Zwölftes Kapitel

[184] Nunmehr ging ich auf einige Tage nach Kolberg, um mich mit B–r zu berechnen und auseinanderzusetzen, war aber bereits in der Mitte des Junius wieder in Stettin, wo ich den Ausbau meines neuen Schiffes eifrig betreiben half. Dieses war eigentlich zu einem Zweidecker bestimmt und würde in solcher Gestalt ausgeführt in allen preußischen Häfen seinesgleichen gesucht haben. Allein dasselbe sollte auch auf jede Bedingung und um von den damaligen hohen Frachten zu vorteilen, noch vor Winters in See gehen, und um hierzu keine Zeit zu verlieren, fiel endlich der Rat dahinaus, nur ein Verdeck aufzusetzen. Dennoch konnte es erst im Oktober vom Stapel laufen; doch war auch bereits mit dem Kommerzienrat eine Fracht von Balken und Stabholz abgeschlossen, die ich unverzüglich nach Bordeaux führen sollte. Den kleinern Teil derselben nahm ich auf der Stelle ein und ging dann in der Mitte des Novembers auf die Swinemünder Reede hinaus, um auch den Rest der Ladung zu empfangen.

Doch dies war in der schon so weit vorgerückten Jahreszeit ein äußerst mühseliges und langweiliges Geschäft, weil der Hafen selbst bereits mit Eise zugelegt war und jede Bootslandung Stabholz sich vom Weststrande her erst einen Weg durch das Eis nach dem Schiffe bahnen mußte, so daß volle vier Wochen über dieser Arbeit verliefen. Mit dem letzten Boote ging auch ich selbst an Bord, um nun unmittelbar darauf in See zu stechen, während bereits um das Schiff her alles mit schwimmendem Eise flutete und mit jedem Augenblick ein völliges Einfrieren zu befürchten stand.

Neben mir lag auf der Reede noch ein Fregattschiff, welches gleichfalls erst in diesem Sommer in Stettin für schwedische Rechnung ganz neu gebaut worden und nach Gothenburg bestimmt war. Ich sah, daß es sich eben fertig machte, seinen Anker aufzuwinden und die Reede zu verlassen. Mir selbst lag zu dem gleichen Geschäfte noch die letzte Bootsladung Stabholz auf dem Verdeck im Wege, die zuvor noch überseite gestauet werden mußte, bevor ich mich bei meiner Ankerwinde frei rühren konnte, und doch wäre ich bis zum Sunde hin gern in der Gesellschaft des Schweden geblieben, um desto leichter, wenn es not tat, Hilfe[184] zu leisten oder zu empfangen. Ich fuhr demnach hurtig in der Schaluppe zu jenem Schiffe hinüber und forderte den Kapitän desselben auf, noch eine kleine Stunde auf mich zu warten, das wollte er aber nicht, lichtete seinen Anker vollends und ging ab.

Kaum war er eine Meile westwärts von mir entfernt und ich gleichfalls unter Segel, so ging der Wind nach Nordosten um. Es gab einen starken, fliegenden Sturm, der zwar mächtig förderte, aber auch die Luft mit einem dicken Schneegestöber erfüllte, so daß ich meinen vorausgeeilten Gefährten bald aus dem Gesichte verlor. Dies Wetter mit dicker Schneeluft hielt bis zum andern Morgen um neun Uhr an, wo wir dicht an das Land von Stevens kamen und mit nicht geringer Verwunderung jenes nämliche Schiff auf dem Strande stehend erblickten, wo die Sturzwellen sich unaufhörlich drüber her brachen, die Mannschaft aber kümmerlich in den Masten hing.

Ich selbst hatte alle Not und Mühe, einem gleichen Schicksal zu entgehen und über die Landspitze von Stevens hinauszukommen. Endlich zwar gelang es, und ich erreichte die Kiögerbucht; doch sah ich mich genötigt, vor stehenden Segeln zu ankern, und da dies dem gewaltigen Andrang auf die Länge nicht gewachsen schien, nach und nach mich vor drei Anker zu legen. So dauerte diese peinliche Lage bis zum nächsten Morgen, als der Wind durch Osten nach Süden lief und ich meine Notflagge aufsteckte, um Hilfe vom Lande zu erhalten; denn mit meinen Leuten allein wußte ich mir länger nicht zu raten. Glücklicherweise eilten auch auf dies Zeichen zwei Boote mit fünfzehn Mann von Dragoe herbei, mit deren Beistand ich, nachdem ich sämtliche Ankertaue hatte kappen müssen, die Reede von Kopenhagen glücklich erreichte. Während ich mich hier nun wieder instand setzte, langte auch das Volk von dem schwedischen Schiffe an, welches gänzlich verlorengegangen und dadurch zum Beweise dient, wieviel beim Seewesen oft an einer einzigen Stunde hängt.

Indes setzte ich meine Fahrt ohne weitern Unfall fort, erreichte Bordeaux am 28. Februar 1780, löschte meine Fracht und war stracks darüber aus, einer neuen nach Amerika habhaft zu werden, wie ich's zuvor mit meinem Reeder verabredet hatte; denn unter der neutralen preußischen Flagge war besonders dahin ein ungeheures Geld zu verdienen. Bald kam ich auch mit einem Kaufmann aus Ostende und also, da dieser ein österreichischer Untertan war, für völlig neutrale Rechnung wegen einer Ladung nach der französischen Insel St. Grenada in Westindien überein. Der Kontrakt war bis zur Unterzeichnung fertig, und ich ersuchte den Kaufmann, welcher die Reise in Person mitmachen wollte, zu mir an Bord zu kommen und sich mit eignen Augen von der Güte und Dauerhaftigkeit des Schiffs sowie von der netten Einrichtung der ihm zugedachten Kajüte zu überzeugen.

Als er des andern Tages in dieser Absicht bei mir erschien, bemerkte ich[185] freilich an seiner Miene, daß er sich in irgendeiner Erwartung getäuscht sehen müsse, ohne jedoch erraten zu können, woran er eigentlich einen Anstoß genommen. Dies sollte ich erst, nachdem er wieder an Land gegangen war, von meinem Korrespondenten, Herrn Wesenberg, erfahren. Die ganze Fracht war nämlich zurückgegangen, weil der Kaufmann gesehen hatte, daß mein Schiff nur ein Eindecker sei, welchem er weder die gehörige Sicherheit noch genugsame Bequemlichkeit zutrauen mochte. Hiergegen half kein Protestieren, und ich konnte mich auch um so leichter zufrieden geben, da ich unmittelbar darauf eine Fracht von Wein und Zucker auf Hamburg gewann und mit der Ladung bereits vierzehn Tage nach meiner Ankunft fertig ward.

Zu meiner Herzenserleichterung muß ich hier das Geständnis ablegen, daß ich mich nirgends beklommener und widerhäriger gefühlt habe, als in den französischen Häfen und hier zu Bordeaux insonderheit. Denn wie weit ich auch in der Welt herumgekommen, so habe ich doch keine Nation so voll List, Betrug und Ränke gefunden als die Franzosen. Jeder, mit dem ich zu tun bekam, hätte nichts lieber gemocht, als mich recht tüchtig übers Ohr zu hauen, und so legten sie's also auch gar nicht darauf an, das frühere, ungünstige Vorurteil in mir zu zerstören, welches ich schon seit meinem Renkontre mit ihrem Landsmann Delatre gegen sie eingesogen hatte. Jetzt vollends sollte mir noch bei meinem Abzuge von hier ein Stückchen von ihrer Art widerfahren, daß einen noch unverwüstlicheren Groll bei mir zurückgelassen hat.

In dem Augenblicke nämlich, da ich die Anker lichten wollte, ging ich, wie es die Ordnung ist, in das Lotsenkontor und bat um einen Piloten, der mich zur Garonne hinaus in See bringen sollte. Der Lotse kam an Bord, aber so betrunken, daß ich Bedenken fand, ihn anzunehmen und ihm in diesem Zustande die Leitung des Schiffes anzuvertrauen. Der Mensch wollte nicht gehen, ward grob, und ich komplimentierte ihn so etwas unsanft (jedoch ohne irgend Hand an ihn zu legen) in sein Boot und an Land zurück. Dagegen hielt ich abermals in dem Kontor mit Angabe der Ursachen um einen andern nüchternen Lotsen an. Auch der Trunkenbold erschien dort und machte sich trefflich unnütz; doch ward mir mein Verlangen gewährt; ich nahm den neuen Piloten mit mir und lichtete den Anker.

Wie ich nun den Strom abwärts fuhr, so bemerkte ich bald, daß ich an einem andern Fahrzeuge einen unzertrennlichen Begleiter bekommen hatte. Machte ich Segel, so tat es desgleichen; ließ ich den Anker fallen, so legte es sich mir in dem nämlichen Augenblick zur Seite. Das Ding machte uns je länger, je größern Spaß, und wir kitzelten uns daran, daß der Franzose ohne uns den Weg gar nicht finden zu können schiene. So kamen wir endlich an das Fort am Ausfluß der Garonne, wo unsre Pässe visiert werden mußten. Auch da war jenes Fahrzeug flink bei der Hand, und nun wurde uns eröffnet, daß ich für die[186] Begleitung desselben bis hieher die Summe von eintausend Livres zu entrichten habe.

Ich war bei dieser Forderung wie aus den Wolken gefallen. »Für seine Begleitung? – Eintausend Livres? – Und wozu die ganz unerbetene Begleitung?« – Die Antwort hieß: »Zur Beschützung des Lotsen an meinem Borde gegen besorgliche Gewalttätigkeiten.« – Natürlich weigerte ich mich der Zahlung und forderte diesen Menschen auf, mir zu bezeugen, ob ihm irgendeine Ungebühr von mir widerfahren sei? – Er wußte nur alles Liebes und Gutes zu sagen. Dennoch ward ohne weiteres ein Arrest auf mein Schiff gelegt. Ich sah das wenngleich nicht sehr ruhig bis zum nächsten Tage mit an. Der Arrest blieb, und meine Einreden fanden kein Gehör. Wollte ich nun an meiner Reise nichts versäumen und wegen Schiff und Ladung nicht in Verantwortung kommen, so war es immer noch das Geratenste, diese ungerechte Forderung zu bezahlen und sie mir als eine echt französische Geldschneiderei zur Warnung für die Zukunft hinters Ohr zu schreiben.

Zu diesem Verdruß gesellte sich, sobald ich endlich in See gelangt war, ein anderer und noch größerer. Mein Schiffsvolk nämlich, durchaus dem Suff ergeben, wollte an der Gelegenheit nichts versäumen, den Weinfässern, die einen Teil unsrer Ladung ausmachten, aufs fleißigste zuzusprechen. Als ich dem zu wehren gedachte, rottierten sich die Kerle zusammen, schlugen mit Gewalt die Luken auf, zapften die Oxhöfte an und ließen den Wein stromweise in ihre Wassereimer und Hüte rinnen. In wenig Stunden hatte sich alles toll und voll gesoffen. Von nun an hatte es aber auch mit allem Kommando ein Ende. Die Vollzapfe waren wie wütend und ich und der Steuermann unsers Lebens unter ihnen nicht mehr sicher.

Und so ging es fortan einen Tag wie den andern. Wir beide mochten zusehen, wie wir konnten, damit das Schiff wenigstens einigermaßen seinen Kurs hielt. War es auch geradezu nicht Rebellion zu nennen, so blieb es doch ein wüstes Tollmannsleben, wobei weder gute noch böse Worte anschlugen, und wir paar Vernünftige die größte Gefahr und Not vor Augen sahen, so oft Segel sollten beigesetzt oder eingenommen werden. Endlich half Gott wiewohl unter Angst und Schrecken, daß wir bei Kuxhaven vor der Mündung der Elbe anlangten. Gerade hier aber konnte ich mich auch mit diesen Menschen unmöglich weiter wagen, da man in den Eugen des Stromes immerfort zu lavieren hatte, oder die Anker fallen lassen mußte. Ich beschloß also, an Land zu gehen und acht oder zehn tüchtige Menschen anzunehmen, die mir nach Hamburg hinauf helfen sollten.

Zufällig trat ich in dem Örtchen zu einem Barbier ein, um mich unter sein Schermesser zu liefern. Ich ward aber nicht bloß geschoren, sondern auch daneben so kunstmäßig ausgefragt, daß mir die Not und das Elend, worin ich mit meinem gar nicht mehr zu ernüchternden Schiffsvolke steckte, gar bald in[187] lauter Klage über die Lippen trat. Vor allem erwähnte ich zweier Kerle, die sich im eigentlichen Sinne rasend gesoffen zu haben schienen und ganz wie von Sinn und Verstand gekommen wären. – »Nun, der Verstand wäre ihnen wohl leicht wieder einzutrichtern«, versetzte der Barbier mit einer schlauen Miene, »wenn ihnen nur zuvor der Unverstand und die tollen Affekten hinlänglich abgezapft worden.« – Er meinte nämlich (wie er sich darüber auf mein Befragen näher erklärte), ein tüchtiger Aderlaß bis zur Ohnmacht sollte diese bestialische Tollheit, wenn sie bloß im Suff ihren Grund hatte, schon zur Ordnung bringen.

Zwar nahm ich von diesem medizinischen Gutachten keine weitere Notiz; doch als ich am andern Morgen wieder an Land wollte, um die gedungenen Leute an Bord zu nehmen, fiel mir der Barbier und sein Heilmittel wieder ein. Mag es den Versuch gelten! dacht' ich, und wandte mich in unbefangener Vertraulichkeit an die beiden Tollhäusler, die mir eben auf dem Verdeck in den Wurf kamen: »Hört, Kinder, ich will hier heut am Lande zur Ader lassen. Ihr beide seht mir beständig so rot und vollblütig aus, daß es euch gleichfalls wohl gut tun sollte. 'Kommt mit; dann machen wir das gleich in Gesellschaft ab.«

Die beiden Kerle schöpften kein Arges aus dem Vorschlage, der ihnen vielmehr ganz instinktmäßig zusagen mochte. Während sie nun nach meinem Geheiß auf der Hausflur des Barbiers verweilten, trat ich lachend in dessen Zimmer und verkündigte ihm die Gegenwart meiner hirnwütigen Patienten, an denen er nunmehr seine Kunst erproben möge. Sobald auch nur so viel Frist verlaufen war, als zur Vollendung einiger Aderlässe erforderlich scheinen mochte, kam ich wieder zum Vorschein, indem ich mich mit einem dazu passenden Gesichte an den Arm faßte und rief: »Das war fertig; nun, Jakob, ist die Reihe an dir! Herein!« – Der Bursche kam.

Jetzt ging aber die Operation an seinem Arm im Ernste vor sich. Eine große Schüssel füllte sich mit Blut und der Jakob ward immer bleicher um die Nase. Ich gab dem Mann mit dem Schnepper einen verstohlenen Wink, daß es nun wohl Zeit sein dürfte, einzuhalten; allein er schüttelte verneinend mit dem Kopf und ließ auch die zweite Schüssel vollrinnen, bis Jakob endlich besinnungslos umsank und durch einen vorgehaltenen Spiritus wieder zu sich gebracht werden mußte. Das nämliche widerfuhr hiernächst auch seinem Zechkameraden, dem Peter, und beide schwankten dem Schiffe so matt und entkräftet wieder zu, daß sie geführt werden mußten und auch die folgenden vierzehn Tage hindurch auf ihren Füßen nicht stehen konnten. Zur Arbeit blieben sie mir also während dieser Zeit allerdings unbrauchbar, aber auch ihre Tollheit war gänzlich von ihnen gewichen, und des Barbiers Kunststück hatte sich als vollkommen probat erwiesen.

Ich brauche wohl nicht hinzuzusetzen, wie sehr ich, sobald ich Hamburg erreicht hatte, beeilt war, mir all dies widerspenstige Gesindel vom Halse zu schaffen. Es ist wahr, ich hätte Fug gehabt, sie wegen ihrer schlechten Aufführung[188] vor den dortigen Seegerichten anzuklagen, und so wie ich mich nach den dort geltenden Rechten erkundigte, würde Staupbesen und Brandmark ihrer gewartet haben. Das wollte ich aber nicht, weil einige darunter in und um Stettin zu Hause gehörten und Frau und Kinder hatten. Ich machte ihnen also nur die Hölle tüchtig heiß, gab ihnen eine scharfe Ermahnung mit auf den Weg und ließ sie in Gottes Namen laufen. Sie schienen gerührt; aber wer weiß, wie lange es mag vorgehalten haben?

Hier in Hamburg fand sich eine neue Ladung für mich nach Lissabon, mit welcher ich jedoch erst am letzten August auf den Weg zu kommen vermochte. Die Reise selbst bietet mir nichts Erhebliches für die Erzählung dar; doch mag ich wohl eines Schrecks er wähnen, der mir noch ganz für das Ende derselben vorbehalten blieb. Als ich nämlich etwa sieben Meilen nördlich von der Mündung des Tajo gekommen war, sah ich ein Fahrzeug mir entgegensteuern, das mit ungewöhnlich vielen Menschen besetzt zu sein schien. Unter andern Umständen würde mich diese Begegnung ziemlich gleichgültig gelassen haben. Allein schon während unsrer ganzen Reise spukte es mir und meinen Leuten im Kopfe herum, daß wir gegen die Barbaresken und Marokkaner eine unfreie Flagge hatten, und unser einziger Trost bestand darin, daß von einem Raubzuge derselben so weit nördlich hinauf doch seit geraumer Zeit nichts verlautet habe.

Jetzt indes schoß mir bei jenem Anblicke das Blut, denn wie leicht war es bei alledem möglich, daß ein Korsar, verwegener als seine Genossen, sich hier an einem so vielbesuchten Punkte auf die Lauer gelegt haben möchte! Je genauer ich mir das Segel durch mein Fernrohr ansah, desto mehr schöpfte ich Verdacht. Ich veränderte meinen Kurs, um mich näher am Lande zu halten; die Barke tat desgleichen. Ich setzte Segel über Segel auf, sie tat auch ihrerseits alles mögliche, um uns näher zu kommen. Offenbar war ihr Absehen auf uns gerichtet, und ich überzeugte mich immer gewisser, daß »Friß, Vogel, oder stirb!« hier die Losung sein werde.

In dieser kritischen Lage rief ich mein Schiffsvolk zusammen und sagte: »Kinder, ihr seht, da haben wir die Bescherung! Die türkischen Hunde haben es offenbar auf uns gemünzt, und unsre Pässe helfen uns hier nicht durch. Was meint ihr? Sollen wir uns von ihnen so mir nichts dir nichts entern lassen und vor dem Pack zu Kreuze kriechen? Ich meines Parts zöge lieber den Tod vor, als mich zeitlebens in der Sklaverei unter die Peitsche zu ducken. Oder habt ihr größere Lust dazu? Sprecht!« – Die Kerle sahen mir das Feuer aus den Augen leuchten und wurden selber warm. Sie meinten, es müßte wacker dreingeschlagen werden, und zugleich lief alles, die Gewehre, soviel wir deren hatten, zur Hand zu nehmen und instand zu setzen.

Unter diesen kriegerischen Vorbereitungen war uns aber auch das Fahrzeug so nahe auf den Leib gekommen, daß es uns zurufen konnte: ob wir keinen Lotsen[189] nach Lissabon zu haben verlangten? – Da hatten wir nun auf einmal die Auflösung des bangen Rätsels! Es war eine portugiesische Fischerbarke, und wir hatten uns ganz umsonst gefürchtet! Wenigstens wurde unsre Bravour nun auf keine weitere Probe gestellt. Allein aus einem kleinen Rest von Besorgnis und Mißtrauen wollten wir uns diese dienstfertigen Leute lieber doch nicht gar zu nahe kommen lassen, lehnten ihr Erbieten höflich ab, suchten mit guter Manier von ihnen abzukommen und warfen gleich darauf am letzten September im Tajo die Anker.

In Lissabon war ich an den alten Korrespondenten des Großischen Hauses, Herrn John Bulkeley, adressiert und eines Tages auf dem Wege, eine Einladung desselben zur Mittagstafel zu befolgen. Ich mußte über einen großen Marktplatz hinwegschreiten, wo ich bereits aus der Ferne ein großes Gedränge von zusammengelaufenen Menschen bemerkte. In der Meinung, daß es dort wohl eine öffentliche Hinrichtung geben möchte, trat ich einige Schritte näher, erkannte aber bald meinen Irrtum, da ich ein aufgeschlagenes, großes Zelt ansichtig ward, von dessen Spitze herab zu meiner seltsamsten Verwunderung die preußische Flagge lustig im Winde wehte.

Nun mußte ich doch natürlich genauer zusehen, was es hiermit für eine Bewandtnis hatte. Ich drängte mich mit Mühe durch den dicksten Haufen, bis ich am Eingang des Zeltes stand, zu dessen beiden Seiten ein paar baumhohe preußische Grenadiere in ihren hohen blanken Spitzmützen stattlich schilderten. Fast hätte ich Lust gehabt, die braven Landsleute hier unter fremdem Himmel treuherzig zu begrüßen, als ich noch zu rechter Zeit inne ward, daß mich ein paar Wachspuppen getäuscht hatten, und daß ich hier wahrscheinlich am Eingange eines Wachsfigurenkabinettes stand, dem diese martialischen Gesichter nur zu einem Aushängeschilde dienten. Indes meine Neugier war nun einmal geweckt, und ich beschloß, hineinzutreten; denn hinter solchen Türhütern, dachte ich, müsse wohl noch mehr stecken, woran ein preußisches Herz sich erlaben könne.

Und so war es auch wirklich! So getreu und natürlich, als ob er lebte und schwebte, stand mitten inne der alte König Friedrich mit einem Richterschwert in der Hand, und vor ihm lag ein Mann mit Weib und Kindern auf den Knien, die um Gerechtigkeit zu flehen schienen. Ihm zur Rechten war eine große Waage angebracht, in deren einer Schale eine Bildsäule der Gerechtigkeit thronte und die andre, die mit Papieren und Akten angefüllt war, hoch in die Höhe wog. Zur andern Seite eine Gruppe preußischer Generale und Justizpersonen und im Hintergrunde in großen leuchtenden Buchstaben die portugiesische Inschrift: »Gerechtigkeitspflege des Königs von Preußen«, drunter aber der Name »Arnold«. – Man sieht also, daß hier der berühmte Prozeß des Müllers Arnold gemeint war, der damals als Neuigkeit des Tages durch ganz Europa das höchste Aufsehen erregte. Wem dennoch das Ganze hätte unverständlich[190] bleiben mögen, dem half ein bestellter Ausrufer zurecht, der die Geschichte laut und pathetisch herzuerzählen wußte.

Alles horchte und schien tief davon ergriffen; auch mir armen Narren hämmerte das Herz unterm dritten Knopfloch, daß ich mich vor patriotischer, freudiger Wehmut kaum zu lassen wußte. Nein, es mußte heraus! Ich mußte mich in den innersten Kreis hervordrängen; und so gut oder übel ich die fremde Sprache zu radebrechen verstand, rief ich aus: »Mein König! Ich bin Preuße!« – War zuvor der dichte Hause noch nicht in lebendiger Bewegung gewesen, so fielen doch jetzt diese wenigen Worte wie ein elektrisches Feuer in alle Herzen. Die ganze Schar umringte mich, sank um mich her auf die Knie und hob gleichsam anbetende Hände zu mir empor. »Gloria dem König von Preußen!« rief der eine, »Heil ihm!« der andre, »Heil für die strenge Gerechtigkeit!« und die volle Menge setzte schwärmerisch hinzu: »Leuchtendes Beispiel für alle Regenten der Erde! Heil ihm!« – Mit jedem Augenblicke vermehrte sich das Geschrei und Getümmel.

Soll ich noch erst sagen, wie tief mich dieser Auftritt erschütterte? Die Tränen drängten sich mir unaufhaltsam aus den Augen. Ich neigte mich rings herum; ich legte die Hand aufs Herz, ich dankte stammelnd und suchte einen Ausweg durch die immer gedrängter zusammenstürzende Menge. Zwar machten sie mir willig Platz, aber sie folgten mir auch mit anhaltendem Freudengeschrei: »Vivat der gerechte König!« In der Tat, nie in meinem Leben fühlte ich mich geehrter und glücklicher, ein Untertan des großen Friedrichs zu sein als in diesem Augenblicke! Mein Herz ward mir zu schwer; ich schwankte, konnte nicht weiter und mußte mich erschöpft an eine Straßenecke lehnen. Nur meine erhobenen Hände, die ich unwillkürlich wie zum Segnen nach dem Volke ausstreckte, vermochten meinen Dank auszusprechen, und es schien mir auch wirklich, als könnte ich gar nicht weniger tun, da Kopf an Kopf rund um mich her sich auf den Knien drängte.

Endlich wankte ich wieder die Gasse hinauf, aber mit einem Schweife von Menschen hinter mir, der sich mit jedem Augenblick vergrößerte und den König von Preußen laut hochleben ließ. Im Hause meines Korrespondenten, in welches ich mich mit Mühe flüchtete, waren alle Türen und Fenster aufgerissen und mit verwunderten Zuschauern besetzt. Umsonst fragte man mich, was dies zu bedeuten habe. Mein bewegtes Gemüt fand keine Stimme und keine Worte, mich verständlich zu machen. Draußen aber stieg der freudige Tumult immer höher und höher, und um nur das Volk zu beruhigen und vom Platze zu bringen, blieb mir endlich nichts übrig, als hinaus auf den Balkon des Hauses zu treten und mich ihm noch einmal zu zeigen. Ich dankte mit Mund und Händen, und allmählich verlief nun der Menschenstrom sich wieder.

Hierauf erzählte ich meinen Tischgenossen das wundersame Begebnis, welches[191] ich soeben erlebt hatte, und auch die erste Veranlassung dazu, die Arnoldsche Prozeßgeschichte, so gut sie mir bekannt war. Einer von den anwesenden Kontoristen versicherte jedoch, über diesen Gegenstand noch genauere Auskunft geben zu können, ging hin und holte eine kleine portugiesische Flugschrift, die in einer treuen geschichtlichen Darstellung dem Gerechtesten der Könige auch bei einem entfernten Volke ein verdientes Ehrendenkmal setzte. – Hieran spiegelt euch, ihr Preußen!

Einige Tage später trat ein portugiesischer Kaufmann in Begleitung eines deutschen Handlungsdieners mich auf der Börse an und bat mich höflichst, zu Mittage sein Gast zu sein; nach Verlauf der Börsenzeit werde er mir einen Wink geben, mit ihm zu gehen. Ich sagte zu und hatte den Ehrenmann im Gewühle kaum aus den Augen verloren, als mehrere Schiffskapitäne von meiner Bekanntschaft, die das mit angesehen hatten, mich mit Fragen bestürmten, ob dieser Mann mir etwa bekannter sei als ihnen allen, die er gleichwohl wie mich zu Tische geladen habe. Ich mußte das schlechterdings verneinen und war gleich ihnen über seinen Einfall einigermaßen verwundert.

Das hinderte jedoch nicht, daß wir nach geendigter Börsenstunde zusammengerufen wurden. Es waren unsrer neun Schiffskapitäne im buntesten Gemisch wie die Männer in der Pfingstepistel: Dänen, Hamburger, Lübecker, Schweden, Schwedisch'Pommern und Danziger. Auch fanden wir, als wir im Hause unsers Gastgebers anlangten, dort bereits mehrere Kaufleute versammelt und ein schmackhaftes Mahl bereitet, bei welchem zugleich tapfer getrunken wurde; denn unser Wirt verstand die Kunst des Zunötigens aus dem Grunde, und so artete es nach aufgehobener Tafel bald in ein Bacchanal aus, wo weder Maß noch Anstand mehr beobachtet wurde. Bei mir, der ich genau das Maß kannte, welches ich nicht überschreiten durfte, um bei Verstand und Ehren zu bleiben, ging jedoch bald jedes gute wie jedes böse Wort des Gastgebers verloren. »Basta! und keinen Tropfen mehr!« war und blieb mein letzter Trumpf, der endlich auch gelten mußte. Weniger gut kamen die übrigen Herren Kollegen weg, die sich dergestalt übernahmen, daß sie zuletzt samt und sonders unter den Tisch sanken. Ich meines Teils hatte mich inzwischen mit den anwesenden Kaufleuten unterhalten, bis ich des bestialischen Anblicks satt und müde mich empfahl und mich an Bord meines Schiffes begab.

Gleichwohl rieb ich mir am andern Morgen etwas verdutzt die Augen aus, als ich unsern gestrigen Wirt in Begleitung jener Kaufleute, welche Teilnehmer des Gelages gewesen waren, bei mir eintreten sah. Sie schüttelten mir treuherzig die Hand und eröffneten mir lachend: das gestrige Trinkfest sei absichtlich von ihnen angestellt worden, um sich unter uns neunen den rechten Mann auszusuchen, dem sie als dem solidesten und besonnensten eine Ladung von Wert anvertrauen könnten. Einstimmig wäre ihre Wahl auf mich gefallen,[192] und so frügen sie mich, ob es mir anstände, eine volle Ladung Tee nach Amsterdam zu übernehmen.

Leicht kann man denken, daß ich nicht nein! sagte. Es war damals leicht eine der reichsten Frachten, die auf Brettern schwamm und die nur einer neutralen Flagge, wie die meinige war, anvertraut werden konnte, da nach und nach auch Holland in den amerikanischen Freiheitskrieg verwickelt worden war, und die Engländer alles kaperten, was die Bestimmung nach einem holländischen Hafen hatte und nicht eines solchen Freipasses genoß. Ob ich aber in jener Behauptung zuviel gesagt, wird man ermessen, wenn ich hinzufüge, daß wir zu beiderseitiger Zufriedenheit um ein Frachtgeld von fünfunddreißigtausend – schreibe fünfunddreißigtausend Taler preuß., fünf Prozent Havarie und zehn Prozent Kapplakengelder einig wurden. Sowie auch mein Schiff nur ledig war, fing ich an, den Tee einzuladen.

Während dieser Zeit suchte ein holländischer Schiffskapitän, namens Klock, mich an meinem Borde auf, um mich zu ersuchen, daß ich ihn samt sei nem Schiffsvolk, aus vierzehn Köpfen bestehend, als Passagiere mit mir nach Holland nehmen möchte. Da ich sein gutes und rechtliches Wesen erkannte, so gestand ich ihm nicht nur sein Gesuch von Herzen gern zu, sondern erbot mich auch, da er mir unterwegs von mannigfachem Nutzen sein konnte, ihm und seinen Leuten von nun an bis zu unserer Ankunft in Amsterdam die freie Kost, so gut ich sie selber hätte, zu reichen. Freilich war das Menschen- und Christenpflicht; aber auch mein Patriotismus kam hier auf eine wunderliche Weise mit ins Spiel, weil ich nicht schlechter an den armen Leuten handeln wollte, als – der Kaiser von Marokko getan hatte. Dies hing nämlich folgendergestalt ineinander, wie ich es hier aus des Kapitäns jetzigem Berichte und seinen spätern Erzählungen während der Reise ins kurze zusammendränge.

Kapitän Klock, der in Amsterdam zu Hause gehörte, und dessen Schiff nach den Kanarischen Inseln bestimmt war, fand es zufolge der damaligen politischen Konjunkturen auch für ratsamer, lieber unter der preußischen als unter seiner vaterländischen Flagge zu fahren. Er ging also zuvor nach Emden, gewann dort um eine Kleinigkeit das Bürgerrecht und genoß von dem Augenblicke an die Rechte und den Schutz eines preußischen Untertans. So gesichert, stach er in See, hatte aber das Unglück, sein Schiff an der marokkanischen Küste durch einen Sturm zu verlieren. Nur kümmerlich rettete er sich samt seinen Gefährten ans Land, wo er freilich sein Schicksal um nichts gebessert fand, da es nur Ketten und Banden waren, was sie alle in Mogador, wohin sie zunächst geschleppt wurden, zu erwarten hatten. Ein schreckliches Loch war ihr Gefängnis, wo sie bei Maiskörnern und Wasser zwischen Tod und Leben, aber in noch schrecklicherer Angst über die weitere Entscheidung ihres Schicksals hinschmachteten. Denn soviel hatte man sie verständigt: man wisse nicht, was man aus ihnen und ihrer[193] ans Land getriebenen Flagge machen solle; es sei daher die letztere an das dreißig Meilen entfernte Hoflager des Kaisers gesandt worden, und von dorther erwarte man ihretwegen eine höhere Verfügung.

Nach neun Tagen endlich erschien vor ihrem Kerkerloche ein gewaltiger Trupp bewaffneter Mauren; ihre Banden lösten sich, und sie wurden jeder auf einen Esel gesetzt, um eine Reise anzutreten, deren Ziel sie nicht zu erraten vermochten, wiewohl sie ahneten, daß man sie tiefer landeinwärts zu verkaufen gedenke. Diese Furcht endigte sich aber, als sie die Hauptstadt Marokko erreichten, wo ein deutscher Jude als Dolmetscher sich zu ihnen gesellte und sie laut erhaltenem Befehls alsbald vor den Kaiser Muley Ismael führte. Hier wurden sie nach einigen gleichgültigeren Fragen aufgefordert, sich auszuweisen, ob sie Untertanen des Königs von Preußen wären? – Sie standen nicht an, zu bejahen und sich auf ihre Flagge zu berufen.

»Wohl!« lautete die durch den Dolmetscher erteilte Antwort des Fürsten. – »Von euerm Monarchen, seiner Weisheit und seinen Kriegen sind so viele Wunderdinge zu meinen Ohren gekommen, daß es mich mit Liebe und Bewunderung gegen ihn erfüllt hat Die Welt hat keinen größern Mann aufzuweisen als ihn; als Freund und Bruder habe ich ihn in mein Herz geschlossen. Ich will darum auch nicht, daß ihr, die ihr ihm angehört, in meinen Staaten als Gefangene angesehen werden sollt. Vielmehr habe ich beschlossen, euch frank und frei in euer Vaterland heimzuschicken, auch meinen Kreuzern anbefohlen, wo sie preußische Schiffe in See antreffen, ihre Flagge zu respektieren und sie selbst nach Möglichkeit zu beschützen.«

Des andern Tages wurden sie auf kaiserlichen Befehl nach maurischer Weise und wie sie auch noch in Lissabon auftraten, neu gekleidet und ihnen eine anständige Wohnung angewiesen. Den Kapitän aber ließ Muley Ismael fast täglich zu sich fordern, um eine Anzahl von Fragen an ihn zu richten, die sich ausschließlich auf den großen Preußenkönig bezogen, z.B. von welcher Statur er sei? Wie lange er schlafe? Was er esse und trinke? Wieviel Soldaten – auch wie viel Frauen er halte? Und dergleichen mehr. Der gute Klock gestand, er habe lügen müssen, wie er nur immer gekonnt, um der kaiserlichen Neugierde nur einigermaßen zu genügen, da ihm von all diesen Dingen herzlich wenig bewußt gewesen.

So hielt es bis in die dritte Woche an, da endlich der Kapitän, durch jene Fragen immer mehr in die Enge gebracht, um seine Entlassung anhielt, wozu er sich des Vorwandes bediente, daß er eilen müsse, seinem Könige Rede und Antwort zu geben, wie gnädig der Kaiser seine schiffbrüchigen Untertanen behandelt habe, und was für freundschaftliche Gesinnungen derselbe gegen ihn hege. Muley Ismael billigte diese Äußerungen, entließ sie einige Tage darauf in Frieden und sandte sie unter sicherer Begleitung und abermals auf Eseln[194] reitend, nach dem Hafen St. Croix, wo bereits dem maurischen Befehlshaber aufgegeben war, sie auf das erste abgehende europäische Fahrzeug zu verdingen und die Fracht für sie zu bezahlen, woneben sie zugleich mit Mundprovisionen für einen Monat versehen wurden. So gelangten sie nach Lissabon und in meine Bekanntschaft.

Wer mich kennt, ermißt auch leicht, wie groß das Interesse sein mußte, welches ich an einem Ereignisse nahm, worin die Ehre meines geliebten Monarchen so enge verflochten war. Darum drang ich denn auch späterhin während der Reise nach Amsterdam in den Kapitän Klock, sein ganzes marokkonisches Abenteuer in einen schriftlichen Bericht zu verfassen und nach unsrer Ankunft an genanntem Orte samt seinen Gefährten auf dem Stadthause über die Wahrheit des Inhalts eine eidliche Versicherung abzugeben. Dies geschah auch wirklich, und ich schickte die darüber aufgenommene gerichtliche Verhandlung an meinen Patron, Herrn Groß in Stettin, ein mit dem Ersuchen, solche an Seine Majestät unmittelbar gelangen zu lassen. Auch hatte dies den Erfolg, daß ich etwa nach vier Wochen aus des Königs Kabinette ein Danksagungsschreiben erhielt mit Beilegung eines auf feinstem Postpapier abgedruckten Berlinischen Zeitungsblattes, worin diese ganze Begebenheit dem Publikum mitgeteilt worden.

Doch ich kehre zu meinen eignen Erlebnissen zurück und bitte den geneigten Leser, sich zu erinnern, daß ich mich mit meinem Schiffe noch in Lissabon befinde.

Hier war es einige Tage vor meinem beschlossenen Abgange, als der holländische Konsul (dessen Name mir nicht mehr erinnerlich ist) mich von der Börse mit sich nach seiner Wohnung nahm, weil er mir etwas Hochwichtiges zu eröffnen habe. Nach beendigter Mahlzeit und unter vier Augen zeigte er mir ein kleines Päckchen etwa in der Gestalt und Größe eines Spiels Karten vor und setzte hinzu, es sei mit rohen Diamanten angefüllt, die in Amsterdam geschliffen werden sollten. Sein Wunsch und Absicht sei, mir diesen Schatz auf mein ehrlich Angesicht zur sichern, aber aufs strengste geheimzuhaltenden Überbringung dahin anzuvertrauen. Es seien dabei nach Usance hundertfünfzehn holl. Gulden Fracht für mich zu verdienen; ich müsse aber das Päckchen unablässig an meinem Leibe tragen und mein Schiffsvolk davon durchaus nichts ahnen lassen, so wie mir denn noch eine Menge andrer Vorsichtsregeln eingeprägt wurden.

Die Sache schien mir leicht, und der anerbotene Gewinn wohl mitzunehmen. Ich ward also des Handels einig und versprach, tages vor meiner Abreise mich einzufinden, um jenes kostbare Päckchen in Empfang zu nehmen. Demzufolge ward es mir denn auch angesichts des Konsuls in meine Uhrtasche eingenäht, mir die gute Verwahrung auf Leib und Seele gebunden und sodann ein Konossement über richtigen Empfang vorgelegt, das ich zu unterzeichnen hatte. Dies geschah auch mit leichtem Herzen; allein in eben dem Augenblicke, da ich über die Schwelle des Hauses meinen Rückweg nahm, ging auch meine heimliche[195] Angst und Sorge an, die diese ganze Reise hindurch nicht von mir wich. Ich wähnte, jeder, der mich ansah, wisse um mein Geheimnis, und gehe mit dem Gedanken um, mich zu berauben oder gar zu ermorden. Selbst im Schlafe griff ich, sowie oft auch unwillkürlich im Wachen, nach dem Päckchen, um mich zu überzeugen, daß es noch an seiner Stelle ruhte, und wohl kann ich sagen, daß ich nie ein Geld mit größerer Unruhe meines Herzens verdient habe.

Nachdem ich nun gegen Ende Oktobers in See gegangen war, gab es eine zwar langsame, doch übrigens nicht ungünstige Fahrt, die mich am 23. November auf die Höhe des Texels führte. Hier hatten zwei englische Kreuzer ihre Station, bei deren einem ich mit meinen Schiffspapieren an Bord kommen mußte. Indessen konnte die Untersuchung derselben nicht anders als vorteilhaft für mich ausfallen, denn das Schiff war preußisch, die Ladung für portugiesische Rechnung, beide also neutral und frei. So ward mir also auch gestattet, in den Texel hineinzusegeln; zugleich aber gab mir der Kapitän des englischen Linienschiffes den Auftrag, wenn ich dort hineingekommen wäre, dem holländischen Admiral Kinsberger, der dort mit einer Kriegsflotte von elf Segeln lag, mit seinem Gruße auch seinen Wunsch zu vermelden, sich mit ihm je eher je lieber in offner See zu besprechen. In der Tat war es unbegreiflich, wie dieser sonst so wackre Seemann sich von jenen beiden Schiffen im Texel dergestalt einsperren lassen konnte!

Inzwischen war der Wind, zu meinem großen Verdrusse, nach Osten umgesprungen, und mir blieb nichts übrig, als mit der nächsten Flut, gerade gegen denselben an, in jenen Hafen hineinzulavieren. Indem ich mich nun bei diesem Manöver dem ersten holländischen Kriegsschiffe näherte, kam von demselben eine Schaluppe hinter mir drein gerudert, die mir gebieterisch zurief: »Braßt auf! Braßt auf!« – Mein holländischer Lotse, den ich an Bord genommen, hatte Luft, dem Befehl zu gehorchen; ich hingegen bedeutete ihn, daß wir in diesem Augenblicke dem Oststrande zu nahe wären, um dergleichen wagen zu können; wir wollten aber das Schiff wenden, wo dann die Schaluppe füglicher bei uns an Bord kommen würde.

Noch waren wir in der Wendung begriffen, als letzteres schon geschah und ein Schiffsleutnant zu uns aufs Deck stieg, der mich ziemlich barsch und patzig zur Rede stellte: warum ich auf sein Kommando nicht aufgebraßt hätte? – »Mynheer«, erwiderte ich, »wenn Ihr ein Seemann seid, so seht da den nahen Oststrand und fragt Euch selbst, ob ich mich mutwillig auf den Grund setzen sollte? – Darauf war wenig mehr zu antworten; er änderte also seine Fragen nach meinem Woher und Wohin, und erhielt darauf richtigen und gebührenden Bescheid, verlangte aber dessenungeachtet noch nähere Auskunft, wer ich sei und wie ich heiße? – »An meinem Namen«, versetzte ich, »kann wenig gelegen sein, und aus meiner Flagge, die uns über den Köpfen weht, ist zu ersehen, daß ich[196] ein Preuße bin. – Ob ich englische Kreuzer in See getroffen hätte? wollte er weiter wissen. – »Da mögt Ihr«, war meine Antwort, »Eure eignen Augen brauchen. Ich bin ein neutraler Mann, und mir kommt nicht zu, Eure Feinde an Euch zu verraten.«

Nun bestand er darauf, mit mir in meine Kajüte zu gehen, um mich unter vier Augen zu sprechen. – »Das kann ich jetzt nicht«, versetzte ich kurz angebunden; »mein Schiff ist im Lavieren begriffen. Ich muß auf dem Deck bleiben und es im Auge behalten. Binnen einer Stunde gehe ich zwischen Eurer Flotte vor Anker, und dann wird es noch Zeit sein, Euch in allem, was not tut, Rede zu stehen.« – »Wie? Ihr wollt nicht gleich diesen Augenblick in die Kajüte kommen?« – »Jetzt sicherlich nicht.« – Da ward das Bürschchen hitzig, griff nach der Plempe, die es an der Seite hängen hatte, zog blank und versetzte mir damit flach einen Streich über die Schulter.

Hui! das war ein Funke in eine offene Pulvertonne! Denn im nämlichen Augenblick auch packte meine Faust das Sprachrohr, das neben mir stand, und legte es ihm so unsanft zwischen Kopf und Schulter, daß das untere Ende desselben über Bord flog und ich das bloße Mundstück in der Hand behielt. Zugleich griff ich ihm in das Gefäß seines Degens, rang ihm denselben aus der Hand, packte ihn unsäuberlich am Kragen und schob ihn über Bord die Treppe hinab, so daß er schwerlich selbst gewußt hat, wie er in seine Schaluppe gekommen sein mag. Dann langte ich ihm seine vergessene Klinge nach; seine Leute stießen ab und die fernern Komplimente hatten ein Ende.

Unmittelbar darauf kam ich unter die Flotte und ließ den Anker fallen. Eine andre Schaluppe kam zu mir herangerudert; der darauf befindliche Offizier war ein vernünftiger Mann, seine Fragen hatten Hand und Fuß, und ebenso waren auch meine Antworten ausreichend und bescheiden.

Am andern Morgen ging ich, da mir der Wind noch immer entgegen stand, mit der Flut abermals unter Segel, um noch weiter in den Texel hineinzulavieren. Mein Lotse wollte, daß wir unsre Flagge wieder aufhissen sollten; ich jedoch war andrer Meinung. Hatten wir doch den ganzen gestrigen Tag zwischen der holländischen Flotte umhergekreuzt und geankert und unsre Flagge wehen lassen, so daß ihnen unmöglich unbekannt sein konnte, wes Geistes Kinder wir wären. Eigentlich aber wollte ich meine Flagge schonen, die bei dem Wenden hin und wider arg zerpeitscht wurde.

Wir waren darüber noch im Ratschlagen begriffen, als ein blinder Schuß nach meiner Seite her abgefeuert wurde, die gewöhnliche Mahnung, Wimpel und Flagge zu zeigen. Da ich nun sah, daß es so gemeint sei, befahl ich stracks, ihnen den Willen zu tun; allein wie sehr meine Leute sich auch damit hasteten, erfolgte doch zu gleicher Zeit ein zweiter scharfer Schuß, dessen Kugel dicht vor mir ins Wasser aufschlug. Dann aber fand sich auch, ehe ich mich dessen versah,[197] eine Schaluppe an meinem Borde ein, deren Offizier mir einen Dukaten für den ersten und zweit dergleichen für den andern Kugelschuß abforderte und hinzusetzte, daß dies auf Befehl des Admirals Kinsberger geschehe.

Ich gestehe, daß meine Antwort, in welcher ich meine schon vorerwähnten Rechtfertigungsgründe anführte, etwas unmanierlich lautete; denn ich ließ ihm sagen, er möchte sein Pulver und Blei auf seine Feinde und nicht auf eine respektable, neutrale Flagge, die sich ihm genugsam kundgegeben, verschießen. Ich betrachtete seine Schüsse als einen meinem Souverän erwiesenen Affront, über welchen ich gehörigen Orts Beschwerde zu führen wissen würde. Da ich jetzt nach Holland hinein und nicht hinaus ginge, so würde er mich, wie ich ihn, in Amsterdam zu finden wissen, ohne daß ich um Rede und Antwort verlegen wäre. Hier aber gedächte ich auch nicht einen Stüber zu bezahlen.

Der Leutnant, der meinen entschlossenen Sinn sah, verlangte, daß ich ihm diese Antwort schriftlich geben sollte. Ich ging mit ihm in die Kajüte und tat ihm seinen Willen, fügte aber zugleich auch den Gruß hinzu, den mir der Kapitän des englischen Kreuzers an den Admiral aufgetragen hatte. Während des Schreibens musterte jener einen Berg Zitronen, die in einem Winkel der Kajüte lagen, um lüsternen Augen. Ich bat ihn, sich davon auszuwählen, so viel er irgend zu lassen wüßte: – eine Höflichkeit, die er mit Dank annahm und benutzte, und wonach wir beiderseits freundlich auseinander schieden. Aber auch späterhin ist von diesem Handel auf keine Weise wieder etwas zur Sprache gekommen.

Ich selbst vergaß diesen Vorgang alsbald über der Not, die ich hatte, bei dem noch immer konträren Ostwinde in dem engen Fahrwasser mit Lavieren in kurzen Schlägen und unter Beihilfe der jedesmaligen Flut langsam genug fortzurücken, hinwiederum aber mit jeder Ebbe die Anker fallen zu lassen. Hierbei fror es zu gleicher Zeit so heftig, und es kam mir so viel Treibeis auf den Hals, daß ich mich oftmals vor zwei oder auch wohl drei Anker legen mußte, um dem Andrang gehörig zu widerstehen. So währte es drei Tage hintereinander, ohne daß es sich zu einem Besseren anließ, und ich mochte mich allein damit trösten, daß es vor und hinter mir noch eine Menge von Schiffen gab, die ebenso angestrengt und vergeblich trachteten, trotz des Eises noch Amsterdam zu erreichen. Selbst aber als diese nach und nach die nähern Nothäfen Medemblyck, Enkhuizen und Staveren zu gewinnen suchten, beharrte ich bei meinem Vornehmen und hoffte, daß endlich doch Wind und Wetter sich zu meinem Vorteil ändern würden.

Als ich mich nun solchergestalt, von allen andern verlassen, abmühte, dem Schicksal mein Reiseziel gleichsam abzutrotzen, traten mein Schiffsvolk und der eingenommene Lotse mich an, um mir vorzustellen, wie die Gefahr des Eises wegen sich stündlich mehre und wie ratsam es sein werde, nach dem Beispiel[198] unsrer bisherigen Gefährten in einen andern nahen Hafen einzulaufen. Das war nun gar nicht auf mein Ohr. »Jungens«, entgegnete ich ihnen, »wo denkt ihr hin? Haben wir nicht ein starkes, dichtes Schiff? Sind unsre Anker und Taue nicht haltbar? Fehlt es uns an Essen und Trinken? Und wenn die in den andern Schiffen furchtsame Memmen sind, die gleich beim ersten Frostschauer zu Loche kriechen, wollen wir uns ihnen darin gleichstellen? Ich meine, wir sehen es noch eine Weile mit an, und wenn es dann immer noch keinen bessern Anschein gewinnt, so bleibt es ja Zeit genug, uns nach einem Nothafen umzusehen.« – Diese Vorstellungen wirkten, und sie versprachen, auch ferner ihr Bestes zu tun.

Des nämlichen Nachmittags kam mir ein kleines Fischerfahrzeug von Enkhuizen zur Seite. Drinnen saß ein alter Mann nebst seinem Jungen und rief mir zu: »Wie steht's, Kapitän? Wollt Ihr auch Hilfe haben?« – Ich gab wenig auf sein Erbieten; denn seine Flunderschule sah mir nicht danach aus, als ob sie mir sonderliches Heil bringen könnte oder das Eis überseite schieben würde, wovon die Zuidersee vor uns voll stand. »Fahrt mit Gott!« rief ich ihm zu, »mit Eurer Hilfe wird mir wenig gedient sein!«

Doch zu gleicher Zeit zog mich der Lotse beiseite und gab mir zu bedenken, daß es gleichwohl nicht übel getan sein würde, für den Fall, daß wir uns dennoch zu irgendeinem Nothafen bequemen müßten, einen Mann am Borde zu haben, der dieser Gewässer ungezweifelt noch besser als er selbst kundig wäre, und an welchem er dann eine um so gewissere Unterstützung finden würde. – »Immerhin!« versetzte ich, »wenn wir von dem alten Manne, der mir gar nicht danach aussieht, nur reellen Beistand zu erwarten haben.« – Dieser, der schon von uns abgestoßen hatte, ward also zurückgerufen, kam an Bord und wurde befragt, ob ihm die nächstgelegene nordholländische Küste hinreichend bekannt sei, um uns im Notfall als Lotse zu dienen?

Fast schien der alte Bursche mir meine Frage übel zu deuten. Er nahm eine pathetische Stellung an und beteuerte: von Jugend auf habe er hier in allen Winkeln herumgekrochen, kenne jeden Grund und jeden Stein und wolle hier wohl die ganze holländische Flotte bei stockdunkler Nacht sicher vor Anker bringen. »Gut!« erwiderte ich, »so mögt Ihr am Borde bei mir bleiben! Allein auf welchen Vergleich soll ich mich mit Euch einigen? Dringen wir durch nach Amsterdam, wie ich's hoffe, so könnt Ihr mir keine Dienste tun; muß ich mich aber nach einer andern Zuflucht umsehen, so weiß ich wieder nicht, wie lange das währen kann, und wie ich Eure Hilfe anschlagen soll. Darum schlage ich Euch vor, daß wir nach beendigter Fahrt vier Schiedsmänner, jeder zur Hälfte, erwählen und daß wir uns dem fügen, was diese als recht und billig beschließen werden. Seid Ihr das zufrieden?«[199]

»Ja!« war seine Antwort; »aber gebt mir das schriftlich, Kapitän!« – Dies geschah auch sofort, worauf er das Papier dem Jungen behändigte, um mit demselben und der Schute wieder an Land zu steuern. Er selbst aber war von dem Augenblicke an bei uns wie zu Hause, hatte tausend unnütze Dinge zu fragen und zu erzählen und brachte ein so unerschöpfliches Mundwerk zu Markte, daß er meine Leute überall in ihren Bereichtungen hinderte und mir selbst dadurch überaus lästig und unangenehm fiel. »Satt und genug, Alter!« fiel ich ihm endlich in die Rede; »Euer Geplauder bringt mir mein Volk aus dem Texte. Da geht hinein in die Kombüse und raucht Euer Pfeifchen in Frieden, bis ich Euch rufen lassen werde.« – Murrend tat er meines Gebots, hüllte sich in eine Schmauchwolke und legte sich endlich aufs Ohr, ohne zu wissen oder zu fragen, was weiter um ihn her vorging.

Inzwischen trieb während der Nacht und Ebbezeit, wo wir vor Anker lagen, so ungeheuer viel Eis auf uns zu, daß wir das Schiff kaum vor drei Kabeltauen halten konnten, indem die Schollen sich immer höher über denselben emportürmten und auf den Bug eindrangen, daß das Schiff vorn auf eine bedenkliche Weise niedertauchte und jeden Augenblick zu erwarten stand, es werde von den Eismassen überwältigt werden und untergehen. Zugleich auch waren die Stöße, die es empfing, so heftig, daß es Mühe kostete, auf dem Verdeck das Stehen zu behalten. Doch gab Gott Gnade, daß wir uns in dieser gefährlichen Lage erhielten, bis endlich die Flut eintrat und das Schiff sich wieder erholte; während auch das Tageslicht eintrat und die Gegenstände sicherer erkennen ließ.

Nach einer solchen gemachten Erfahrung wäre es vermessen gewesen, wenn ich auf meinem früheren Vorsatz noch ferner hätte bestehen wollen. Vielmehr wurden mir schlüssig, in den nächsten besten Hafen einzulaufen, und so war es jetzt an der Zeit, unsern alten Lotsen hervorzurufen, der sich die Augen wischte und die Gefahr, die uns drohte, glücklich verschlafen hatte. Ich befragte ihn, welcher Hafen nach seiner Meinung am bequemsten zu erreichen sein möchte. Er entschied sich für Enkhuizen und stellte sich ans Steuer, hielt aber einen so verkehrten Kurs, daß mir und dem Lotsen aus dem Texel die Haare zu Berge standen, und wir zu der augenscheinlichen Überzeugung gelangten, der alte Kerl werde das Schiff binnen weniger als fünf Minuten auf die Sandbänke setzen und uns alle ins Unglück bringen, um vielleicht seinen Landsleuten an dem gestrandeten Wrack eine erwünschte Prise zuzuführen.

Ihm sein Konzept zu verrücken, erklärte ich also, die Gewässer von Medemblyck wären mir einigermaßen bekannt, und ich zöge es vor, meinen Weg dorthin zu nehmen und das Nötige selbst anzuordnen. Dem ersten Lotsen gebot ich, das Bleilot zur Hand zu nehmen, dem Alten aber, der immer noch des Plauderns kein Ende fand, sich flugs vom Verdeck nach der Kombüse zu scheren.[200]

Andre Segel wurden aufgesetzt, das Schiff umgelegt, und so gelang es uns, nachmittags glücklich vor Medemblyck anzulangen.

Kaum hatte ich hier einen Fuß an Land gesetzt, so bat ich die umstehenden Leute, mir den angesehensten und wohlberufensten Kaufmann im Orte nachzuweisen. Sie nannten mir einen Herrn Schweiger, der allgemein für einen Ehrenmann gelte, und ehedem auch ein Schiff geführt habe. Ich ließ mich auf der Stelle zu ihm führen, gewann auch flugs das Vertrauen, daß er der Mann sein werde, wie ich ihn suchte, und trug ihm mit Darlegung meiner Umstände den Wunsch vor, meine beiden Lotsen namens meiner nach Recht und Gebühr zu befriedigen. Denn obwohl der Enkhulzer meines Bedünkens nicht den mindesten Anspruch für seine unverständige und verkehrte Dienstleistung zu machen hatte, so hatte ich ihm dennoch aus Mitleid mit seinen grauen Haaren ein Geschenk von zehn bis fünfzehn Gulden zugedacht.

Beide wurden sofort gerufen, und es bedurfte nur, daß der Lotse vom Texel seine Ordonnanz vorwies, um darnach seine Forderung nach Fug und Billigkeit auszumitteln. Er strich sein Geld ein, und als er demnächst auf eine bescheidene Weise bemerkt hatte, daß er während mehrerer Tage ungewöhnlich viel Not und Mühe an meinem Borde ausgestanden, um sich vielleicht Rechnung auf eine außerordentliche Vergütung machen zu können, unterbrach ich ihn durch die Erklärung: »Das ist allerdings wahr, Herr Schweiger. Geben Sie dem Manne noch zwei Dukaten als williges Anerkenntnis seiner Treue und angestrengten Fleißes.« – Der Lotse bedankte sich, und das war abgetan.

Nun aber kam auch die Reihe an den alten Fischer von Enkhuizen. »Sagt an, Vater, was habt Ihr verdient?« fragte mein Bevollmächtigter. Der Kerl setzte sich abermals in Positur und ließ sich vernehmen: »Mynheer, ich habe ein Schiff gerettet, das, wie ich weiß, eine Million wert ist, und dessen Kapitän eine Fracht von hunderttausend Gulden macht. Derowegen verlange ich nicht mehr und nicht weniger, als fünfzehnhundert Gulden an Lotsengebühr, und ich hoffe, die sollen mir werden.«

Ich lachte dem alten Knaben ins Angesicht und fragte, ob er sich vielleicht nur versprochen und fünf oder fünfzehn Gulden gemeint habe? – Er aber verneinte ernsthaft und vermeinte, daß er wohl ein Narr sein müßte, sich damit abspeisen zu lassen. – »Nun,« fiel ich ihm ein, »an Eurer Narrheit hat es wohl keinen Zweifel; denn die habt Ihr bei mir am Borde durch all Eure Handlungen klar genug erwiesen. Laut unserm schriftlichen Akkord mag der Ausspruch auf vier Schiedsmännern beruhen, oder Ihr mögt mich, wenn es Euch beliebt, verklagen.« – Polternd und scheltend verließ er auf diese meine Erklärung das Zimmer, und so kamen wir für diesmal in Unfrieden auseinander.

Um jedoch meine gute Sache zu wahren, säumte ich nicht, des nächsten Tages mich und meine Schiffsmannschaft über die letzten Ereignisse unserer[201] Reise nach allen Einzelheiten gerichtlich und eidlich vernehmen zu lassen und insonderheit, wie ungeschickt und widersinnig sich der vorgebliche Lotse angestellt und zu allem untauglich erwiesen. Dies getan, brannte mir die Stelle unter dem Leibe, den Weg nach Amsterdam vollends zurückzulegen, damit ich mein Diamantenpäckchen los würde. Sobald ich es mittels angetretener Landreise dort in die rechten Hände abgeliefert hatte, war ich wie ein neugeborner Mensch, und da ich zugleich alle Konnossements von meiner Ladung mit mir genommen, ließ ich es meinen nächsten Gang sein, den Kaufmann Floris de Kinder aufzusuchen, dem ich mich aus einer früheren Lebensperiode dankbar verpflichtet hielt und mir daher auch jetzt zum Kommissionär ersehen hatte. Ihm übergab ich meine Papiere, um dieselben den Empfängern meiner Ladung vorzulegen, bei denen des andern Tages auf der Börse über meine glückliche Ankunft in Medemblyck eine große Freude entstand.

Auf gleiche Weise hatte ich gleich beim Einlaufen in den Texel dies erwünschte Ereignis nach Hamburg an meinen dortigen Korrespondenten, Herrn Klefecker, berichtet, von welchem die Assekuranz meines Schiffes besorgt worden war. In Amsterdam fand ich bereits seine Antwort vor, worin er mir meldete, wie meine Nachricht auch auf der Hamburger Börse die angenehmste Sensation erregt habe, indem die dortige dritte Assekuranzkompanie die Versicherung auf Schiff und Ladung gezeichnet hatte.

Nach Verlauf einiger Tage, die ich in Amsterdam zubrachte, meldete mir Herr Schweiger, daß der Alte aus Enkhuizen wirklich geklagt habe und daß ein Termin zur Vernehmung angesetzt sei, wo meine Gegenwart erforderlich werden möchte. Ich hatte diese wunderliche Geschichte schon meinem Korrespondenten zum besten gegeben, der sie gleich mir als eine Kinderei betrachtete. Indes ging ich doch nach Medemblyck ab und fand dort eine Gerichtsversammlung, aus fünf Personen bestehend, so wie auch mein Widersacher nicht fehlte und seine Klage anhängig machte. Meinerseits übergab ich die schon aufgenommene und eidlich bekräftigte Verhandlung über den wahren Hergang der Sache mit hinzugefügter Erklärung, daß, wie wenig mir dieser Mensch auch irgend einige Dienste geleistet, ich dennoch einer billigen Festsetzung seines Lohnes nicht entgegen sein wolle. Man fragte mich: wieviel ich dem Manne gutwillig zu verabreichen gedächte? – und ich wiederholte meine frühere Bestimmung, daß ich bloß in Erwägung seines hohen Alters zehn Gulden um nichts und wieder nichts an ihn verlieren wolle. – Der alte, durchtriebene Fuchs hingegen beharrte ursinnig auf seiner ersten ausschweifenden Forderung.

Nach langem Hin- und Widerreden mußten wir abtreten und der richterlichen Versammlung Zeit und Ruhe zum Delibrieren lassen. Das bedurfte länger als eine Stunde, wo endlich Kläger und Beklagter wieder vorgefordert wurden, um das in hoher Weisheit ausgeheckte Urteil zu vernehmen. Es lautete dahin, daß[202] letzterer schuldig und gehalten sein solle, dem angenommenen Lotsen von Enkhuizen sowohl für seinen dem Schiffe geleisteten Beistand als wegen unverzagter Daranwägung seines Leibes und Lebens die volle Summe von eintausendfünfhundert Gulden holl. bar auszuzahlen, überdem aber so lange, bis diese Zahlung wirklich geleistet worden, für jeden Tag eine Buße von zwei Gulden zu entrichten. Alles von Rechts wegen.

Es war natürlich, daß ich schlechte Luft bezeugte, mich mit diesem alle Gerechtigkeit verhöhnenden Ausspruche zu beruhigen. Vielmehr berief ich mich auf meinen mit dem alten Schelme ausdrücklich getroffenen Vergleich und wollte die Sachen an vier gewählte Schiedsrichter und Obmänner gebracht wissen. Allein man bedeutete mich, mein Gegenpart habe jenen Akkord nicht mit unterzeichnet, daher demselben auch alle gesetzliche Gültigkeit ermangele. Wolle ich jedoch mich in die Sentenz des Gerichts nicht fügen, so bleibe mir allerdings unbenommen, an den Hof von Holland zu appellieren.

In der Tat aber kannte ich dies Gericht, das sich so unvermutet zum Herrn meines Beutels aufwarf, gar noch nicht einmal, und es schien mir doch der Mühe wert, deshalb ein wenig genauer nachzufragen. Auch blieben mir die Herren die Antwort hierauf nicht schuldig, und so erfuhr ich denn, daß die vier Bürgermeister von Hoorn, von Enkhuizen, von Medembluck, von Edam und noch ein Prokurator sich die Mühe genommen, diesen hochwichtigen Fall in ihrer Weisheit zu entscheiden. Je weniger mir aber von dieser Weisheit einleuchten wollte, desto minder konnte ich mich auch entbrechen, ihnen wiederum zu erwidern: »Ihr Herren insgesamt versteht vom Seewesen keinen Pfifferling und hättet also immer zu Hause bleiben mögen. In Enkhuizen liegt aber, wie ich höre, ein holländisches Kriegsschiff, warum habt ihr den Kapitän desselben zu euren Ratschlagungen nicht mit zugezogen? In eurer Entscheidung vermisse ich alle Billigkeit und Gerechtigkeit, und darum werde ich an erleuchtetere Richter appellieren!« – Das gesagt, kehrte ich ihnen den Rücken und schied von dannen.

Allernächst aber schrieb ich an Herrn Floris de Kinder nach Amsterdam, machte ihn mit der saubern Sentenz bekannt und trug ihm auf, die Sache mit den Empfängern der Ladung, welche nach Usance vornehmlich den Beutel würden haben ziehen müssen, in genauere Überlegung zu nehmen und mir wegen der Appellation nähere Instruktion zuzufertigen. Mochte es nun aber sein, daß diese an ihrem Tee einen so erklecklichen Gewinn hatten, um tausendfünfhundert Gulden mit leichtem Sinn aus Bein zu binden, oder daß sie Gang und Weise der holländischen Rechtspflege besser kannten – genug, sie erteilten mir den Bescheid: ich sollte nur in Gottes Namen die geforderte Summe zahlen, indem sie sich ihresteils die Sentenz gefallen ließen. – So war denn also das Lied am Ende.[203]

Nach geleisteter Zahlung drückte mir's gleichwohl auf dem Herzen, mich bei den gestrengen Herren zu befragen, auf welches Gesetz, rechtlichen Grund oder Herkommen ihre gefällte Entscheidung sich denn eigentlich stütze? – Mir ward die Antwort: Es habe also und nicht anders gesprochen werden müssen, damit, wenn hinführo Schiffe in Not kämen, bei andern Leuten Mut und Wille erweckt werde, den Unglücklichen mit Hilfe beizuspringen. – »Hol' euch der T. mit eurer Hilfe!« dacht' ich und schüttelte den Staub von meinen Füßen. – Indes schlug das Frostwetter im Dezember wieder um, so daß ich am 29. von Medemblyck abgehen konnte, den 2. Januar 1781 vor Amsterdam anlangte und den Anfang machte, meine Ladung zu löschen.

Gegen den 24. Januar, dem Geburtstag unsers großen Monarchen, trieb es mich mit unwiderstehlicher Gewalt, diesen Tag von allen preußischen im Hafen ankernden Schiffen durch Aufziehung aller Flaggen und Wimpel und Abfeuerung unsers Geschützes feierlich begangen zu sehen. Mein Vorschlag hierzu fand bei meinen wackern Landsleuten allgemeinen und freudigen Eingang. Aber einen härteren Strauß gab es mit dem holländischen Kurantschreiber in Amsterdam auszufechten, der die Ankündigung dieser Feier in seinem Zeitungsblatt, entweder aus echt holländischem Phlegma oder aus unvernünftiger Abneigung gegen den König, auf eine so beleidigende Weise verweigerte, daß ich mit dem Grobian schier handgemein geworden wäre, endlich aber durch Hilfe des preußischen Konsuls ihn zur Räson bringen und für seine ausgestoßenen, schmählichen Lästerungen zur gebührenden Strafe ziehen ließ.

Diese widrige Stimmung, die sich damals in Holland so allgemein äußerte, empörte mein treues Preußenherz um so mehr, als die preußische neutrale Flagge in dem ausgebrochenen Kriege mit England der Nation die entschiedensten Vorteile für ihren Handel darbot, und selbst die holländischen Schiffskapitäne, welche sich derselben bedienten, durch nichts zu bewegen waren, unserm Beispiele zu folgen und ihren Wohltäter und Beschützer nach Würden zu ehren. Solch ein Urian lag mir unmittelbar zur Seite vor Anker, und daß er sich preußische Zertifikate zu verschaffen gewußt hatte, lag daraus klar am Tage, daß er zuzeiten unsern schwarzen Adler von seinem Hinterteile hatte wehen lassen.

Am Morgen des königlichen Geburtstages war bei diesem meinem Nachbar alles in tiefster Ruhe und weder Flagge noch Wimpel bei ihm zu verspüren. Erst spät hatte er sich den Schlaf aus den Augen gerieben; aber sobald er sich auf dem Verdeck zeigte, warf ich ihm die Frage in den Bart: ob er gleich mir und so vielen andern rings um uns her den König von Preußen nicht auf herkömmliche Weise wolle hochleben lassen? »Das werde ich wohl bleiben lassen!« gab er zur Antwort, »was geht mich euer König an?« – Meine Erwiderung fiel, wie sich leicht denken läßt, deutsch und derb aus; allein ohne etwas darauf zu geben, wandte er mir den Rücken und ließ sich an Land setzen.[204]

»Topp!« gelobte ich mir selbst, »was der Schuft zu tun nicht Luft hat, soll dennoch von mir und in seinem Namen geschehen!« – Ich besaß zwei Gestelle Flaggen und Wimpel, wovon das seidene bereits seit Sonnenaufgang in meinem Tauwerk prankte und flatterte; das andre baumwollene, nahm ich jetzt zur Hand, stieg mit ein paar Leuten an Bord des Holländers und machte Anstalten, dasselbe an seinen Masten aufzuziehen, ohne daß das Schiffsvolk, das sich an einfältigem Maulaufsperren begnügte, meiner Keckheit Einhalt zu tun versuchte. Und so weheten meine Flaggen den ganzen Tag, ohne daß jemand sich unterstanden hätte, sie herabzureißen, oder daß der Kapitän sich sehen lassen oder um den Vorgang zu kümmern geschienen. Mir aber diente mein gekühltes Mütchen nur zu desto freudigerer Erhöhung meines patriotischen Jubels.

Indes war nicht nur meine eingebrachte Ladung in der Mitte Februars gelöscht, sondern vier Wochen später hatte ich auch bereits wieder eine neue Fracht nach Lissabon eingenommen, die in hundert Last Weizen, zweihundert Tonnen schwedischen Teers und einigen tausend Edamer Käsen von fünf bis sechs Pfund an Gewicht bestand. Gleich darauf machte ich Anstalten, in See zu gehen und war eben im Begriff, meine Anker aus dem Grunde emporzuwinden, als ich mich gegen den Steuermann äußerte: »Nun, Gott sei von Herzen gedankt, daß wir hier los sind; denn nie habe ich nach schon vollendeter Reise so viel Wunder, Verdruß und Unannehmlichkeit erfahren, als diesmal unter den Holländern!« – Aber wie wenig ahnte ich, daß mir schon in der nächsten halben Stunde eine weit größere Widerwärtigkeit begegnen sollte als alle früheren, über die ich mich so bitter beklagt hatte.

Indem ich nämlich eben meine Segel aufgezogen, die Anker aber nur so weit emporgewunden hatte, daß sie noch vor dem Bug unter Wasser hingen, das Schiff aber in die fließende Fahrt gelangte, kam eine ledige T'Gelke gegen meine Seite in einer Richtung angesegelt, daß wir unausbleiblich zusammenstoßen mußten, wofern sie nicht noch beizeiten absteuerte. Ich machte meine Leute aufmerksam, ergriff aber zugleich auch das Sprachrohr, lief damit nach vorn und rief dem Fahrzeuge zu: »Haltet ab! Holt euer Ruder nach Steuerbord!« – Auf dies Rufen sahen sich endlich die beiden Menschen auf demselben, die mir bisher den Rücken gekehrt, nach meinem Schiffe um, erkannten die Gefahr, worin sie schwebten, holten aber in der Bestürzung das Ruder auf die Backbordseite, wodurch sie, anstatt mir auszuweichen, gerade auf meinen Bug gerieten.

Jetzt ward das Unglück mit jedem Augenblick größer. Mein Bugspriet verwickelte sich in das Segel und die Takelage der T'Gelke; meine Anker, die noch unter Wasser waren, mochten wohl unter ihre Kimmung 8 geraten, und da mein[205] Schiff sich bereits in ziemlichem Schusse befand, so drückte es jenes kleinere Fahrzeug auf die Seite, übersegelte es endlich und fuhr rumpelnd drüber hin, als ob es über eine Klippe hinweggestreift wäre. Eine halbe Minute später kam die T'Gelke hinten in meinem Kielwasser wieder zum Vorschein, aber gekantert 9 und das Unterste zu oberst schwimmend.

Ich war von Herzen erschrocken, und das um so mehr, da ich fürchten mußte, daß mein Schiff an seinem Boden beträchtlichen Schaden gelitten haben möchte. Sofort ließ ich zu den Pumpen greifen, doch alles war und blieb dicht und gut; nur an meinem Bugspriet und der Takelage desselben war eine so arge Verwüstung angerichtet, daß ich auf der Stelle wieder den Anker fallen lassen mußte, um zur Ausbesserung zu schreiten. Inzwischen waren auch von allen herumliegenden Schiffen Boote und Fahrzeuge abgestoßen, um die beiden Menschen zu bergen und zu der verunglückten T'Gelke zu sehen. Ich aber konnte mich, mit meinem eignen Schaden beschäftigt, darnach nicht aufhalten, sondern eilte, wieder unter Segel zu kommen.

Als ich nun einige Tage nachher im Texel anlangte, fand ich einen Brief von meinem Korrespondenten, Herrn Floris de Kinder, vor, worin mir berichtet wurde, daß der verunglückte T'Gelkenschisser gegen mich klagbar geworden und Schadenersatz von mir verlange. Er riet mir also, vor dem Gericht im Texel zu erscheinen und samt meiner Mannschaft eine eidliche Erklärung über den ' ganzen Hergang abzulegen, diese aber an ihn einzusenden, damit jenen Ansprüchen gehörig begegnet würde. Dies geschah, und aus der gerichtlichen Vernehmung ging genüglich hervor, daß jener Schiffer nicht nur sein Unglück sich selbst zugezogen, sondern auch mir selbst Not und Schaden verursacht habe. Der endliche Erfolg war, daß jener seine Ansprüche weiter nicht verfolgte, daß ich aber auch meine eigne erlittene Einbuße verschmerzen mußte.[206]

Quelle:
Nettelbeck, Joachim: Eine Lebensbeschreibung, von ihm selbst aufgezeichnet. Meersburg, Leipzig 1930, S. 184-207.
Lizenz:
Ausgewählte Ausgaben von
Eine Lebensbeschreibung, von ihm selbst aufgezeichnet
Joachim Nettelbeck, Burger Zu Colberg (3); Eine Lebensbeschreibung, Von Ihm Selbst Aufgezeichnet
Bürger zu Kolberg: Eine Lebensbeschreibung, von ihm selbst aufgezeichnet

Buchempfehlung

Schnitzler, Arthur

Das neue Lied und andere Erzählungen 1905-1909

Das neue Lied und andere Erzählungen 1905-1909

Die Sängerin Marie Ladenbauer erblindet nach einer Krankheit. Ihr Freund Karl Breiteneder scheitert mit dem Versuch einer Wiederannäherung nach ihrem ersten öffentlichen Auftritt seit der Erblindung. »Das neue Lied« und vier weitere Erzählungen aus den Jahren 1905 bis 1911. »Geschichte eines Genies«, »Der Tod des Junggesellen«, »Der tote Gabriel«, und »Das Tagebuch der Redegonda«.

48 Seiten, 3.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon

Buchempfehlung

Große Erzählungen der Frühromantik

Große Erzählungen der Frühromantik

1799 schreibt Novalis seinen Heinrich von Ofterdingen und schafft mit der blauen Blume, nach der der Jüngling sich sehnt, das Symbol einer der wirkungsmächtigsten Epochen unseres Kulturkreises. Ricarda Huch wird dazu viel später bemerken: »Die blaue Blume ist aber das, was jeder sucht, ohne es selbst zu wissen, nenne man es nun Gott, Ewigkeit oder Liebe.« Diese und fünf weitere große Erzählungen der Frühromantik hat Michael Holzinger für diese Leseausgabe ausgewählt.

396 Seiten, 19.80 Euro

Ansehen bei Amazon