Art

[63] Art (lat. species, gr. eidos) heißt in der organischen Natur die Einheit verwandter Einzelwesen, welche ihre Eigenschaften aufeinander vererben. Sie ist den Individuen übergeordnet und von diesen nur durch die Zusammenfassung in Abart oder Rasse, Unterart und Spielart oder Varietät getrennt; dagegen ist sie der Gattung untergeordnet. So bezeichnet die Art Leo (Löwe) eine Tierart, die eine Reihe von Spielarten (Löwe vom Senegal, Berberlöwe, Löwe vom Kap der guten Hoffnung und Abessynien, persischer Löwe, Löwe von Gudscherat) in sich einschließt, während die Gattung Felis (Katze) ist. Die Art ist also von den Kategorien der Systeme des Tier- und Pflanzenreichs die wichtigste, weil sie die elementare systematische Einheit ist, die in der Regel nicht weiter auflösbar ist. Zur Bestimmung der Art werden die Merkmale verwendet, die noch bei einer großen Anzahl von Individuen konstant sind. Von den Arten der organischen Natur behaupteten John Ray ( 1704), K. Linné ( 1778) und G. Cuvier ( 1832), sie seien die von Gott erschaffenen, voneinander abgeschlossenen und unveränderlichen Vereinigungen derjenigen Organismen, welche von denselben Eltern abstammen und einander ähnlich sind. Darwin (1809-1882) aber bestritt die Abgeschlossenheit und Unveränderlichkeit (Konstanz) der Arten und stellte die Theorie ihrer allmählichen Entstehung aus Varietäten[63] auf: Die Arten sind konstant gewordene Varietäten. (On the origin of species by means of natural selection 1859.) Neuerdings streitet mit dem Darwinismus die Mutationstheorie. (Vgl. Darwinismus; Mutation.) Vgl. Fr. v. Wagner, Tierkunde, Leipzig 1897. – In der Logik heißt dagegen allgemein ein Begriff, der in einem höheren enthalten ist (z. B. Vogel in Tier), die Art, während der höhere Begriff die Gattung genannt wird. Das Verhältnis ist hier nur relativ. Der Artbegriff ist selbst wiederum für niedere Artbegriffe die Gattung; z. B. ist Vogel die Gattung, während Raub- und Wasservogel die Arten sind. Die Logik kennt hier keine Grenzen, da sich durch Hinzutun irgend eines Merkmals immer neue Arten bilden lassen, während in Wirklichkeit die Grenze da ist, wo Art und Individuum zusammenfallen. Logische Definitionen (s. d.) eines Begriffes bestehen in der Angabe des Gattungsbegriffes (genus proximum) und des Artunterschiedes (differentia specifica).

Quelle:
Kirchner, Friedrich / Michaëlis, Carl: Wörterbuch der Philosophischen Grundbegriffe. Leipzig 51907, S. 63-64.
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