Michael, B. (12)

[443] 12B. Michael. Erem. (21. Jan.). Dieser selige Michael trägt den Beinamen »der Florentiner«, weil man gewöhnlich die Stadt Florenz als seinen Geburtsort bezeichnet. Die neuern Bollandisten haben aber wahrscheinlich zu machen versucht, daß er zu Siena das Licht der Welt erblickt habe, und zwar ungefähr im J. 1445. Sein Vater war Ventura di Pino, welcher den jungen Michael, [443] als er beiläufig 24 Jahre zählte, an den Hof des berühmten Lorenz von Medici brachte, wo er längere Zeit treue Dienste leistete. Ob er den Namen Michael erst bei der Profeßablegung in Camaldoli angenommen oder denselben schon in der Taufe empfangen habe, ist ungewiß. Ungefähr im J. 1501 trat er ins Kloster und legte am 24. März 1502 die Gelübde ab. Denen, die ihn in Camaldoli besuchten, erschien er wie ein anderer Hieronymus. Er trat in die Fußtapfen der alten Eremiten, las fleißig ihre Lebensbeschreibungen und betete unablässig. Stellte sich in der Betrachtung Trockenheit ein, so nahm er zum hl. Rosenkranze seine Zuflucht. Hiedurch erwarb er sich, obwohl in den Wissenschaften nicht unterrichtet, große Lebensweisheit und Welterfahrung, so daß er eine nicht gewöhnliche Beredtsamkeit, besonders bei Ermahnungen zur Gottseligkeit, erlangte. Er war Priester und pflegte täglich das hl. Opfer zu verrichten. Aus demselben schöpfte er, nach seinem eigenen Zeugnisse, eine starke Süßigkeit des Geistes. Nachdem er ungefähr vier Jahre in Gemeinschaft gelebt hatte, bat er um beständige Einschließung, welche ihm auch gewährt wurde. Der selige Michael machte sich insbesondere bekannt durch das Gebet der »Krone des Herrn«, welches die Italiener capellina, die Spanier Camaldolo nennen. Lange Zeit wurde diese Andacht und die für sie gefertigten Rosenkränze von Hoch und Nieder sehr in Ehren gehalten. Zum Andenken an die 33 Lebensjahre des Herrn betete man 33 Vater Unser und zur Erinnerung an die 5 Wunden setzte man 5 Ave hinzu. Später wurden letztere mit besonderer Bezugnahme auf Geheimnisse aus dem hl. Leben Mariä verrichtet. (Ungefähr um dieselbe Zeit entstand im Minoriten-Orden unter demselben Namen eine ähnliche Andacht, bei welcher 33 Vater Unser und eben so viele Ave Maria zu Ehren der 33 Jahre, die man damals der Lebenszeit Christi zuschrieb, verrichtet wurden. Auch letztere Andacht erhielt kirchliche Bestätigung durch Papst Leo X. mittelst Breve vom 14. Sept. 1517.) Der selige Michael hatte seiner »Krone des Herrn« bereits im J. 1506 Verbreitung zu geben versucht. Er also, nicht der sel. Peregrinus, welcher im 13. Jahrhundert lebte, war der Urheber dieser Andacht, und erhielt dafür unterm 18. Febr. 1516 die Bestätigung des Papstes mit mehreren Ablässen. Es entstanden Bruderschaften, welche diese Andacht zu verrichten und zu verbreiten sich angelegen sein ließen. In Ordensstreitigkeiten, welche zu seiner Zeit zwischen den eigentlichen Camaldulenser-Eremiten, den Observanten oder der Congregation des hl. Michael von Murano und den Conventualen stattfanden, wurde er öfter zu Rathe gezogen. Sein seliger Tod erfolgte am 21. Jan. 1522. Seine Verehrung ist unbestreitbar und kirchlich bestätigt. (Auct. ad T. V. Oct. 7–16).


Quelle:
Vollständiges Heiligen-Lexikon, Band 4. Augsburg 1875, S. 443-444.
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