289. Ewige Schätze, ewiger Friede.

[370] (Gedichte von Götz.)


Als Fremdling schiffet, richtige Kenntnisse

Sich zu erwerben, der nach Iberien,

Verlernt sich selbst, und stirbt, in seinem

Eigenen Herzen der größte Fremdling.


Lebendigtodt im Schooße des Müßiggangs,

Ja, schon begraben, eh' er gestorben ist,

Verschweigt die grünen Jahre jener,

Weder im Kriege, noch Frieden brauchbar.


Ein andrer klebt an Höfen, und fliehet doch

Sich selbst und seine Sitten an jeglichem

Will, o der Knechtschaft höchste Stufe!

Niemanden, elend zu seyn, gestehen;


Und lügt sich glücklich unter erschrecklicher

Gewissensmarter. Aber vergebens strebt

Der Gram, auf seiner Stirn zu lächeln,

Und zu verwandeln die trübe Scene.


Denn hinter seinen Wolken verbergen sich

Der Freude Farben. Ob sich abwechselnder

Besuche Schwarm, ob von Klienten

Ewige Fluthen um ihn sich drängen,
[371]

Und der Plebejer seinen Pallast umzieht:

Erseufzet er, von sich selber verlassen, doch:

Mir mangelt Alles! und ihn foltert

Beydes, der Stadt und des Volks Vermögen.


Wer alle Macht zusammen begehrt, verliert

Auch die gemeine. Wähnst du, was köstlich ist,

Das müsse dein seyn? Armuth hat mich

Glücklicher Weise von Gold entfernet


Und so – gesichert. Was ich entbehren kann,

Ist mehr, als was ich brauche, den Cäsarn gleich

An wahrer Größ' in diesem Einen:

Daß ich ein Herrscher bin meiner selber.


Wir alle können alles mit Sicherheit

Verachten, nicht besitzen. Ein Mächtiger,

Hoch über Schwache fahrend, denkt nicht,

Daß sich im Stygischen Kahn die Schatten


Einander gleichen, ungleich auf Erden zwar,

Nicht in der Erde. Manchen erhöhete

Ein Tragestuhl; ein Siegeswagen

Manchen: Quiriten sind wir doch alle.


Die unsre Asche sammelt, die Urne, giebt

Das Maaß von jedem. Wälzet von Halse mir

Die goldnen Bürden, das Gepäck ab,

Welches mir Antiums Göttin auflegt!
[372]

Wann ich, des Krams entlastet, ein freyer Mann

Einst sterbe, hab' ich ewige Schätze mir

Erworben, weil ich nichts begehre;

Ewigen Frieden, weil ich nichts fürchte.

Quelle:
Laukhard, Friedrich: Zuchtspiegel für Eroberungskrieger, Advokaten und Aerzte. In: Zuchtspiegel für Fürsten und Hofleute, Paris [i.e. Leipzig] 1799, S. 370-373.
Lizenz:
Kategorien:

Buchempfehlung

Hoffmann, E. T. A.

Prinzessin Brambilla

Prinzessin Brambilla

Inspiriert von den Kupferstichen von Jacques Callot schreibt E. T. A. Hoffmann die Geschichte des wenig talentierten Schauspielers Giglio der die seltsame Prinzessin Brambilla zu lieben glaubt.

110 Seiten, 4.40 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon

Buchempfehlung

Romantische Geschichten. Elf Erzählungen

Romantische Geschichten. Elf Erzählungen

Romantik! Das ist auch – aber eben nicht nur – eine Epoche. Wenn wir heute etwas romantisch finden oder nennen, schwingt darin die Sehnsucht und die Leidenschaft der jungen Autoren, die seit dem Ausklang des 18. Jahrhundert ihre Gefühlswelt gegen die von der Aufklärung geforderte Vernunft verteidigt haben. So sind vor 200 Jahren wundervolle Erzählungen entstanden. Sie handeln von der Suche nach einer verlorengegangenen Welt des Wunderbaren, sind melancholisch oder mythisch oder märchenhaft, jedenfalls aber romantisch - damals wie heute. Michael Holzinger hat für diese preiswerte Leseausgabe elf der schönsten romantischen Erzählungen ausgewählt.

442 Seiten, 16.80 Euro

Ansehen bei Amazon