Eustachius, SS. (4)

[128] 4SS. Eustachius (Eustathius), Theopista, Agapius et Theopistus, MM. (20. Sept., al. 2. Nov.) Dieser hl. Eustachius ist einer der 14 Nothhelfer und war im Mittelalter hoch gefeiert. Im Heidenthum geboren und erzogen führte er den Namen Placidus (Placidas), und zeichnete sich als Krieger in römischen Diensten dergestalt aus, daß er sich die Würde eines hohen Officiers erstritt, und die Gunst der Kaiser Titus und Trajan in hohem Grade genoß. So tapfer als Krieger, so mild und sanft war er im Umgange mit dem Nächsten, besonders mit den Armen, deren großmüthiger Wohlthäter er war, an denen er mit seinem Reichthum sich Freunde für den Himmel erwarb. Er ehelichte Trajana, eine der schönsten und wohlhabendsten Frauen Rom's, die ihm zwei Söhne gebar. Die Legende erzählt nun von dieser heidnischen Familie also: Das Waidwerk liebend, zog einst der Vater nach seiner Gewohnheit mit vielem Gefolge auf die Jagd und sah einen außerordentlich großen und schönen Hirschen. Er jagte ihm nach und verfolgte ihn, von seinen Leuten sich trennend, allein bis in das tiefste Dickicht des Waldes. Da blieb der Hirsch auf einem Felshügel stehen; betrachtend stand Placidus ihm gegenüber. Während er nun das Thier so betrachtete, bemerkte er zwischen dem hohen Geweihe desselben eine wunderbar glänzende Kreuzesgestalt mit dem Bilde des Heilandes, der zu ihm sprach: »Placidus, warum jagest du auf mich? Glaube an mich, der ich Christus bin und lange nach dir gejagt habe. Geh' zum Bischof der Christen und lasse dich taufen; denn weil du Almosen spendest und Barmherzigkeit übest, will ich dir auch barmherzig seyn.« Placidus ließ sich unterrichten und taufen, wobei er den Namen Eustachius erhielt. Seine Frau und Kinder empfingen die gleiche Gnade; jene wurde Theopista genannt, diese erhielten die Namen Agapius und Aheopistus. In jener Erscheinung wurde dem Eustachius auch angekündet, daß er sich als Christ auf viele Leiden gefaßt halten müsse, aber auch des göttlichen Beistandes versichert seyn dürfe. Bald verlor er durch verschiedene Unglücksfälle sein Hab und Gut, worauf er arm wie ein Bettler zum Wanderstab griff, um dem Spotte der Welt zu entfliehen. Da beschloß er nach Aegypten zu ziehen, und bestieg auch wirkli ch mit den Seinen ein Schiff. Als er aber bei der Landung das Fahrgeld nicht zu erlegen vermochte, entriß ihm der Schiffsherr seine schöne Gattin mit Gewalt und führte sie mit sich fort. Eustachius mußte der Gewalt weichen, setzte schmerzerfüllt über diesen Verlust mit seinen zwei Knaben die Reise fort und kam zu einem durchwatbaren großen Wasser. Er nahm den einen Knaben auf den Rücken und trug ihn hinüber; während er aber den andern holen wollte, trug ein Wolf den einen und ein Löwe den andern davon. Ohne Frau, ohne Kinder, trost- und hilflos, aber ergeben und vertrauend dem Herrn, kam er in den Flecken Badyssus und wurde von einem bemittelten Landmann zur Bewachung seiner Aecker aufgenommen, welchen Dienst er 15 Jahre lang mit Fleiß und Treue versah. Indeß beklagten der Kaiser und die Soldaten den Verlust des erprobten Feldherrn, dessen Schwert so oft die Feinde gedemüthigt. Als einst Einige von des Eustachius ehemaligen Soldaten, die im kaiserlichen Auftrag ihn suchten, diesen zu Badyssus trafen und an einer Wunde im Nacken erkannten, führten sie ihn zum Kaiser zurück, welcher ihn in all seine [128] Würden wieder einsetzte. Bald darauf mußte Eustachius mit frischgeworbenen Truppen ins Feld ziehen, die er aber auch bald wieder im Triumphe nach Rom zurückführen durfte. Beim ersten Nachtlager trafen sich im Hause eines wohlhabenden Mannes zwei junge Hauptleute, die beide durch glänzende Tapferkeit sich ausgezeichnet hatten. In Gegenwart einer sie bedienenden Frau, die sonst als Gartenhüterin aufgestellt war, erzählten sich die jungen Krieger, vom Weine gesprächig geworden, ihre Erlebnisse von Kindheit an, was sie von Vater und Mutter noch wußten oder von ihren Pflegeeltern gehört hatten, und siehe da, sie erkannten sich als Brüder. Während sie einander in die Arme fielen und herzlich küßten, brach die Frau in Thränen aus und rief: »Wenn ihr Brüder seid und Agapitus und Theopistus heißet, dann bin ich Theopista, eure Mutter.« Bald war nun auch Eustachius erkannt; denn wie die durch die Auffindung ihrer Kinder hochbeglückte Mutter vor den Feldherrn mit der Bitte trat, daß sie unter seinem Schutze in ihre Heimath, das Land der Römer, zurückkehren dürfte, entdeckte sie im Feldherrn ihren Gatten und er in ihr seine Gemahlin. Diese erzählte ihm, daß der Schiffsherr, der sie so grausam von einander gerissen, eines plötzlichen Todes gestorben sei, worauf die Matrosen sie als Sklavin verkauft hätten, als welche sie jedoch durch Gottes Schutz von jedem Manne unberührt geblieben sei. Theopista ward sogleich von ihrem Herrn freigegeben, und folgte hocherfreut, und die Wege der Vorsehung anbetend, ihrem Gemahle Eustachius und ihren Söhnen nach Rom. Als Eustachius nach Rom kam, war Kaiser Traian gestorben und Hadrian an seine Stelle erhoben. Dieser empfing mit allen Ehren den siegreichen Feldherrn. Zum Dank für den Sieg zog Hadrian in den Tempel des Apollo, um hier Opfer zu bringen. Der Feldherr begleitete indessen den Zug nur zur Pforte des Tempels und bedeutete dem Kaiser, daß er Christ sei. Als der Kaiser überdieß noch erfuhr, daß die ganze Familie dem christlichen Bekenntnisse anhange, ließ er, vergessend alle Dankespflicht, Eustachius und die Seinigen einem Löwen vorwerfen, und weil dieser die Heiligen nicht anrührte, ja nur schmeichelnd ihnen die Hände leckte, in einen glühenden Ofen oder in einen aus Erz geformten Stier stecken, worin sie zwar den Tod fanden, jedoch ohne daß ihnen nur ein Härchen versengt wurde, was um das Jahr 118 geschah. – Diese Legende mag immerhin erst mehrere Jahrhunderte nach dem Martyrthum des hl. Eustachius verfaßt worden seyn; sie ist jedoch sehr alt, und erzählt die Erscheinung mit dem Hirsche in ähnlicher Weise schon Johannes von Damascus, der im 8. Jahrhundert lebte und einer der berühmtesten Kirchenväter dieser Zeit war. Das ursprünglich Wahre an jener Legende mag Folgendes seyn: Eustachius, ein hoher römischer Officier, ist durch Gottes barmherzige Fügung zur Gnade des christlichen Glaubens gekommen, vielleicht auch durch die erwähnte Vision, hat im Kriege Frau und Kinder verloren, und später sie wieder gefunden, und ist zuletzt um Christi willen mit ihnen gemartert worden. Der hl. Eustachius wird abgebildet als Jäger in grünem Anzug, mit Spieß, Jagdhorn etc., einen Hirschen zur Seite mit einem Crucifix zwischen den Geweihen. Oefters hält er nur einen Hirschkopf oder ein Hirschgeweih, und dann erscheint er als Krieger. Ist ein glühender Ofen neben ihm, so wird damit sein Martyrtod angedeutet. Einige Bilder dieses Heiligen zeigen, wie er mit seiner Familie im Amphitheater vor wilden Thieren steht und der Kaiser auf erhöhtem Throne sitzt, um dem blutigen Schauspiele zuzusehen; andere, wie er mit den Seinen in einen glühenden Ofen geworfen wird. – Der hl. Eustachius ist Patron der Jäger und der Stadt Madrid. Das Mart. Rom. gedenkt seiner am 20. Sept. Surius hat ihn am 2. Nov. Das röm. Brevier feiert sein Fest auch am 20. Sept. sub ritu dupl. (Sept. VI. 106. Sur. 30.)


Quelle:
Vollständiges Heiligen-Lexikon, Band 2. Augsburg 1861, S. 128-129.
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