Nicolaus Pichius, SS. (7)

[537] 7SS. Nicolaus Pichius et 18 Soc. M. M. (9. Juli). Das Leben und der Tod der hhl. 19 Martyrer von Gorkum, einer befestigten Stadt an der Waal, nicht weit vom Einfluß derselben in die Maas (Merwe) in der niederländischen Provinz Südholland, wird von den Bollandisten am 9. Juli (II. 736 bis 847) sehr ausführlich behandelt und zwar vorzüglich nach der Geschichte des Professors Dr. Wilhelm Estius von Douay, die pag. 754–838 gegeben ist. Wir wollen nun zuerst die Namen dieser hhl. Martyrer sammt ihren früheren Verhältnissen, besonders nach ihrem im J. 1867 zu Rom erschienenen Lebensabrisse anführen und dann die Geschichte ihres Martertodes folgen lassen:

1. Nicolaus Pik (Pichius, Pickius), Quardian des Franciscaner-Klosters von der Observanz in Gorkum (auch Gorinchem), war geboren am 29. Aug. 1534 zu Gorkum von einer fürstlichen Familie, die aber durch Unglücksfälle sehr herabgekommen war. Sein Vater hieß Johannes Pik, seine Mutter [537] Henrica Calvia, begabt mit bürgerlichen Tugenden und aufrichtiger Anhänglichkeit an die katholische Religion, besonders von Seite des Vaters. Des Studirens halber nach Herzogenbusch geschickt, trieb ihn der Geist des Herrn frühzeitig in den seraphischen Orden der Minoriten von der strengen Observanz, der dort ein Kloster besaß. Die philosophischen und theologischen Studien vollendete er in Löwen, wo seine Heiligkeit nicht minder als seine Gelehrsamkeit die Bewunderung seiner Lehrer erregte. Sein llmgang war eben so angenehm, als erbaulich. Nur wenn ernste Rügen zu ertheilen, Laster zu bekämpfen waren, sah man ihn in gerechter Aufregung. Im Allgemeinen war er heitern und fröhlichen Gemüthes und allzeit geneigt, die Fehler seiner Mitmenschen zu entschuldigen. Obwohl von so schwächlicher Gesundheit, daß schon eine leichte Verletzung eines Fingers ihm eine Ohnmacht verursachte, übte er dennoch anhaltend strenge Buße durch vieles Fasten, Nachtwachen und Arbeiten. Als Priester und Prediger war es seine Hauptbemühung, die Calvinisten wieder zur Kirche zurückzuführen und namentlich den Glauben an die reale Gegenwart Christi im heiligsten Altarssacramente darzuthun. Erfüllt mit allen apostolischen Tugenden besaß er ein feuriges Verlangen nach dem Martertode, obwohl er sich dessen unwürdig hielt. Er erlitt ihn nach schauderhaften Mißhandlungen zu Briel im blühenden Alter von 38 Jahren als der erste seiner glorreichen Gefährten, die er bis zum letzten Athemzuge zur Standhaftigkeit ermahnte.

2. Hieronymus v. Werden (Hieronymus Werdanus), Minorit von der Observanz. Geboren im J. 1522 von einer angesehenen Familie in Werden im nördlichen Holland, und begabt mit vortrefflichen Anlagen trat er in den Minoriten-Orden, zeichnete sich vorzüglich durch eine zarte Andacht zum Leiden Christi und zu den Schmerzen seiner glorreichen Mutter aus und verlebte mehrere Jahre im hl. Lande in glühender Frömmigkeit. Nach Holland zurückgekehrt war er nebst N. Pik und seinen Gefährten der eifrigste Prediger der Wahrheit gegen die Häresie. Als Vicar des Gorkumer iklosters wurde er nebst seinen Mitbrüdern gefangen genommen und von den Geusen, die ihn irrthümlich für den Quardian hielten, beinahe zu Tode gemartert. Als er, der erste nach dem Quardian, schon zu oberst auf der Leiter war, drängte sich ein Calvinist mit heuchlerischem Mitleiden an ihn und lästerte die sel. Jungfrau, den hl. Petrus und andere Heilige. Der Martyrer stieß ihn mit dem Fuße hinunter. Unter beständigem Anrufen der heiligsten Namen Jesus und Maria gab er seinen Geist auf im 50. Jahre seines Lebens.

3. Theodorich (Theodor) Emden (Theodoricus Emdenus) von Amersfoort, Minorit der Obiervanz. Sanften Gemüthes und von Kindheit an dem Himmel zugewandt trat er trotz dem Abmahnen seiner Eltern, welche von fleischlicher Klugheit eingenommen waren, in den Orden des hl. Franciscus, befolgte eifrig die Regel und erhielt den Ruhm eines heiligen und gelehrten Mannes. Er litt geduldig die Qualen des Gefängnisses und schwerer Peinigung und starb zu Briel als Martyrer.

4. Nicasius Johnson (Nicasius3 Joannis Hezius), ein Sohn des Adrian Johnson, geboren im Schlosse Hez in Brabant im J. 1522 oder um dasselbe, aus einer sehr geachteten Familie. Mit Auszeichnung studirte er zu Löwen Philosophie und Theologie, trat in den Orden des hl. Franciscus und führte ein bewunderungswerthes Leben der größten Abtödtung. Allein er war nicht bloß für sein eigenes Heil, sondern auch für das Anderer mit der größten Anstrengung beflissen, zumal in höchst eifrigen Predigten wider den Calvinismus. Er besaß auch die Gabe der Prophetie und sagte die Leiden seines Landes bestimmt voraus Sein Martertod, den er mit 50 Jahren erlitt, war lang und höchst peinlich.

5. Willehad aus Dänemark (Willehadus Danus). Minorit der Observanz. Von katholischen Eltern stammend umfaßte er frühe den seraphischen Orden, mußte aber nach Einführung des Lutherthums sein Vaterland verlassen. Von den Franciscanern in Gorkum gastfreundlich aufgenommen, führte er viele Jahre ein mehr englisches als menschliches Leben. Im Kerker oblag er fast unaufhörlich dem Gebete. Trotz seines hohen Alters von neunzig Jahren, wurde er unbeschreiblich mißhandelt, allein er sagte voll Ergebenheit bei jedem Schlage: »Gott sei Dank«, und errang so die Krone des Marterthums.

6. Gottfried von Merville (Godefridus Mervelianus), Minorit der Observanz und Custos des Hauses. Der junge Ordensmann [538] befliß sich eifrig seines eigenen und anderer Menschen Seelenheiles. Besonders oblag er der religiösen Malerkunst, die er zur Verherrlichung Gottes benützte, indem er seine Bilder an arme Familien schenkte, wofür ihm der Herr die Krone des Marterthums verlieh.

7. Anton v. Werden (Antonius Werdanus), Minorit von der Observanz, war als unermüdlicher Verkündiger des Evangeliums geschätzt und geliebt. In seiner letzten Predigt forderte er, wie von prophetischem Geiste erfüllt, eindringlich zum Gebete auf, da die Axt bereits an die Wurzel gesetzt sei. Unter Ermunterungen zum beharrlichen Gebete an seine Leidensgenossen ging er ins ewige Leben ein.

8. Anton von Hornaer (Antonius Hornariensis), Minorit der Observanz. Von sehr armen, aber dem katholischen Glauben sehr anhänglichen Eltern stammend, trat er in den Fransciscaner-Convent zu Gorkum, verlegte sich eifrig auf die Wissenschaften und die Heiligkeit des Lebens und widmete sich besonders dem katechetischen Unterrichte der verlassenen Landleute. Jede Qual litt er mit Geduld und ward endlich zu Briel gehängt.

9. Franciscus Rhodes (Franciscus Rodius) aus Brüssel, Minorit der Observanz. Unbefleckten Wandels und ausgezeichneten Geistes gewährte er die schönsten Hoffnungen, allein kaum zum Priester geweiht, fand ihn der Herr reif für die Palme des Marterthums.

10. u. 11. Petrus von Asche, einem Städtchen unfern von Brüssel (Petrus Ascanus), und Cornelius von Dorestat, nahe bei Utrecht (Cornelius Wicanus), Laienbrüder des Minoriten-Ordens von der Observanz. Ersterer zeichnete sich durch Gehorsam und Abtödtung in bewunderungswerthem Grade aus, wie nicht weniger Cornelius, welcher voll einfachen Glaubens durch keine Schlauheit des Wütherichs Lumay zum Abfall verleitet werden konnte.

12. Leonhard Wichel (Vechel) (Leonardus Vecchelius), Pfarrer und Weltpriester. Aus einer reichen und angesehenen Familie zu Herzogenbusch stammend, trat er zu Löwen in das von Papst Hadrian VI. errichtete Collegium, wo er sich neun Jahre lang den Studien mit größtem Erfolge widmete. Nach dem Tode des Pfarrers von Gorkum wurde er auf Ansuchen dieser Stadt bei der Universtiät Löwen dessen Nachfolger. Mit der Heiligkeit des Wandels verband er solche Gelehrsamkeit und solchen Seeleneifer, daß ihn der eben auftauchende Calvinismus aus dem Wege zu räumen beschloß. Aber er hielt dennoch aus. Eben weil die Heerde von so vielen Wölfen umgeben sei, sprach er müsse er als guter Hirte bei derselben bleiben. Seine Liebe zu den Armen und Kranken hatte keine Grenzen. Eifernd für die Ehre Gottes und das Heil der Seelen, und dabei voll frommer Aengstlichkeit für die ihm obliegende schwere Verantwortung, theilte er als Gefangener mit den Franciscanern ihre Leiden und ihren Triumph.

13. Nicolaus Poppel (Nicolaus Poppelius), Weltpriester und treuer Freund Wichel's, aus Weerd (Welda), einem Dorfe in Holland. Da er durch Reinheit des Wandels und glühenden Seeleneifer sich auszeichnete, begehrte ihn Wichel als seinen Seelsorgsgehilfen. Mit unermüdlicher Emsigkeit unterzog er sich den demüthigen und beschwerlichen Verrichtungen der Seelsorge. Seine Lieblingsbeschäftigung war der Unterricht der Kinder und die Tröstung der Armen und Nothleidenden. Er zählte beiläufig vierzig Jahre, als ihm die Gnade des Martertodes zu Theil wurde.

14. Gottfried (Godefridus), mit dem Beinamen Dunäus, Weltpriester von Gorkum, studirte zu Paris mit solchem Erfolg, daß er einstim mig zum Rector einer Schule dieser Stadt ernannt wurde. Von seinem Onkel, einem Priester und andern Freunden gedrängt, ließ er sich zum Priester weihen. Aber die anhaltende Betrachtung der Erhabenheit der priesterlichen Würde und seiner eigenen Unwürdigkeit, womit er immer beschäftiget war, zerrütteten seine Geisteskräfte und machten ihn zur Seelsorge unfähig. Er lebte also in stiller Abgeschiedenheit zu Gorkum, las täglich die hl. Messe, betete das Brevier und hörte mitunter Beichten; die übrige Zeit widmete er dem Gebete und der Betrachtung. Als er einst einen Prediger hörte, welcher das Volk zum Abfall vom katholischen Glauben bereden wollte, unterbrach er ihn und sprach: »Glaubt ihm nicht, glaubt ihm nicht, er ist ein Betrüger.« Als Greis von 70 Jahren hauchte er als der letzte in jener schrecklichen Nacht seine Seele aus.

15. Johannes aus Osterwik (Joannes Osterwicanus), regulirter Kanoniker des hl. Augustin. Geboren bei Herzogenbusch von [539] unbekannten Eltern zeigte er schon im frühesten Alter eine innige Liebe zu Gott, trat in das Institut der regulirten Chorherren vom hl. Augustin und legte die feierliche Profeß im Kloster der hl. Katharina zu Briel ab. Zum Priester geweiht kam er, nach dem Martyrium sehnsuchtsvoll verlangend, nach Gorkum, wo er mit der geistlichen Leitung gottgeweihter Jungfrauen aus dem Orden des hl. Augustinus betraut wurde. Als er hier vom Martertode eines seiner Mitbrüder hörte, brach er wiederholt in die Worte aus: »Wäre ich doch einer solchen Gnade würdig!« Sein Verlangen fand Erhörung. In Gorkum gefangen genommen, starb er den Martertod zu Briel.

16. Johann von Cöln (Joannes Coloniensis), Dominicaner. Von frommen und reichen Eltern stammend, widmete er sich sehr frühe dem Dienste Gottes im Orden des hl. Dominicus, wo er in der Wissenschaft und Frömmigkeit solche Fortschritte machte, daß ihn seine Obern als Pfarrer nach Hornaer sandten. Voll großmüthigen und unermüdlichen Eifers suchte er seine Heerde besonders vor der Häresie zu schützen, was ihm den tödtlichen Haß der Häretiker zuzog. Sein Seeleneifer trieb ihn nach Gorkum, um den armen Katholiken, deren Priester im Kerker schmachteten, geistlichen Beistand zu leisten, wobei er in die Hände der Geusen fiel, was seinen Martertod herbeiführte.

17. Andreas Walter (Andreas Waltherus), Weltpriester, von Heinort bei Dortrecht. Er ist ein glänzender Beweis der göttlichen Gnade selbst gegen große Sünder. Denn frühzeitig Pfarrer geworden, zeigte er nicht nur nicht jene Tugenden der Selbstverleugnung und Opferwilligkeit, die den christlichen Hirten zieren müssen, sondern richtete durch seinen Wandel so manches Aergerniß an. Da überfiel ihn plötzlich eine Schaar wilder Häretiker, die ihn banden und ihn mit dem härtesten Tode bedrohten, wenn er nicht augenblicklich dem katholischen Glauben entsagte. Von der Gnade ergriffen und die Gelegenheit benützend, die Makeln seines Lebens durch ein aufrichtiges Bekenntniß der Religion abzuwaschen, antwortete er muthig, daß er sich lieber in Stücke zerreißen lassen, als Jesu Christo und seiner Kirche entsagen wolle. Im Kerker beweinte er bitterlich seine Sünden und sah in Briel noch die andern berühmten Gefangenen von Gorkum, deren freudiger Muth ihn mit lebhaftem Verlangen nach dem Kampfe entzündete, die auch ihrerseits von Freude über seine Bekehrung erfüllt wurden, in deren Gesellschaft er sein Blut für die Wahrheit vergoß und so in den Himmel einging.

18. Jakob Lacop (Jacobus Lacopeus), von Aldenarden in Flandern, ein Prämonstratenser. Auch er ist ein glänzendes Beispiel von Gottesmächtigem Gnadenzuge. Schon mit sechszehn Jahren wurde er Prämonstratenser zu Mittelburg, täuschte aber die auf ihn gesetzten Hoffnungen, indem er, von der Irrlehre angesteckt, das Ordenskleid und den Glauben verließ. Von Tag zu Tag wuchs er in jeder Bosheit und verfaßte sogar eine Schmähschrift gegen die katholische Religion. Allein von Gottes Gnade ergriffen, kehrte er nach einigen Monaten reuevoll in sein Kloster zurück, that aufrichtige Buße, zerriß mit eigenen Händen seine Schmähschrift und warf sie ins Feuer. Seine Vorgesetzten schickten ihn nach Münster (in Holland) als Gehilfen des dortigen Pfarrers, wo er viel Gutes wirkte. Hier fiel Jakob nebst Adrian in die Hände der Geusen, die ihn nach Briel transportirten. Freudig bekannte er seinen Glauben vor dem tyrannischen Lumay und sühnte so mit seinem Blute seinen früheren Abfall.

19. Adrian Bekan (Adrianus Becanus), geboren zu Hilvarembeck in Brabant, um das J. 1532, ein Prämonstratenser. Früh trat er in den Orden des hl. Norbert zu Mittelburg, reiste heran an allen klösterlichen Tugenden und wurde von seinen Obern zu Anfang des Jahres 1572 nach Münster als Pfarrer gesandt, wo er höchst segensvoll wirkte, bis er nebst seinem Gehilfen Jacob von den Geusen gefangen genommen und nach Briel abgeführt wurde, wo beide zwei Tage nach ihrer Ankunft den Martertod starben.

Nachdem wir so die Persönlichkeiten in aller Kürze geschildert, wollen wir zu der Geschichte ihres Martertodes übergehen und auch hier uns der möglichsten Gedrängtheit befleißen. Die Mehrzahl unserer Glaubenshelden (16) war in Folge der Eroberung von Gorkum durch die Geusen, welche die Uebergabsbedingungen schmählich verletzten, am 26. Juni 1572 in die Hände ihrer Feinde gefallen. Nach großen Entbehrungen und Mißhandlungen, welche sie im Kerker zu Gorkum erdulden mußten, wurden sie am 6. Juli Nachts zu le zwei zusammengebunden nach [540] Briel abgeführt, um dort vor den Wütherich Lumay gebracht zu werden, der vorher noch Versuche machte, sie zum Abfalle zu bewegen. Das Werkzeug hiezu war Omal, früher katholischer Priester und Domherr an der Kathedralkirche zu Lüttich, der aus Ehrgeiz zu den Calvinisten übergetreten war. Dieser strengte alle seine Kräfte an, um die Diener Gottes durch Hohn, Spott und Mißhandlungen aller Art dahin zu bringen, daß sie sich von der Gemeinschaft des apostolischen Stuhles trennten. Als man bei Tagesanbruch den 7. Juli ihre Ankunft in Briel erfuhr, strömte das Volk zusammen, theils aus Neugierde, vorzüglich aber, um seine Wuth wider die standhaften Bekenner auszulassen. Aber alle Demüthigungen und Qualen konnten keinen Abfall hervorrufen und deßhalb ließ sie Lumay in den Kerker zurückbringen. Dieser Kerker befand sich in einem Thurm mit drei Abtheilungen, sämmtlich im höchsten Grade enge und schmutzig, namentlich der unterste glich einer Pestkloake, da die unglücklichen Gefangenen der oberen Stockwerke gezwungen waren, ihre natürlichen Entleerungen nach unten gelangen zu lassen. Hier geschah es nun zur tiefsten Betrübniß der bisher so standhaften Glaubenshelden, daß drei von ihnen den Muth verloren und abfielen. Es waren dieß der Pfarrer von Maesdam, ein Kanoniker von Gorkum und der Laien-Minorite Heinrich. Letzterer starb nach wenig Jahren reumüthig im Kloster, während der Pfarrer von Maesdam trotz seines Abfalles gehängt wurde. Der Kanoniker starb gleichfalls im Schooße der katholischen Kirche. Ein Vierter, Wilhelm von Lüttich, Minoriten-Priester der gleichfalls abgefallen, stürzte sich in alle Laster und wurde noch im nämlichen J. 1572 als Dieb gehängt. Aber wie die 40 Martyrer von Sebaste beteten sie inständigst, daß die 19 Kronen vollständig erhalten blieben, und Gott erhörte ihre Bitte. An die Stelle jener Unglücklichen trafen nämlich setzt in Briel ein Andreas Walter, Adrian Becan und Jacob Lacop. Der tyrannische Lumay machte nochmal einen Versuch, die Bekenner zur Glaubensverleugnung zu bringen; er veranstaltete nämlich Religionsgespräche. Allein diese Religionsgespräche, welche zum Theil vor vielen Zeugen gehalten wurden, dienten nur dazu, die calvinistischen Wortführer glänzend zu widerlegen und auf das tiefste zu beschämen. Da solcher Gestalt Lumay alle seine Bemühungen scheitern sah, ließ er die Namen jedes Martyrers nebst ihrem Glaubensbekenntnisse zu Papier bringen und die hhl. Bekenner sofort wieder ins Gefängniß abführen. Mittlerweile gaben sich die Katholiken von Gorkum, ja selbst der Senat, viele Mühe, die Befreiung der Gefangenen zu erhalten und wandten sich deßhalb an den Prinzen von Oranien. Wirklich befahl dieser, Leben und Eigenthum aller Priester und Mönche zu respectiren, allein Lumay kehrte sich nicht an diese Weisungen. Dennoch verloren die Katholiken von Gorkum nicht völlig den Muth und suchten durch Bitten, Vernunftgründe und beträchtliche Geldsummen den tyrannischen Lumay zu beugen. Obwohl alles vergeblich war, so gewährte es doch den Bekennern vielen Trost in ihren Leiden, daß sie so viel Theilnahme bei ihren Glaubensbrüdern fanden. Die schwerste Versuchung hatte der hl. Nicolaus Pik von seinen zwei leiblichen Brüdern auszustehen, welche alle möglichen, auch die unerlaubtesten Mittel anwandten, um ihrem Bruder Leben und Freiheit zu retten. Lumay, gewonnen durch Versprechen großer Geldsummen, hatte ihnen das Leben und die Freiheit ihres Bruders zugestanden, wenn er sich nur dem Gehorsame des Papstes entziehen, ja sogar, wenn er nur seine Sache von der seiner Mitbrüder trennen wollte. Allein der Heilige hatte ihnen feierlich geschworen, sie in keiner Noth zu verlassen, mit ihnen völlig frei zu werden oder zu sterben, und so waren alle Bitten und Beschwörungen der leiblichen Brüder nicht nur fruchtlos, sondern sie wurden noch dazu tief beschämt von seiner heroischen Festigkeit, welche sie als Thorheit und Geistesblindheit verwünschten. Nachdem so alle Anstrengungen, die hhl. Bekenner zum Abfalle zu bringen, sich vergeblich erwiesen, befahl der Graf von der Mark, Lumay, bei einem fröhlichen Gastmahle, sämmtliche Gefangene noch in dieser Nacht zu tödten. Mit der Execution dieser Barbarei wurde der Apostat Omai beauftragt und ihm zugleich mitleidloses Verfahren anempfohlen. Die hhl. Bekenner, die ihren Tod nun bevorstehen sahen, beichteten noch einander, um von jeder, auch der kleinsten Sünde, rein zu sein. Die Execution fand in einem Holzschupfen statt, welcher von den Trümmern des ehemaligen Augustinerklosters noch übrig war, und in welchem zwei Balken [541] von sehr ungleicher Länge von einer Wand zur andern reichten. Um 2 Uhr Nachts begann das Martyrium und 2 Stunden später war es vollendet. Mit der ungerechten Hinrichtung dieser Glaubenshelden war indeß die Wuth ihrer erbitterten Feinde keineswegs gestillt. Dieselben eilten mit Tagesanbruch hinaus, um die hhl. Leichname in unerhörter Weise zu schänden. Hatten vorher schon die Soldaten ihre Gefangenen auf dem Wege von Gorkum nach Briel ums Geld sehen lassen, wie man es mit wilden Thieren thut, so rissen sie jetzt die heiligen Leiber von den Balken herab, zerfleischten sie und verkauften die innern Theile des Körpers an's Volk um hohe Preise unter Anpreisung der guten Wirkungen derselben in Krankheitsfällen. Andere Soldaten steckten Theile der Körper auf ihre Picken und zeigten sie im Triumphe in der Stadt. Gegen Sonnenuntergang begab sich ein frommer Katholik von Gorkum an den Ort der Hinrichtung, um die noch übrigen Reste der Heiligen zu verehren und wo möglich zu beerdigen. Allein letzteres wurde ihm von den Geusen nur um eine große Geldsumme gestattet. Omal's Soldaten machten zwei Gruben und beerdigten die Martyrer nicht ohne wiederholte Mißhandlungen ihrer Ueberreste. Allein alsbald verherrlichte der Herr seine glorreichen Diener durch so viele und so erstaunliche Wunder, daß zu ihrer Beschreibung ein dickes Buch nöthig wäre. Wir führen nur an, daß im J. 1619 ein authentischer Bericht über mehr denn 34 durch die Fürbitte dieser hhl. Martyrer gewirkte Wunder nach Rom abgesandt wurde. Zwölf davon wurden der Congregation der hhl. Riten präsentirt, die sich mit Untersuchung von zweien derselben begnügte. Besonders in innern Krankheiten zeigte sich die Fürbitte der hhl. Martyrer wirksam, wohl weil Gott jene Theile derselben besonders verherrlichen wollte, die so sehr mißhandelt worden waren. Am Anfang des 16. Jahrhunderts wuchs auf ihrem Grabe ein Pflänzchen von weißen und wohlriechenden Blumen so lieblicher Form, daß die Botaniker darüber erstaunten, weil in ganz Europa ein solches Gewächs unbekannt war, und obwohl die Verehrer der Heiligen Zweige um Zweige wegnahmen, wurde es doch nicht kleiner, sondern wuchs immer fort. Ein Pfarrer von Utrecht hatte auch einen Zweig davon in eine Schachtel gelegt, und als er diese einst nach langer Zeit in Gegenwart anderer Personen öffnete, fand er die Pflanze zu seinem Erstaunen gerade zu 19 Zweiglein vermehrt, die Zahl der hhl. Martyrer. Nach der Translation ihrer Gebeine wuchs ihre Verehrung immer mehr und am 24. Nov. 1675 nahm Clemens X. ihre feierliche Beatification vor, indem er beifügte, daß man zu jeder Zeit auch zu ihrer Canonisation schreiten könne. Diese erfolgte endlich in höchst feierlicher Weise durch Pius IX. am 29. Juni 1867 am Tage des 18. Centenariums der hhl. Apostelfürsten Petrus und Paulus. Schon unter dem 3. Febr. 1748 war die Erlaubniß zu ihrer Verehrung auch auf die Diöcese Freising ausgedehnt worden, in deren Proprium sich das Fest der hhl. Leonardus Vechelius und seiner Gefährten, Martyrer zu Gorkum in Holland, am 9. Juli findet. (II. 736–847).


Quelle:
Vollständiges Heiligen-Lexikon, Band 4. Augsburg 1875, S. 537-542.
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