Selbstliebe

[565] Selbstliebe ist die aus dem Selbsterhaltungstriebe hervorgehende natürliche Neigung des Menschen, sich geltend zu machen und auszubilden. Sie bedarf der Einschränkung durch die Rücksicht auf andere, um nicht zur Selbstsucht (Egoismus s. d.) zu werden. Die Selbstliebe ist an sich nicht verwerflich. Ohne sie gäbe es kein Streben nach Besitz, Schmuck, Ehre, Macht, kein höheres Bildungsbestreben. Die Religion erkennt die Selbstliebe als natürlich in dem Sittengebote an: Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst. Die Selbstliebe ausrotten wollen, hieße Heuchler erziehen; aber die Selbstliebe bedarf der beständigen Zucht und Ergänzung. Vgl. Th. Fechner, Über das höchste Gut. 1846. H. Lotze, Mikrokosmus II. 1864. Pfleiderer, Eudämonismus und Egoismus. 1880.

Quelle:
Kirchner, Friedrich / Michaëlis, Carl: Wörterbuch der Philosophischen Grundbegriffe. Leipzig 51907, S. 565.
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