Lacca

Gummi Lacca.
Gummi Lacca.

[595] Lacca.

Lacca.

frantzösisch, Lacque, oder Gommelacque.

teutsch, Lacc, Laccgummi.

Ist ein hartziges Gummi, hart, braunroth, hell und durchsichtig, wird zu uns aus Bengalen, Malabar und Pegu, so alle mit einander Provintzen in Ostindien sind, gebracht, und hanget an kleinen und langen, des Fingers dicken Stöcklein. Man will sagen, es würde von grossen geflügelten Ameisen bereitet, oder von Fliegen, die den gemeinen Fliegen ähnlich wären, die saugeten den besten Saft aus allerhand Bäumen, und legten ihn um die Zweige der Bäume, um die Stöcklein und Stücklein Rohr, welche die Einwohner der Orten hinstecken, damit sie dieses Gummi überkommen möchten. Wann nun[595] dieses Geschmeisse eine gute Menge dieser Materie, als wie die Bienen Wachs und Honig, zusammen getragen hätten, so begrüben sie sich darinne: alsdann beschütteten die Leute das Werck mit Wasser, damit es ein wenig sauber würde; liessen es hernachmahls von der Sonne bescheinen, die trocknete es, und gäbe ihm seine völlige Härte. Sodann zögen sie die Stöcklein wieder aus, schnitten denjenigen Theil, daran die Lacca sässe, herunter, und hüben es auf: und das heist nun Lacca in baculis, Laeque en bâton, Laccgummi auf Stäben.

Diejenige Lacca soll man erwehlen, welche recht hoch von Farbe, rein, hell und etwas durchsichtig ist, über dem Feuer zerschmeltzet, und einen lieblichen Geruch giebt, wann sie angezündet wird: die auch den Speichel roth anfärbet, wann man sie kauet: wie ingleichen dem Wasser, worinne man sie nebst ein und andern sauern kochen läst, eine gar schöne rothe Farbe mittheilet.

Mit eben dieser rothen Farbe sollen, wie gesagt wird, die Indianer ihre indianischen Tücher färben; dann sie im Wasser nicht ausgeht: die Leute in Levante sollen desgleichen den rothen Saffian mit derselben färben.

Die Lacca schmeltzet nicht im Baumöl, zergehet auch nicht in demselben, ob man sie schon zusammen, übern Feuer heiß läst werden, es nimmt das Oel die Farbe auch nicht an, und das Lacc bleibt auf dem Boden liegen, als ein gummoses, hartes, brüchiges und grümplichtes, braunrothes Wesen: zum Zeichen, daß es gar kein also reines Hartz nicht sey, wie dannoch ihrer viele sich einbilden wollen. Dann, wann es etwas dergleichen wäre, würde es gar bald in diesem Oel zergehen, als wie etwan mit andern Hartzen zu geschehen pflegt.

Wird auf die Lacca ein oleum æthereum, ein zart- und starckes Oel, dergleichen Spiritus Terebinthinæ, der Terpentinspiritus seyn mag, gegossen, und man lässet es in selbigen heiß werden, so gehet es gar anders damit her: dann, es bleibet wol ein guter Theil vom Gummi ungelöset, und zergehet nicht, das Oel aber bekommt davon eine rothe, in etwas gelblichte Farbe. Diese so unterschiedenen Wirckungen des Baumöls und des olei Terebinthinæ kommen daher, daß das oleum æthereum, oder der Spiritus Terebinthinæ mehr saures in sich enthält, als wie das Baumöl.

Wird der spiritus Vini rectificatus, der hoch rectificirte Weinspiritus auf das Laccgummi gegossen, so bekommt man eine blaßrothe Farbe, auf dem Boden des Gefäßes aber bleibt eine braunrothe, gummöse Materie zurück. Vermischt man diese Tinctur mit sieben oder acht mahl so viel Wassers, so giebt es eine Milch, und sondert sich ein weißgraues Hartz davon, und setzt sich auf den Boden nieder.

Die alkalischen liquores geben auch eine Farbe von der Lacca. Dann, wann auf dieses Gummi das oleum Tartari per deliquium, das Weinsteinöl, oder im Keller geflossene Weinsteinsaltz geschüttet und eine Weile darauf stehen gelassen wird, so überkommt der liquor eine purperhafte Farbe; wird dann diese Tinctur von dem Rest und Hefen abgegossen, und ein wenig Vitriolspiritus darein geschüttet, oder sonst ein ander acidum, so entstehet eine geringe ebullition und Aufwallung, hernach fällt eine braune[596] hartzige Materie zu Boden. Das Sal alkali thut bey dieser letztern operation uñ bey der Lacca eben dasjenige, was der Weinspiritus gethan, dann es zertheilt und löset dessen fett- und hartzigte Theile auf.

Hieraus ersiehet man, wie daß die schweflichten liquores, zusamt den alkalinischen und sauren liquoribus, das Gummi Laccæ vermögen aufzulösen: doch stehet dabey auch zu mercken, wie daß die Lacca zwar den schwachen saueren liquoribus die Farbe giebet, nicht aber auch den stärckern sauern Dingen. Ich habe selbst den Vitriol- und Salpeterspiritus darauf gegossen, und viele Tage stehen lassen; so hat es sie nicht in dem mindesten gefärbet, iedoch die seinige dabey verlohren, und da es zuvorhero roth gewesen, ist es in einem ieden dieser sauren Spiritus gantz bleichgelb worden.

Das Lacgummi führet viel Oel, ein wenig flüchtiges Saltz, Erde und phlegma.

Es ist durchtringend, zertreibet, eröffnet und reiniget: es reiniget das Geblüte, treibet den Schweiß und der Weiber monatliche Reinigung: es machet einen freyen, leichten Athem, widerstehet den bösen Feuchtigkeiten, und bevestiget das Zahnfleisch.

Bey den Materialisten findet man ein Laccgummi, Plattlacc genannt, das ist vom andern sonst nicht unterschieden, ohne daß es von den Stöcklein abgenommen, gewaschen, geschmoltzen, und auf einen Marmelstein ausgegossen worden ist. Es siehet wie das Glas vom Antimonio.

Auch findet man eine körnigte Lacca, frantzösisch, Lacque en grain oder en petits morceaux, lateinisch, Lacca in granis, teutsch, granirte, granulirte Lacca genannt; allein, sie ist gemeiniglich von keiner solchen Güte, wie die andre: sondern sie ist nichts anders als der grobe Uberrest von diesem Gummi, aus dem die Holl- und Engländer das best- und reineste gesucht, davon sie ihre Farbe und Tinctur bereiten. Diese granulirte Lacca wird zum Siegelwachs gebraucht.

Das indianische Siegelwachs wird von Laccgummi bereitet, welches geschmoltzen und mit Zinnober angefärbet wird. Es ist um ein gar grosses besser als dasjenige, welches in Franckreich gemachet wird, dieweil es von gutem Gummi Lacca verfertigt wird. Dahingegen machen sie das frantzösische insgemein von schlecht- und liederlicher, granulirter Lacca, Hartz, Zinnober und einigen andern Dingen, darauf sich, die es machen, wol verstehen. Die Indianer machen ans ihrer gefärbeten Lacca, eine überaus harte, sehr schöne rothe Massa, und aus der elbigen Armbänder, welche sie Manilles nennen.

Das schwartze Siegelwachs wird mit Rus gefärbet.

Das gelbe Siegelwachs, welches siehet, als ob es mit Goldfüncklein durchworffen wäre, bekommet diese Farbe vom Operment, das sie darunter gemischet haben.

Das Siegelwachs soll man erwehlen, welches schön ist, fein dicht und gleich, sauber, von einer schönen hohen Farbe, gleissend, und das im Munde leicht weich wird, beym Feuer aber bald zerschmeltzet, auch dergestalt auf dem Papire veste klebt, daß man es unzerrissen nicht herunter bringen kan. Es wird auch spanisches Wachs, Cire d'Espagne, genennet.

Der Tittel Lacca, ist noch andern trocknen Massen[597] mehr gegeben worden, derer sich die Mahler in Mignatur und Oel bedienen. Die so genannte Lacque sine de Venise, feine Venedische Lacca, wird von dem Uberrest der Cochenilla Mesteca zugerichtet, nachdem sie den ersten Carmin daraus gezogen haben. In Paris wird sie sehr fein gemacht, daß man nicht ferner nöthig hat, sie von Venedig her zu bringen. Es werden aber gantz kleine Küchlein daraus bereitet, die sich gar leicht zerreiben lassen, und eine dunckelrothe Farbe haben.

Welche Lacque colombine, Lacca columbina, und Lacque plate, Plattlacc genennet wird, dieselbige bereiten sie aus Scheerwolle von Scharlach, welche sie in einer Lauge von weisser Suda mit Kreide und Alaune sieden lassen. Aus dieser Massa machen sie kleine Täflein und lassen sie trocken werden. Zu Venedig wird sie besser, als sonst irgendswo gemacht.

Sie muß fein reine seyn, oder doch zum wenigsten, so wenig sandig, als es nur seyn will, und eine hohe Farbe haben.

Lacque liquide, Lacca liquida, flüßige Lacca, heist bey den Mahlern eine gewisse Tinctur, welche sie aus dem Brasilienholtze ausgezogen haben.

Quelle:
Lemery, Nicholas: Vollständiges Materialien-Lexicon. Leipzig, 1721., Sp. 595-598.
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