gewesen seyn, welche bei den Alten auch öfter den Titel der Könige führten.13 Soviel aus den Legenden über die hhl. drei Könige, dem noch manches Andere beigefügt werden könnte. – Was aber das weitere Leben derselben nach ihrer Heimkehr in's Vaterland betrifft, so hat man in der Kirche nie daran gezweifelt, wenn die Schriftsteller bemerkten, daß sie ein heiliges Leben bis an ihren Tod geführt und zur Verbreitung des Evangeliums das ihrige beigetragen haben. Der Verfasser des unter den Schriften des hl. Joh. Chrysostomus sich findenden unvollständigen Commentars über den hl. Matthäus sagt, sie seien vom hl. Apostel Thomas in Persien getauft worden und in ihren Gegenden für die Aufnahme des christlichen Glaubens thätig gewesen, woher es auch kommen mag, daß man annimmt, sie seien zu Priestern oder zu Bischöfen erhoben worden. Endlich lesen wir in einem Heiligenkalender von Köln, sie seien, nachdem sie gar viele Mühen und Strapatzen für das Evangelium erduldet hatten, alle Drei im Jahre 54 unsers Herrn in einer Stadt, Sewe mit Namen, zusammengekommen und hätten hier gemeinschaftlich das hl. Weihnachtsfest gefeiert, worauf sie, jeder nach Darbringung des hl. Opfers, gestorben seien, und zwar der hl. Melchior, 116 Jahre alt, [569] am 1. Januar; dann Balthasar, 112 Jahre alt, am 6. Januar, und endlich Caspar, 109 Jahre alt, am 11. Januar. Als man sie nacheinander in ein gemeinschaftliches Grab gelegt habe, sollen sich ihre Leichname einander wunderbarer Weise Platz gemacht haben, so daß der Erste auf die Seite gewichen und dem Zweiten die Stelle an seiner Rechten gelassen habe, und, als der Dritte zu ihnen in's Grab gelegt werden sollte, Beide ihm den Platz in der Mitte eingeräumt haben.14 Demgemäß nähme der hl. Caspar, als der zuletzt Verstorbene, die mittlere Stelle ein zwischen Balthasar zur Rechten und Melchior zur Linken. Ihre heil. Leiber wurden nach einer alten Ueberlieferung von der hl. Helena aus Persien nach Constantinopel gebracht, kamen unter Kaiser Emmanuel (1143 bis 1180) nach Mailand, und nach der Eroberung dieser Stadt durch Kaiser Friedrich Barbarossa im Jahre 1164 nach Köln am Rhein, wo sie in der Domkirche beigesetzt wurden und bis auf den heutigen Tag sich befinden sollen. Wenn Wolfgang Menzel in seiner Symbolik sagt, der Erzbischof Reinald habe sie in Mailand geraubt, so liegen andere Nachrichten vor, nach denen er sie von Kaiser Friedrich zum Geschenke erhalten hat, welches Letztere wahrscheinlicher seyn dürfte. Im Dome zu Köln, wo am 23. Juli das Fest ihrer Uebertragung dahin gefeiert wird, finden sich ihre Reliquien in einem kostbaren Behältniß verwahrt, an welchem ihre Namen mit Rubinen besetzt, die Kronen aber auf den Häuptern nicht mehr ächt seyn sollen. Dennoch soll mannoch 1540 Edelsteine auf dem silbernen und vergoldeten Prachtdeckel und sehr viele Bildwerke daran zählen. – Die Kirche feiert das Andenken der hhl. drei Könige am 6. Jan., ohne indeß in dem Officium und in der Messe eine andere Erwähnung von ihnen zu machen, als insoweit sie auf die Epiphanie (Erscheinung) unsers Herrn Bezug hat; denn diese ist es eigentlich, die am 6. Januar gefeiert wird, und zwar eine dreifache Erscheinung, nämlich a) seine Erscheinung vor der Welt und namentlich der heidnischen Welt, deren Repräsentanten die Magier waren, während er vorher nur gleichsam im Stillen einigen jüdischen Hirten sich gezeigt hatte; b) bei seiner Taufe, wo der hl. Geist in Gestalt einer Taube sichtbar über ihn herabstieg etc.; c) bei der Hochzeit zu Kana, wo er sein erstes Wunder wirkte – welche drei Erscheinungen nach Polemeus Silvius an dem nämlichen Tage, wenn auch in verschiedenen Jahren, stattgefunden haben sollen. (Vgl. Butler I. 120.) – Bollandus, der Gründer unsers großen hagiographischen Quellenwerkes, setzt den hl. Caspar auf den 1. Januar, den hl. Melchior auf den 6. und den hl. Balthasar auf den 11. Januar, weil er der Meinung folgt, daß die Heiligen an diesen Tagen das Zeitliche gesegnet haben. Auf den ältesten christlichen Grabmälern in den Katakomben trugen die drei Weisen nach Wolfgang Menzel drei phrygische Mützen (Tiara) ihrer orientalischen Herkunft gemäß, und zwar ganz so, wie die drei Männer im Feuerofen. In den Kirchenmalereien wurde, sagt Menzel weiter, nach und nach Melchior greisenhaft, aber als weißer Europäer, Caspar in männlicher Reise als brauner Asiat, und zuletzt Balthasar im Jünglingsalter als Mohr dargestellt, doch erst im 15. Jahrhundert; denn früher wurde der dritte König noch nicht als Mohr dargestellt, obgleich die bekannten Psalmstellen und die Stellen bei Isaias, welche dieser Abbildung zu Grunde liegen, auch früher schon darauf hinwiesen. Die kölnische Kirche ließ sie alle Drei stets weiß malen. – Endlich sei noch bemerkt, daß das heil. Dreikönigsfest in der Kirche früher auf eigenthümliche Weise begangen wurde. In älteren Zeiten brachten nämlich an diesem Tage die Fürsten vor dem Altare Opfer dar. Um aber recht viele Könige zu haben, erwählte eine jede Familie sich einen König durch's Loos einer in einen Kuchen gebackenen Bohne. Wer diese Bohne in seinem Antheil fand, war für diesen Tag der König (»Bohnenkönig«) – eine Gewohnheit, die an manchen Orten unter Kindern und Erwachsenen in Familienkreisen noch heute besteht. Auch ging ein schöner Knabe im Gewande eines Engels durch die Strassen, einen Stern auf einem hohen Stabe tragend, und sang ein sogenanntes Dreikönigslied, was ebenfalls an mehreren Orten noch geschieht, namentlich von armen Knaben, welche dann Geschenke erhalten.


Quelle:
Vollständiges Heiligen-Lexikon, Band 1. Augsburg 1858, S. 567-570.
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