Bestimmung

[95] Bestimmung (lat. determinatio) heißt logisch die Hinzufügung eines Merkmals zu einem Begriff. Durch die Bestimmung wird aus dem allgemeinen Begriff ein minder allgemeiner gebildet; fügt man z. B. zu »Soldat« das Merkmal »zu Pferde«,[96] so wird jener Begriff reicher an Inhalt, aber ärmer an Umfang. Spinoza (1632-1677) faßte den Begriff der Determination nicht nur logisch, sondern auch metaphysisch und schloß von dem Wirklichen, der einen unendlichen Substanz, jede Bestimmung aus, indem er lehrte: omnis determinatio est negatio (Jede Bestimmung ist eine Verneinung). Seine Behauptung hängt aber eng mit seiner Wertschätzung des Allgemeinen und Zurücksetzung des Individuellen zusammen. Jeder Schritt vom Allgemeinen der Substanz zum Individuellen des Modus ist für ihn ein Schritt von dem Wahren zum Falschen. Sein Standpunkt ist also der des Rationalismus. Der Empirist muß anders urteilen. Wohl wird er anerkennen, daß durch Hinzufügung eines Merkmals der Umfang begrenzt, aber er wird auch behaupten, daß dem Ding selbst neuer Inhalt positiv hinzugefügt wird. – Im moralischen Sinne heißt Bestimmung des Menschen der Zweck seines Daseins. Vgl. das höchste Gut, Moralprinzip. Vgl. J. Fiske, Die Bestimmung des Menschen, dtsch. v. F. Kirchner, Leipzig 1890.

Quelle:
Kirchner, Friedrich / Michaëlis, Carl: Wörterbuch der Philosophischen Grundbegriffe. Leipzig 51907, S. 95-96.
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Zur Bestimmung der Philosophie

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