Esso, S.

[90] S. Esso, (27. Dec.), auch Hesso, vermuthlich Joannes, blühte als Gründer und erster Abt des Benedictinerstifts Beinwill unweit Basel in der Schweiz gegen das Ende des 11. und in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts. Obgleich seine Lebensgeschichte bis dahin noch nie vollständig an das Tageslicht getreten, so können wir dennoch als zuverlässig aus den Jahrbüchern des Klosters Beinwill (jetzt Mariastein), sowie auch aus jenen des Klosters Hirschau zu seinem Lobe und zur größern Ehre Gottes Folgendes anführen. Esso war im Kloster Hirschau unter dem damals berühmten Abte Wilhelm während mehrerer Jahre Großkellner und versah dieses Amt, wie ein solches nur Heilige zu versehen im Stande sind, wofür er auch schon damals sowohl von seinen Obern und Mitbrüdern, als auch von Andern angesehen wurde. Ohne Unterlaß für das Wohl des Gotteshauses mit Martha beschäftigt, horchte er zugleich mit Maria zu den Füßen des Geliebten auf dessen süße Worte. Um das J. 1085 verlangten die Grafen von Sogern von dem Abte Wilhelm von Hirschau einige Geistliche in das von ihnen neu gestiftete Klostet Beinwill, um dort eine Abtei des hl. Benedictus zu gründen. Wilhelm wußte dieses Geschäft keinem Würdigern zu übertragen, als seinem mit allen Tugenden ausgezeichneten Schüler und Großkellner Esso, welchen er mit acht andern Ordensbrüdern dorthin absandte und ihn als den ersten Abt dieses Gotteshauses einsetzte. Daselbst führte er die Klosterzucht nach der Regel des hl. Vaters Benedict ein und erhob durch augenscheinliche Begünstigung des Himmels dieses neue Gotteshaus in zeitlicher und geistlicher Hinsicht während seiner beiläufig. 49jährigen Regierung in den blühendsten Zustand, wie dieses aus den von den römischen Päpsten an seine Nachfolger erlassenen Gnadenbriefen zu ersehen [90] ist. Die Klosterkirche hatte er zur Ehre der seligsten Jungfrau und des hl. Erzmartyrers Vincentius einweihen lassen. Trithemius spendet diesem Diener Gottes großes Lob und sagt ausdrücklich, daß er nach seiner Uebersetzung von Hirschau nach Beinwill in der Heiligkeit des Lebens nicht abgenommen, sondern vielmehr bis zu seinem ums J. 1133 erfolgten seligen Hinscheiden allzeit gewachsen sei und mit Wundern geleuchtet habe. Sein Name wurde von jeher unter den Heiligen im Martyrologium des Klosters Hirschau und in jenem des Klosters Beinwill (jetzt Mariastein) auf den 27. Dec. als an seinem Sterbtage mit folgenden Worten abgelesen: Sanctus Esso in Monasterium Beinvillarense Abbas ascitus. Die Schlüssel, welche ihm die Künstler auf alten Gemälden und bei Statuen geben, wo er eben auch mit dem Schein eines Heiligen dargestellt wird, deuten auf sein Großkelleramt in Hirschau hin. In einer ziemlich alten Urkunde von Beinwill findet man, wie es keine neue Vermuthung sei, daß Esso mit dem Grafen von Ensisheim, einem der Mitstifter des Klosters Beinwill, und folglich mit dem hl. Papste Leo IX. in Verwandtschaft gestanden sei. Auch finden sich Gründe, zu glauben, daß er mit dem seiner hohen Tugend wegen rühmlichst bekannten Friedrich, nachher Abt in Hirschau, in seiner Jugend von Maria Einsiedeln nach Hirschau gekommen sei. (C. M.)


Quelle:
Vollständiges Heiligen-Lexikon, Band 2. Augsburg 1861, S. 90-91.
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