Conradus Placentinus, S. (1)

[657] 1S. Conradus Placentinus, Erem. Conf. (19. Febr.). Vom Altd. Kunrad. Chuonrad etc. = nach Einigen der Thatschnelle, Thatkräftige; nach Andern der Rathkundige etc. – Dieser hl. Conrad, ein Eremite des dritten Ordens des hl. Franciscus, wurde zu Piacenza (daher Placentinus) von vornehmen Eltern geboren, und vermählte sich mit einer tugendhaften Jungfrau, Euphrosina mit Namen. Er war ein großer Liebhaber der Jagd. Als er einst das Wild lange vergeblich verfolgt hatte, ließ er das Gesträuch, worin es sich verborgen hatte, anzünden, in Folge dessen der ganze Wald in Brand gerieth. Da nun ein armer Mensch, den man ergriffen hatte, als vermeintlicher Urheber des Brandes zum Tode verurtheilt wurde, gab Conrad, von Mitleid ergriffen, sich selbst vor Gericht als den Schuldigen an, ersetzte den zugefügten Schaden, trennte sich mit ihrer Einwilligung von seiner Gemahlin, die zu Piacenza in den Orden der hl. Clara eintrat, ging nach Rom, wo er den Habit des dritten Ordens des hl. Franciscus erhielt, von Rom sofort nach Sicilien, wo er eine Weile zu Noto (apud Netinos), in der Diöcese Syrakus, bei einem frommen Manne lebte, und zog sich zuletzt auf einen Berg zurück, wo er die strengsten Bußwerke ausübte. Nachdem er sich durch die Gabe der Wunder und Weissagung einen hohen Ruf der Heiligkeit erworben hatte, starb er im Jahre 1351 in seinem 61. Lebensjahre. Sein Leib wurde 134 Jahre nach seinem Tode unversehrt aufgefunden, und geschahen bei seiner Translation viele Wunder, durch welche Papst Leo X. bewogen wurde, den Bewohnern von Noto seine Verehrung zu gestatten, welche später Paulus III. auch auf andere Orte ausdehnte. Obwohl er im Mart. Rom. für die Conventualen, für die drei Orden des hl. Franciscus und für die Capuciner den Titel »heilig« hat, geben ihm die Bollandisten nur den Titel »selig«. Wir glaubten uns jedoch nach dem Mart. Rom. um so mehr richten zu sollen, da er auch in anderen neueren rituellen Büchern als »heilig« bezeichnet wird. Der hl. Conrad wird auf kirchlichen Gemälden dargestellt im Franciscanerhabit, und kleine Vögel um sich, die ihn in der Einsamkeit verehrten. – In mehreren Diöcesen, wie auch in der Diöcese Augsburg, wird sein Fest am 19. Febr. sub ritu semidupl. gefeiert.


Quelle:
Vollständiges Heiligen-Lexikon, Band 1. Augsburg 1858, S. 657.
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