317. Das soldatische Te Deum, nach manchem Siege.

[415] (Siede.)


Herr Gott, dich loben wir!

Herr Gott, wir danken dir,

Daß unsers Schwerdtes Gier und Wuth

Sich tief gesättigt hat im Blut;

Daß uns mit unserm Eisenarm

Kein stöhnend Ach, kein Gott erbarm

Die Heldenseele weich gemacht,

Und Thränen in das Aug' gebracht!

Heilig ist unser Gott! –


Darnieder schlug des Rosses Huf

Das Korn, das Gott dem Acker schuf;

Der Landmann jammert, weint und fleht –

Wir fühlen unsre Majestät! –


Wir danken Gott, wir danken dir,

Daß unsre Raub- und Kriegesgier

Trotz Recht und Unrecht uns gelingt,[415]

Triumphvoll unser Schlachtlied klingt;

Daß unsers Fürsten Ehrgeitz siegt,

Das Recht des Schwächern niederliegt!

Dir, Ehren-König, Jesu Christ,

Der du die Liebe selber bist,

Dir danket unser Lobgesang

Bey Trommeln und Trommetenklang!

Wir stürzten in den Feind hinein.

Und hieben ihm durch Mark und Bein:

Der Junglung sank, der Greis sank hin –

Für unsern Sieg und Kriegsgewinn!

Sie flehten von der Erd' herauf,

Wir traten mit den Rossen drauf;

Sie hatten uns nie Leid gethan,

Und sahn uns noch verzeihend an:

Des danken wir dir Zebaoth!


Wir wurden nicht dem Feind zum Spott,

Denn du, o Gott, warst unser Freund!

In Feurverzehrten Hütten weint

Die Armuth bey der Hungerspein,

Und Kinder mit der Mutter schreyn:

Ach, nun ist unser Vater todt;

Ach, Mutter, Mutter, gieb uns Brodt!

Daß alten grauen Eltern nun

Den Sohn, der ihnen auszuruhn

Die Stütze ihres Alters war,

Fortrissen wir, und nun ihr Haar

Verlassen in die Grube sinkt;

Daß auch, durch Macht und Ruhm gewinkt,[416]

Der Fürst erscheint wie ein Despot,

Des danken wir dir Zebaot!1

1

»Nach einem beendigten Kriege, beym Friedensschlusse, möchte es wohl für ein Volk nicht unschicklich seyn, daß nach dem Dankfeste ein Bußtag ausgeschrieben wurde, den Himmel, im Namen des Staats, um Gnade für die große Versündigung anzurufen, die das menschliche Geschlecht sich noch immer zu Schulden kommen läßt, sich keiner gesetzlichen Verfassung, im Verhältniß auf andere Völker, fügen zu wollen, sondern, stolz auf seine Unabhängigkeit, lieber das barbarische Mittel des Krieges – wodurch doch das, was gesucht wird, nämlich das Recht eines jeden Staats, nicht ausgemacht wird – zu gebrauchen.

Die Dankfeste während dem Kriege über einen erfochtenen Sieg, die Hymnen, die – auf gut Israelitisch – dem Herrn der Heerschaaren gesungen werden, stehen mit der moralischen Idee des Vaters der Menschen in nicht minder starkem Contrast – weil sie, außer der Gleichgültigkeit wegen der Art, wie Völker ihr gegenseitiges Recht suchen – die traurig genug ist – noch eine Freude hineinbringen, recht viel Menschen, oder ihr Glück vernichtet zu haben.« – So heißt es in dem philosophischen Entwurf Zum ewigen Frieden, von Immanuel Kant, S. 38 (Königsberg, bey Nicolovius, 1795.)

Quelle:
Laukhard, Friedrich: Zuchtspiegel für Eroberungskrieger, Advokaten und Aerzte. In: Zuchtspiegel für Fürsten und Hofleute, Paris [i.e. Leipzig] 1799, S. 415-417.
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