Galterius, S. (1)

[348] 1S. Galterius, Abb. (8. April, al. 4. 30. Mai). Dieser hl. Galterius wird auch Galterus, Gautexus, Gualterus, Galberius und Walter (frz. St-Gautier) genannt. Er war zu Aindainville (Andainvilla) bei Vallery an der Somme (Picardie) geboren. Er bekam eine gute wissenschaftliche Ausbildung, welche er durch den Besuch mehrerer Anstalten möglichst zu erweitern bestrebt war. Als die Zeit kam, einen bestimmten Lebensberuf sich zu erwählen, trat er ins Kloster Rebais (Resbacum), welches der hl. Audoënus im siebenten Jahrhundert15 gegründet hatte. Die erste That, welche von ihm berichtet wird, ist die Befreiung und Erquickung eines armen Menschen, der vom Vorsteher des Klosters Schulden halber eingezogen und dem Hungertode nahe war. Dafür mußte der Heilige mit Schlägen und Geißelstreichen büßen. Bald darauf that sich in Pontoise (Pontisara) zusammen der Oise eine neue geistliche Genossenschaft zusammen, welche den hl. Martinus zum [348] Patron wählte. Dem neuen Kloster (S. Martini) wurde nun der hl. Galterius als Abt vorgesetzt. Nur nach langem Zögern willigte er ein. Es war unter der Regierung Philipps I. (seit dem J. 1060), der diese neue Stiftung der Grafen von Amiens und Pontoise unter seinen Schutz nahm. Der Heilige führte seine Vorstandschaft mit Weisheit und Kraft; dennoch genügte er weder sich. nech Antern, und floh endlich, dem Drange seines Gewissens folgend, nach Clugny, »wo damals eine bessere Tugendschule bestand,« und der hl. Abt Hugo (29. April) durch Wort und Tigi seinen Untergebenen den Weg der Vollkommenheit wies. Doch wurde er von seinem Koster wieder zurückverlangt, ein Begehren, in welches der Abt von Clugny willigen mußte, obwohl er den eifrigen Mann höchst ungern entließ. Sein Streben nach Vollkommenheit wuchs indeß von Tag zu Tag; er sehnte sich nach der Stille einsiedlerischen Lebens. Darum schloß er sich, nahe bei seinem Kloster, in eine Kryppta, wo er lange Zeit verblieb. Doch entbehrte er je länger desto mehr auch in der Nause die ihm nothwendige Ruhe, weßhalb er auf eine Insel in der Nähe von Tours sich zurückzog. Ein paar Züge aus dieser Zeit seines Lebens schildern am besten den wahren Jünger Jesu. Einst kam ein Armer zu ihm, den seine Gläubiger drängten, und bat ihn um Hilfe; der heil. Abt hatte nichts Werthvolles als seine Bücher, die er ihm zum Einsatze für seine Schulden mitgab. Ein andermal verschenkte er mitten im Winter seine Tunica, um einen Bettler mit derselben zu kleiden. Es schien aber, daß die Stiftung zu Pontoise ohne ihn nicht bestehen könne; denn kaum war er abgezogen, als Geistliches und Weltliches in die größte Verwirrung gerieth. Davon benachrichtigt, kehrte er zurück, stellte die Ordnung wieder her und begab sich hierauf nach Rom, um von Papst Gregorius VII. (25. Mai) die Enthebung von der Abtswürde sich zu erbitten. Er empfing dafür die Ermahnung, die ihm anvertraute Heerde getreu zu hüten und von diesem Entschlusse nicht mehr abzuweichen. Nach seiner Heimkehr gab ihm der Herr Gelegenheit, für seinen Namen zu leiden. Indem er die damals übliche Investitur für Simonie erklärte und zugleich die Gläubigen von der Pflicht, Messe zu hören, freisprach, wenn ihr Seelsorger ein Concubinarius wäre, beleidigte er den König und regte die verdorbene Geistlichkeit wider sich auf. Darum ward er ins Gefängniß geworfen. Durch Dazwischenkunft und Verwendung guter Freunde erhielt er jedoch die Freiheit wieder, worauf er in seiner Zelle noch mehr als früher durch Gebets- und Bußeifer sich hervorthat. Eines Tages hatte er eine Erscheinung der seligsten Jungfrau, die ihn ermahnte, zu Bertolcurtium (im Bisthume Amiens) ihr zu Ehren ein Frauenkloster zu gründen. Er fand anfänglich Widerstand, bis zwei vornehme Frauen, Godelindis und Helwigis mit Namen, hier eine Kirche erbauten, die Wälder ausrotteten und sich mit mehreren andern der Regel des hl. Benedict unterwarfen. (Diese Abtei wurde im J. 1642 nach Abbeville versetzt.) Ins Kloster zurückgekehrt, übte er eine so große Strenge gegen sich, daß er von seinen Brüdern Geißelstreiche begehrte und nicht eher mit Bitten und Thränen nachließ, bis sie ihn erhörten. Er predigte auch fleißig und eiferte mit apostolischem Freimuthe gegen die Laster der Vornehmen. Eine adelige Dame, die am Palmsonntag mit so langer Schleppe in der Kirche erschien, daß sie den Staub aufkehrte und die Augen der Umstehenden belästigte, ließ er hart an und nannte sie eine »Dämonische«, worauf die Frau erklärte, sie werde am nächsten Sonntag mit noch größerm Pomp erscheinen. »Ja,« sprach der Heilige, »Sie werden kommen, aber ganz anders als heute.« Am andern Tag ergriff ihn ein heftiges Fieber, in welchem der Heilige seine letzte Krankheit erkannte. Er empfing also die heil. Sacramente und verschied am heil. Charfreitag selig im Herrn. Jene Frau aber wurde am Ostersonntag vom bösen Feinde ergriffen und hart gequält, bis man sie zum Grabe des hl. Galterius brachte, durch dessen Fürbitte sie befreit wurde. Sein Todesjahr läßt sich nicht bestimmt angeben; es fällt übrigens in das Ende des 11. Jahrhunderts. Am 4. Mai wird seine Translation begangen, da am 3., wo sie stattfand, das Fest der Erfindung des heil. Kreuzes einfällt. Da ferner der Todestag des Heiligen meistens in die Char- oder Osterwoche fällt, ist an einigen Orten der 30. Mai zu seiner Verehrung bestimmt. Im Mart. Rom. ist sein Name nicht. (I. 753–768.)


Quelle:
Vollständiges Heiligen-Lexikon, Band 2. Augsburg 1861, S. 348-349.
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