Malachias, S. (2)

[59] 2S. Malachias, Ep. Conf. (5. al. 1. und 3. Nov., 18. Mai). Dieser hl. Malachias, englisch Malachy, »der Reformator des irischen Kirchthums« (Hefele, Conc.-Gesch. V. 467), war Erzbischof von Armagh und Bischof von Connor und Down. Er wurde wahrscheinlich im J. 1094 in Armagh geboren und erhielt eine dem angesehenen Range seines Hauses entsprechende Bildung und Erziehung. In der hl. Taufe erhielt er (Butler, engl. Ausg. XI. 52) den Namen Maol-Maodhog, d.h. Verehrer, Tonsurirter Maodhogs, des am 31. Jan. verehrten Bischofs von Ferns. Sein Geschlechtsname war O'Morgair. Wie seine Erziehung beschaffen war, erzählt uns seine vom hl. Bernhard verfaßte Lebensbeschreibung in den kurzen Worten: »in der Schule lernte er die Schrift, zu Hause die Gottesfurcht.« Letztern Unterricht besorgte seine Mutter. Das Knaben- und Jünglingsalter durchlebte er in Einfalt und Reinigkeit, und »wie sein Alter, so wuchs auch seine Weisheit und Liebenswürdigkeit.« Obwohl er den Uebungen der Frömmigkeit, dem Beten und der Abtödtung eifrig ergeben war, bemühte er sich dennoch, dieselben vor der Welt zu verbergen. Deßhalb verweilte er nicht länger in der Kirche, als es ohne Aufsehen geschehen konnte. Oefter aber fand man ihn an einsamen Orten der Betrachtung und der Beschaulichkeit obliegend. Als er mit den Jahren hierin immer weiter ging, mußte er öfter den Vorwurf der Trübsinnigkeit, der Menschenscheu, der Kopfhängerei anhören. Derlei Urtheile glaubte er als eine Schule der Demuth betrachten zu müssen, setzte sich aber im Uebrigen muthig darüber hinweg. Unter der Leitung des frommen Reclusen Imarius (Imarus), welcher in der Zelle nahe an der Cathedrale ein abgetödtetes und einsames Leben führte, lernte er immer mehr die Welt, ihre Ehren und Freuden gering schätzen. Viele junge Leute folgten seinem Beispiele. Sein Jugendleben war der Art, daß der hl. Bernhard das Wort des Propheten: »Es ist dem Menschen gut, wenn er des Herrn Joch von Kindheit trägt« auf dasselbe anwendet. Es bildete sich eine Art geistliches Seminar, in welchem Malachias einer der frömmsten und eifrigsten Zöglinge war. Ungeachtet er sich in großer Demuth aufrichtig weigerte, die heiligen Weihen zu empfangen, ertheilte ihm der Erzbischof Celsus (Ceallach) die Priesterweihe, obwohl er das hiezu damals erforderliche Alter (30 Jahre) noch nicht erreicht hatte. Bezeichnend für seine Geistesrichtung und tiefe Frömmigkeit ist es, daß er die Beerdigung armer Todten, als er noch Diacon war, als liebstes Geschäft übte. Der Bischof übertrug ihm das Predigtamt auf dem Lande und autorisirte ihn zur Abstellung verschiedener Uebelstände und Mißbräuche. Namentlich hatte er abergläubische Meinungen, Teufelsspuck, Feindschaften, Rohheit und Zügellosigkeit der Sitten zu bekämpfen. Bischof Malchus5 von Lismore (s.d.), früher Ordensmann zu Winchester, war ihm hiebei Freund und Rathgeber. Der Erfolg war groß, und nach den Worten des hl. Bernhard dem Feuer in den Dornen zu vergleichen. Er führte in den Kirchen den regelmäßigen Psalmengesang, die römische Liturgie und die canonischen Tagzeiten wieder ein; ebenso »den heilsamen Gebrauch der Beichte, das Sacrament der Firmung und die priesterliche Einsegnung der Ehe, was sie alles entweder nicht wußten oder verabsäumten.« Das einst so berühmte vom hl. Comgall im J. 550 gegründete, nun aber seit der im 9. Jahrh. erfolgten Invasion der Dänen, welche in [59] Irland über 900 Mönche tödteten, zerfallene Kloster Benchor34 (Bangor) stellte er her, und verrichtete bei dieser Gelegenheit sein erstes Wunder. Als er nämlich eines Tages mit den Zimmerleuten arbeitete, lief ein Mann unvorsichtiger Weise mitten unter dem Ausholen an ihm vorüber, so daß er anscheinend tödtlich getroffen (sein Kleid war von oben bis unten geschlitzt) zu Boden stürzte. Um so größer war das Erstaunen der Umstehenden, als sie den Mann frisch und unverletzt sich wieder erheben sahen. Aber der äußere Bau genügte ihm nicht. Es lag ihm daran, auch im Innern die alte Zucht, Wissenschaft und Frömmigkeit wieder herzustellen. Deßhalb stand er selbst eine Zeit lang dem Hause vor, und war – nach den Worten des hl. Bernhard – durch seinen Wandel ein stets offenes Buch, eine lebendige Regel, aus welcher Alle die wahren Grundsätze der Vollkommenheit lernen konnten. Bald darauf wurde er, obwohl erst dreißig Jahre alt, zum Bischof von Connor erhoben. Als solchen nennt ihn das Martyrologium der Benedictiner. Es bedurfte aber, um ihn zur Annahme zu bewegen, eines förmlichen Befehls seines Erzbischofs. Sich selbst und der Welt abgestorben, hörte er in allen Dingen nur Gott und den göttlichen Willen. So schwer ihm die neue Würde wurde, so gerne unterwarf er sich derselben, da er erkannte, daß sie mehr Leiden als Ehrenbezeugungen mit sich führe. Man konnte in ihm seit jener Zeit zwei Personen unterscheiden, den Bischof und den einfachen Christen. Wer ihn in seinen amtlichen Verrichtungen sah, hätte glauben mögen, daß er nur für Andere, nicht für sich selbst lebte; und wer seine Zurückgezogenheit und seine beständige Geistessammlung sah, konnte denken, daß er einzig für Gott und sich selbst lebte. Bei aller Aufmerksamkeit, die er auf seine äußere Thätigkeit verwendete, blieb er innerlich stets gesammelt. In seinem neuen Wirkungskreise fand er fast lauter Namenchristen, die an Lasterhaftigkeit die Heiden beinahe übertrafen. Innere Unruhen, Mord und Gräuel aller Art lasteten auf dem unglücklichen Volke. Gleichwohl war er fest entschlossen, keine Mühe zu sparen, um diese Wölfe in Schafe zu verwandeln. Er predigte mit apostolischem Freimuthe, wobei er den wohlbedachten Ernst mit kluger Sanftmuth milderte. Fand er keine Zuhörer in den Kirchen, so suchte er sie auf den Straßen und in den Häusern. Er besuchte, immer zu Fuß gehend, die entlegensten Weiler und Ortschaften des Bisthums und trug geduldig Unbilden und Beleidigungen jeder Art. Die Eroberung und Verwüstung der Stadt Connor durch einen nordischen König nöthigte ihn, sich in die Einsamkeit des Klosters Ibrac zurückzuziehen, wo er längere Zeit allen seinen Mitbrüdern, 120 an der Zahl, in heiliger Armuth und ächtem Bußgeiste voranleuchtete. Der Erzbischof Celsus, welcher ihm auch die bischöfliche Weihe ertheilt hatte, bestimmte ihn vor seinem Tode zum Nachfolger. Ungeachtet er canonisch gewählt wurde, konnte er gleichwohl nicht durchdringen. Erst regierte oder vielmehr zerfleischte ein gewisser Mauricius die Kirche von Armagh noch fünf Jahre lang. Er glaubte, nach einem bereits eingebürgerten Mißbrauche, als nächster Verwandter des verstorbenen Erzbischofs sich hiezu berechtigt und scheint auch großen Anhang gehabt zu haben, da der hl. Malachias ungeachtet der vorausgegangenen canonischen Wahl seine Rechte, ohne große Unruhen und selbst Blutvergießen fürchten zu müssen, nicht geltend machen konnte. Eine Synode unter dem Vorsitze des Bischofs Gilbert von Limerick bedrohte ihn mit dem Banne, wenn er die Verwaltung seiner Kirche nicht antretenwürde. Er durfte es aber nicht wagen, so lange Mauricius lebte, nach Armagh zu kommen. Dabei setzte er die Bedingung, daß er wieder zu seiner ersten Braut, der Kirche von Connor, zurückkehren dürfe, sobald der Friedein Armagh hergestellt und das Nothwendigste geordnet sei. Auch nach dem Tode des Mauricius fand er in Armagh noch Widerspruch und hatte mit dem von diesem ernannten Verwandten desselben, Nigellus mit Namen, um den erzbischöflichen Sitz zu kämpfen. Allein König Cormac und die Bischöfe des Landes standen fest zu ihm, und so wurde er endlich im J. 1133 als einzig rechtmäßiger Metropolit anerkannt. Als er von diesem Amte Besitz ergriff, stand er in der schönsten Manneskraft, in einem Alter von 38 Jahren. Drei Jahre lang wirkte er mit größtem Eifer; aber nachdem er den Frieden hergestellt, die Verhältnisse geordnet und sich mit Zustimmung der übrigen Bischöfe und des Clerus in der Person eines gewissen Gelasius einen Stellvertreter geweiht hatte, ging er wieder nach [60] Connor zurück, für welches er bald hernach einen eigenen Bischof weihte, während er, dem Drange der Demuth nachgebend, nur den kleinern, bis dahin mit Connor vereinigten Sprengel von Down für sich behielt. Die Armuth liebte er aber nicht bloß für sich, sondern auch in Andern, als Mittel, seine Verdienste zu vermehren: »arm für sich«, sagt der hl. Bernhard, »war er reich für die Armen.« Im J. 1139 machte er, um für mancherlei von ihm getroffene Einrichtungen die päpstliche Gutheißung und für die Metropolitan-Sitze von Armagh und Tuam (letzterer sollte neu gegründet werden) das Pallium zu erlangen, eine Reise nach Rom. Auf derselben schloß er zu York mit dem frommen Priester Sycar und zu Clairvaux mit dem hl. Abte Bernhard innige Freundschaft. Von dem wundervollen Geiste der Frömmigkeit und dem strengen Bußernste, von welchem er ihn selbst und die unter ihm stehenden Mönche durchdrungen fand, wurde er so ergriffen, daß er ernstlich gesonnen war, seine Tage wo möglich in ihrer Gesellschaft zu beschließen. Wirklich bat er den Papst Innocenz II. um die Erlaubniß hiezu, erhielt sie aber nicht. Vielmehr wurde er zum päpstlichen Legaten für ganz Irland ernannt. Dafür ließ der Heilige vier Irländer in Clairvaux zurück, welche daselbst die Gelübde ablegten und dann den Orden des hl. Bernhard in ihr Vaterland verpflanzten. Der hl. Malachias stiftete hier das Cistercienser-Kloster Mellifont, aus welchem später mehrere andere hervorgingen. Der apostolische Mann hielt Synoden, predigte, erbaute und restaurirte Kirchen und Klöster und war unablässig thätig zum Heile der Seelen. Unter den von ihm erbauten Kirchen ist vorzüglich die von Benchor zu nennen, da sie durch ihre ungewöhnliche Größe und Schönheit allgemeine Bewunderung erregte. Die Cathedrale von Down erfuhr einen so gründlichen Umbau, daß er einem Neubau gleichkam. Von den Wundern, die der Heilige wirkte, sagt der hl. Bernhard: »Es fehlte ihm nicht die Gabe der Weissagung und der Offenbarung, nicht die Gabe der Bestrafung der Gottlosen, nicht die Gabe der Krankenheilung, der Umwandlung des Gemüthes u. der Todtenerweckung.« Ein Kranker wurde durch den Genuß der Speise, die er ihm zugesendet hatte, gesund. Eine Frau, die am Brustkrebs krank lag, heilte er durch Besprengung mit geweihtem Wasser. Eine andere Frau, welche ohne die letzte Oelung empfangen zu haben, gestorben war, kam durch sein Gebet wieder zum Leben. Noch einmal, im J. 1147, kam der Heilige nach Frankreich. Seine Absicht war, vom Papste Eugen III., welcher sich dort aufhielt, das längst versprochene Pallium zu erlangen. Für diesen Zweck kam er zu spät; der Papst war bereits nach Italien zurückgereist. Aber sein anderer Wunsch wurde erfüllt. Noch einmal sah und sprach er seinen liebsten Freund, den hl. Bernhard. Er verlebte (W. W. K.-L. VI. 776) und bereitete hier den Brüdern selige Tage, als er von einer Krankheit ergriffen wurde, die im Anfange nicht bedenklich schien, als er eben am Tage des hl. Lucas mit gewohnter Andacht die hl. Messe gefeiert hatte. Heilig wie sein Leben war auch sein Tod; in der Kirche, auf dem Boden liegend, den er vorher mit Asche hatte bestreuen lassen, empfing er die letzte Oelung und Wegzehrung, bat die Umstehenden um ihre Fürbitte für ihn selbst und die ihm anvertrauten Seelen, und versprach, wenn er einst bei Gott wäre, auch ihrer zu gedenken. So starb er im 54. Jahre seines Lebens an dem Orte, den er hiefür gewünscht, und zu der Zeit, die er vorausgesagt hatte, am 1. Nov. 1148. Er entschlummerte zum wahren Leben, denn ob auch Aller Augen auf ihn gerichtet waren, so konnte doch Keiner den Augenblick beachten, in welchem er entschlief. Und noch schien er zu leben, nachdem er schon gestorben war. Man bestattete seinen Leichnam mit allen Ehren in der Capelle U. L. Frau zu Clairvaux, hinter dem Hauptaltare. Da seine Wunderkraft auch nach dem Tode noch fortdauerte (ein Jüngling, dessen rechter Arm gelähmt war, berührte die Leiche und ward plötzlich geheilt), ließ der hl. Bernhard sogleich nach dem Requiem ein Amt zur Anrufung seiner Fürbitte halten, und am 6. Juli 1189 wurde von Papst Clemens III. die Heiligsprechung förmlich vollzogen. Daß die unter seinem Namen verbreitete Prophetia de futuris Pontificibus Romanis von ihm herrührt, ist nicht erwiesen und kaum wahrscheinlich35. Wenigstens [61] sagt der hl. Bernhard, welcher seine Prophetengabe ausdrücklich hervorhebt, davon nichts. Nach einer bei den Boll. (Maji IV. 136) enthaltenen Notiz sind seine Reliquien nach Avignon übertragen worden. Nach ebendenselben ist der 3. Nov., an welchem er sich auch im Mart. Rom. findet, sein Sterbetag. Im Martyrol. der Cistercienser steht er am 5. Nov. †


Quelle:
Vollständiges Heiligen-Lexikon, Band 4. Augsburg 1875, S. 59-62.
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