Die »Schnellbleiche«

Breitenbronn, ein Dorf von etwa 300 Einwohnern, liegt im Neckarhügelland zwischen Mosbach und Aglasterhausen. Ein Bauernsohn von dort, ein heller Kopf und prächtiger Charakter, Dr. Adam Hillengaß, hatte in Heidelberg Philologie studiert und in seinem geräumigen Vaterhaus, das früher ein Herrenhaus gewesen, die »Schnellbleiche« eingerichtet, die rasch in Blüte gekommen war.

Das Lehrsystem, durch welches man rascher vorwärts kam, als auf dem Gymnasium, war sehr einfach. Es wurde alles Überflüssige weggelassen und die Ferien wurden sehr kurz bemessen; dazu wurde sehr intensiv gearbeitet. Religionsunterricht gab es nicht, da angenommen wurde, daß die Schüler schon vorher welchen gehabt; nur wurde das Neue Testament im Urtext gelesen. Der Direktor wurde dabei von einem »Lehramtspraktikanten« unterstützt, welches Amt junge Philologen versahen; das Neue Testament las mit uns der Vikar, der beim Pfarramt des Dorfes angestellt war.

Als ich ankam, waren etwa sechzig junge Leute da, allerdings auch einige, mit denen die Eltern hier den letzten Versuch machten; sie auf die Universität oder das Polytechnikum zu bringen, und bei denen man merkte, daß sie auch hier nicht zum Ziel gelangen würden. Im allgemeinen aber strengten sich die Schüler mit allem Fleiß an, sich die Kenntnisse zu erwerben, mit denen sie bestehen konnten.

Beim »Doktor« – so nannte man kurzweg den Direktor – wohnten so viele Schüler, als er unterbringen konnte; die übrigen wohnten bei den Bauern, die gern an die »Herren Studenten« vermieteten; verschiedene Schüler kamen morgens aus den umliegenden Orten, wo sie ihre Eltern hatten, und kehrten abends dorthin zurück. Ich wohnte erst in einem Bauernhause, dann aber im Hause des Doktors, wo ich mein Zimmer mit einem Sohne von Dr. Röder, dem Professor des Naturrechts zu Heidelberg, teilte. Wir schlossen eine Freundschaft fürs Leben.

Die Verpflegung war gut und reichlich; die Frau des Doktors, eine Bauerntochter, welche den Betrieb der zum Hause gehörigen Landwirtschaft leitete, ließ uns, wie man sagt, nichts abgehen. Fast alle Schüler hatten den Mittag- und Abendtisch beim Doktor, wobei er, mit seinem langen blonden Haupthaar und Bart wie ein Patriarch anzusehen, würdevoll präsidierte. Im allgemeinen ging es da sehr ungezwungen zu. Abends erschienen auf dem Tisch immer mehrere Platten mit vortrefflichen Servelatwürsten. Sie waren so groß, daß eine pro Person genug war. Aber der kräftige Appetit der Jugend überschritt diese Grenze nur zu gern. Es blieben immer ziemlich viel Würste übrig und da bei Tische jeder nur[31] eine konsumieren sollte, so galt es die übrigen zu eskamotieren, um sie nachher auf den Zimmern zu verteilen. Mein Freund Röder besaß in allerlei Taschenspielerkünsten eine besondere Fertigkeit, die hier sehr wertvoll war; es war ein Genuß, mit anzusehen, wie die Servelatwürste, unbemerkt vom Doktor und der spähenden Doktorin, von der Platte in seine weiten Ärmel hineinhüpften. Er erhielt dafür den Ehrennamen Bosko nach einem seinerzeit sehr berühmten Taschenspieler.

Das gesellige Leben unter den Schülern ließ der Doktor sich ungehindert entwickeln, um sie freudig zum »Ochsen« und »Büffeln« zu erhalten. Die zwei Wirtshäuser am Orte spielten eine große Rolle und es bildeten sich zwei farbentragende Verbindungen, die ganz genau den akademischen Sitten angepaßt waren und einen Bierkomment hatten; nur das Fechten resp. Pauken gab es nicht. Manchmal kamen frühere Breitenbronner Schüler von der Universität und »keilten« für die Korps und für die Burschenschaften.

Ich hatte meiner Freundin versprechen müssen, mich von diesem Treiben, von dem man außerhalb wohl wußte, gewissenhaft fernzuhalten, und tat es anfangs auch. Ich las ungeheuer viel; in jeder freien Stunde hing ich über meinen Büchern oder machte Verse. Dies fiel natürlich den andern auf und sie beschlossen mich in ihren Strudel hineinzuziehen. Als eines Abends ein Heidelberger Burschenschafter, der früher in Breitenbronn gewesen, ankam, überfielen sie den »Kopfhänger«, wie sie mich nannten. Jubelnd schleppten sie mich ins Wirtshaus, wo mir der Burschenschafter die Vorzüge des Kneipens theoretisch und praktisch beibrachte. Ich kam an diesem Abend »sternhagelvoll« nach Hause, aber bald hatte ich das Kneipen los, konnte viel vertragen und avancierte zum Präsidenten der einen Verbindung. Es gab recht kindliche Streitigkeiten mit einem künftigen Theologen, der sich für diesen hohen Posten mehr qualifiziert glaubte, worauf ich zur anderen Verbindung übertrat, eine Anzahl Mitglieder mitnahm und dort auch zum Präsidenten erhoben wurde, in welcher Würde ich mich sehr fühlte.

Mit den Dorfbewohnern vertrugen wir uns gut; nur wenn man den Dorfschönen den Hof machte, wurden die »Burschen« eklig. Wegen einer solchen Affäre wurden wir einmal – wir mochten eben zu einem Dutzend zusammen sein – um Mitternacht, als wir von Aglasterhausen heimkehrten, überfallen. Vor diesem Städtchen – im Volksmund »Alterlasterhausen« genannt – griffen uns plötzlich mit Zaunlatten bewehrte »Burschen«, weit zahlreicher als wir, an. Ich war mit einem Dolch bewaffnet nach romantisch-jugendlichem Brauch, konnte aber mit dieser Waffe nichts ausrichten. Wir erhielten schreckliche Prügel; einer von uns aber entriß einem »Burschen« die Latte und schlug wütend um sich. Er traf einen der Angreifer so hart, daß dieser seine Vorderzähne einbüßte. Darauf verzogen sich die Angreifer. Es wurde gerichtliche Untersuchung eingeleitet, aber man sorgte in beiderseitigem Interesse dafür, daß nichts herauskam. Der Mann mit den eingeschlagenen Zähnen gab an, es hätte ihn ein Pferd geschlagen.[32]

Wir trieben viel Unfug mit Schießwaffen; die meisten hatten Pistolen; auch Stockflinten waren vorhanden. Mit diesen wurde manchmal gewildert, namentlich in der Reiherkolonie bei Mörtelstein am Neckar. Diese Kolonie hatte im achzehnten Jahrhundert ein badischer Prinz angelegt und die prachtvollen Vögel, die hier zu Hunderten nisteten, versorgten sich aus dem nahen Flusse mit Fischen. Die Bäume, auf denen man die großen Reihernester sah, hatten wenig Laub und waren von dem Kote der Vögel weiß bespritzt; wovon das Laub verdorben war. Einst schoß mein Mitschüler W. mit der Stockflinte einen Reiher aus dem Nest herab. Gleich nach dem Schuß erschien ein Waldhüter und fragte grimmig, wer geschossen habe. Wir stellten uns ganz unschuldig und er mußte uns ziehen lassen, da er keine Schußwaffe entdecken konnte. Heute hält kein Waldhüter eine Stockflinte für einen Spazierstock.

Aber mit der Schießerei wurde es auch einmal ernst. Wir bekamen mit dem Doktor Differenzen und es kam zu einem »Auszug«, bei dem wir drohten, nach dem nahen Waibstadt überzusiedeln, wo eine Konkurrenz-Schnellbleiche sich befand. Der Doktor war außer sich und wollte uns ziehen lassen. Wir zogen zunächst nach Obrigheim an den Neckar, wo einer von uns die Vermittlung seines Oheims, des Pfarrers, anrufen wollte. Die Vermittlung gelang auch und wir zogen abends wieder gen Breitenbronn. Wir hatten alle tüchtig geladen und der Weg durch einen finsteren Wald machte uns viele Beschwerden. Hinter mir ging ein gewisser Schild, ein prächtiger junger Mensch aus dem Taubergrund, schön von Antlitz und Gestalt und mit einer Tenorstimme begabt; die uns alle bezauberte, wenn er zur Gitarre sang. Er war gutmütig und sentimental, aber sehr jähzornig. Ich war damals schon sehr der Spötterei geneigt und ich foppte ihn mit seiner unglücklichen Liebe zu einer Pfarrerstochter. Plötzlich schrie er: »Wenn du noch ein Wort sagst, schieße ich dich über den Haufen!« und im gleichen Moment krachte ein Pistolenschuß. Die Kugel zischte dicht an meinem Kopfe vorbei. Schild, der ein vorzüglicher Schütze war, hätte mich getroffen, wenn nicht ein Freund von mir, Philipp K. aus Karlsruhe, ihm einen Stoß gegeben hätte, als er die Pistole im Mondlicht funkeln sah. Ich lachte krampf haft – nicht etwa aus Übermut, sondern aus einer unbestimmten Empfindung heraus. Dies Lachen war gewiß töricht, aber die Gefahr, in der ich geschwebt; kam mir erst nachher so recht zum Bewußtsein. K. schrie: »Wie kannst du so frevelhaft lachen, da du jetzt schon vor Gottes Thron stehen könntest?« K. wollte nämlich Theologe werden. Er imponierte mir nicht, aber ich war ihm dankbar.1

Am andern Morgen erschien Schild ganz zerknirscht vor meinem Bette und bat um Verzeihung und Verschwiegenheit. Beides wurde ihm gerne zugesichert. Der Arme erschoß sich später als Student aus mir unbekannten Gründen am Neckarufer zu Heidelberg vor dem Elternhause[33] meines Freundes Röder. Bevor er den Schuß abgab, sang er in die Nacht hinaus: »Ich habe gelebt und geliebet!« Er traf sich schlecht und mußte lange leiden, bis der Tod ihn erlöste. Ich denke immer an ihn, wenn ich dort am Neckarufer vorüber komme.

Um diese Zeit kam ich auch zum erstenmal in eine politische Versammlung. Es fanden die Wahlen zum Zollparlament statt und in Aglasterhausen wurde eine nationalliberale Versammlung veranstaltet, in welcher Dr. Bluntschli sprechen sollte. Der Doktor führte uns alle dahin. Bluntschli gefiel mir nicht. Der alte Röder in Heidelberg hatte ihn wegen seines Auftretens beim Straußenputsch2 hart getadelt. Von seinem Auftreten gegen den Kommunisten Weitling wußte ich damals nichts. Er sah wie ein alter Holländer aus. Seine Rede war nichtssagend, so viel ich davon verstand.

Im allgemeinen tat mir der Aufenthalt in Breitenbronn recht gut. Die Frische und Fröhlichkeit der Jugend kam nun mehr zum Durchbruch; seitdem ich mich dem brutalen stiefväterlichen Druck entwunden hatte. Ich erweiterte rasch meine Kenntnisse; und eines Tages nahm mich der Doktor in ernster Stimmung im Garten beiseite und schüttete mir sein bekümmertes Herz aus. Er sagte mir, der Unterrichtsminister sehe die freie Maturitätsprüfung nicht mehr gern und es sei beschlossen, recht tüchtig zu »fuchsen«, d.h. die Ansprüche an die Examinanden zu erhöhen. 1867 war es noch leidlich gegangen. Aber vor der Prüfung von 1868 hatte der Doktor Furcht: »Du bist einer von den Wenigen, auf die ich noch Hoffnungen setze; bei weitaus den meisten wirds nicht langen.« Ich war tief bewegt und versprach, mein möglichstes zu tun. Es sollte sich zeigen, daß die Sorgen des Doktors wohl begründet waren. Wir hatten unseren guten Doktor auch oft gefoppt, wie es der jugendliche Mutwillen mit sich bringt. Kurz vor dieser Unterredung hätten wir gerne die letzte Stunde an einem Nachmittag frei gehabt und dies wurde auf meinen Vorschlag mit folgenden Mitteln erreicht. Auf die große Tafel wurde mit sehr viel Naturalismus der Dachdecker von Ulm in der bekannten Situation gezeichnet und zwar auf beide Seiten. Dann wurde der Schwamm weggetan. Alsbald kommt der Doktor herein, stutzt, will das Bild auslöschen, findet keinen Schwamm, dreht die Tafel um und der Dachdecker ist wieder da. Wütend rennt der Doktor hinaus und kommt nicht wieder. Wir haben die Stunde frei. Nachdem mir aber der Doktor sein Herz ausgeschüttet, hielt ich mich von solchem Unfug fern.

Wir machten viele schöne Sonntagsausflüge; öfters kam ich auch nach Eberbach und versäumte nicht, das Grab meines teuren Vaters zu besuchen und zu schmücken. Einstmals befanden wir uns dabei in dem nahen Schlosse Zwingenberg, das einem badischen Prinzen gehört, und ich schrieb in jugendlichem Übermut etwas an eine Wand, was mir übel hätte bekommen können, wenn es entdeckt worden wäre. Nachher wurde ich mir meiner[34] Torheit bewußt und ging mit einem Freunde wieder hinüber. Dieser mußte die als Führerin dienende Tochter des Kastellans beschäftigen, was er sehr gerne tat, während ich die bedenkliche Inschrift auslöschte. Mit diesem Freunde, Wilhelm Köhler, hatte ich mich erst einmal tüchtig geprügelt, da er – mit guten Gründen – meine Verse verspottete; dann wurden wir Freunde. Köhler lebte als vielbeschäftigter Anwalt in Mannheim und ist vor kurzem gestorben; sein nie versiegender Humor und sein treffender Witz haben ihn weithin bekannt gemacht. Auch mit Friedrich Lother, später Apotheker in Eppingen und dann Privatier in Freiburg, schloß ich eine Freundschaft, die heute noch besteht.

Die angenehmsten Episoden jener Zeit waren natürlich die Ferien. Einmal ging ich nach Wertheim, wo man mich sauersüß empfing. Ich merkte, daß sie alle meinen Durchfall bei der Maturitätsprüfung für sicher hielten und sich schon auf die Moralpredigten vorbereiteten. Der gute Onkel Professor wollte vor der Sippschaft gleich meine Ignoranz bloßstellen. Plötzlich richtete er an mich die Frage:

»Was ist ein Logarithmus?«

»Ein Exponent!« erwiderte ich nach kurzem Besinnen.

Der Angriff war abgeschlagen, was der Professor durch ein verlegenes Knurren bestätigte.

Ich kam manchmal nach Mannheim, wo ich von der guten Frau Breuning immer wie ein Glied der Familie aufgenommen wurde. Auch in das gemütliche Pfarrhaus zu Gaiberg bei Heidelberg kam ich des öfteren. Die Frau des Pfarrers Danquard war eine Schwester meiner Freundin, die ich dort auch traf. Sie hatte mir eine der Pfarrerstöchter als Zukünftige bestimmt, aber diese starb in jungen Jahren. Wir hätten uns später wohl kaum gefunden. Der Pfarrer war 1849 in Boxberg gewesen und hatte während der Revolution den dortigen Zivilkommissär kurze Zeit vertreten. Er war sich der Tragweite dieser Handlung nicht bewußt. Als die Preußen kamen, wurde er verhaftet. Zwar entließ man ihn wieder nach zwei Monaten, aber er verlor Amt und Gehalt und mußte mit seiner Familie darben. Nach zwei Jahren ward er wieder angestellt. In diesem Pfarrhause lernte ich zuerst Herweghs »Gedichte eines Lebendigen« kennen.

Mit meinem Freunde Röder kam ich in den Ferien mehrfach in sein Vaterhaus zu Neuenheim bei Heidelberg, das dicht am Neckar lag und einen prächtigen Garten hatte. Im romantischen Gartenhäuschen hatte ich mein Quartier. Der alte Röder war eine hochinteressante Persönlichkeit und ein Freund von Gervinus, mit dem er zusammen 1848 im Frankfurter Vorparlament gewesen war. Er war ein Schüler des Philosophen Krause. Seine Rechtsphilosophie gefiel den Regierungen nicht und 183o wurden seine Vorlesungen an der Universität Gießen verboten; seit 1842 war, er in Heidelberg außerordentlicher Professor. Er suchte das Gefängniswesen zu reformieren und trat namentlich für die Einzelhaft ein. Auf diesem Gebiete galt er für eine Autorität – außerhalb Deutschlands.[35] Als Spanien 1873 Republik geworden war, erhielt Röder vom Justizminister Salmeron den Auftrag, für Spanien ein Strafgesetzbuch und eine Strafvollzugsordnung auszuarbeiten. Aber ehe er damit fertig wurde, war Salmeron schon wieder gestürzt und die Republik dazu.

An schönen Sommerabenden war im Röderschen Garten an langer Tafel oftmals eine illustre Gesellschaft zusammen. Da sah man Gervinus mit seiner aristokratischen Haltung und neben ihm seine Frau mit ihrer berühmt schönen Hand; den Chemiker Bunsen mit seinem von weißem Haar umrahmten Antlitz, von dem man damals sagte, er habe das Wunder des heiligen Januarius zu Neapel3 aufgeklärt; den gelehrten Professor Delffs, der mit Bunsen arbeitete, und die gefeiertste Persönlichkeit dieses Kreises, den Dichter Scheffel. Er war übrigens im Umgang nicht so angenehm, wie man aus seinen fidelen Liedern schließen könnte, und benahm sich gern etwas steif. Einmal wurde, wenn ich mich recht erinnere, ein neues Gedicht von Scheffel unter großem Jubel vorgetragen. Wir jungen Leute saßen meist still am unteren Ende der Tafel und staunten zu den großen Geistern empor. Die Stimmung in diesem Kreise war durchweg antipreußisch; auch Scheffel schwärmte für Österreich. Als Gervinus 1871 starb, erschien ein Nachruf, in dem es hieß:


»Es ist so klein das Häuflein der Gerechten;

Der Führer fiel, wer will nun widerstehen

Noch weiter jenen fürchterlichen Mächten;

Die Recht und Freiheit eisern niedermähen?«


Dies gibt die Stimmung mancher damaligen Professorenkreise in Heidelberg trefflich wieder. Dort war zu Anfang der sechziger Jahre Garibaldi weit populärer als nachher Bismarck, und als Garibaldi 1862 am Aspromonte am Fuße verwundet worden war, entwarfen Heidelberger Professoren einen Liegestuhl für ihn, auf dem er das Bein recht bequem ausstrecken konnte. Gervinus und Röder waren Stubengelehrte, die den rauhen Hauch politischer Bewegungen draußen im Volke nicht gut vertrugen. Hörte man sie, so hätte man glauben können, sie sehnten sich nach einer Wiederkehr des Völkerfrühlings von 1848. Aber Gervinus war damals mißmutig aus dem Frankfurter Parlament ausgetreten und hatte dem Vertrauensdusel des Professorentums gegenüber den »fürchterlichen Mächten« in der »Deutschen Zeitung« Ausdruck gegeben. Röder konnte nach zwanzig Jahren sich noch aufregen über die Ereignisse vom 21. Juni 1849. Damals hörte man in Heidelberg den Geschützdonner der Schlacht von Waghäusel, wo die badische Revolutionsarmee nach anfänglichem Siege von den Preußen geschlagen wurde. Heidelberg war an diesem Tage von Johann Philipp Becker mit Volkswehren besetzt. Preußische Truppen erschienen auf dem Heiligenberg über Neuenheim und feuerten in die Stadt hinein. Johann Philipp Becker ließ das Feuer kräftig erwidern und es[36] flogen Gewehr- und Geschützkugeln von hüben und drüben über das Rödersche Haus. Das war dem alten Röder denn doch zu viel.

Bei uns jungen Leuten saßen auch Sophie Delffs und Lina Röder, die begabten liebenswürdigen Töchter der beiden Professoren, Scheffels Freundinnen, die ihn auf seinem letzten Krankenlager liebevoll pflegten. Sophie Delffs, zu der auch ich bis zu ihrem Tode in freundschaftlichen Beziehungen stand, hat Scheffels »Ekkehard« und Raabes »Schüdderump« ins Englische übertragen.

Von Heidelberg wars nicht weit nach Ziegelhausen ins Pfarrhaus zum Onkel Schmezer. Dort war ich auch 1865 eingekehrt auf meiner traurigen Reise von Pfullendorf nach Wertheim zurück. Der Onkel tröstete mich mit guten Worten, aber es blieb ihm nicht viel Zeit, sich mit mir zu beschäftigen, denn es war Philologentag zu Heidelberg und Scheffel hatte zur Begrüßung der Philologen auf dem Schlosse jenes hübsche Lied gedichtet, in dem das große Faß den gelehrten Häusern eine vortreffliche historische Abhandlung vorträgt, welche die Kulturhöhe der Völker nach der jeweiligen Beschaffenheit ihrer Trinkgefäße und Fässer[37] bemißt. Mein Onkel trug das Lied nach der Melodie »Beim großen Faß zu Heidelberg« an diesem ehr würdigen Kulturdenkmal mit prächtiger Baritonstimme vor. Dies war der Glanzpunkt des Festes.

Jetzt war ich nicht mehr so niedergedrückt; ich kam als »fahrender Schüler« zu meinem Onkel. Ich träumte damals schon von einer literarischen Zukunft, als ich aber meinen Onkel um Rat fragte, warnte er mich sehr ernst vor dem »Literatenleben«.

Aber sonst ging es lustig zu. Der Braunschweiger Tenoristenonkel war da; ob Scheffel gerade zu dieser Zeit auch da war, weiß ich nicht mehr. Dagegen war der Schwiegersohn des Onkels da, der in Darmstadt und Mannheim als demokratischer Journalist tätig gewesen war. Er geriet mit dem Braunschweiger Onkel, der »preußisch« gesinnt war, zum Ergötzen von uns anderen, oft hart zusammen. Dieser Journalist, Wilk mit Namen, war auch mit Ludwig Büchner und mit Liebknecht befreundet; er hatte Liebknecht bei dessen Hochzeit seinen Frack geliehen. Natalie Liebknecht, damals Fräulein Reh, war auch einmal im Ziegelhäuser Pfarrhause zu Besuch; ich habe sie aber dort nicht gesehen.

Die politischen Debatten konnten das fröhliche Leben im Pfarrhause nicht beeinträchtigen. Damals lag über Heidelberg jener Schmelz und Schimmer Scheffelscher Poesie, wie er in dem Liede: »Alt-Heidelberg, du feine« am besten zum Ausdruck kommt; und er verklärte nächst dem Schlosse wohl am meisten jenes Pfarrhaus am Neckar. Da war man immer sangeslustig und »feuchtfröhlich«, wenn die Gäste kamen, die da wie in einem Taubenschlage aus und ein flogen. Das Lieblingslied meines Onkels war das Mühlersche: »Grad aus dem Wirtshaus komm' ich heraus«, zu dem er zahlreiche Strophen hinzu gedichtet hatte. Es wurde einmal behauptet; sein Humor sei Galgenhumor gewesen. Das ist ganz falsch. Man lebte und webte dort ganz im Geiste der Gesellschaft »Im Engern«; alles war vergoldet vom Scheffelschen Humor.

Wie gerne denke ich an jenes Pfarrhaus zurück! Den Namen meines Onkels werden seine beiden so populären Melodien zum »Herrn von Rodenstein« und zum »Enderle von Ketsch« noch lange erhalten.

»Was macht der jugendliche Greis?« frug immer der Doktor, wenn ich von Ziegelhausen nach Breitenbronn zurück kam.

Der Doktor machte mit sämtlichen Zöglingen eine schöne Fußtour durch das Neckartal nach Heilbronn. Dies Tal bildet von Heilbronn bis Heidelberg mit seinem silbernen Strome, seinen grünen Höhen und den zahlreichen Burgen und Schlössern, meist Ruinen, über den freundlichen Ortschaften einen der schönsten Striche Deutschlands. Das Schwalbennest zu Neckarsteinach, die Minnaburg, die Notburgahöhle, der Hornberg; das Schloß Götzens von Berlichingen – welche Fülle von romantischen Erinnerungen! Andächtig schritten wir über das Schlachtfeld von Wimpfen, wo die vierhundert Pforzheimer den vielbestrittenen Heldentod erlitten haben sollen. In Heilbronn zeigte man mir einen Mann in schwarzem Gewand und eine Papierrolle unterm Arm, finster vor sich niederschauend;[38] es war der berühmte David Friedrich Strauß. Wir pilgerten hinaus nach Weinsberg ins Kernerhaus. Theobald Kerner, mit dem ich erst ein Vierteljahrhundert später befreundet wurde, empfing uns. Mit welcher Ehrfurcht staunten wir den Geisterturm an und die Totenschädel, die sich im oberen Gelaß befanden! Und die Bilder der Seherin von Prevorst, des tiefsinnigen Lenau, der koketten Krüdener! Eine mystische Atmosphäre umfing uns, die aber oft durch das heitere Lachen von Theobald Kerner zerstreut wurde. Oben auf der Weibertreu klagten die Aeolsharfen geisterhaft; aber vom großen Bauernkrieg, von Jäcklein Rohrbach; von Florian Geyer und der schwarzen Hofmännin wußte ich noch wenig.

Auch zum Lutherfest nach Worms nahm der gute Doktor seine sämtlichen Schüler mit. Das große Lutherdenkmal wurde damals enthüllt. 30,000 Fremde sollen in dem kleinen Worms gewesen sein. Heute wären es sicherlich weit mehr, aber damals reiste man nicht so viel. Ich erinnere mich noch, welches Aufsehen es jedesmal in Wertheim machte, wenn meine Großmutter nach Reichenhall ging. Die Enthüllung des Denkmals zu Worms ging sehr feierlich vor sich in Anwesenheit einer Menge von Potentaten. Von den Reden verstand man nichts und amüsierte sich bald weit mehr an den trefflichen rheinhessischen Weinen. Der Doktor Luther hätte seine Freude daran gehabt; wie seine Mahnung, den Wein zu lieben, befolgt wurde. Da man in der überfüllten Stadt nirgends ausruhen konnte, machten wir, von der Reise ermüdet, ein Mittagsschläfchen auf frischen Ochsenhäuten, die am Bahnhof aufgestapelt waren. Die Verwirrung am Bahnhof war ungeheuer; ein ganzer Zug »voller« Mannheimer fuhr nach Mainz statt nach Hause.

Hier leistete ich meine erste journalistische Arbeit. Ein Neffe meiner Mannheimer Freundin, der in irgendeiner Wildnis Nordamerikas ein Blatt herausgab, hatte mich zu einem Bericht über das Lutherfest aufgefordert. Der Bericht erschien und ich fand ihn später sehr dumm; für die Wildnis aber war er jedenfalls großartig.

In diesen Zeiten kam ich auch öfter nach Heidelberg zu meinem Freund Köhler, der schon 1867 das Maturitäts-Examen in Karlsruhe gemacht hatte. Er war in Heidelberg bei dem Korps Rhenania eingetreten und brachte mich öfter auf dessen Kneipe sowie auf den Paukboden in der berühmten Hirschgasse, wo ich mehrere recht blutige Mensuren mit ansah. Bei der Rhenania machte ich eine Reihe interessanter Bekanntschaften, unter anderen lernte ich den Sohn des bekannten achtundvierziger Demokraten und Abgeordneten Georg Jung kennen. Jung, der Vater, der zu Berlin eine große Rolle gespielt hatte, wurde später nationalliberal; Jung, der Sohn, ein geistreicher und witziger Mensch, mit dem ich köstliche Stunden verlebte, starb in jungen Jahren. Die Heidelberger Rhenania führte um diese Zeit einen sehr gelungenen Streich aus. Eines ihrer »bemoosten Häupter«, Franz Butterweck, hatte nach der Meinung seines gestrengen Herrn Vaters nun genug »studiert« und wurde nach Darmstadt heimgeholt.[39] Seine Korpsbrüder beschlossen auf ihn zu »fahnden«, und die »Fahndung« wurde ganz genau so ausgeführt; wie in Scheffels Gedicht die »Fahndung« des Herrn von Rodenstein auf seinen Stabstrompeter Hans Schleuning beschrieben ist. Es saß auch gerade Butterweck unter der »Stammgastschar« beim Vespertrünklein mit Dünnbier. Nun stieß es draußen dreimal »grauenhaft« ins Jägerhorn und mit aller Macht erscholl der Chor:


»Raus da, raus aus dem Haus da!

Raus mit dem Deserteur!«


Der alte Butterweck war so gerührt, daß er seinen Sohn noch auf zwei Semester nach Heidelberg ließ.

Damals gab es in Heidelberg überhaupt interessante Studentenstreiche. Eines Tages erschien auf dem Wochenmarkt ein Zug von sechs Dienstmännern, die ein Bett trugen, und in diesem Bett lag der Studiosus Cohn4 von der Rhenania in Couleur und rauchte vergnüglich seine Pfeife. Der »Stiefelfuchs« der Rhenania schritt gravitätisch voraus und machte Platz im Marktgewühl. Bald stellte sich die Polizei dem Zuge entgegen und drohte mit Anzeige wegen groben Unfugs und Verletzung der Schamhaftigkeit. »Gleich steh' ich auf!« rief Cohn und begann die Bettdecke aufzuheben. Marktwandelnde sittige Jungfrauen wendeten sich errötend und entrüstet ab – ein Student im Hemde auf dem Markte, das war denn doch zu viel! Aber allgemeines Gelächter erscholl, die schamhaften Jungfrauen stimmten, nachdem sie sich wieder gewendet, fröhlich ein und die Polizei zog mit langer Nase ab, denn der Studiosus Cohn lag völlig angekleidet im Bett!

An vielen öffentlichen und privaten Gebäuden stand morgens mit ellenhohen Buchstaben angepinselt: »Kullmann, p. p. Biersch ...!« – Der seltene Fall war eingetreten, daß einer, der sich dauernd gegen die Vorschriften des Bierkomments verfehlt hatte, in den perpetuellen »Versch ...« fuhr. Das mußte nach alter Sitte öffentlich angeschrieben wer den. Der Verfemte selbst mußte sich mit vierzig Schoppen »herauspauken«; er tat es auch von abends 8 bis morgens 4 Uhr. Manchen Schoppen wird er wohl unbemerkt nebenhin gegossen haben. Der akademische Senat nahm die Sache aber sehr ernst. Jung und einige andere, welchen man das An pinseln des Bierurteils nachwies, wurden relegiert auf ein Jahr und das Korps mußte etwa 800 Gulden Entschädigung zahlen.

Damals befand sich ein griechischer Jüngling studierens halber in Heidelberg, dem sein Vater eine holde griechische Maid schickte, um ihn so vor den »Verführungen, Lastern und anderen Gefahren« Heidelbergs zu bewahren. Das homöopathische Experiment glückte aber nicht, denn es ließen sich auch andere von der schönen Griechin vor den Gefahren Heidelbergs schützen.

Viel gelacht wurde damals über ein bemoostes Haupt, welches »der Pandektenlump« hieß. Dieser Musensohn stand im vierzigsten Semester[40] und »studierte«, d.h. kneipte und pumpte immer noch fröhlich weiter. Bei einer akademischen Festlichkeit brachte er einen Toast auf den berühmten Juristen Vangerow aus und sprach mit vieler Würde: »Sie sind der Pandektenheld; ich bin der Pandektenlump!« – Der Name blieb ihm. Gesehen habe ich dieses Original nicht.

Ich beschloß später auch in ein Korps einzutreten, aber anderwärts. In Heidelberg erschien mir das Korpsleben für meine Verhältnisse zu teuer. Unter den damaligen Heidelberger Professoren interessierte mich vor allen Heinrich von Treitschke, der damals durch eine, wenn ich recht weiß, bei einem Turnfest in Leipzig gehaltene phrasenreiche Rede populär geworden war. In Heidelberg las er über die französische Revolution und dies bewog mich, mehreremals zu ihm zu gehen. Ich war sehr enttäuscht. Er behandelte gerade den 5. und 6. Oktober 1789, den Zug der Frauen von Paris nach Versailles. Fast eine Stunde füllte er durch eine mit Brüllen hervorgestoßene Schimpferei aus, in welcher er die französische Revolution als ein ungeheueres Verbrechen brandmarkte, weil Maria Antoinette mit bloßen Füßen und im Hemde über einen Korridor des Versailler Schlosses springen mußte. Diese Art von Geschichtsauffassung war mir schon damals zuwider. In ähnlicher Art hörte ich ihn später im Reichstage schimpfen, wo es ihm als ein ungeheuerliches Verbrechen erschien, daß in einer Gipsbüste des alten Kaisers Wilhelm verbotene sozialistische Schriften über die Grenze geschmuggelt sein sollten. Dabei hatte man ihn mit dieser Geschichte zum besten gehabt.

Das alles trat nun zurück gegen das nahende Maturitäts-Examen, für uns Schüler, wie für unseren Doktor weitaus das wichtigste Ereignis des Jahres. Es war Sommer 1868.

Der große Akt sollte in Karlsruhe vor sich gehen und zwar in jenem Gebäude auf dem Markte neben dem alten Rathaus mit dem goldenen Engel. An dem Gebäude steht heute angeschrieben, daß der Dichter Peter Hebel dort gewohnt hat. Ich hatte das Grab dieses Dichters, den ich sehr liebte, in Schwetzingen besucht; daß ich nun in seinem Hause geprüft werden sollte, erschien mir wie ein freundliches Vorzeichen. Ein wenig abergläubisch ist man in der Jugend ja immer.

Zweiundzwanzig Examinanden, darunter zwölf Breitenbronner, waren erschienen und manchem mochten nach des alten Homer Worten, »Herz und Knie erzittern«, als die gestrengen Herren Examinatoren eintraten. Die ganze Prodezur dauerte eine Woche. Wir Breitenbronner wohnten im »goldenen Karpfen«, wo wir abends kneipten. Gegen Ende der Woche kam der Doktor an, dem es in Breitenbronn keine Ruhe ließ. Das Resultat übertraf seine schlimmsten Befürchtungen. Von den zweiundzwanzig Examinanden fielen siebzehn durch und von den zwölf Breitenbronnern bestanden nur zwei, ein gewisser Dänzer von Odenheim, wohl ein Anverwandter des Mitgliedes der Landesversammlung von 1849, und ich. Ich war unter den fünf Glücklichen der Dritte. Ich hatte in Deutsch, Französisch, Latein, Griechisch, Geschichte und Literatur vorzüglich bestanden.[41] Der Examinator in Literatur, der bekannte Dr. Wendt, hatte mich gefragt, ob ich ein Gedicht von Walther von der Vogelweide kenne; er fügte hinzu, daß dies nicht zur Prüfung gehöre; er wolle nur sehen, wie weit meine Kenntnisse gingen. Zufällig kannte ich aus Scheffels »Aventiure« das Lied: »Ich saß auf einem Steine« etc. Wendt war sehr befriedigt, aber im Grunde hatte ich sein Lob nicht verdient.

Der arme Doktor reiste niedergeschmettert ab. Da er wußte wie einsam ich in der Welt stand, lud er mich ein die Ferien bei ihm zu verbringen. Ich folgte der Einladung. Im nächsten Jahre starb er und sein Institut ging ein.

Alle die lieben Menschen, die sich auf meinen Durchfall mit Moralpredigten vorbereitet hatten, mußten sich diese nun verkneifen. Aber gerade das bewirkte, daß ich von ihnen nun um so mehr angefeindet wurde.

Eine kleine Episode soll nicht vergessen sein. Bei meiner Großmutter hatte ein gewisser H., ein Lyzeist, der Theologe werden wollte, einen Freitisch. Wir beteten sonst nicht bei Tische, aber wenn dieser fromme Jüngling herein kam, faltete er gleich die Hände und so mußte ich mitbeten. Eines Tages hatten wir Bohnen und meine Großmutter fragte, wie Bohne lateinisch heiße. Ich wußte es nicht, aber H., der mir zwei Klassen voraus war, wußte es. Da sagte meine Großmutter: »Wenn du es einmal so weit gebracht hast, wie Herr H., dann will ich mich freuen!« – Dieser H. blieb dann so viel sitzen, daß er mit mir in der Prüfung zu Karlsruhe erschien. In der Literaturprüfung wurde er gefragt: »Was wissen Sie von Lessing?« Er antwortete mit einer Kastratenstimme: »Lessing war der Sohn eines Pfarrers.« – Sonst wußte er von Lessing nichts. Er fiel natürlich durch.

Als ich meiner Großmutter meldete, daß ich bestanden, fügte ich die Nachricht vom Schicksal des H. hinzu und erinnerte an die Bohnengeschichte. Darauf schickte mir die Großmutter fünfzig Gulden.

Ich will nicht leugnen, daß ich mir damals als ein großartiger Kerl vorkam.[42]

Fußnoten

1 Er soll in alten Tagen dem Reichsverband gegen die Sozialdemokratie beigetreten sein. Am Ende reut es ihn, daß er einem Sozialdemokraten das Leben gerettet hat.


2 Tumulte wegen der Berufung des bekannten Theologen David Friedrich Strauß nach Zürich.


3 Dreimal im Jahr wird das Blut des heiligen Januarius flüssig; bleibt dies aus, so bedeutet das Unglück.


4 Damals nahmen verschiedene Corps jüdische Studenten auf.


Quelle:
Blos, Wilhelm: Denkwürdigkeiten eines Sozialdemokraten. 2 Bde, 1. Band. München 1914, S. 43.
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Romantische Geschichten II. Zehn Erzählungen

Romantik! Das ist auch – aber eben nicht nur – eine Epoche. Wenn wir heute etwas romantisch finden oder nennen, schwingt darin die Sehnsucht und die Leidenschaft der jungen Autoren, die seit dem Ausklang des 18. Jahrhundert ihre Gefühlswelt gegen die von der Aufklärung geforderte Vernunft verteidigt haben. So sind vor 200 Jahren wundervolle Erzählungen entstanden. Sie handeln von der Suche nach einer verlorengegangenen Welt des Wunderbaren, sind melancholisch oder mythisch oder märchenhaft, jedenfalls aber romantisch - damals wie heute. Michael Holzinger hat für den zweiten Band eine weitere Sammlung von zehn romantischen Meistererzählungen zusammengestellt.

428 Seiten, 16.80 Euro

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