316. Lied nach dem Frieden. (1779.)

[412] (Asmus)


Die Kayserin und Friederich

Nach manchem Kampf und Siege

Entzweyten aber endlich sich

Und rüsteten zum Kriege;
[412]

Und zogen muthig aus ins Feld,

Und hatten stolze Heere,

Schier zu erfechten eine Welt

Und – Heldenruhm und Ehre. –


Da fühlten beyde groß und gut

Die Menschenvaterwürde,

Und wie viel Elend, wie viel Blut

Der Krieg noch kosten würde;


Und dachten, wie doch Alles gar

Vergänglich sey hienieden,

Und sahen an ihr graues Haar –

Und machten wieder Frieden.


Das freut mich recht in meinem Sinn!

Ich bin wohl nur fast wenig;

Doch rühm ich drob die Kaiserinn,

Und rühm den alten König!


Denn das ist recht und wohl gethan,

Ist gut und fürstlich bieder!

Und jeder arme Unterthan

Schöpft neuen Odem wieder.


Ach, Heldenruhm und Ehr' ist Wahn!

Schrey sich der Schmeichler heiser;

Die Gute ziemt dem großen Mann,

Nicht eitle Lorbeerreiser.
[413]

Gut seyn, gut seyn, großmüthig seyn,

Vollherzig zum Erbarmen,

Ein Vater Aller, Groß und Klein,

Der Reichen und der Armen!


Das machet selig, machet reich,

Wie die Apostel schreiben,

Ihr guten Fürsten, und wird euch

Nicht unbelohnet bleiben.


Gott wird euch Ruhm und Ehr' und Macht

Die Hüll' und Fülle geben,

Ein fröhlich Herz bey Tag und Nacht

Und Fried und langes Leben.


Und kömmt die Stunde denn, wovon

Wir frey nicht kommen mögen,

Euch schlecht und recht ohn' eine Kron,

Hin in den Sarg zu legen;


So wird der Tod euch freundlich seyn,

Euch sanft und bald hinrücken,

Und es wird euer Leichenstein

Euch nicht im Grabe drücken.


Und wie die Kinder wollen wir

Die Großen mit den Kleinen,

Um euch an eures Grabes Thür

Von ganzem Herzen weinen. –
[414]

Nun segne Gott von oben an,

Die Theil am Frieden nahmen!

Gott segne jeden Ehrenmann,

Und straf' die Schmeichler! Amen!

Quelle:
Laukhard, Friedrich: Zuchtspiegel für Eroberungskrieger, Advokaten und Aerzte. In: Zuchtspiegel für Fürsten und Hofleute, Paris [i.e. Leipzig] 1799, S. 412-415.
Lizenz:
Kategorien:

Buchempfehlung

Pascal, Blaise

Gedanken über die Religion

Gedanken über die Religion

Als Blaise Pascal stirbt hinterlässt er rund 1000 ungeordnete Zettel, die er in den letzten Jahren vor seinem frühen Tode als Skizze für ein großes Werk zur Verteidigung des christlichen Glaubens angelegt hatte. In akribischer Feinarbeit wurde aus den nachgelassenen Fragmenten 1670 die sogenannte Port-Royal-Ausgabe, die 1710 erstmalig ins Deutsche übersetzt wurde. Diese Ausgabe folgt der Übersetzung von Karl Adolf Blech von 1840.

246 Seiten, 9.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon

Buchempfehlung

Große Erzählungen der Frühromantik

Große Erzählungen der Frühromantik

1799 schreibt Novalis seinen Heinrich von Ofterdingen und schafft mit der blauen Blume, nach der der Jüngling sich sehnt, das Symbol einer der wirkungsmächtigsten Epochen unseres Kulturkreises. Ricarda Huch wird dazu viel später bemerken: »Die blaue Blume ist aber das, was jeder sucht, ohne es selbst zu wissen, nenne man es nun Gott, Ewigkeit oder Liebe.« Diese und fünf weitere große Erzählungen der Frühromantik hat Michael Holzinger für diese Leseausgabe ausgewählt.

396 Seiten, 19.80 Euro

Ansehen bei Amazon