angenehm

[40] angenehm heißt alles, was uns Lust dadurch erregt, daß es den Sinnen gefällt, ohne daß es, wie das Schöne, einer geistigen Idee entspricht, oder, wie das Sittliche, gewollt wäre. Ob etwas angenehm oder unangenehm ist, entscheidet nur das Gefühl. Da nun dieses zwar im großen und ganzen bei allen Menschen gleich, in vieler Beziehung aber auch verschieden ist, so läßt sich keine allgemeine Regel über das Angenehme aufstellen (de gustibus non est disputandum). Ja, dasselbe erscheint demselben Menschen unter verschiedenen Verhältnissen[40] anders, je nachdem er in Stimmung oder körperlicher Verfassung ist. Selbst Schmerz kann unter Umständen Lust bereiten, z. B. wenn wir ihn einer höheren Idee zuliebe ertragen, d. h. wenn die sinnliche Unlust durch seelische Lust aufgehoben wird. Von dem Angenehmen hat Kant (1724-1804) ausführlich in der Kr. d. Urteilskraft S. 7 ff. gehandelt. Ihm ist angenehm das, was den Sinnen in der Empfindung gefällt.

Quelle:
Kirchner, Friedrich / Michaëlis, Carl: Wörterbuch der Philosophischen Grundbegriffe. Leipzig 51907, S. 40-41.
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