Hermannus (20)

[672] 20Hermannus, (15. Juli), der 30. Abt von Niederaltaich in Niederbayern, ein strenger Eiferer klösterlicher Zucht, aber dabei ein Erweiterer und Verschönerer des ihm anvertrauten Hauses. Dieser Geist der Ordnung hatte zur Folge, daß nun aus dem Stifte oft Mönche als Aebte in andere Klöster postulirt wurden, z. B. nach Formbach, Oberaltaich, Prül, Aschbach, Biburg etc. Geboren im J. 1200, wurde er nach Lackner (Memoriale ... pag. 86) am 27. Oct. 1242 einstimmig zum Abt erwählt und am 9. Nov. 1243 von dem Bischof Rudiger von Paßau in der Kirche des hl. Antonius in Wien, welches damals noch zur Diöcese Paßau gehörte, geweiht. Es würde uns zu weit führen, wenn wir auch nur einen kurzen Ueberblick dessen geben wollten, was er während seiner 30jährigen Regierung zum Besten seines Klosters etc. gethan hat. Nur das Vorzüglichste soll angegeben werden. Vor Allem suchte er unter dem Schutze des Herzogs Otto II. des Erlauchten die Wuns den zu heilen, welche dem Kloster von verschiedenen Verfolgern, namentlich von dem Grafen Albert von Bogen, geschlagen worden waren. Dann stellte er verschiedene Bauten her und lenkte die Donau, welche dem Kloster oft großen Schaden machte, in ein anderes Bett. (Vgl. S. Godehardus). Zum Besten der Seelsorge errichtete er neue Pfarreien in Aicha, Thundorf, Zell und Zeholfing; auch ließ er den Pfarrhof in Isarhofen neu herstellen und viele Streitigkeiten bezüglich der Zehenten etc. ausgleichen. Mehreren Adeligen verlieh er Lehengüter (feuda), namentlich den Herren von Frauenberg und Frauenhofen, Weichs, Ahaym, Wartenberg, Reysach etc. Wegen seiner vortrefflichen Eigenschaften, welche besonders sein Kaplan Heinrich Stero schildert, war er sehr beliebt am Hofe des Herzogs Heinrich von Niederbayern. Vorzüglich berühmt ist er aber durch seine Schriften. Er brachte nämlich 1) mehrere Urkunden seiner Zeit in einen Codex, der im J. 1771 in den Monumentis Boicis (Vol. XI.) abgedruckt wurde, von welchem aber das Original nach W. W. (K.-L. V. 114) jetzt im geheimen Hausarchiv zu Wien sich befindet. Auch schrieb er 2) Annalen, welche die Jahre 1152–1273 umfassen und die Hauptquelle der Geschichte Bayerns und Oesterreichs in jenem Zeitraum bilden. Die Urschrift derselben benützte Aventin im J. 1517 noch im Kloster; sie war aber bereits im J. 1679 auf der Hofbibliothek in Wien. – Da seine Kräfte gebrochen waren, resignirte er sein Amt am 12. März 1273 und starb endlich nach langen Leiden ganz abgezehrt am 31. Juli 1275 in einem Alter von 75 Jahren. Er wurde in der Klosterkirche am südlichen Chore begraben. Sein Nachfolger hieß Albinus. Warum er in Bucelin's Supplement am 15. Juli steht, können wir nicht angeben. †


Quelle:
Vollständiges Heiligen-Lexikon, Band 2. Augsburg 1861, S. 672-673.
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