Wie ich Schauspieler wurde.

[41] Halleluja! So weit hatten wir es endlich gebracht, mein Freund Einhorn und ich: die Schule lag hinter uns! Nachdem wir noch unsere Namen tief in das Pult eingeschnitten, glauben wir alle Auforderungen erfüllt zu haben, die die Schule an ihre Zöglinge stellen kann. Bei der Konfirmation erschien mein Freund so zeremoniell gekleidet, daß ich ihn beinahe nicht erkannte, er selbst gestand mir, daß er sich für einen Fremden gehalten, als er sein Bild im Spiegel erblickt habe. Sein aufgeschossener Körper war in einen langschoßigen schwarzen Rock eingeknöpft, ein steifer Vatermörder umklammerte den langen Hals, auf dem rötlichen Bürstenkopf trug er einen Zylinderhut und die Hände steckten in weißen Glacéhandschuhen. Vater Einhorn, ein königlicher Hofbeamter, hatte den Sohn in die gesellschaftliche Uniform gezwängt, damit er sich rechtzeitig an höfische Etikette gewöhne. Ich wurde von meinem Freund mit neidischen Blicken betrachtet, denn meine Rockschöße waren halb so lang wie seine, statt der Vatermörder trug ich einen umgelegten Hemdkragen, meine Handschuhe – angeborenes Waschleder, meine Kopfbedeckung – eine französische Schülermütze. Mein Vater hegte Sympathien für die große Nation, wegen der Ideen von 1789, und ich vermute, daß er mich auch gerne in roten Hosen gesehen hätte, wenn solche Tracht für Dresden nicht doch ein wenig zu auffallend gewesen wäre. Schon wegen der Mütze hatte ich zu leiden; die Straßenjugend war an den Anblick eines viereckigen, aufstrebenden Schirmes nicht gewöhnt und der kleine runde Deckel der Mütze mit Goldzierat, der auf dem Schirme ruhte, reizte ihre höhnische Heiterkeit.[41] »Nu guckt nor emal den an, was der fier eine närrsche Mitze ofm Koppe hat« – das war das feinste unter den vielen Komplimenten, die ich zu hören bekam.

Nachdem sich die Pforten der Schule hinter uns geschlossen, wurden wir der vielen Wege gewahr, die hinein ins Leben führten; die Frage war nur, welcher für uns der richtige Weg sei? Darüber war sich niemand recht klar, weder die Herren Väter, noch die Jungen. Ich hatte eine Neigung zur Gartenkunst und Einhorn zur Navigation, aber unsere Neigungen wurden durch die väterliche Bestimmung zurückgedrängt, daß wir vorläufig weiter lernen sollten. Mütter hatten wir nicht mehr, sie waren fast gleichzeitig vor Jahresfrist gestorben. Meine Schwester, nur wenige Jahre älter als ich, stand unserm kleinen Hausstand vor und bei Einhorns schaltete eine Verwandte als Wirtschafterin – so fehlte unserm jungen Leben ein bedeutsamer Halt, den wir durch unwandelbare Freundschaft zu ersetzen suchten.

Einhorn mußte sich bei einem Vollblutfranzosen in der Hofsprache vervollkommnen und ein alter Schreiblehrer sollte ihm die geschnörkelte sächsische Kanzleischrift beibringen, die sich für einen dereinstigen königlichen Beamten gezieme.

»Und was machst du denn?« fragte Einhorn.

»Ich soll mit dem Pinsel umgehen lernen und zu Fehrmann in die Malstunde gehen, denn ich komme vielleicht auf den Malersaal zu Zaragoni, der die Dekorationen für das Hoftheater malt, wenn er mich nimmt – dann kriege ich noch Klavierstunden von einem Seminaristen und wenn sich meine Stimme erst gesetzt hat, will mir der Vater Gesangunterricht geben, jetzt könne er noch nicht klug werden, ob ein Baß oder Bariton aus mir würde.«

Der Stundenplan war nicht sehr anstrengend; wenn wir auch häusliche Übungen dazu rechneten, blieb uns viel freie Zeit übrig, die wir zu gemeinsamer weiterer Ausbildung benützen wollten. Unser Fortbildungstrieb lenkte sich zunächst auf die Literatur, da mir der Zufall ein Buch in die Hände[42] spielte, das uns in flammende Begeisterung versetzte: »Die drei Musketier« von Alexander Dumas, in deutscher Übertragung. Wir rannten mit dem Buch in den Prießnitzgrund, dem Tummelplatz unserer bisherigen Knabenfreuden, wo uns die ganze Romantik des Tannenwaldes aufgegangen war. Der Prießnitzgrund mußte auch zum Lesezimmer werden, wir wußten ein Plätzchen wie dazu gemacht. Da saßen wir auf sonndurchwärmtem Heidekraut, eng aneinander gerückt, die Arme gegenseitig um die Schultern geschlungen und lasen und lasen, daß wir Essen, Trinken und Nachhausegehen darüber vergaßen. Oft stockte der Atem, daß wir nur ruckweise Luft schöpfen konnten und wenn einer zu früh den Finger netzte, das Umblättern vorzubereiten, schüttelte der andere mit mißbilligenden Tönen energisch den Kopf, weil er mit ein paar Zeilen im Rückstande war. Daß gedruckte Buchstaben solche Macht ausüben, solche Wonnen über Menschen bringen konnten, hatten wir nicht für möglich gehalten. Das Buch war uns wie eine junge, heilige Liebe; Eifersucht regte sich gegen den Glücklichen, der die Musketiere bis zum nächsten Tag in Verwahrung nehmen durfte, er mußte feierlich versprechen, nicht weiter zu lesen, namentlich den Schluß nicht vorzukosten. Als wir den Roman beendigt hatten, waren wir glückselig und kreuzunglücklich, weil er beendigt war. Um unser Unglück zu mildern, lasen wir ihn sofort ein zweites Mal. Armer Inselkönig Robinson, die drei Musketiere hatten dich entthront. Was waren das aber auch für Prachtkerle, der edle Athos, der feine Aramis, der Hauptkerl d'Artagnan und zuletzt, nicht der letzte: Porthos! Zu ihm fühlten wir uns am meisten hingezogen, es lebte was von ihm in uns, Porthos war gut und dumm, aber stark! Das war es, was wir werden wollten – stark.

Zu einer Erkenntnis führte uns der Roman, daß wir nicht länger ohne Waffen bleiben durften, es konnten Umstände eintreten, die uns eine Pistole so nötig machte wie ein Stück Brot. Nun warfen wir uns auf die Waffenkunde[43] und studierten die Sammlungen der Gewehrhändler in den Auslagenfenstern. Aber die Preise waren von abschreckender Höhe, bis wir auf ein anheimelndes Geschäft stießen, in dem wir unter Mäusefallen, Messern und Bartwichse auch ein Terzerol erblickten, das mit einem Verkaufspreis von 2 Taler 10 Groschen ausgezeichnet war. Wir blickten uns an und nickten. Dieses Terzerol war augenscheinlich ein vortreffliches Produkt moderner Gewehrindustrie – und billig – erstaunlich billig. Wenn wir uns mit vereinter Kraft aufs Sparen legten, war vielleicht die Möglichkeit des Erwerbens nicht ausgeschlossen. Mit unsern Mitteln war es herzlich schlecht bestellt. Einhorn hatte ein wöchentliches Taschengeld von fünf Neugroschen, aber mir war keine Zivilliste bewilligt, hingegen hatte ich gegründete Aussicht, ein gutes Stück Geld zu verdienen. Einer unserer früheren Schulkollegen, der Sohn eines Pfefferküchlers, gegenwärtig Lehrling im väterlichen Geschäft, hatte mich schon lange gebeten, ihm ein Buch mit weißen Blättern voll schöner Gedichte zu schreiben, er wolle sich's was kosten lassen, er brauche die Gedichte fürs Geschäft. Die Sache war mir nicht klar, aber sie wurde es, als ich ihn aufsuchte, ihm meine Dienste anzubieten. Ich fand ihn in der heißen Backstube, gerade in Fabrikation von Pfeffernüssen begriffen; er, wie seine drei erwachsenen Schwestern, waren in Äquatorialkleidung. Jede der vier Personen hatte ein Backblech vor sich und in der rechten Hand eine Teigwurst, von der Nüßchen auf Nüßchen abgedrückt und auf das Blech gesetzt wurde. Das geschah im strengsten Takt, denn der junge Küchler deklamierte dazu: »doch aller Glocken Krone, die er gegossen hat, das ist die Sünderglocke zu Breslau in der Stadt,« und bei jeder langen Silbe wurde ein Nüßchen aufs Blech gesetzt. Es war recht feierlich und der Sprecher mußte auch zu rühren, indem er an Stelle jedes Punktes ein Fragezeichen markierte. Ich mußte den ganzen »Glockenguß von Breslau« über mich ergehen lassen, denn wenn das Werkel im Gange war, gab es kein Einhalten.[44] »Siehst du jetzt ein, daß ich die Gedichte fürs Geschäft brauche?« Ich nickte, indem ich so ein wärmliches, weiches Teigklößchen vom Blech in den Mund schob, das ich möglichst rasch schlucken mußte, weil es gar nicht gut war. Das Buch mit den weißen Blättern wurde mir anvertraut mit der Mahnung, nur schöne Gedichte aufzunehmen, nicht zu weitläufig, keine Tintenkleckse oder Fettflecke zu machen und keine Blätter herauszuschneiden. Für meine literarischen Bemühungen und Kopiaturen wurde mir ein Honorar von anderthalb Talern zugesichert, womit ich mich zufrieden erklärte, weil die Summe die größere Hälfte des Terzerols ausmachte. Unter der Haustür rief mir der Besteller noch nach: »Du Hermann! nur recht taktvolle Gedichte!«

Der nächste Morgen sah mich schon um vier Uhr bei der Arbeit. Das Gedicht, das die Ehre hatte die Sammlung zu eröffnen, ein ungedrucktes Manuskript, betitelt »Der Barrikadenkämpfer,« war von mir. Leider ist keine Abschrift davon erhalten, doch kann ich mich erinnern, daß in dem Gedicht viel geschossen wurde und daß ich den Helden nicht vom Tode retten konnte. Nach mir kamen oft gedruckte Dichter an die Reihe und als Stoffmangel eintrat, griff ich zu einem alten Jahrgang der »Abendzeitung« von Theodor Hell. Ich sehe den Kopf dieses Blattes mit dem kleinen Holzschnitt noch deutlich vor mir: eine flammende antike Lampe, mit einem darauf knieenden Biedermeier-Engel, der aus einem Kruge Brennstoff nachfüllt. Jede Nummer der Zeitung brachte Geben von weniger bekannten Dichtern, die nicht meinen Beifall hatten, weil sie keine aufregenden Geschehnisse und Großtaten, nur Mondschein- und Nachtlampenstimmungen wiedergaben. Aber die kleinen Dichter füllten mein Buch ebensogut wie die großen. Jedenfalls hatte ich das Verdienst, manchen verschütteten Poeten ausgegraben und in der Backstube zu neuem Leben gebracht zu haben. Nach vierzehn Tagen konnte ich mein Werk abliefern und das Honorar[45] dafür einstreichen. Auf eine Prüfung des Wertes der Sammlung ließ ich mich nicht ein und empfahl mich schleunigst, als ich eine ehrende Honorarzulage von einigen Pfefferzungen in meiner Hand fühlte. Die eine Hälfte des Terzerols hatte ich, für die andere wird Einhorn sorgen, dachte ich – und er hatte gesorgt. Zu meiner Überraschung gestand er mir, daß er literarisch tätig gewesen, daß er ein französisches Lustspiel übersetzt habe. Er wickelte ein Paket auf, das er unterm Arme getragen und zeigte mir das gedruckte Buch von Scribes »La bataille des dames« für Übersetzungen aus dem Französischen ins Deutsche eingerichtet. Dann hielt er mir mit Stolz sein Manuskript hin: »Die Schlacht der Weiber.«

»Du, das ist ein famoses Lustspiel! Komm, wir gehen jetzt in die Hofbuchhandlung, die soll's drucken. Für fünf Taler – meinetwegen auch für drei gebe ich es her.«

Als wir in den Laden traten, kam aus einem Glasverschlag ein bärtiger Herr, der sich nach unsern Wünschen erkundigte. Einhorn hatte sein Paket geöffnet auf die Ladentafel gelegt. »Ich habe ein neues, gutes französisches Lustspiel übersetzt, das ich Ihnen zu billigstem Preise offeriere.«

Der Buchhändler sah den Sprecher mit einem verdächtigen Seitenblicke an, hob das Manuskript in Augenhöhe, legte es aber gleich wieder auf die Tafel nieder und fuhr mit beiden Händen langsam über Gesicht und Bart.

»Mja!« sagte er dann, ein Haar, das ihm in den Fingern geblieben war, gegen das Licht betrachtend, »so ganz neu ist das Lustspielchen eben nicht, es ist schon mehrere Jährchen alt, hat auch bereits mehrere Übersetzer gefunden. Drehen Sie sich mal um, dort hängt der heutige Zettel vom königlichen Hoftheater, was wird gegeben? »Der Damenkrieg,« wie das Stück bei uns benannt ist; ein anderer Verdeutscher nennt es »Frauenkampf,« nach einer »Kriegsspiele der Frauen.« Sie benamsen es »Die Schlacht der Weiber« – nicht übel, gar nicht übel, weiß Gottchen, ich vermute auch noch sonstige hübsche Sächelchen im Text – mja! aber[46] Damenbatailljen haben wir nun schon genug. Indessen, nur nicht den Mut verlieren und wenn Sie wieder was Hübsches geschrieben haben, so bringen Sie es einem andern Verleger. Dienerchen!« Damit verschwand er in seinen Glaspalast und wir verzogen uns.

»Du, ich glaube, der hat gehöhnt,« sagte ich still und stumpft.

»Hast du das auch gemerkt? Na, der kann warten, bis ich mir in seiner Bücherapotheke was kaufe, nicht einmal eine Gratis-Probenummer hole ich mir hier.«

Wir gingen auf die Dörfer, um unsern Arger auszulaufen und spintisierten, auf welche Weise wir den Fehlbetrag am Terzerolkauf hereinbringen könnten. Als wir an einer Dorfmauer entlang gingen, streckte Einhorn den Zeigefinger nach einem Holunderbaum aus, der seine Zweige mit blühenden Dolben bis über die Dorfgasse reckte.

»Den Geruch dieser Blüten liebt meine Tante Einhorn über alles – sie ist die Schwester meines Vaters und seit einem Vierteljahr, zur Abwechslung, wieder einmal bös mit ihm. Alljährlich habe ich solche Blüten büschelweise für sie sammeln müssen, die sie zu Tee zusammentrocknet. Viel hat sie mir nicht dafür gegeben, aber doch ein paar Groschen. Heuer hat sie mir noch nichts sagen lassen, weil sie mit dem Alten tückscht; wenn ich ihr nun ohne Auftrag einen Riesenstrauß brächte, glaubst du, daß sie kräftiger herausrücken würde? Wollen wir's versuchen? Soll ich die Leiter machen?«

Ich kannte die Leiter, die schon manchem schwertragenden Obstbaum wohltätige Erleichterung gebracht hatte. Einhorn setzte den rechten Fuß vor, knotete die Hände tief auf dem Rücken zu einem Steigbügel zusammen und neigte den Kopf vornüber, dann setzte ich den Fuß in den Bügel und schwang mich ihm auf die Schultern. Heute räumten wir auf diese Weise den Holunderbaum ab, der uns mit weißen Sternchen wie mit Frostschnee bedeckte. Mit Blütendolden, so viel die Arme fassen konnten, steuerten wir der Stadt[47] wieder zu, nach dem Hause der Tante; mit der ganzen Doppelladung stieg Einhorn die Treppe zu ihr hinauf, während ich, auf und ab spazierend, die Rückkehr des Freundes erwartete. Meine Geduld wurde keiner harten Probe ausgesetzt, er kam bald wieder, freute sich wie ein Schneekönig und versuchte einen Doppeltaler wie ein Monocle in das Auge zu klemmen.

»Sie hat angebissen! Ob mich der Vater ausgeschickt habe, ihr den Holunder zu bringen? wurde ich befragt; ich entgegnete, daß ich selbst auf den Gedanken gekommen sei. Gerührt krabbelte sie aus einer Schublade dies Zweitalerstück heraus: da nimm, tu dir was Gutes an. Deinem Vater brauchst du nichts davon zu sagen, verstehst du? Du machst mit dem Geld, was du willst. Nochmals schönen Dank und Adje! Nun kenne ich doch meine Tante, sie hofft, daß ich mit dem Geld allerlei Dummheiten anstellen werde, über die sich mein Vater grün und gelb ärgern soll – aber da irrt sie sich, das Geld wird solid angelegt, wir holen das Terzerol.«

In der Angst, daß es schon verkauft kein könnte, rannten wir hastig nach dem Tutti-Frutti-Geschäft – aber da hing es noch im Schaufenster, wie vielleicht seit vielen Jahren. Einhorn, als der Längste von uns beiden, mußte als Käufer auftreten, was er mit nötiger Überlegenheit besorgte, er knackte mehrmals den Hahn des Vorderladers auf und ließ ihn wieder zuschnappen, was ohne Unheil abging. Während die Waffe eingepackt wurde, soufflierte ich ihm zu: »Wir brauchen auch einen Kugelgießer!« Er kapierte und stellte sein Verlangen. Der Verkäufer dachte einen Augenblick nach – »es muß noch was da sein« – dann zog er die untersten Schubladen auf, wickelte verstaubte blaue Papiere auseinander, bis sich endlich eine ziemlich verrostete Kugelzange fand, die Einhorn für wenige Groschen erstand. Daß man uns die Waffe so anstandslos verkaufte, bereitete uns eine Enttäuschung. Wir hatten Formalitäten, vielleicht polizeiliche[48] Einmischung oder derartiges befürchtet und hatten ganz umsonst gezittert. Ein gemeinsames Terzerol hatten wir nun, aber kein Versteck dafür. Ich konnte es zu Hause nicht bergen, weil ich keinen verschließbaren Raum hatte, also mußte Einhorn Rat schaffen. Seitdem er die Schule verlassen, hatte er ein kleines Dachzimmer erhalten, in dem er schlief und arbeitete, das revidierten wir, um ein Versteck zu finden. Das Nest war kahl und wurde, wie Einhorn sagte, vom Dienstmädchen immer durchschnüffelt. Nicht einmal ein Ofen stand in der Bude, sonst hätte sich vielleicht im Rauchfang oder Aschenloch ein Versteck finden lassen. Zum Glück fiel mein Blick auf den Fußboden; die Dielen waren alt und wurmstichig und in einer war ein kleines Stück eingeflickt – da hatten wir das großartigste Versteck gefunden. Die Nägel, welche das Stückchen Diele mit der Unterlage verbanden, holten wir heraus, damit wir das Holz abheben konnten; wenn wir nun den Schutt herauskratzten und auf das Dach streuten, wo ihn der Wind verblasen oder der Regen verschwemmen mußte, so gewannen wir eine Höhlung, in der wir Waffe und Munition bergen konnten. Wurde dann das Holz wieder darüber gedeckt und die Nägel eingeschoben, gehörte eine feine Polizeinase dazu, um hier etwas Verdächtiges zu entdecken. Zugleich wurde das Zimmerchen geprüft, welche Vorteile es Freund Einhorn bei einer etwaigen Verfolgung bieten könne. Es war von innen zu verriegeln – das war gut. Wenn man eine Barrikade von Tisch und Stühlen davor aufbaute, konnte er Zeit finden, über die Dächer zu flüchten, bevor man eindrang. Einhorn zog die Stiefel aus, kletterte durch das Fenster aufs Dach und hielt Umschau. Er glaubte, daß von hier aus eine Flucht möglich sei.

»Hat das Haus einen Blitzableiter?«

»Ja, es hat einen.«

»So kannst du dich im Rotfall auch am Blitzableiter herunterlassen. Nur mußt du dir dann große Fetzen vom[49] Betttuch herunterreißen und um die Hände wickeln, sonst schindest du dich auf.«

Das geheime Waffendepot hatten wir und die Rückzugslinie war gesichert, nun ging ich ans Kugelgießen. In einem Pult, das in unserm Verzimmer stand, etablierte ich meine Werkstatt; eine Spirituslampe konstruierte ich mir selbst, ließ aus der Küche einen eisernen und mehrere alte Zinnlöffel verschwinden und nun begann in wonniger Furcht vor Entdeckung der Guß. Es war ein Vergnügen die neugeborenen Dingerchen aus der Form herauszuklopfen, denen der Gußhals abgeknipst werden mußte, um sie zu Kugeln zu machen. Mit dem ersten Dutzend begab ich mich zu Einhorn. Wir machten die schreckliche Entdeckung, daß die Kugeln für unser Terzerol zu klein waren, sie rollten in den Lauf, wie Erbsen in einen Sack. Einhorn meinte, dem Übel sei durch ein doppeltes Pflaster abzuhelfen – gut, dann fehlte uns immer noch die Hauptsache, das Pulver. Wir hatten schon früher einmal Schießpulver selbst angefertigt, ein sehr gelungenes Erzeugnis, wenn es nur rascher abgebrannt wäre und nicht so viele Rückstände hinterlassen hätte. Damit durften wir unser feines Terzerol nicht beleidigen, es mußte bestes Scheibenpulver haben. aber woher nehmen? Die Vorschriften bezüglich des Verkaufes waren noch lange nach dem Maiaufstand sehr streng; ich hatte erzählen hören, daß man ohne Waffenpaß und Impfzeugnis überhaupt kein Pulver kaufen könne. Die Not knöpfte Einhorns Gedächtnis auf; er erinnerte sich, daß sein Cousin, ein wohlbestallter Kommis in Pirna, damit renommiere, daß seine Firma den alleinigen Pulververkauf für die ganze Umgegend habe und daß an Sonntagvormittagen das Geschäft allein in seinen Händen liege. Sofort vereinbarten wir eine Sonntagsexpedition nach dem fünf Stunden entfernten Elbstädtchen. Ich schlug vor, schon am Sonnabend spät von Dresden auszurücken und auf freiem Felde in einem Heuhaufen zu übernachten, was Einhorn mit blutendem Herzen, wegen Nichtbewilligung eines Nachturlaubes,[50] ablehnen mußte. So zogen wir denn des Sonntags in Gottesfrühe auf der Landstraße nach Pirna, wickelten unsern Pulverkauf glatt ab und nahmen den Rückweg am linken Ufer der Elbe hin. Als wir die Brühlsche Terrasse im Abendscheine glänzen sahen, mußten wir uns gestehen, daß wir rechtschaffen müde seien. Welche Hindernisse hat ein junger Mann zu überwinden, damit er dumme Streiche machen kann.

Jetzt war es Zeit uns einzuschießen, natürlich im Prießnitzgrund. Als Schießstätte wählten wir eine ziemlich steile Anhöhe an deren Fuß der Prießnitzbach hin lief, der uns vor jeder Frontüberraschung schützte. Mit Feierlichkeit holte ich das Pulverpaket aus meiner hinteren Rocktasche, stimmungsvoll wurde die Ladung besorgt, wobei die Kugel trotz des doppelten Pflasters recht leicht in den Lauf rutschte, das Zündhütchen aufgesetzt, eine kleine Scheibe an einer Tanne befestigt und zehn Schritt Distanz abgezählt. Den ersten Schuß gewann Einhorn durch das Los. Er zielte eine kleine Ewigkeit, ich sah, wie seine Hand vor Erregung zitterte und fühlte, wie mir das Herz bis in den Hals schlug. Endlich krachte der Schuß und wir stürzten wie besessen zur Scheibe – sie war unversehrt, aber auch die Rinde des dicken Stammes – wir untersuchten mit den Händen, weil wir den Augen nicht trauten – nichts. Wir gingen nach dem Zielplatz zurück, auf dem halben Wege sehe ich etwas im Moose glänzen, ich hebe es auf – es war die Kugel, die kraftlos dem Rohre entrollt war. Da klang es aus der Tiefe herauf: »He! Ihr da! Was treibt ihr dort oben?« Wir fuhren zusammen und schauten aus, wo der Ruf herkäme, da flog auch schon ein Stück Ast herauf. »Ihr habt geschossen, das dürft ihr nicht! Hier wohnen auch Leute!« Augenblicklich sauste der Ast wieder hinunter. »Ihr habt hier gar nichts zu verbieten!« und nun begann ein Austausch von erlesenen Höflichkeiten und Wurfgeschossen. Der Wortführer unten am Bach war offenbar ein flotter junger Hauslehrer, der sich vor seinen ziemlich großen Zöglingen ein wenig aufspielen wollte.[51] Nach kurzer Beratung stellten die Belagerer das Feuer ein und zogen ab, von unsern Hohnrufen begleitet. Bald hatten mir uns über die freche Herausforderung beruhigt und suchten nach Abhilfe für das kleine Kaliber der Kugel; Einhorn war dafür, daß man ihnen ein dreifaches Pflaster geben müsse. Ich hielt das Terzerol in der Hand, nahm das abgeschossene Zündhütchen vom Piston und putzte mit dem Taschentuch daran herum, als plötzlich hinter unserm Rücken ein Indianergeheul erscholl; die Belagerer hatten einen Bachübergang gefunden und fielen uns mit Stöcken an. Wir hätten sicher Hiebe bekommen, wäre nicht der Geist d'Artagnans in mir erwacht, ich streckte den Angreifern das Terzerol entgegen und donnerte ihnen zu: »Keinen Schritt weiter – oder ich schieße!« Die Wirkung war imposant. Wie angewurzelt blieben sie stehen – wir auch – alle sprachlos. Während ich mir dachte, daß wir doch nicht ewig so stehen bleiben könnten, fand der Hauslehrer Worte. »Sie junger Wegelagerer, wollen Sie auch noch zum Mörder werden?« Ich wollte antworten: »Ich, blamieren Sie sich nicht, die Pistole ist ja nicht geladen,« durfte aber doch damit nicht den Zauber brechen – da merkte ich, daß sein Blick auf das Terzerol fiel, er sah, daß kein Zündhütchen aufgesteckt war – im selben Augenblick warf er sich auf mich, ich ließ die Waffe fallen, packte ihn mit beiden Händen, wir stürzten und rollten, an verschiedenen Bäumen aufschlagend, den Abhang hinunter bis zum Prießnitzbach. Hier ließen wir einander los, um auf die Füße zu kommen und wie ein gehetzter Hirsch setzte ich durch das Wasser, am andern Ufer im Walde verschwindend. Ich lief, bis ich merkte, daß mir niemand auf den Fersen war, dann verschnaufte ich mich und dachte über meine Lage nach. Sie war gar nicht rosenfarben, alle Romantik verduftet. Die Hosen naß bis über die Kniee, die Stiefel voll Wasser, am Kopfe einige Beulen und meine Mütze mit dem viereckigen Schirm, das auffällige Unikum, war auf dem Kampfplatz zurückgeblieben. Was nun tun? Nach meinen Lederstrumpferfahrungen[52] mußte ich zunächst wieder auf das andere Ufer; das schwer errungene Pulver ließ ich während des Gehens ins Moos rinnen, Wege und Stege meidend, gewann ich die Brauerei zum Waldschlößchen, in dessen Park ich, ohne Kopfbedeckung, herumspazierte, bis sich die Sonne zum Untergange neigte. Schweren Herzens und barhäuptig mußte ich endlich durch die vielen Menschen den Rückzug nach Hause antreten. Um mich unauffällig zu machen, fächelte ich mir mit dem Taschentuch Luft zu und hielt die andere Hand auf den Rücken, unter dem Rock verborgen, um glauben zu machen, daß ich da meine Kopfbedeckung berge. So kam ich im Dunkelwerden bei meiner Haustüre an – da stand der treue Einhorn und wartet auf mich. Trübselig sahen wir einander an, zwei Versprengte nach einer verlorenen Schlacht. »Hast du meine Mütze?« – »Deine Mütze? Nee – von der weiß ich nichts – ich raffte nur schnell das Terzerol auf und dann bin ich gelaufen.« – »Und unsere Angreifer?« – »Um die habe ich mich nicht gekümmert.« – »Paß auf,« sagte ich, »die machen Anzeige; meine Mütze haben sie – wir werden eingesteckt.« Einhorn machte ein verdutztes Gesicht und wollte mir das Terzerol aufdrängen, das ich ablehnte. »Verhalte es, bei dir ist das Depot; übrigens schenke ich dir meine Hälfte, jetzt gehört es dir ganz allein.« Eine schreckliche Nacht durchwachte ich. Die folgenden Tage machten wir uns unsichtbar, wir tauchten unter und studierten heimlich den »Anzeiger,« ob etwas über uns darin zu lesen sei, aber von der Mordgeschichte aus dem Prießnitzgrund stand kein Wort in den Polizeinachrichten. Das machte uns sicher; nach acht Tagen tauchten wir wieder auf. Bald nach diesem Vorgange kam die Frage zur Erledigung, ob aus mir ein Dekorationsmaler werden solle. Gern wäre ich als Schüler in den »Malersaal« eingezogen, den ich von außen sehr gut kannte. Das alte Gebäude, wohl zu August des Starken Zeit dem »Zwinger« gegenüber erbaut, grenzte auf zwei Seiten einen großen Obstgarten ein, der, obwohl nicht[53] zu unserer Wohnung gehörig, dennoch häufig von mir besucht wurde, am liebsten in der interessanten Obstzeit, da die Äpfel von der Sonne noch nicht farbig geleckt, sondern grasgrün, mit bräunlichem Wurmloch, von den Bäumen fallen. Ich drückte die Zähne in die grasige Schale des Apfels, schauderte zusammen, wegen der Säure, spießte ihn auf einen Stock und schleuderte ihn über die Dächer in die aschgraue Ungewißheit. Manchmal auch, wie es mir im letzten Sommer passiert war, in eine blitzblanke Fensterscheibe.

Mein Vater war hinüber gegangen zu Signor Zaragoni, der im Gebäude des Malersaales seine Wohnung hatte, meine Aufnahme als Schüler in dessen Atelier zu erwirken, kam aber etwas verschnupft von der Unterhandlung zurück. Ich merkte, daß ich wieder einmal etwas angerichtet haben müsse. Richtig – mein Vater fing ein: »Siehst du, das hast du davon – Dekorationsmaler wirst du nicht.« Er schickte manchmal die Nutzanwendung der Erzählung voraus. Mein Vater hatte Signor Zaragoni das Anliegen vorgetragen, mich als Schüler aufzunehmen. »Pro primo,« hatte dieser mit pitzlichem Gesicht gesagt, »aber ik niente Scolari geaben, un ik woll auk niente Scolari. Ihr Erman soll geh in l'academia, er soll nit mal der decorazione, er soll mal Gesickte, er treff molto bene. Er aber getroff ein pomme, einer anbissen Apf, in meine Fenster und in meiner Glassenschranken.« – »Wissen Sie auch gewiß,« hatte mein Vater gefragt, »daß es Hermann gewesen?« – »Certo! Ik aben sein denti, seine Zahn.« – »Wie?« – »Ik aben gemaken ein Abdrucken in der Gipsen von der Biß in die Apf. Ecco!« – dabei hatte er dem Vater einen Gipsabdruck meines Apfelbisses vorgehalten. Gegen solche Beweisführung ließ sich nicht ankämpfen, ich mußte mich mit dem Hinweis auf eine baldige Verjährung meiner Schuld begnügen. »Um den Dekorationsmaler hast du dich selbst gebracht,« brummte der Vater, »die Malstunden werden aufgegeben – morgen fangen wir an zu singen.«[54]

So kam es, daß ich den gemalten Hintergründen den Rücken kehrte und dem Vordergrund der Bühne näher trat, was meinem Vater nicht unlieb zu sein schien. Früh sang ich: Do, Re, Mi, Fa, Sol, La, Si, Do – und nachmittags übte ich nach der Klavierstunde mit meinem Seminaristen Studentenlieder ein, die mir besser behagten als das Tastenwerk. Er machte mir den Vorschlag, einem Männergesangverein beizutreten. Ich erschrak, der Kosten und meiner scherzen Jahre wegen, erhielt aber die beruhigende Mitteilung, daß die »Lyra« der billigste Verein der Welt sei und dessen Mitglieder lauter junge Hunde. Der älteste sei der Chormeister, noch nicht Zwanzig, welcher Klavier, Übungssaal und seine Kunst unentgeltlich zur Verfügung stelle, die Chorstimmen müßten die Sänger selber ausschreiben, um der Vereinsdevise »nur billig!« gerecht zu werden. Erklärlich wurde mir die Sache erst, als ich erfuhr, daß die Vereinsmitglieder fast alle Seminaristen waren. Was Lehrerlehrlinge aufbringen konnten, mußte für mich auch erschwinglich sein, so meldete ich denn meinen Eintritt an. Der Gesangverein bestand meistenteils aus ersten Bässen und obwohl auch ich mich für den ersten Baß qualifizierte, wurde ich aufgenommen, aber mit der Verpflichtung, je nach Bedürfnis im zweiten Tenor oder zweiten Baß auszuhelfen. Bei unsern Übungen hatten wir andächtige Zuhörer, denn des Chormeisters Vater war ein Mützenfabrikant, der mit seinen Gehilfen in unserm Übungszimmer nähte, oder sangen wir in der Fabrik des Mützenmachers? Ich wußte es nicht, aber das weiß ich, daß nie ein Gesangverein mit mehr Lust und Eifer an die Arbeit gegangen, wie unsere Lyra.

Schade, daß ich Freund Einhorn als ausübendes Mitglied nicht einführen konnte; er mochte vielleicht ein guter Übersetzer sein, ganz sicher war er ein schlechter Musikant. Schon in der Schule war er der Schrecken der Singstunde gewesen, der stets gebeten wurde, seine gütige Mitwirkung einzustellen und schweigend zuzuhören. Es tat mir leid genug,[55] daß Einhorn nicht mit dabei sein konnte; ich wußte ja, er hielt es nicht für möglich, daß ich ohne ihn einer Vereinigung beitreten könne und daß er diese Tatsache als eine Kränkung empfinden, sich zurückgesetzt fühlen würde. So war es denn auch gekommen. In tiefer Depression hatte er eine Aussprache mit seinem Vater gehabt und ihm rund heraus erklärt, daß er nicht das Zeug zu einem Hofbeamten in sich fühle; wenn er nicht Seemann werden dürfe, so möchte er bitten, ihn den Maschinenbau lernen zu lassen. Der Alte war beinahe explodiert, aber schießlich gab er nach und mein Freund trat als Volontär in eine bescheidene Maschinenfabrik ein, die nur sieben Arbeiter beschäftigte. Als er den ersten Feierabend machte, holte ich ihn von der Fabrik ab. Ich war stolz auf meinen Arbeiter, der mit seinem neuen stand renommierte, wie ich merkte, denn er hatte sich nur oberflächlich gewachsen und in den Vertiefungen der Augen und Ohren, auch um die Nase herum, interessante dunkle Schatten stehen lassen; vielleicht geschah das auch, um sich bei seinem Vater, dem Hofbeamten einzuschmeicheln. Ließ uns die Arbeit auch weniger freie Zeit, unsere Freundschaft schloß sich um so fester zusammen. Wie lieh wurden uns die Feierabende und die freien Sonntage, die wir miteinander verbrachten. Nur der fortwährende Geldmangel übte einen Druck auf unsere Stimmung aus.

»Weißt du,« sagte einmal mein Freund zu mir, »weißt du, was der Mann bekommt, der bei uns das große Schwungrad dreht? Zehn Neugroschen für den Tag!«

»Das ist viel Geld!« seufzte ich.

»Ja. Es ist gar keine schwere Arbeit – nur langweilig; deswegen hält es keiner aus.«

»Mir wäre es gar nicht langweilig, wenn ich dich sehen und manchmal mit dir sprechen könnte, aber –« mehr sagte ich nicht. Einhorn nickte – wir haten uns verstanden. Schade! daß es nicht anging.

Der Winter war wieder vom Lenze ins Erzgebirge gejagt[56] worden, Dresdens herrliche Umgebung prangte in Blütenpracht wie im Bratstaat, während die Straßenecken der Stadt sich mit farbigen Zetteln schmückten, die dem verehrungswürdigen Publikum die Eröffnung des Reisewitzer Sommertheaters verkündigten. Der Beginn der Vorstellungen sollte Mitte Mai im geschlossenen kleinen Theater stattfinden und erst im Juni die große Arena eröffnet werden. Reisewitz gehörte zu den beliebten nahen Ausflugsorten der Dresdner und war der Sommer nicht gar zu naß, konnte ein Theaterdirektor dort sein gutes Auskommen finden.

Ich glaubte nicht recht gehört zu haben, als eines Tages mein Vater zu mir sagte: »Mache dich für einen Besuch zurecht, den wir dem Direktor des Reisewitzer Sommertheaters machen wollen, ich habe ihn gestern kennen gelernt, ihm von dir gesprochen, wenn du ihm gefällst engagiert er dich vielleicht.« Mir stockte der Atem. »Als was denn?« – »Nun als Schauspieler, als Sänger – wie er dich eben brauchen kann.« – »Als Schau –? Ach du mein Gott!« fuhr mir's heraus. »Du wirst dich doch nicht fürchten? – so ein gewiegter – Schauspieler wie du, der den Wallenstein gespielt hat!«

Ja, lieber Sonnenthal, wenn du auch jetzt beim Lesen deine erstauntesten Augen machst, die Tatsache steht fest, daß ich vor einem halben Jahrhundert, lange bevor du deinen Wallenstein schufst, diese Rolle zur Darstellung brachte. Unser Klassenlehrer liebte es, zu den Osterprüfungen einige Hauptszenen aus klassischen Dramen durch seine Schüler einem geladenen Publikum vorspielen zu lassen. Einmal war mir, dem Dreijährigen, der Wallenstein zugefallen, mit dem ich in einer Szene einen hübschen Heiterkeitserfolg erzielte, den ich bei dir vermisse, als ich zu Terzky und Illo verweisend sagte: Seid ihr nicht wie die Weiber, die beständig zurück nur kommen auf erstes Wort, wenn man Vernunft gesprochen stundenlang? – Auch im folgenden Jahr blieb mir der Erfolg treu, da ich als Soliman im »Zriny« meinen Monolog rezitierte: Ich soll mich schonen? Soll den letzten[57] Funken Kraft, der in den Heldengliedern schlummert, im müß'gen Leben langsam sterben sehn? – Damals stand ich vor einem Eltern- und Tantenpublikum, aber ob den Leuten, die gutes Geld für ihre Plätze im Theater gezahlt hatten, meine Kunstleistungen genügen würden, darüber stiegen mir Zweifel auf. Hätte ich nur die Meinung des Freundes einholen können – doch der Vater drängte, und wir gingen nach dem Gasthof »Zum roten Ochsen,« wo sich der Direktor einquartiert hatte. Auf unser Klopfen an die Türe von Nr. 4 erscholl mit einigem Kraftüberschuß, das »Herein!« Mein Vater öffnete und wir sahen den Herrn Direktor, mit Hemd und Stiefel bekleidet, auf einem Stuhle stehen, bemüht mit einem Bein in eine taubengraue Hofe zu fahren. Diese Stellung war geboten, wenn der Herr Direktor die Taubengraue nicht mit dem Boden in Berührung bringen und den Fuß über die handbreiten Stege zwängen wollte. Er ließ sich in seinen Bestrebungen nicht stören und bot uns von seiner Höhe einen guten Morgen. Als er die Stiefel zwischen Hofe und Steg glücklich durchgepreßt, sprang er vom Stuhle herunter und bot uns die Hand. »Also das ist der Herr Sohn!« Er fing an, die Beinkleider zu spannen, daß mir angst und bange wurde – werden die Knöpfe abspringen? – die Stege reißen? – oder wird der Stoff platzen? Er ging dabei um mich herum, von links nach rechts, dann von rechts nach links. »Ein schlanker Jüngling, eigentlich zu schlank,« er knöpfte die Weste über sein Bäuchlein, »und verflixt jung. Wie alt, wenn ich fragen darf?« – »Im Oktober werde ich siebzehn Jahre.« – Also gegenwärtig 161/2. Meine Naive ist gut noch einmal so alt. Singen können Sie ein bißchen, wie ich vom Vater gehört, das ist gut, das ist gut. Bei mir müssen alle unbeschäftigten Mitglieder im Chor mitsingen, da hilfst nichts. – Ja, nun ja! – brauchen kann ich Sie eigentlich nicht – habe schon alles besetzt – aber für Pagen, kleine Naturburschen und was so zu singen ist und was sonst noch vorkommt und überhaupt[58] – meinetwegen, da will ich Sie engagieren, wenn Sie keine Gage beanspruchen.« – Hier gestattete sich mein Vater die Versicherung des Gegenteiles. »Ja, wo soll ich alle die Gagen hernehmen? Viel kann ich nicht geben für so einen blutigen Anfänger: aber ich liebe junge Talente – meinetwegen, ich will mich verbluten, acht Taler sollen Sie haben, die Ihnen am 1. und am 16. jeden Monates zur Hälfte, postnumerando, ausgezahlt werden. Kontakt brauchen wir nicht, ein Mann, ein Wort. Gegenseitige vierzehntägige Kündigung. Einverstanden? Abgemacht – Sela? – Damit streckte er die Hand hin und mein Vater schlug ein. »Und Sie, junger Mann, kommen morgen früh Punkt 9 Uhr zur Chorprobe nach Reisewitz. Warten Sie! Da habe ich eine Rolle für Sie, eine sehr hübsche Rolle, lernen Sie sie gut und legen Sie was hinein. Morgen um 10 Uhr ist Stückprobe. Pünktlich sein, sonst müssen Sie Strafe zahlen.« Wir verabschiedeten uns und ich verließ den »Roten Ochsen« als neuengagierter Schauspieler der Reisewitzer Sommerbühne.

Auf der Straße zog ich meine Rolle heraus, das Titelblatt wenigstens mußte ich lesen: Des Ratsherrn Töchterlein, Schauspiel in vier Aufzügen von – ja von wem? – ich weiß es nicht mehr, der Name des Autors muß mir so gleichgültig gewesen sein, wie eine Mondfinsternis in Australien; so ein junger Schauspieler kümmert sich nicht viel um den Autor, er fragt nur nach der Rolle und auf der meinen stand – das weiß ich noch – Partie des Scharf, Grenzjäger. Es war nicht bloß »Ein« Grenzjäger, er hatte einen Namen! Ich konnte nicht schnell genug nach Hause kommen, um das Studium zu beginnen. Mein Scharf war ein Grenzer, auf Schmuggler dressiert, wie der Teufel auf eine arme Seele. In seinem einzigen Auftritt besprach er, mit einem Kameraden, die Aussichtslosigkeit der heutigen Streife, da läuft ihnen unvermutet ein Schmuggler ins Garn, der von den Grenzern gepackt, durchsucht und gefesselt abgeführt wird. Nach dieser interessanten Szene hatte der[59] Rollenschreiber kaltblütig die Worte hingesetzt: Ende der Rolle, und zweimal unterstrichen. Für eine zweite Szene hätte sich der Autor wohl noch begeistern können. Ich wühlte mich in das Studium ein, lernte nicht nur die Worte auf das Und – ich warf mich auf Charakterisieren, ich stopfte meinen Mann mit Eigenschaften aus, wie er sie notwendig brauchte, mit Dienststrenge, Wetterfestigkeit, Verschlagenheit und gab ihm eine Rauheit im Ton, die ein rechtschaffener Grenzer im Gebirge haben muß. Ich hatte mich in meine Aufgabe so verbissen, daß ich das gewohnte Stelldichein mit Einhorn vergaß, aber ich glaubte mir sagen zu können, daß ich in meinen Scharf etwas »hineingelegt.« Frühzeitig mußte ich mich auf die Füße machen, um den Musentempel an der Meißeritz um neun Uhr zu erreichen. Das Herz klopfte mir unterwegs, wenn ich bedachte, daß sich mir das Kulissenleben nun unverhüllt offenbaren werde. Obwohl mein Vater ein Mitglied des Hoftheaters war (in bescheidener Stellung), hatte ich das eigentliche Bühnentreiben nicht kennen gelernt. Die bunte Zauberwelt, die ich bisher als Zuschauer angestaunt, sollte ich von der unbemalten Seite kennen lernen.

Ich stellte mich dem Herrn Direktor in seinem Bureau zur Verfügung, der mich sofort in das Musikprobezimmer führte, an dessen Türe ein Zettel klebte mit der Aufschrift: Damengarderobe. Längs der weißgetünchten Wände zogen sich primitiv zusammengenagelte Tische hin, auf welchen große und kleine Toilettenspiegel standen, über jedem Platz war an der Wand ein Zettel befestigt, der den Namen einer Schauspielerin trug; an einem Garderobenhalter hingen diskrete weibliche Kleidungsstücke, an der Wand einige Frisiermäntel, darauf ein falsche Zopf oder Lockenbänder, eines davon wurde von der Friseuse am Fenster für den Abend mit dem Brenneisen behandelt, daß ein Dunst von heißen Haaren das Zimmer füllte. In einer Ecke stand ein Sommerklavier für das Land, an dem der Herr Kapellmeister mit einigen[60] Theatermitgliedern plaudernd saß. Ich wurde den »Herrschaften« vorgestellt und dem Herrn Kapellmeister als erster Baß überwiesen. »Schon wieder ein erster Baß,« brummte der, »wir brauchen Tenöre, Herr Direktor.« – »Die wachsen mir nicht auf der flachen Hand, Sie müssen sich behelfen.« Damit verschwand er. Indessen waren Männlein und Weiblein vollzählig versammelt und der Kapellmeister krähte mit völliger Stimmlosigkeit, wie sie Musikdirigenten gewöhnlich eigen ist, uns einen Chor aus einem Liederspiel vor, den wir dann wiederholten. Ich durfte aus dem Notenblatt singen, das der erste Liebhaber und Bonvivant in der Hand hielt, der sich mit geringer musikalischer Kenntnis und ohne Enthusiasmus am Chorgesang beteiligte. Mir aber wurde wohl dabei, ich fühlte mich in meinem Fahrwasser und gab her, was ich hatte. Verwundert schaute mich der Blatthalter von der Seite an und als wir den Chor beendet, drückte er mir die Stimme in die Hand. »Ich glaubte die Stütze des ersten Basses zu sein, aber Sie haben mir's heruntergeputzt, jetzt dürfen Sie auch die Noten halten.« Der Kapellmeister lachte, woraus ich merkte, daß er sich mit dem Überzähligen ausgesöhnt hatte. – Das Läuten einer großen Glocke auf der Bühne machte unserem Gesang ein Ende, es war das Zeichen zum Anfang der Probe zu »Ratsherrns Töchterlein.« Alle eilten hinunter auf die Szene, wo eine Finsternis herrschte, die sich mit der berühmten ägyptischen messen konnte. Zwei Öllämpchen des Souffleurs und eine Lampe auf dem Tische des Regisseurs mußten zugleich die Bühne mit erhellen und für den Kulissenraum übernahm eine Lampe am Pult des Nachlesers diese Verpflichtung und eine am Kram des Requisiteurs. Nur die Hinterbühne, durch Prospekte von der Szene getrennt, lag im Tageslicht, das, durch ein Giebelfenster einfallend, den Theaterstaub wundersam durchleuchtete. Hier wandelten Mimen, die Rollen in der Hand, unablässig auf und ab, ihr Wissen zu stärken. Ich merkte, daß ich hier störte und postierte mich zwischen die[61] beiden ersten Kulissen, der Arbeit in der Kunstwerkstatt zuzuschauen. War das die Kunst? Mir schien es ein wirres Durcheinander, das sich nie zu einem schönen Bild entwickeln könne. Die Schauspieler scherzten oder stritten miteinander, der Regisseur kommandierte und der arme Souffleur wurde arg gescholten, trotzdem er sich anstrengte, den Kopf aus dem Kasten reckte und mit der Hand am Munde einen Schalltrichter formte. Das gefiel mir alles nicht sonderlich, ich zog mich zurück und fand bei den letzten Kulissen eine Rasenbank, auf der ich mich niederließ, mich für meine Aufgabe zu sammeln. In der Verwandlung des zweiten Aktes trat ich mit meinem Kameraden auf, der die ersten Worte zu sprechen hatte, dann fiel ich ein. Sofort unterbrach mich der Regisseur. »Bitte, lauter! Die Leute auf der Galerie wollen auch etwas hören.« Ich fing wieder an, diesmal lauter. »Nicht so knurrig, reden Sie natürlicher, wie Ihnen der Schnabel gewachsen ist.« Nun sprach ich, wie mir der Schnabel gewachsen. Der Regisseur schlug sich auf die Kniee. »Jetzt reden Sie ja das reinste, unverfälschte Sächsisch. Wenn man natürlich sprechen soll, muß es denn gerade Sächsisch sein?« Nun wurde die Sache schwieriger – ich bemühte mich, natürlich, aber nicht Sächsisch zu reden, kam darüber ins Zungenstolpern und blieb stecken. »Junger Mann! Ich möchte Ihnen doch raten, sich Ihre Rollen genauer anzusehen. Wenn Anfänger nicht lernen, wer soll denn lernen?« Dieses Vorwurfs hatte es nur noch bedurft, um mich völlig zu knicken, ich wurde zur Marionette in der Hand des Regisseurs; meine Auffassung von dem schneidigen Grenzer war wie weggewischt. Die Arretierung des Schmugglers bot unerhörte Schwierigkeiten, jeder Schritt, jede Geste wurde mir vorgemacht; ich begrüßte es wie eine Erlösung, da wir endlich abgehen konnten.

In diesem Moment tauchte am Regietisch der Herr Direktor auf. »Ich die Schmugglerszene schon vorüber?« Hoffnungslos aufseufzend ließ der Regisseur ein gedehntes[62] »Ja–a!« vernehmen. »Dann wollen wir sie gleich noch einmal machen, ich möchte mir den jungen Mann ansehen.« – »Also, meine Herren!« rief uns der Regisseur nach, »die ganze Szene noch einmal!« Wenn ich jetzt durch eine Versenkung hätte verschwinden können, eine Monatsgage wäre mir kein Opfer dafür gewesen. Die Marterei fing also wieder an und ich sprach nach Vorschrift des Regisseurs ziemlich laut. »Warum denn so laut?« sagte gemütlich der Direktor, »wenn Sie so schreien, werden Sie keine Schmuggler fangen.« Nun dämpfte ich und der Regisseur krümmte sich. Nach einer Weile sagte der Direktor: »Nicht so wurschtig reden, so ein Grenzer hat sich eine kurze, militärische Dienstsprache angeeignet.« Da sah ich ja meine Auffassung zur Geltung kommen, ich fühlte mich wieder und machte selbstständige Schritte; sogar die Gefangennahme gelang so ziemlich. Nach unserm Abgang spitzte ich die Ohren, was der Direktor sagen würde. »Er hat gut gelernt – von gestern auf heute. Aber er sächselt – haben Sie es gehört?« – »Na ob der sächselt!« sagte der Regisseur. Der Direktor lachte: »Das macht gar nichts, hier in Dresden merkt man nichts davon.« Eine Hand legte sich mir auf die Schulter, sie gehörte meinem Sanggenossen aus der Chorprobe. »Nehmen Sie sich's nicht zu Herzen, daß Sie von dem E–kel dort schikaniert worden sind. An uns wagt er sich nicht heran, da müssen denn die Schwachen, die Weiber und – Kinder hätte ich bald gesagt – die Anfänger daran glauben. Der Mann ist in Dessau am Hoftheater als Inspizient und Episodenspieler angestellt, hält sich aber für ein verkanntes Genie. Im Sommer, wenn in Dessau die Bude geschlossen wird, läßt er sich an Saisontheatern für eine miserable Entlohnung als Regisseur und Väterspieler engagieren, um das, was er über Winter den Größen der kleinen Hofbühne abgelernt hat, als Eigentum zu verwerten. Lassen Sie sich von ihm nicht irre machen, gegen Sie Ihren Weg, er scheint eine gute Richtung zu haben. Morgen probieren Sie aber[63] mit Gewehr und allen Requisiten, daß Sie bei der Vorstellung von Nebendingen nicht gestört werden.«

Das tat wohl! Ich hätte ihn umarmen mögen. Abends kam ich mit Einhorn zusammen. Meine Mitteilungen wirkten auf ihn, als ob er einen Schlag vor den Kopf erhalten. »Du – ein Schauspieler!« Mehr brachte er anfänglich nicht heraus. Ich sah es ihm an, jeder andere Beruf, Gärtner, Jäger, selbst ein edler Räuber wäre ihm lieber gewesen, aber – Schauspieler, das schien ihm bedenklich und störte außerdem seine Lebenskreise; er sah ein, daß damit die schönen Feierabendstunden, die freien Sonntage für uns vorüber waren. Eine stille Wehmut kam über ihn. »Also schon morgen abend trittst du auf? Ich wäre gern dabei gewesen; in der Fabrik könnte ich mich leicht frei ma chen, aber wo soll ich das Theaterbillet hernehmen?« Immer das alte Elend, und meine halbe Monatsgage von vier Taler war erst in vierzehn Tagen fällig. Mechanisch wühlten die Hände in den Taschen, trotzdem kein Pfennig darin war.

»Wenn du nicht stolz wärest, könnte ich dir einen Vorschlag machen, aber dein Vater ist ein Hofbeamter und du bist ein halber Aristokrat.«

»Mache keine Mafeekchen, heraus mit dem Vorschlag.«

»Mir wurde gesagt, daß ich für jede Vorstellung, in der ich mitwirkte, ein Bedienungsbillet fordern könne. Mir Schauspieler, weißt du – wir Schauspieler müssen doch jemand haben, der unsere Wäsche, Kleider und was wir sonst brauchen, aus der Wohnung in das Ankleidezimmer trägt, und dieser Jemand wird zur Entlohnung, kurz vor Anfang, gegen ein geschriebenes Bedienungsbillet in die letzte Galerie eingelassen. Ich hätte morgen nur ein ganz, ganz kleines Bündel zu tragen, weil mir die Theatergarderobe den ganzen Anzug liefert.«

»Gut. Schreibe mir das Billet, ich trage deine Sachen.«

»Einhorn! Guter Einhorn – nee! Wir wollen sie abwechselnd tragen.«[64]

So geschah es und wir standen nun vor der Treppe, die zum Ankleidezimmer hinaufführte.

»Jetzt, ich kann die nicht helfen, mußt du das Bündel in der Herrengarderobe für mich abgeben. Ich komme später nach. Wenn die Musik anfängt, gehst du auf die Galerie und nach Ende des Stückes treffen wir uns wieder hier. Adje derweile!«

»Adje! Spiele gut, ich werde dir die Daumen halten.«

Er war der einzige Anhang, den ich bei meinem ersten Auftreten im Theater hatte. Mein Vater konnte nicht abkommen, weil ihn der Dienst fesselte, überhaupt war mein Debüt zu keinem Ereignis aufgebauscht worden, keine Seele mußte, daß ich spielte; mein Name stand nicht einmal auf dem Zettel, vermutlich auf Veranlassung meines Vaters; man hatte dafür einen Herrn Helfer oder Willig hingedruckt, wie ihn Direktionen bei der Hand hatten, wenn das wirkliche Personal nicht zureichte.

Während die Sonne am Himmel stand, war in der Garderobe ein künstliches Halbdunkel geschaffen. Die Fenster des heißen Raumes waren bei herabgelassenen Rouleans geöffnet, sonst hätte man ersticken müssen. Im tiefsten Negligé saßen die Schauspieler bei brennenden Talglichtern an verschiedenartigen Spiegeln und schminkten sich, ziemlich eng aneinander gerückt, denn alle männlichen Darsteller mußten sich mit diesem einen Ankleidezimmer behelfen. Die Liebhaber hatten die Haare in Papiere eingewickelt, die der Friseur mit dem Papilloteneisen brannte, daß die Köpfe rauchten. Die Unterhaltung flog kreuz und quer, der Garderobenbuffo machte Späße, die laut belacht wurden – ein Summen wie in einem Bienenhaus, ein Durcheinanderkribbeln wie in einem Ameisenhaufen. Von mir nahmen die Kollegen wenig Notiz, aber der Theaterschneider kündigte mir an, daß der Herr Direktor befohlen habe, mich tüchtig auszuwattieren, damit ich nach etwas aussähe. »Ja richtig!« sagte der Regisseur, »Herr Friseur! Kleben Sie dem Jüngling recht viel[65] Bartwolle ins Gesicht und stülpen Sie ihm eine Perücke auf, daß er einem Grenzjäger ungefähr gleich sieht; und Sie!« damit meinte er mich, »lassen Sie sich von mir ansehen, wenn Sie angekleidet sind.« Das Bartkleben war eine recht unangenehme Prozedur; mit einem Pinsel, der in einem Topfe flüssigen, sauer riechenden Gummis steckte, schmierte und der Friseur die unter Gesichtshälfte ein, ohne Rücksicht auf den zarten Unterwuchs, der sich bei mir bereits bemerkbar machte. »Das hält gut,« schmunzelte er, »verlieren werden Sie den Bart nicht, wenn er erst trocken ist, wird er gar nicht wieder weg wollen.« Das haben ich später gemerkt, bei der Trennung von ihm ist mir das Wasser in die Augen getreten. Als ich in Bart und Perücke vor dem Spiegel stand, war mir's, als ob ich mich vor dem Bild verbeugen und sagen müßte: Habe bisher nicht die Eher gehabt. Kräftige Augenbrauen, Sonnenbrand, Doppelkümmel und Witterungsunbilden schminkte ich mir ins Gesicht und das freigelassene jugendliche Kinn wurde in ein bläulich-unrasiertes umgewandelt. In die auswattierte Uniform eingeknöpft, sah ich nun so vorschriftsmäßig bärbeißig aus, daß der Regisseur aus Dessau seiner Zufriedenheit durch ein Brummen Ausdruck gab, als ich mich ihm vorstellte. Mein erster Baßkollege und Bonvivant führte mich aus Licht, sah mich an und nahm mir vorsichtig ein Stück Bartwolle vom Munde weg, das lose über die Lippen hing. »Wenn Sie das auf der Bühne eingeatmet hätten, wäre es Ihnen vermutlich schlimm ergangen.« Der Mann wäre unter meiner Direktion Oberregisseur geworden.

Der erste Akt war zu Ende gespielt – der zweite begann; mein Herz hämmerte gegen die Rippen – jetzt schrillte das Klingelzeichen zur Verwandlung – mir wurde schwarz vor Augen. Welches Glück, daß ich nicht zuerst reden mußte, die Blutwelle rauschte vorbei und gefaßt sprach ich herzhaft meinen Satz heraus. Kaum war ich damit zu Ende, fingen zwei Hände an wütend zu applaudieren, es wurde gezischt[66] und gezankt, ein kleiner Tumult entstand auf der Galerie – dann trat wieder Ruhe ein. Es fehlte nicht viel, so hätte mich der Zwischenfall aus dem Konzept gebracht, aber ich nahm mich fest in Zaun und Zügel, daß die Szene ohne weitere Störung vorüberging. Zu der Kulisse stand mein Schützer und klopfte mich auf sie wattierte Schulter. »Sie haben sich gut gehalten. Es war ein kleines Wunder, daß Sie der Skandal nicht herausgebracht hat.« – »Was war nur los da oben?« – »Vermutlich wurde ein Betrunkener hinausbefördert.« Im Vorübergehen sagte der Regisseur zu mir: »Na also! es ging ja!«

Das waren die Lorbeeren, die ich bei meinem ersten theatralischen Versuche einheimste.

Mich litt es nicht länger im Theater, ich wollte im Garten meinen Gedanken Audienz geben und nach Ende des Schauspiels Einhorn an der Garderobentreppe erwarten. Wie ich hinuntersteige, sehe ich meinen Freund auf der untersten Stufe sitzen. »Einhorn?! Ich denke, du bist im Theater?«

»Ich war drin, aber man hat mich rausgeschmissen.«

»Dich? Warst du der Krakehler auf der Galerie?«

»Ich bin ganz unschuldig. Wie du herausgekommen bist, habe ich dich nicht erkannt, erst wie du gesprochen hast, da habe ich aus Freude in die Hände geklatscht. Na, da kam ich schön an! ›Gemeinheit! Dumme Witze!‹ schrien sie mich an und der Billetabnehmer steckte mich zur Türe hinaus.«

»Seien wir froh, daß die Sache so gut abgelaufen ist.«

»Gut abgelaufen?« frug Einhorn vorwurfsvoll.

»Jawohl! Deinetwegen wäre ich beinahe stecken geblieben.«

Langsam überkam Einhorn das Verständnis, er hielt mir die Hand hin und bat mich mit den Augen um Verzeihung. Wir gingen zusammen nach der Stadt zurück, ernster und weicher gestimmt, als er sonst in unserer Art lag – der[67] Gedanke mochte auf uns lasten, daß unsere Wege sich bald trennen würden.

Noch war keine Woche vergangen, da hatte ich mich in die Reisewitzer Verhältnisse eingelebt und ich fühlte mich darin so wohlig, wie ein Fischlein im Wasser. Nach und nach lernte ich die Kollegen näher kennen, die mir fast alle wohlwollend entgegenkamen, vielleicht, weil sie merkten, welch ein starker Drang in mir lebte, mich dem Theater nützlich zu erweisen, der vom Direktor auch redlich ausgebeutet wurde. Mein Schützer, ein liebenswürdiger, gebildeter Mann, der mit Frau und Kindern zur Sommerfrische in Reisewitz wohnte, behielt mich auch ferner im Auge, gab mir manchen guten Wink und brachte mir die Anfänge der Theaterweisheit bei. – Die lustige Person der Gesellschaft war ein schiffbrüchiger Bergstudent, der mit seinem Lebensschiff in den Rettungshaffen des Theaters eingelaufen war. Immer ohne Geld, aber voll Übermut und toller Einfälle, hatte er sich zum heitern Mittelpunkt gemacht, ohne ein hervorragender Darsteller zu sein. Eine Erwerbung verdankte ich seiner Überredungskunst, die, wie er sagte, für meine Karriere hochwichtig werden könnte. Am ersten Gagetage kam ich, anstatt mit vier Taler in der Tasche, nur mit drei Taler heim, hatte aber dafür eine etwas lädierte, rote, flache Pappschachtel unter dem Arme, die ein Wunderwerk der Mode umschloß, einen der neuaufgekommenen Claque-Hüte. Der Bergstudent hatte mir mit großer Suada bewiesen, daß das wichtigste Requisit für einen jungen Schauspieler ein Maschinenhut sei, den man zusammengeklappt unter dem Arme tragen könne. Zwar fiele es ihm schwer, sich von dem Hute zu trennen, aber weil er zufällig in einer Geldklemme stecke, solle ich ihn für einen baren Taler haben. Ich kannte den Hut, weil ihn sein Besitzer auch manchmal auf der Straße trug, doch nur an windstillen Tagen, denn der Hut war nicht mehr fest in den Federn und konnte einem scharfen Luftzug je wenig Widerstand leisten, daß er wie eine Wetterfahne die[68] Richtung des Windes anzeigen mußte, weshalb er von den Kollegen die Windrose genannt wurde. Wie eine Wetterfahne ächzte er auch leise in den Scharnieren und deutlich konnte man die Stellen bemerken, wo sie sich nächstens durch den Stoff bohren würden. Der Hut hatte viele Schlachten mitgemacht, wie ich bei näherer Besichtigung entdeckte, und doch leistete er mir noch lange Dienste, auch einem Lustspieldichter, den ich ihn geliehen, als er während der Erstaufführung eines seiner Stücke sich bereit hielt, etwaigen Hervorrufen Folge zu leisten. Er ging aufgeregt zwischen den Kulissen herum, als sich ein entscheidender Akt seinem Ende näherte und klappte fortwährend meine arme alte Windrose zu und ließ sie nervös wieder aufspringen, daß ich glaubte, sie müsse sich in ihre einzelnen Bestandteile auflösen, aber sie überdauerte noch sämtliche Hervorrufe in der Hand des Autors.

Meinen lieben Einhorn sah ich gewöhnlich die ganze Woche nicht, nur an Sonntagen kam er gewissenhaft, um gemeinsam mit mir nach Reisewitz zu gehen. Ich mußte ihm von den kleinen Theaterereignissen erzählen und in seiner Art zuzuhören, lag es wie ein stiller Vorwurf, daß ich dies alles ohne ihn erleben könne! Wenn er mich mit seinen traurigen Augen ansah, war mein Gewissen beschwert, daß ich ihn zur Waise gemacht. So dachte ich, wenn er neben mir herging, hatte mich aber das neue Leben gepackt, kam ich kaum dazu, an ihn zu denken. Er mußte das fühlen, und ich glaube, er haßte das Theater, als ich anfing es zu lieben. Von einem neuerlichen Besuch der Galerie wollte er nichts hören, man hatte ihn aus dem Paradies gewiesen, er empfand keine Sehnsucht zur Rückkehr. – Anfang August machte ich ihm die Mitteilung, daß ich Dresden verlassen und in die weite Welt gehen würde, nicht allzuweit, nur bis Chemnitz, wo ich, von Mitte September angefangen, für Naturburschen, kleine Liebhaber und kleine Gesangspartien gegen eine Monatsgage von sechzehn Taler engagiert sei. »Ähnliches habe er[69] vorausgesehen,« sagte er vor sich hin, »seine Abschiedsstunde werde auch bald schlagen, mit seinem Alten habe er wieder eine Unterredung gehabt; nächsten Sonntag werde er mir Gewisses sagen können.« Mit dem Sonntag kam die Gewißheit: der Maschinenbauer war an den Nagel gehängt, die Fabrik wurde nicht mehr besucht. Der Vater habe seinen Wünschen nachgegeben, er dürfe Seemann werden und Unterhandlungen seien im Zuge, ihn auf einem Ostindienfahrer als Schiffsjunge unterzubringen. Das kam alles hart und trotzig hinaus, aber als er mir die Nachricht brachte, das seine Angelegenheit geordnet sei und er in acht Tagen nach Hamburg fahre, um sich einzuschiffen, da konnte ich merken, wie butterweich es ihm uns Herz war – und mir auch.

Drei Geschenke gab ich ihm mit auf die Reise: englisches Pflaster, rosa und schwarz, für die vielen Verwunderungen, die er sich im Dienste zuziehen würde; ein Paket Tintenpulver, das, mit Wasser verrührt, die schwärzeste Kanzleitinte geben sollte, »denn ich will nicht,« sagte ich, um mich über die Rührung hinwegzuscherzen, »daß du die langen Briefe an mich mit deinem Blute schreibst. – Zuletzt nimm dieses Rasiermesser für Seeleute,« damit legte ich ihm eine Einwicklung in die Hand. Er entfernte die Papierhülle. »Ein Stein?«

»Ja – ein Bimsstein. Ich habe gelesen, daß sich Seeleute wegen des Schaukelns der Schiffe, nicht mit dem Messer rasieren, sondern die Bartstoppeln mit Bimsstein abreiben und da du bald in die Lage kommen wirst –«

»O, ich danke dir – sehr! – –«

Mit dem Sprechen wollte es nicht weiter gehen, wir schüttelten uns nur kräftig immer wieder die Hände. Unser Abschied war ein harter Kampf gegen jede Rührung, von der sich zwei Männer wie wir nicht packen lassen durften; die Tränen wurden nach innen geweint, die die Kehle überschwemmten. – Noch ein stummes Händeschütteln – und noch eines – dann kehrten wir uns rasch den Rücken und gingen auseinander – für immer.[70]

Aus Hamburg bekam ich einen Brief von ihm, kurz vor seiner Abfahrt mit Pulvertinte geschrieben, wie er konstatierte, aber – war das Präparat nicht gut, oder war er mit der Feder über feuchte Spuren gekommen? – Die Schrift war wässerig und verschwommen, daß sie kann zum entziffern war.

Leichter wurde die Trennung von den abschiedgewohnten Schauspielern, die frohen Sinnes in bessere Winterquartiere mit den fetteren Gagen abrückten.

Mich, den jungen Nestvogel, brachte der erste Ausflug schon in drei Stunden an Ort und Stelle, nach Chemnitz, zu dem originellsten aller Theaterdirektoren, zu Heinrich Obstfelder. Leider gab er dem Unternehmen nur seinen Namen, er führte das Direktionszepter nicht selbst, er hatte es einer jungen Kraft geliehen, nebst Fundus und Betriebskapital und wachte nur darüber, daß das Seinige hübsch beisammen blieb. Sein Faktotum, Herr Qualborn, der als Theaterschneider und kleiner Komiker angestellt war, gab mir ein Bild, wie es beim alten Obstfelder ausgesehen haben mochte. In alten Garderobenstücken, einem apfelgrünen Frack mit kurzen Schößen, eine Lederkappe auf dem Kopfe, waltete er vormittags seines Amtes als Schneider, nachmittags spielte er mit seinem alten Direktor Whist, abends Komödie und kleidete dabei auch seine Kollegen, die Schauspieler, an. Das Theatergesetzbuch, das Obstfelder verfaßt und den Verhältnissen seines Unternehmens angepaßt, hatte auch für Chemnitz Geltung und überraschte durch manchen originellen Paragraphen. »Es ist verboten im Theater geistige Getränke zu sich zu nehmen, jedoch ist bei strenger Kälte ein kleines Schnäpschen wohl gestattet.«

Über Winter spielte ich das Blaue vom Himmel herunter – alles durcheinander, meistens dramatisches Kleinzeug; auch eine Charakterrolle stellte ich auf die Füße, einen neunzigjährigen Sterndeuter, in dem Drama: »Der Mann mit der eisernen Maske.« Das sollte etwas Besonderes werden, drum stattete ich den alten Astrologen mit einer großen falschen[71] Hakennase aus, die sich auf der Bühne bei der Hitze so in die Länge zog, daß sie vor meinem Munde hin und her baumelte und die mir, zum Gaudium des Publikums, in der Hand kleben blieb, als ich sie wieder befestigen wollte.

Auch in der Oper stellte ich meinen Mann, in kleineren Gefangspartien; den Gipfel meines Ehrgeizes erklomm ich, als der berühmte Tenorist Tichatschek auf der Bühne meinen Schwiegersohn in spo darzustellen hatte. Dem unvergleichlichen Sänger hatte ich in Dresden überschwengliche Bewunderung gezollt, und dieser »alte Tenorlöwe mit den Bocksbeinen,« wie ihn ein Berliner Kritiker genannt, kam nun nach Chemnitz, um als Max im »Freischütz« zu gastieren und ich Glücklicher, durfte als Erbförster Kuno meine Hand auf seine Schulter lagen und ihn anfingen: »Mein Sohn, nur Mut, wer Gott vertraut, baut gut!« Der Sohn mag über den grasgrünen Schwiegervater gelächelt haben, aber ich war von der Ehre so bewegt, als hätte ich ihm meine Tochter anverlobt.

Ende März, als die Benefize für die Mitglieder abgespielt wurden, als die Kollekten für die Wanderkomödianten sich mehrten und die Hochachtung gegen die Direktion sich minderte – lauter Anzeichen für den heranrückende Palmsonntag, der den Kontrakten ein Ende machte und die Künstlergesellschaft auseinander sprengte – erhielt ich einen Brief von Einhorn, wieder, aus Hamburg. Er war nicht mit Pulvertinte geschrieben, hatte auch einen anderen Ton wie vordem. Ich erfuhr wenig von den Schicksalen meines Freundes und wurde auf baldige mündliche Aussprache vertröstet. »Ich habe nach langer Fahrt,« schrieb er, »mich mehrere Tage in Hamburg aufgehalten und sehr gut amüsiert, ich kann dir sagen, sehr gut! Nun muß ich eilig, auf einen Sprung zu meinem Alten heimreisen, der mich schon mehrere Tage erwartet, um dann gleich wieder nach Hamburg zurückzukehren, weil ich mich verheuert habe, diesmal als Leichtmatrose. Übermorgen am 22. mittags (das war morgen), komme ich durch Riefa, wo ich dreißig Minuten Aufenthalt habe. Sei so gut,[72] mich dort zu erwarten, du hast bis dahin nur eine 11/2stündige Eisenbahnfahrt, und bringe mir, bitte, einiges Geld mit, denn ich bin vollständig abgebrannt habe nur die Fahrkarte in der Tasche.«

Ich empfand es schmerzlich, daß Einhorn meine Verhältnisse ganz und gar verkannte. Er wußte nichts von der Kette, die mich an den Dienst fesselte. Den Tag Urlaub, den ich gebraucht hätte, erhielt ich nicht, konnte also meinen Freund unmöglich in Riefa erwarten. »Bringe mir, bitte, einiges Geld mit,« – das klang mir wie Hohn, der ihm gewiß nicht im Sinne lag; er wußte aber sicher nicht, wie schwer es war, sich mit sechzehn Taler Monatsgage durchs Laben zu schlagen. Die Telegraphie lag damals außer dem Bereich meiner Machtmittel, so kam es, daß Einhorn, der mich und das Geld in Riefa vergeblich erwartete, an einen Bruch der Freundschaft glauben mußte. Ihn trieb das Schicksal auf die See, ich wurde jahrelang in der Theaterwelt herumgewirbelt – bevor ich an einer ersten Bühne Fuß faßen konnte. Von meinem Freund Einhirn habe ich nie wieder etwas gehört.[73]

Quelle:
Schöne, Hermann: Aus den Lehr- und Flegeljahren eines alten Schauspielers. Leipzig [um 1903], S. 41-74.
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Geschichten aus dem Biedermeier II. Sieben Erzählungen

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Biedermeier - das klingt in heutigen Ohren nach langweiligem Spießertum, nach geschmacklosen rosa Teetässchen in Wohnzimmern, die aussehen wie Puppenstuben und in denen es irgendwie nach »Omma« riecht. Zu Recht. Aber nicht nur. Biedermeier ist auch die Zeit einer zarten Literatur der Flucht ins Idyll, des Rückzuges ins private Glück und der Tugenden. Die Menschen im Europa nach Napoleon hatten die Nase voll von großen neuen Ideen, das aufstrebende Bürgertum forderte und entwickelte eine eigene Kunst und Kultur für sich, die unabhängig von feudaler Großmannssucht bestehen sollte. Michael Holzinger hat für den zweiten Band sieben weitere Meistererzählungen ausgewählt.

432 Seiten, 19.80 Euro

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