Paul I.

[476] Paul I., Petrowitsch, Sohn Kaisers Peter III. u. Katharinas II., geb. 1. Oct. 1754, von seiner Mutter nie geliebt u. argwöhnisch von allen Geschäften zurückgehalten, bestieg den Thron 17. Nov. 1796, ein Herrscher von edeln Anlagen, aber von Mißtrauen erfüllt, jähzornig und dann gewaltthätig, der jedoch sein Unrecht immer wieder gut zu machen suchte, aber jedenfalls den erforderlichen Scharfblick nicht besaß, ein so großes Reich zu beherrschen. In der auswärtigen Politik ließ sich P. mehr von großmüthigen Impulsen als von den Interessen seines Reichs leiten, so zum Kriege gegen Frankreich (1799), zur Uebernahme der Großmeisterwürde des Malteserordens, zur bewaffneten Neutralität gegen Englands Seetyrannei. Ferner reizte P. die Bevölkerung zum Mißmuthe durch verschiedene Maßregeln, welche gegen das Herkommen verstießen, und wurde durch Mißtrauen und Zorn seiner Umgebung und selbst seiner Familie furchtbar, deßwegen in der Nacht des 23. März 1801 von verschworenen Adeligen (Pahlen, Bennigsen, Subow etc.) ermordet. Von seiner 2. Gemahlin Maria Feodorowna (Sophie Dorothea von Württemberg), gest. 5. Nov. 1828, hinterließ er die Großfürsten Alexander, Konstantin, Nikolaus und Michael u. die Großfürstinen: Alexandra, gest. 1801 als Gemahlin des Erzherzogs Joseph; Maria, verwittwete Großherzogin v. Sachsen-Weimar; Helena, Erbprinzessin von Mecklenb.-Schwerin, gest. 1803; Katharina, Königin von Württemberg, gest. 1819; Anna, verwittwete Königin der Niederlande.

Quelle:
Herders Conversations-Lexikon. Freiburg im Breisgau 1856, Band 4, S. 476.
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