David (8)

[729] 8David, Rex et Propheta, (29. Dec. al. 6. Oct.) Dieser hl. David, der zweite König des auserwählten israelitischen Volkes, und der unübertroffene königliche Psalmist, der den kommenden Erlöser nicht nur in seiner Person vielfach vorbildete, sondern auch viele Umstände seines Lebens, Leidens und Sterbens vorhersagte, war des Jesse (Isai) siebenter und jüngster Sohn, Urenkel des reichen Bethlehemiten Booz (Boas) und der Moabiterin Ruth, welche den Obed, Jesse's Vater, gebar, und stammte in gerader Linie von Nahasson, dem Fürsten von Juda ab (Ruth. 4,17–22; 1. Chron. 2,5. 9–15; 1. Kön. 17,12). Sein Vater Jesse war ein vornehmer Mann in Bethlehem, aus dem Stamme Juda, der auch Heerden hatte, welche David in seiner Jugend weidete, wie das in jenen Zeiten häufig der Fall war. David aber, der um das Jahr 1085 v. Chr. geboren wurde, war schön und wohlgestaltet (1. Kön. 16,11. 12), kundig im Saitenspiel, dabei tapfer und klug (V. 18), und übte schon frühe seinen Heldenmuth an Raubthieren, welche seinen Heerden nachstellten (1. Kön. 17,34. 35; Eccl. 47,3). Noch als »Hirtenknabe« – er mochte damals etwa 20 Jahre alt seyn – wurde er vom Propheten Samuel im Auftrage Gottes zum Nachfolger des Königs Saul gesalbt (1. Kön. 16,1. 3–5. 10–13) und später an den Hof berufen, um des Königs Schwermuth durch sein Harfenspiel zu vertreiben. Dieser gewann ihn lieb, machte ihn zu seinem Waffenträger und fand Erheiterung an dessen Kunst (1. Kön. 16,15. 16–23); beim Ausbruche der Philisterkriege kehrte jedoch David, weil drei seiner Brüder mit Saul in den Streit gezogen waren und der Vater ihn also um so nothwendiger hatte, wieder zu seiner Heerde zurück (1. Kön. 17, 14. 15) und kam erst wieder in das Lager [729] zu seinen Brüdern, als der Riese Goliath Alles in Schrecken setzte (1. Kön. 17, 17–20. 22–27). Nachdem er die Erlaubniß erhalten hatte, mit diesem Riesen den Zweikampf aufzunehmen, trat er ihm mit Schleuder und Hirtentasche entgegen, streckte durch einen Kieselstein den Riesen zu Boden und hieb ihm mit dessen eigenem Schwerte den Kopf ab (V. 26, 31. 32. 36. 37. 40–51. 54; Eccli. 47,4–6). Von diesem Tage an knüpfte Jonathas (Jonathan), der Sohn Sauls, die innigste Freundschaft mit David; Saul aber faßte Argwohn gegen ihn, da er nach dem Siege über Goliath mit geringerm Jubel als David vom Volke empfangen worden war, und es kam so weit, daß er ihn in einem Anfall von Wuth mit dem Wurfspiese durchbohren wollte. An der Spitze einer Kriegsschaar erwarb sich aber David durch tapfere Thaten die Liebe des Volkes, und nach langen Kämpfen endlich die Michol, die Tochter des Königs, welche ihn liebte, zur Frau (1. Kön. 18, 8–12. 13–16. 20–30). Sauls Furcht und Haß aber stieg auf den höchsten Grad, und David wäre wirklich seinem Zorne zum Opfer gefallen, wäre er nicht von Michol und Jonathas gerettet worden (1. Kön. 18,29; 19,1–18). Auf seiner Flucht kam David zuerst zum Priester Abimelech nach Nobe, wurde von diesem mit den Schaubroden gespeist, und erhielt von ihm das Schwert Goliaths. (Cap. 21,1–9). Nach kurzem Aufenthalte in Geth und in Moab (21,10–15; 22,1–4) entsetzte er die Festung Ceila (Keïlah), die von den Philistern belagert worden war (23,1–5), wurde selbst von Saul bedroht, verbarg sich aber mit seinen Getreuen in der Wüste, und entging so glücklich seinen Nachstellungen. Besonders wunderbar war seine Rettung in der Wüste Maon, wo nur ein Berg den Saul mit seinen Kriegern von David trennte, der nur wenige Streiter bei sich hatte. Schon war Saul nahe daran, den David ganz zu umzingeln und zu ergreifen; da kam ein Bote zu Saul mit der Meldung, daß die Philister sich in's Land ergossen. Nun mußte Saul diesen entgegen eilen und so war David gerettet (23,26–28). Diese herrliche Gnadenerweisung Gottes hat David in mehreren Psalmen besungen. Wie sehr David deßungeachtet dem Saul ergeben war, zeigte er bei mehreren Gelegenheiten. So gerieth dieser zweimal (Cap. 24 und 26) in Davids Gewalt, und verdankte nur der Großmuth seines vermeintlichen Feindes das Leben, so daß er, von dieser gerührt, sich mit ihm aussöhnte. Doch die Aussöhnung dauerte nicht lang; denn David sah sich bald wieder genöthigt, die Flucht zu ergreifen. Er kam wieder nach Geth im Philisterlande zum Könige Achis, der ihn mit seinen 600 Getreuen dießmal freundlich aufnahm und ihm die Stadt Siceleg (Ziklag) zur Wohnung anwies, wo er über Jahr und Tag verweilte (Cap. 27). Als er aber dann mit Achis gegen Saul in den Krieg zog, mußte er, weil die Fürsten der Philister Mißtrauen in ihn setzten, wieder nach Siceleg zurück ziehen (Cap. 29). Dort besiegte er die Amalekiter, welche inzwischen Siceleg geplündert hatten (Cap. 30); Saul aber war im Kampfe mit den Philistern unglücklich und stürzte sich in sein eigenes Schwert (Cap. 31). Bald nachher erfuhr David die Nachricht vom Tode Sauls. Es kam nämlich ein Amalekiter zu ihm, der ihm – um sich bei ihm einzuschmeicheln – Saul's Krone und Armspangen brachte und diesen auch getödtet haben wollte. David aber durchschaute ihn und, anstatt ihn zu belohnen, wie er wohl erwartet haben mochte, ließ er ihn tödten, weil er seine Hand an den Gesalbten des Herrn gelegt hatte, während er dagegen mit seinen Getreuen den Tod des Saul und seines Sohnes Jonathan aufrichtig betrauerte und seinen Schmerz in jenes Klagelied ergoß, das uns einen Blick öffnet in seine innerste Seele (2. Kön. 1,1–27). – Nun fanden sich denn bei David nach und nach viele Freunde mit ihren Kriegern ein, welche ihm Hülfe leisteten (2. Chron. 12,1–22). Mit diesen zog er nun auf Gottes Befehl nach Hebron und wurde hier um das Jahr 1055 v. Chr. in einem Alter von 30 Jahren zum Könige von Juda gesalbt (2. Kön. 2,1–4), während der 40jährige Isboseth (Isch-boscheth), ein Sohn Sauls, von dessen Feldherrn Abner zum Könige von Israel erhoben ward (V. 8–10). In dem nun zwischen ihm und Isboseth ausgebrochenen Kriege war das Glück auf David's Seite; Abner selbst mit dem ganzen Stamme Benjamin fiel von Isboseth ab, und als dieser getödtet war,10 kamen alle Stämme [730] Israels nach Hebron, wo sie den David als König von Israel anerkannten und im Jahre 1048 v. Chr in seinem 37. Lebensjahre als solchen salbten (2. Kön. 5,1–5). Nach dieser allgemeinen Anerkennung war seine erste That die Eroberung der Jebusiter-Stadt (Jerusalem), deren Burg Sion (Zijon) er sich zu seiner Residenz auserwählte (5,6–12). Er führte nun wiederholt glückliche Kriege wider die Philister (2. Kön. 5,17–25; 8, 1), bezwang die Moabiter, die Syrer und Edomiter (2. Kön. 8, 2–14); darauf die Ammoniter, und bekam das ganze gelobte Land in seine Hände, so daß er vom Euphrat gegen Norden bis zum rothen Meere gegen Süden herrschte, und auf diese Weise zum Erstenmale die Verheißung in Erfüllung brachte, welche Gott dem Abraham gegeben, daß »sein Same das Land besitzen werde von Aegyptens Strom bis zum Euphrat hin« (1. Mos. 15, 18). Gleich im Anfange seiner Regierung brachte David die seit Heli von Silo (Schiloh) entfernte Bundeslade Gottes, welche zuerst vom Hause des Abinadab zu Gabaa in das Haus des Gethiters Obed-Edom gebracht worden war, von da mit großer Feierlichkeit nach Jerusalem (2. Kön. 6; 1. Chron. 13; 15) und ordnete den Gottesdienst. Er wollte auch dem Herrn einen Tempel erbauen, erhielt aber die Verheißung, daß dieses seinem Sohne aufbehalten sei, dessen Thron Er feststellen wolle bis in Ewigkeit, was zunächst wohl auf Salomon, im höheren Sinne aber auf Christus, den Sohn David's, sich bezieht. Und David pries Gott dafür (2. Kön. 7) und bewies seinen Dank gegen Gott auch dadurch, daß er den Miphiboseth (Mephiboscheth), dem Sohne seines Freundes Jonathas, Alles, was dem Saul eigens gehört hatte, zurück gab und ihn zu Jerusalem an seinem Tische speisen ließ (Cap. 9). – Mitten in seiner Größe fiel aber David, indem er sich und seine Augen nicht bewachend und daher verführt durch die Reize seiner schönen Nachbarin Bethsabee (Bath-Scheba), mit ihr einen Ehebruch beging, und dann auch ihren Mann, den Urias, tödten ließ, den er, um seine Schmach zu bedecken, vom Heere zurückgerufen hatte, der sich aber durchaus nicht dazu bewegen ließ, in sein Haus und zu seiner Frau zu gehen (2. Kön. 11, 1–17). Der reuige David erhielt zwar durch den Propheten Nathan von Gott Vergebung seiner Sünden; aber die angedrohten Strafen blieben nicht aus: der Sohn der Sünde starb (2. Kön. 12), wofür dann von der Bethsabee, die er zur Frau genommen, Salomon geboren wurde; Amnon, ein Sohn David's, entehrte seine Stiefschwester Thamar und wurde dafür von deren Bruder Absalom hinterlistig ermordet (Cap. 13); der wieder begnadigte Absalom empörte sich hierauf wider seinen Vater (Cap. 14), so daß dieser vor ihm fliehen mußte (Cap. 15). Auf der Flucht wurde David von Semei (Schimi), einem Anhänger Sauls, schändlich gelästert, was er im Geiste der Buße ertrug (16, 5. = 12); Absalom aber wurde überwunden und getödtet, was David in große Trauer versetzte (Cap. 18). Wieder in sein Reich eingesetzt, hatte David einen Aufruhr des Seba zu unterdrücken und manche andere Kämpfe, besonders mit den Philistern zu bestehen, nach deren Besiegung er Gott lobte und pries (Cap. 22). Später kam wegen einer Volkszählung,11 die er im ruhmsüchtigen Selbstvertrauen hatte vornehmen lassen, eine große Pest über das ganze Land, welche Tausende hinwegraffte (Cap. 24); lauter Leiden, durch welche er seine Frevelthat büßen mußte. In den letzten Jahren seines Lebens beschäftigte sich David mit den Vorbereitungen zum Tempelbau, kaufte einen Platz dazu, besorgte Arbeitsleute und Material in Menge für seinen Sohn und Nachfolger (1. Chron. 22.) Er zählte die Leviten und wies ihnen ihre Geschäfte an, theilte die Priester in 24 Klassen und bestellte sie zum Dienste, errichtete 24 Sängerordnungen, bestellte Thürhüter, Schatzmeister und Richter (1. Chr. 23). Von den Leviten waren 4000 beschäftigt, am Heiligthume reihenweise wechselnd Gesänge vorzutragen, andere 24,000 dienten den Priestern, 4000 hielten Wache beim Heiligthum und 6000 waren in der Eigenschaft als Schreiber und Richter beauftragt, das Gesetz zu erklären [731] und zu handhaben. Auf einer Volksversammlung stellte er dann seinen Sohn Salomon als seinen Nachfolger vor, übertrug ihm den Tempelbau und übergab ihm Plan und Materialien (1. Chron. 28). Als in seinen letzten Tagen seinem Sohne Adonias nach der Krone gelüstete, ließ er schnell den Salomon zum Könige ausrufen und salben, und starb endlich 70 Jahre alt im J. 1015 v. Chr., nachdem er vom Tode Sauls bis zur Salbung Salomons 40 Jahre – nämlich 7 zu Hebron und 33 in Jerusalem – regiert hatte (2. Kön. 5, 5), und wurde in der Stadt Davids (Sion) begraben (2. Kön. 23, 1–7; 3. Kön. 2, 1–11; 1. Chron. 29, 22–30). – Wir haben noch mehrere Psalmen von ihm, worin Alles, was den Menschen stets demüthiget und erhebt, betrübt und wieder erfreut, tröstet und stärkt, namentlich aber das innigste Gottvertrauen auf unnachahmliche Weise ausgedrückt ist. Von den 150 Psalmen, die auf uns gekommen sind, dürfen 88 als von David selbst verfaßt betrachtet werden, während andere von Moses, Salomon, Asaph, Heman, Ethan und den Söhnen Core herrühren, andere aber gar keinen Titel haben, von denen jedoch sicherlich auch mehrere vom Könige David sind. – Seiner wird auch im Mart. Rom. am 29. Dec. gedacht, und er genoß überhaupt stets große Verehrung in der morgen- und abendländischen Kirche, als der große Ahnherr und Stammvater unsers Herrn und Heilands Jesu Christi, der zugleich sein Sohn und sein Herr ist, als das Vorbild des Messias-Königs, als der theokratische Heldenkönig und Prophet, als ein »Mann nach dem Herzen Gottes,« der zwar, wie jeder Mensch, nicht frei von Sünden und Fehlern war, der aber dieselben auch wieder aufrichtig bereute und es dann an sich selbst erfuhr, daß Gott »ein demüthiges und zerknirschtes Herz nicht verschmäht,« wie er es in seinen Psalmen mit solch freudiger Zuversicht ausspricht, und wie es ihm seit beinahe 3000 Jahren so viele Millionen mit innigem Troste nachgesprochen haben und bis aus Ende der Welt nachsprechen werden.12Gar oft geschah es dann auch, daß der gottbegeisterte Sänger von der individuellen Lage seines inneren und äußeren Lebens Veranlassung erhielt, in prophetischem Blicke auf seinen großen Nachkommen überzugehen; von seinen eigenen Leiden und Drangsalen auf die Schmach und Erniedrigung des Messias-Königs auf Erden; von seinen eigenen königlichen Thaten auf die herrliche Macht des noch größeren Königs, dem da alle Macht gegeben ist im Himmel und auf Erden. – Auf kirchlichen Bildern wird David gewöhnlich abgebildet im königlichen Ornate mit der Harfe; oder es werden andere Scenen aus seinem Leben dargestellt. (El., Calm. etc.)


Quelle:
Vollständiges Heiligen-Lexikon, Band 1. Augsburg 1858, S. 729-732.
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