Kriterium

[315] Kriterium (gr. kritêrion von krinô = urteile) heißt das Kennzeichen, Merkmal, der Prüfstein der Wahrheit. Man unterscheidet formale und materielle Kriterien. Jenes sind die logischen Regeln, die Grundgesetze unseres Denkens. So sind Widerspruchslosigkeit und Konsequenz die formalen Kriterien richtigen Denkens. Da es aber bei der Erkenntnis der Wahrheit auch auf den Inhalt des Gedachten ankommt, so geben die Tatsachen, d.h. dasjenige, was ein Mensch unabhängig von seinem Wollen und Denken erlebt, was seinem Bewußtsein gegeben ist, die materialen Kriterien ab; an ihnen haben sich die Theorien und Systeme zu bewähren (zu verifizieren). Die Stoiker stellten die von einem Objekte erzeugte, mit sinnlicher Klarheit das Objekt ergreifende Vorstellung als Wahrheitskriterium auf, womit der common sense (der gesunde Menschenverstand) der englischen Empiristen übereinstimmt. Descartes (1596-1650) erklärte vom rationalistischen Standpunkte aus Klarheit und Bestimmtheit (Deutlichkeit) für das Kriterium der Wahrheit, doch reicht sein Prinzip für die inhaltliche Bestimmung der Wahrheit nicht aus. Vgl. Irrtum, Wahrheit, Anlage, Skepsis.

Quelle:
Kirchner, Friedrich / Michaëlis, Carl: Wörterbuch der Philosophischen Grundbegriffe. Leipzig 51907, S. 315.
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