Leonorius, S.

[780] S. Leonorius, (1. Juli), auch Lunarius, franz. St-Léonore oder Lunaire, ein Bischof in der Bretagne, aber ohne bestimmten Sitz, stammte nach den vorliegenden, übrigens von den Bollandisten als sehr verdächtig bezeichneten Acten, die mit sehr vielen an ihm und durch ihn gewirkten Wundern ausgeschmückt sind, aus einer adeligen Familie Britanniens. Sein Vater hieß Hoeloc (Eloe) und seine Mutter Almapompa. Die Geburt und der Name ihres Sohnes war ihnen durch einen Engel vorausverkündet. Im fünften Jahre seines Lebens wurde er dem berühmten Lehrer Heltutus (s. S. Iltutus) übergeben, wo er durch besondere Fügung Gottes in 3 Tagen Lesen und Schreiben lernte und täglich an Wissenschaft und Tugend auf eine bewunderungswürdige Weise zunahm, so daß von nah und fern das Volk herbeiströmte, um ihn zu sehen, und zugleich Geschenke brachte, die er aber unter die Armen austheilte. Als er 15 Jahre alt war, wünschten die Bewohner jener Gegend einstimmig, daß der hl. Leonorius zum Bischofe geweiht werde. Während nun der hl. Dubricius mit zwei anderen Bischöfen ihn weihte, soll eine Taube sich auf seine rechte Hand niedergelassen haben und bis zum Ende der hl. Handlung dort gebli eben seyn. Da einmal die evangelischen Worte, in welchen Christus denen, die um Seinetwillen Hab und Gut, Vater und Mutter etc. verlassen, eine 100fältige Belohnung und einst das ewige Leben verspricht (Matth. 19,29), vor ihm gelesen wurden, entschloß er sich, sein Vaterland zu verlassen und anderswo das Evangelium zu verkünden. Er schiffte daher, wie der hl. Gildas1 und so viele andere Britten, mit 73 Schülern, nach Gallien über und errichtete daselbst in der Bretagne (Britannia minor), der alten Landschaft Armorica, ein Kloster zwischen den Flüssen Rance und Arguenon. Das erforderliche Landstück hiezu hatte ihm nach Migne und Butler (IX. 11) der Herr des Landes, welcher in den Acten Rigualdus, bei Lobinäus aber Jonas heißt, geschenkt. König Childebert schätzte ihn sehr hoch wegen seiner Tugenden und lud ihn sehr dringend ein, zu ihm nach Paris zu kommen. Der Heilige folgte der Einladung des Fürsten, der ihn, wie auch die Königin Ultrogotha, seine Gemahlin, mit allet Ehrfurcht empfing. Als sein Gönner Jonas durch Conomor (Commorus sive Comorrns) seines Lebens und seiner Besitzungen beraubt wurde, ließ er den Sohn [780] desselben, Namens Judual, nach Großbritannien übersetzen. Judual kam später wieder zurück und erlangte die Herrschaft seines Vaters. Was weiter mit dem hl. Leonorius geschah, ist leider in den Acten nicht gesagt, so wie auch die Zeit seines Todes ganz unbekannt ist. Jedenfalls fällt seine Wirksamkeit in's 6. Jahrh. Sein Leib ist in eine Pfarrkirche bei St. Malo, die noch setzt St. Lunaire heißt, übertragen worden. Man zeigt da sein leeres Grabmal und seine in einem Kästchen eingeschlossene Reliquien. Unter dem Herzog Hugo wurden die Reliquien des hl. Leonor vom hl. Bischof Salvator von Aletha mit mehreren andern Reliquien der Bretagne'schen Heiligen um das J. 960 nach Paris gebracht, der größere Theil aber dann nach Beaumont (Bellus mons) an der Isère in der Diöcese Beauvais, wo die Kirche des dort bestehenden Priorates seinen Namen trug. Das Fest seiner Uebertragung wird am 13. October begangen; sein Hauptfest aber wird am 1. Juli in verschiedenen Diöcesen der Bretagne gehalten, wo er der Schutzpatron von mehreren Kirchen ist. (J. 118–125).


Quelle:
Vollständiges Heiligen-Lexikon, Band 3. Augsburg 1869, S. 780-781.
Lizenz:
Faksimiles:
780 | 781
Kategorien: